Schon wieder ein Trend, der nicht glücklich macht

Ob du grad glücklich bist oder nicht – heute ist internationaler Tag des Glücks!

Das Glück fragt nicht, ob es grad passt. Oder mindestens der Weltglückstag fragt nicht nach unserem aktuellen Glücksempfinden, der Tag kommt in zuverlässiger Regelmässigkeit ohne Nachfrage an jedem 20. März.

Zugegeben: Bei mir passt’s grad nicht. Ich habe eine volle Woche mit super intensiven Sitzungen, an denen wir uns mit sehr anspruchsvollen Themen auseinandersetzen (müssen).

«Tja, lieber Herr Glücksautor, jetzt können Sie mal zeigen, ob Ihre Theorien mehr sind als blosses Schönwettergeschwätz!» hör ich da schon die ersten liebevollen Sticheleien.

Glück ist kein Zustand und mehr als ein Gefühl, Glück ist mehr Lebenseinstellung und hat viel mit unserer Lebensgestaltung zu tun – unabhängig unserer Lebensumstände.

Genau davon bin ich überzeugt. Und trotzdem wäre es unehrlich, zu verleugnen, dass all das an einem schönen Sommertag beim gemeinsamen Grillieren im Garten mit Herzensmenschen leichter fällt, als wenn sich körperliche oder finanzielle Herausforderungen oder Beziehungsprobleme breitmachen.

Ich bin überzeugt, dass es Glück in Form von Lebenszufriedenheit gibt, die mehr ist als ein wohliges Gefühl. Vielleicht eher die Frage danach, ob ich mich und mein Leben als lebenswert beurteile. Finde ich Sinnhaftigkeit in meinem Sein?

Damit meine ich nicht das Herbeireden eines Sinnes in so manch Sinnlosem wie den Kriegen auf der Welt, dem Unrecht, das uns angetan wird, oder dem plötzlichen Tod eines Familienmitgliedes.

Nein, was ich mit Sinnhaftigkeit meine, ist im grösseren Bogen zu denken: Gibt es etwas in meinem Leben, wofür es sich zu leben lohnt? In meinem Buch Glück finden – hier und jetzt nenne ich dies den Wind im Windrad. Ein Windrad ohne Wind anzutreiben, ist anstrengender Energieverschleiss. Unsere Lebensbereiche wie Arbeit, Familie und Sozialleben selber antreiben zu müssen, ist kräfteraubend, laugt aus. Der Wind hat hier oft mit dem grossen WHY zu tun. Und wenn es uns Energie gibt, statt bloss Energie zu rauben.

Zwischen Longevity-Boom und Exit

Letzten Sonntag predigte ich zum Thema «Wann ist ein Leben lebenswert?». Dabei ging es einerseits darum, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde und einen bedingungslosen Wert in sich trägt – «Du bist eine Perle!». Anderseits stellten wir uns auch der überaus herausfordernden Frage, was denn Würde und wertvolles Leben am Lebensende bedeuten. Kann Exit zur Variante werden, wenn mensch lebenssatt geworden ist?

Während meinen Predigtvorbereitungen poppten in den Medien grad mehrere Berichte über den Longevity-Boom auf: Geht es darum, möglichst lange zu leben? Ist ein langes Leben wertvoller? Ist das der Sinn des Lebens?

Für mich nicht. So gerne ich dieses Leben auch habe.

Doch dieser Trend zum gesunden Lebensstil, der schnell exzessive oder gar wahnhafte Züge annimmt, ist nichts für mich. Überhaupt glaube ich, dass alles, was exzessiv betrieben wird, irgendwann nicht mehr gesund ist – es ist nicht der Weg ins Glück, sondern der Weg ins Suchtverhalten.

SRF zitiert in Beiträgen über den Longevity-Trend den Philosoph Robert Pfaller:

Wer immer nur vernünftig ist,
der ist unvernünftig.

Und weiter gab Robert Pfaller zu bedenken, dass wir das Leben nicht auf morgen verschieben sollen, sondern besser so leben, «dass man die Veranstaltung hier auf Erden jederzeit verlassen kann, ohne etwas zu bereuen».

Dieser Ansatz gefällt mir: Schon im Kohelet wird gemahnt, es im Leben nicht zu übertreiben, auch nicht mit dem Frommsein.

In dem Sinn: Happy Weltglückstag. Lebe dein Leben – ob’s sich grad wundervoll oder anspruchsvoll anfühlt. Es ist dein Leben, deine Lebenszeit!

Glücksaufgabe

Was macht dein Leben wertvoll, kostbar, lebenswert?

Und was sind die Perlen in deinem Leben?

Du bist eine Perle! – Was macht dieser Satz mit dir?

Auf der Suche nach dem Glück

Kommenden Montag ist – wie jedes Jahr am 20. März – Weltglückstag. Gut, dass es diesen UNO-Tag des Glücks gibt und wir daran erinnert werden, wie zentral für unsere persönliche und gesellschaftliche Entwicklung das subjektive Wohlbefinden ist. In der Resolution 66/281 zum Weltglückstag anerkennen die Vereinten Nationen die «Notwendigkeit eines inklusiveren, gerechteren und ausgewogeneren Konzepts für Wirtschaftswachstum, das die nachhaltige Entwicklung, die Armutsbeseitigung, das Glück und das Wohlbefinden aller Völker fördert.» (Quelle)

Ein ganzheitliches Konzept des menschlichen Seins und Wohlbefindens setzt also nicht einseitig auf Wohlstand. Wohlbefinden ist eben mehr als ein fettes Bankkonto.

Wenn ich an unsere Prioritätenlisten denke, vermute ich, dass ein Weltglückstag pro Jahr nicht reicht. Um nicht zu sehr auf die Zahlen (der internationale Tag der Mathematik ist übrigens am 14. März) fixiert zu sein, ist ein regelmässiger Blick auf das, was nachhaltig unser Glück fördert mehr als angebracht.

Zum Beispiel ist ein guter Umgang mit sich selbst von so grosser Bedeutung, dass man inzwischen auch bei uns darüber nachdenkt, Glück als Schulfach in der Volksschule einzuführen – wie ich diese Woche erfreut an einer Sitzung mit Kader der BKD (Bildungs- und Kulturdirektion, Kanton Bern) erfuhr.

Was glückliche Menschen auszeichnet

Mit meinem GlücksBlog lade ich 14täglich dazu ein, konkret nach dem zu fragen, was uns im Alltag zufriedener und erfüllter macht. Aber vielleicht ist es ganz gut, einmal im Jahr ganz grundsätzlich daran zu erinnern, was glückliche Menschen auszeichnet:

Geld ist kein Glücksmotor, darin sind sich die Vertreter der Positiven Psychologie einig. Einigkeit herrscht auch darüber, was dagegen den glücklichen Menschen auszeichnet. Die Merkmale des zufriedenen Menschen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erfülltes Liebes- und Familienleben: Sie verbringen viel Zeit mit Menschen, die ihnen wichtig sind. Sie pflegen Freundschaften und gestalten ihr Liebes- und Familienleben aktiv.

Sinnerfüllte Tätigkeit: Sie gehen einer Aufgabe nach, die ihren Talenten und Interessen entspricht und mit der sie einen Unterschied auf dieser Welt machen können.

Reiches Sozialleben: Sie bringen sich als aktiven Teil in die Gesellschaft ein – sei dies in Beziehungen oder in freiwilligem Engagement für ihre Mitmenschen.

Bewusste Selbstführung: Sie sind mit sich im Reinen, blicken optimistisch in die Zukunft und pflegen einen dankbaren und achtsamen Lebensstil.

Gelebte Spiritualität: Sie verstehen sich als Teil des großen Ganzen. Ihr Leben hat Bedeutung, weil sie sich im Dienst einer höheren Sache verstehen.

Quelle: «Glück finden – hier und jetzt», Stefan Gerber

Nachhaltiges Glück – oder besser: echte Lebenszufriedenheit – erlebe ich dort, wo ich mit diesen fünf Aspekten des Lebens versöhnt bin. Es muss nicht alles goldig glänzen, aber es lebt sich deutlich zufriedener, wenn ich mich mit dem Schönen und Schwierigen in meinem Leben versöhne.

Die Bibel spricht hier von Shalom und meint damit ein Friede, der viel mehr ist als ein Waffenstillstand. Ja, ein Glück, das letztendlich das Irdische überragt. In der Worterklärung umschreibt es die BasisBibel so: «Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht.»

Das wünsch ich uns zum diesjährigen Weltglückstag – mitten in die globalen und persönlichen Krisen unserer Zeit.

Glücksaufgabe

Eine Bestandesaufnahme und eine Glücksaktivität gebe ich dir auf dem Weg zum Weltglückstag mit:

Wie zufrieden bist du gegenwärtig in den fünf obgenannten Bereichen? Top, soso lala, Flop? Bewerte gerne auch jeden Bereich mit einer Zahl von 1 – 10.

In meinem Buch stelle ich 16 Glücksaktivitäten vor, unter anderem steht da «Gemeinschaft: Liebe geben und empfangen» oder auch «Achtsamkeit». Per anfangs Jahr habe ich eine neue Funktion übernommen und führe derzeit sehr viele Gespräche und lerne Menschen mit ihrer Geschichte kennen. Was mir immer wieder auffällt: So viele fühlen sich «übersehen», nicht beachtet, gar vergessen.

Darum meine Einladung an dich: Sei achtsam – nimm dich und deine Mitmenschen wahr. Horche in dich hinein, um zu erfahren, wie es dir wirklich geht. Und frag nach bei den Menschen in deinem Umfeld, wie es ihnen geht, wirklich geht!