Mein Onkel war Prediger in einer Mennoniten Gemeinde, in der wir als Familie Teil davon waren.
Gleichzeitig wohnten meine Grosseltern sowie mein Grossonkel im Gemeindegebäude. So kam es, dass wir nach dem Gottesdienst «salzstängelimampfend» im Wohnzimmer des Grossonkels Dani Skirennen im Fernseher verfolgten.
Und wenn der EHC Biel am Vorabend ein Spiel hatte, war dies ein beliebtes Gesprächsthema vor dem Gottesdienst.
Das fand mein Onkel, der Prediger, weniger lässig und forderte uns heraus: Geht es euch eigentlich um Gott oder sind die Sportresultate wichtiger?
Das ist sehr lange zurück.
Die Welt hat sich verändert.
Und wir schauen nicht mal mehr gemeinschaftlich Skirennen – wie früher im Wohnzimmer von «Onkel Dani» oder in der Berghütte mit dem viel zu kleinen Fernsehgerät während den Skiferien …
Aber die Frage ist wohl dieselbe geblieben: Wo kommen wir zur Ruhe? Wo finden wir Stille («Einkehr»), wenn sogar der Gottesdienst vom «Lärm vo dr Stadt» überlagert wird?
Jesus hat gesagt:
«Kommt zu mir,
ihr alle,
die ihr euch abmüht und belastet seid!
Ich will euch Ruhe schenken.»(Die Bibel, Matthäus 11,28)
Ruhe meint da auch Frieden,
inneren Frieden.
Bei mir sein,
bei Gott sein.

Bei allem «Lärm vo dr Stadt», bei allem, was uns umtreibt, wo wir gefragt sind, bei all den vielen Terminen und News sind diese Momente der Stille, der Ruhe, des Friedens, der Begegnung mit Gott bei vielen stark umkämpft.
Ziemlich sicher wüssten wir, was uns gut täte.
Doch wie oft tun wir genau das?
Wo kann ich echt sein?
Letzten Sonntag wagten wir im gms mal wieder ein Experiment: Wir sind mit dem Gottesdienstformat «UNPLUGGED» gestartet. Damit wollen wir genau einen solchen Ort der Ruhe, einen Moment der Stille schaffen.
Und mehr noch: Wir haben den Anspruch, dass wir wie in der Unplugged-Musik (wo wir den Begriff geliehen haben und Akustische-Konzerte gemeint sind) mit diesem neuen Format zu weniger Schein, dafür mehr Sein inspirieren.
Raum für Echtsein und Raum für echte Begegnungen.
Klingt gut – doch wo erleben wir das wirklich?
Von Safe Places, offenen und echten Begegnungsräumen zu träumen, ist das eine. Diese bunte, versöhnte Tischgemeinschaft auch wirklich zu finden, ist das andere.
Diesen Traum teilen wir mit Jesus, der uns diese Tischgemeinschaft vorgelebt und gelehrt hat. Beispielsweise in der Gleichnisgeschichte vom Festmahl: Im Gleichnis soll der Diener Verkrüppelte, Arme, Blinde von überall her an den Festtisch bringen.
Wer sind die Verkrüppelten unserer Zeit?
Vielleicht wir alle:
Menschen, die kaum zur Ruhe finden.
Menschen, die psychisch angeschlagen sind.
Menschen, die leiden, Schmerzen in sich tragen.
Menschen, die verängstigt durch die Welt gehen.
Menschen, bei denen nicht alles «am Schnüerli louft».
Menschen auf der Suche nach Liebe, Hoffnung und Glauben.
Und diese bunte, versöhnte Tischgemeinschaft stelle ich mir als Echte Gemeinschaft ohne Masken vor: «nicht perfekt, nicht geschniegelt, sondern wahrhaftig. Das eröffnet einen Raum, in dem Glauben nicht performt, sondern geteilt wird.»
Glücksaufgabe
Stell dich dem Realitycheck:
Wo komme ich zur Ruhe?
Habe ich eine solche «versöhnte Tischgemeinschaft»?
Wo kann ich echt sein?
Wo fühl ich mich «safe»?
Um den Traum einer Kirche als «Safe Place» und Leuchtturmprojekt dreht sich die Matinée-Themenserie I HAVE A DREAM. In der ersten Predigt, die du hier nachhören kannst, ging es um die bunte Tischgemeinschaft:











