In den letzten Tagen beschäftigte ich mich immer wieder mit der Frage nach unserer Sehnsucht, dem USP (Unique Selling Point / Alleinstellungsmerkmal / Einzigartigkeit) von Kirche und einer konkreten Friedenstheologie.
Zuerst durfte ich letzten Samstag einen Workshop für eine Gemeindeleitung gestalten und bediente mich dazu wieder einmal bei den genialen Sehnsuchtsgedanken von Lorenz Marti in seinem Buch «Türen auf!»:
Jetzt über das grosse Wasser fahren!
Fahren bis ganz ans Ende der Meere
und dabei alles erfahren, alles.
…
Um die Sehnsucht geht es.
Mit ihr beginnt alles.
Sie ist der Schlüssel,
und sie ist der Weg.
Was ist unsere Sehnsucht? Und welcher Sehnsucht begegnen wir als Kirchgemeinde? Will die Kirche Zukunft haben, muss sie unbedingt den Sehnsüchten und Nöten der Menschen begegnen.
Und wenn diese Sehnsüchte und Nöte mit unserer Einzigartigkeit als Gemeinschaft zusammentreffen, kann Wunderbares entstehen.
So sind wir bereits beim USP: Was zeichnet uns als Gemeinschaft ganz besonders aus? Was sind oder können wir und was ist uns anvertraut, das zum Segen für andere werden will?
In besagtem Workshop kamen wir zum Schluss, dass wir den Mitmenschen womöglich einen grösseren Dienst tun, wenn wir nicht wie die Werbung einfache Lösungen auf Probleme versprechen, sondern mit ihnen die Fragen des Lebens aushalten – als anteilnehmende Wegbegleitende statt rat-schlagende Wegweisende.
Auf komplexe Fragen des Lebens und notvolle Herausforderungen gibt es selten schnelle oder einfache Antworten und kaum Einheitslösungen.

Das war uns auch allen bewusst an der Pfarrweiterbildung, als wir erst mit Lukas Amstutz und danach mit Christine Schliesser über Friedenstheologie und -ethik nachdachten: «Wir können aus uns heraus nicht Frieden schaffen, Gott ist es, der Frieden stiftet – und wir können daran teilhaben», gab Lukas Amstutz zu bedenken.
Frieden ist komplex. Und so sonderlich die von Jesus propagierte Feindesliebe anmutet, genau das war oder könnte der USP der Gemeinschaft der Jesus Nachfolgenden sein.
Eine Ahnung davon, was passieren kann, wenn Opfer und Täter:innen zusammen die Verantwortung für eine Kuh übertagen wird, wurde uns eindrücklich durch den Bericht zur Aufarbeitung des Völkermords aus Ruanda von Christine Schliesser vermittelt.
All dies mündete in den sogenannten «Abend der Dienstgemeinschaft», an dem wir als Pfarrpersonen wieder zurück zu uns ganz persönlich kamen mit dieser einladenden Einführung (Danke, liebe abtretende Vorsitzende der Dienstgemeinschaft!): «Heute Abend geht es um euch, um dich: um deinen Durst nach Leben, der in der ein oder anderen Frage aufleuchtet und in der Frage mehr als in einer fertigen Antwort. Und es geht um dich und Gott, die ihr miteinander verbunden seid – in allem Fragen und Wissen, in allem Leiten und gerne mal Abgeben, in allem Suchen und Finden.»
Und diese Fragen, denen wir uns persönlich stellten und die ursprünglich von «Deiner Cousine» stammen, gebe ich dir gerne weiter:
Glaubst du an Wunder, glaubst du an dich selbst?
Sag, was dir mehr Wert ist, ist es Liebe oder Geld?
Was hält dich am Leben, wenn’s zum Träumen nicht mehr reicht?
Kannst du noch vertrauen, kannst du noch verzeihen?
Glaubst du wirklich, dass die Zeit die Wunden heilt?
Oder glaubst du, dass ’ne Narbe ewig bliebt?
Renn ich um mein Leben oder renn ich vor die Wand?
Hör ich auf mein Herz oder auf meinen Verstand?
Und kann ich wirklich ehrlich, ehrlich zu mir sein?
Diese Beschäftigung mit mir selbst hilft mir dann auch im aufrichtigen Umgang mit meinem Gegenüber. Dazu bleibt mir das Bild der beiden Hände hängen: Die ausgestreckte Hand, die Einlassen auf meinen Mitmenschen signalisiert, und die „Stopp-Hand“, die meine Grenzen markiert. Beides braucht es, um ein bisschen mehr Liebe zu leben.
Glücksaufgabe
Und noch zwei, drei weitere Fragen:
Was ist deine Sehnsucht?
Was zeichnet dich ganz besonders aus?
Was bist oder kannst du und was ist dir anvertraut,
das zum Segen für andere werden will?
Denn: Wir Menschen und unsere Welt brauchen #einbisschenmehrLiebe!!










