Schon wieder ein Trend, der nicht glücklich macht

Ob du grad glücklich bist oder nicht – heute ist internationaler Tag des Glücks!

Das Glück fragt nicht, ob es grad passt. Oder mindestens der Weltglückstag fragt nicht nach unserem aktuellen Glücksempfinden, der Tag kommt in zuverlässiger Regelmässigkeit ohne Nachfrage an jedem 20. März.

Zugegeben: Bei mir passt’s grad nicht. Ich habe eine volle Woche mit super intensiven Sitzungen, an denen wir uns mit sehr anspruchsvollen Themen auseinandersetzen (müssen).

«Tja, lieber Herr Glücksautor, jetzt können Sie mal zeigen, ob Ihre Theorien mehr sind als blosses Schönwettergeschwätz!» hör ich da schon die ersten liebevollen Sticheleien.

Glück ist kein Zustand und mehr als ein Gefühl, Glück ist mehr Lebenseinstellung und hat viel mit unserer Lebensgestaltung zu tun – unabhängig unserer Lebensumstände.

Genau davon bin ich überzeugt. Und trotzdem wäre es unehrlich, zu verleugnen, dass all das an einem schönen Sommertag beim gemeinsamen Grillieren im Garten mit Herzensmenschen leichter fällt, als wenn sich körperliche oder finanzielle Herausforderungen oder Beziehungsprobleme breitmachen.

Ich bin überzeugt, dass es Glück in Form von Lebenszufriedenheit gibt, die mehr ist als ein wohliges Gefühl. Vielleicht eher die Frage danach, ob ich mich und mein Leben als lebenswert beurteile. Finde ich Sinnhaftigkeit in meinem Sein?

Damit meine ich nicht das Herbeireden eines Sinnes in so manch Sinnlosem wie den Kriegen auf der Welt, dem Unrecht, das uns angetan wird, oder dem plötzlichen Tod eines Familienmitgliedes.

Nein, was ich mit Sinnhaftigkeit meine, ist im grösseren Bogen zu denken: Gibt es etwas in meinem Leben, wofür es sich zu leben lohnt? In meinem Buch Glück finden – hier und jetzt nenne ich dies den Wind im Windrad. Ein Windrad ohne Wind anzutreiben, ist anstrengender Energieverschleiss. Unsere Lebensbereiche wie Arbeit, Familie und Sozialleben selber antreiben zu müssen, ist kräfteraubend, laugt aus. Der Wind hat hier oft mit dem grossen WHY zu tun. Und wenn es uns Energie gibt, statt bloss Energie zu rauben.

Zwischen Longevity-Boom und Exit

Letzten Sonntag predigte ich zum Thema «Wann ist ein Leben lebenswert?». Dabei ging es einerseits darum, dass jeder Mensch eine unantastbare Würde und einen bedingungslosen Wert in sich trägt – «Du bist eine Perle!». Anderseits stellten wir uns auch der überaus herausfordernden Frage, was denn Würde und wertvolles Leben am Lebensende bedeuten. Kann Exit zur Variante werden, wenn mensch lebenssatt geworden ist?

Während meinen Predigtvorbereitungen poppten in den Medien grad mehrere Berichte über den Longevity-Boom auf: Geht es darum, möglichst lange zu leben? Ist ein langes Leben wertvoller? Ist das der Sinn des Lebens?

Für mich nicht. So gerne ich dieses Leben auch habe.

Doch dieser Trend zum gesunden Lebensstil, der schnell exzessive oder gar wahnhafte Züge annimmt, ist nichts für mich. Überhaupt glaube ich, dass alles, was exzessiv betrieben wird, irgendwann nicht mehr gesund ist – es ist nicht der Weg ins Glück, sondern der Weg ins Suchtverhalten.

SRF zitiert in Beiträgen über den Longevity-Trend den Philosoph Robert Pfaller:

Wer immer nur vernünftig ist,
der ist unvernünftig.

Und weiter gab Robert Pfaller zu bedenken, dass wir das Leben nicht auf morgen verschieben sollen, sondern besser so leben, «dass man die Veranstaltung hier auf Erden jederzeit verlassen kann, ohne etwas zu bereuen».

Dieser Ansatz gefällt mir: Schon im Kohelet wird gemahnt, es im Leben nicht zu übertreiben, auch nicht mit dem Frommsein.

In dem Sinn: Happy Weltglückstag. Lebe dein Leben – ob’s sich grad wundervoll oder anspruchsvoll anfühlt. Es ist dein Leben, deine Lebenszeit!

Glücksaufgabe

Was macht dein Leben wertvoll, kostbar, lebenswert?

Und was sind die Perlen in deinem Leben?

Du bist eine Perle! – Was macht dieser Satz mit dir?

Warum ich meinen Glauben aufgegeben habe

Ich gebe zu: Die entscheidende Weggabelung auf meiner geistlichen Reise hin zu einem weiten Glauben und einer progressiven Theologie hatte, wie bei vielen anderen, auch bei mir mit der «Schwulenfrage» zu tun.

Irgendwann entdeckte ich die Lieblosigkeit in meinem evangelikal geprägten «Ja, aber …»-Denken: Du darfst sein wie du bist, aber lebe es einfach nicht aus.

Erst viel später entdeckte ich, wie zynisch ein solches Denken ist: Gott hat dich wunderbar geschaffen so wie du bist. Finde deine Identität (in Gott) – doch liebe nicht so, wie es deiner Identität entspricht …

Ja, die Sexualmoral ist ein Lieblingsstreitthema zwischen evangelikalen und postevangelikalen Christ:innen.

Doch seit ich meinen evangelikalen Glauben aufgegeben habe, entdecke ich noch so viel mehr – und theologisch viel bedeutendere – Gebiete, in denen die neue Weite mich zu einem befreiten, fröhlichen Glauben führt.

Apropos «fröhlich Glauben»: Das kam mir schon in meiner evangelikalen Zeit komisch vor. Da wird von Freude und Fröhlichkeit gepredigt, gesungen und geredet. Im Alltag beobachtete ich dann eher eine verknorzte Zwanghaftigkeit.

Überhaupt kommt mir so vieles abstrakt und lebensfremd vor, was ich früher glaubte: Das Konzept von Sünde, Blut und Opferlamm blieb trotz emotionalen Worshipsongs – und Theologiestudium! – irgendwie fremd für mich. Natürlich hätte ich das nie zugegeben, glaubte ja selbst daran, dass das Kreuzesgeschehen der ultimative Liebesbeweise Gottes ist, da er wegen mir und meinen Fehltritten seinen Sohn für uns Menschen opferte …

Doch was ist das für eine Begnadigung, wenn diese Gnade von einem «Gegengeschäft» abhängig ist? «Vergeben bedarf keiner Gegenleistung, man muss nur spüren, dass es von Herzen kommt», lese ich im inspirierenden Roman Die Passion von Amélie Nothomb.

Der Entmenschlichung entgegenwirken

Nein, den Glauben an eine liebende Gottheit habe ich nie aufgegeben und ich habe auch keine Dekonstruktion mit Paukenschlag hinter mir. Meine Glaubensentwicklung ist ein lebenslanger Prozess. So wurde das Evangelium für mich ganzheitlicher, die Theologie weiter und der Glaube befreiender – und so löste ich mich aus dem engen Korsett.

Enge – und tötende Regeln – wirken nieder-schlagend und nehmen uns den Schnauf. Weite – und lebensfördernde Haltungen – wirken auf-bauend und bringen uns zum Blühen.

Neben diversen Podcasts wie Hossa-Talk und Jetzt wird’s persönlich von Klaus-André Eickhoff sind in besonderem Masse die Bücher von Martin Benz wertvolle Reisebegleiter in meinem geistlichen Unterwegssein.

So erstaunt es nicht, dass die Impulse von Martin an der 3×3 Konferenz «Weit glauben – und trotzdem Gemeinde?!» nachhallen.

Menschen aus der Entmenschlichung führen, dieser Gedanke von Martin hat mich sehr angesprochen: «Es geht nicht einfach darum aus Menschen Christen zu machen, sondern aus Menschen wieder Menschen zu machen.»

Etwas geistlich Abstraktes wird für mich greifbar und ist mehr konkrete Lebenshilfe als dogmatisches Gedankengebilde: «Sünde ist nicht einfach die Übertretung eines einzelnen Gebotes, sondern die Entmenschlichung des Menschen.»

Passend dazu lese ich am Tag nach der Konferenz in der Badewanne liegend meine Sonntagslektüre (NZZ am Sonntag):

Saskia Niño de Rivera … hat rekonstruiert, wie dort in den Bergen Jugendliche gezielt traumatisiert und entmenschlicht werden: «Am Anfang bekommen sie einen Hundewelpen geschenkt, den sie aufziehen und nach 30 Tagen eigenhändig umbringen müssen», erzählt Niño de Rivera im Interview. «Das zerstört ihre Persönlichkeitsstruktur. Sie sind später kaum in der Lage, Ereignisse chronologisch zu ordnen oder Empathie für jemand zu empfinden.»

Entmenschlichung – wir kennen sie, im Kleinen wie im Grossen.

Da träume ich gerne mit Martin Benz und anderen von Gemeinden, in denen nicht die Bekehrung zu irgendwelchen abstrakten Glaubenssätzen im Zentrum steht, sondern das Angebot Jesu, uns wieder zu Menschen zu machen.

Glücksaufgabe

Wie du bestimmt bemerkt hast, habe ich nicht wirklich meinen Glauben aufgegeben, sondern meine evangelikale Prägung überwunden.

Vieles hat sich über die Jahre in meinem Leben und Glauben verändert und ich mag für meine früheren Freund:innen inzwischen zu wenig fromm (oder schlimmeres) sein. Doch eines kann ich mit Überzeugung sagen: Ich bin begeistert wie selten zuvor von meinem Glauben. Er ist keine Mogelpackung mehr. Ich muss nicht Menschen etwas «verkaufen», was sie gar nicht wollen.

Ich suche nach Glück im Sinn von Lebenszufriedenheit und Shalom. Und weisst du was? Genau das wünscht sich die bedingungslose göttliche Liebe für uns. Nein, nicht irgendwelchen Wohlstand, sondern blühendes Leben für alle.

Wo macht dich dein Glaube glücklich?
Und wo vielleicht das Gegenteil davon?

Kama was?

Hast du schon mal von Kama Muta gehört? Wenn ja, hast du eventuell einer der letzten beiden Gottesdienste vom gms seeland besucht.

In unserer Serie «Nice to meet you – schön, dich zu sehen!» stand das Thema «Wer ist deine Familie?» auf dem Programm. Als Einstieg machte uns die Moderatorin mit dem psychologischen Konzept von Kama Muta bekannt.

Kama Muta ist ein Begriff aus dem Sanskrit, einer altindischen Hochsprache, und meint «von Liebe bewegt» oder «tief berührt sein». Inzwischen wird der Begriff in der Psychologie genutzt, um eine spezifische Emotion zu benennen.

Für mich war der Begriff neu – und ich vergass die genaue Bezeichnung auch vorzu. Doch mein Interesse war geweckt. Einerseits, weil die Ausführungen von Annika, unserer Moderatorin, sehr gut zum Gottesdienstthema passten. Und anderseits, weil ich überrascht war, im meiner Auseinandersetzung mit der Positiven Psychologie und Glücksforschung noch nicht darauf gestossen zu sein.

Klar war schon nach der Einstiegsmoderation von Annika: Es geht hier um eine soziale Funktion, um ein Gefühl tiefer Verbundenheit in unserem zwischenmenschlichen Unterwegssein.

Doch um in kurzer Zeit noch etwas mehr zu erfahren, musste ich KI bemühen:

«Dieses Gefühl stärkt das Empfinden von Gemeinschaft und Nähe und kann Menschen motivieren, Beziehungen zu pflegen und sich füreinander einzusetzen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Kama Muta in vielen Kulturen vorkommt und damit eine weitgehend universelle menschliche Emotion ist.»

Wie in meiner Predigt «Wer ist deine Familie?» geht es also um das Aufgehobensein in der Gemeinschaft. Und wie in einer guten Familie hat diese Erfahrung nicht nur positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft selbst, sondern auch auf das individuelle Wohlbefinden:

«Kurzfristig geht Kama Muta mit einem gesteigerten Gefühl von Verbundenheit, Autonomie und Kompetenz einher, was das subjektive Wohlbefinden in Beziehungen erhöht. Wiederholte Erfahrungen solcher verbindenden Momente können langfristig stabilere, erfüllendere soziale Bindungen begünstigen.»

Leider zeigen Studien auch, dass diese Art von tiefer Freundschaft und Verbundenheit im Alltag häufig keine Selbstverständlichkeit ist. Zwar haben gemäss einer NZZ am Sonntag-Kolumne mit dem vielsagenden Titel «Die ungelebte Freundschaft» die meisten Menschen mindestens eine vertraute Bezugsperson ausserhalb der Familie. Doch oft, besonders bei Männern, liegen diese brach, sind inaktiv:

Was bleibt, ist eine stille Einsamkeit unter Menschen, die eigentlich verbunden sein könnten. Und die Erkenntnis, dass «Freunde haben» und «Freundschaft leben» zweierlei sind.

Zusätzlich erschwert wird dieser Umstand dadurch, dass es ab einem gewissen Alter gar nicht mehr so einfach ist, solche tiefen Freundschaften aufzubauen, wie mir in einem Beziehungskosmos-Podcast bestätigt wird.

Was können wir also tun?

Am einfachsten und naheliegendsten ist es, vorhandene Freundschaften zu schätzen, pflegen und vertiefen.

Wenn wir neue Freundschaften aufbauen wollen oder mit dem Gedanken spielen, uns einer Gemeinschaft anzuschliessen, begeben wir uns erstmal aus der Komfortzone und gehen ein Risiko ein: Was, wenn das Gegenüber nicht an einer solchen Verbundenheit interessiert ist? Was, wenn es in der Gemeinschaft gar keinen Platz für mich gibt?

Trotzdem ist es den mutigen Schritt auf unbekanntes Terrain wert, wenn wir am Ende dieses Kama Muta Glücksgefühl erleben dürfen.

Weitere hilfreiche Inputs liefert meine Lieblings-Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky im Tagesanzeiger. Dort wird ihre Forschungsarbeit wie folgt zusammengefasst:

Glücklich sei, wer gute Beziehungen habe und sich geliebt fühle – um das zu erreichen, sei aktives Zuhören ein wichtiger Faktor.

Ich beschliesse diesen Artikel mit demselben Wunsch, den ich ans Ende meiner Predigt (die du übrigens hier nachhören kannst) stellte:

Ich wünsche dir Orte, wo du lebensfördernde Beziehungen erleben darfst.
Orte, wo du willkommen bist, wie du bist.
Orte, wo du sein darfst, wie du bist.
Orte, wo du geliebt wirst, wie du bist.

Glücksaufgabe

Familie ist, wo Menschen sich lieben – in all ihrer Vielfalt. Da wird auch etwas vom Göttlichen spürbar.

Wo blühst du auf?
Und wo lässt du andere blühen?

Wo wirst du geliebt, gefördert und wertgeschätzt?
Und wo liebst, förderst und wertschätzt du andere?

Verbundenheit, Kama Muta, entsteht auch dort, wo wir einander kennen lernen und in aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit annehmen. Ein schönes Beispiel findet sich im Clip Mitfühlen statt wegsehen:

Und hier kannst du meine Predigt nachhören:

Wert-geschätzt oder nieder-geschlagen?

Das klingt irgendwie kitschig-romantisch bis esoterisch, wenn ein Hockey-Crack wie Kevin Fiala über das Natiteam sagt: «Wir lieben uns alle!». Und der Nati-Coach Patrick Fischer doppelt nach: «Wir nennen uns ‘wolf pack’, ein Wolfsrudel, in dem wir zueinander schauen.»

So geschehen und gesehen neulich in einer Vorschau auf die Olympischen Spiele. In den Ohren der Moderatorin Daniela Milanese kam schier etwas Sektenhaftes an. Bemerkenswert sei, merkte sie an, dass der NHL-Star Kevin Fiala nicht über Medaillen sprach, sondern über den Zusammenhalt im Team.

Das ist kein Zufall – und auch kein Produkt der bemerkenswerten Erfolge der letzten Jahre. Ganz im Gegenteil: Gemäss den Ausführungen von Patrick Fischer wird ganz bewusst an diesem Spirit gearbeitet, ein Umfeld kreiert, indem ein solcher Zusammenhalt entstehen kann.

Studien sagen es im Grunde schon lange: Die sogenannten «Soft Facts» sind nicht einfach etwas für «Softies». Der Unterschied zwischen der Performance eines guten zu einem herausragenden Team liegt im Umgang miteinander.

Sprich: Der Zusammenhalt, die Wertschätzung, ja, die Liebe, machen den Unterschied! – selbst in einer so harten Sportart wie dem Eishockey, wo auch mal Zähne fliegen.

Wundermittel für so vieles

Was in der Sportwelt angekommen ist, dürfte gerne noch mehr Kreise ziehen in der Arbeitswelt – oder auch in unseren Kirchen und überhaupt in der Gesellschaft.

Im Wirtschaftsteil der «NZZ am Sonntag» (Ausgabe: 7.12.25) fragt die Arbeitspsychologin Nicole Kopp: «Wertschätzung ist ein Wundermittel. Warum sind wir so knausrig damit?»

Was für eine gute und gleichzeitig traurige Frage!

Wir wissen es aus eigener Erfahrung: Lob und Anerkennung tut einfach gut. Laut Gary Chapman ist dies sogar die Liebessprache, für welche wir über alle Altersgruppen am empfänglichsten sind.

Ob intellektuell oder vor allem emotional, uns ist eigentlich bewusst, dass Wertschätzung ein menschliches Grundbedürfnis ist.

Und trotzdem gehen wir oft so sparsam damit um. Während sich Mitarbeitende darüber beklagen, von ihren Vorgesetzten zu wenig Wertschätzung zu erhalten, kommen dieselben Mitarbeitenden in seltensten Fällen auf die Idee, ihren Chefs gegenüber Wertschätzung auszudrücken.

Doch: Auch Chefs sind Menschen! Natürlich ist es eine Führungsaufgabe (siehe Natitrainer Patrick Fischer), ein Umfeld der Wertschätzung zu schaffen.

Gleichzeitig ist es zu einfach, sich über mangelnde Wertschätzung anderer zu beklagen und selber den Mitmenschen nicht wertschätzend zu begegnen.

Während im Weissen Haus gerade einer sitzt, der solche «Soft Facts» mit Füssen «trumpt» und Menschen in aller Öffentlichkeit verunglimpft, schreit unsere Welt nach mehr Mitmenschlichkeit und Wertschätzung.

Die Forschung zeigt, dass Wertschätzung all das bewirkt, was Arbeitgeber fördern möchten: Sie steigert die Arbeitszufriedenheit, die Motivation, die Produktivität und die Leistungsfähigkeit. Und auch Angestellte profitieren enorm von den Wirkungen von Wertschätzung: Sie verbessert das Wohlbefinden, die Erholung und die Schlafqualität. Gleichzeitig werden Stress, Belastung, das Burnout-Risiko und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt. Wertschätzung ist sozusagen ein Wundergeschenk.

Was Nicole Kopp hier auf die Arbeitswelt bezieht, zählt genauso für all andere Bereiche des Lebens. Als soziale Wesen gehen wir Menschen entweder ermutigt und wert-geschätzt oder entmutigt und nieder-geschlagen aus Begegnungen heraus.

Die Arbeitspsychologin schliesst ihren Artikel mit einer Aufforderung, der ich mich gerne anschliesse: «Wertschätzung ist das wertvollste und nachhaltigste Geschenk. Verteilen Sie es grosszügig!»

Glücksaufgabe

Unter dem Begriff «Gemeinschaft: Liebe geben und empfangen» hat es die glücksfördernde Wirkung von Wertschätzung auch auf die Liste der 16 Glücksaktivitäten in meinem Buch Glück finden, hier und jetzt geschafft.

Und am Ende des Kapitels über Freundschaft findet sich folgende Einladung:

Mitmenschen loben

Haben Sie auch schon festgestellt, dass manche Mitmenschen peinlich berührt sind, wenn man sie lobt? Lassen Sie sich davon nicht irritieren! Wir alle brauchen Ermutigung und wir alle können dazu beitragen, dass an die Stelle der ständigen Nörgelei eine Kultur der Wertschätzung und Ermutigung tritt. Beginnen Sie gleich jetzt damit! Greifen Sie zum Telefon oder Stift und sorgen Sie mit einer kurzen Ermutigung für Glücksgefühle bei einem Mitmenschen – und bei Ihnen!

Mehr bunt – oder bloss mehr vom gleichen?

Sie haben es mal wieder geschafft, meine lieben Freunde aus der frommen Bubble: Sie haben mich gleich mehrfach getriggert in den letzten Tagen – und das ist die ganze lächerliche Trumperei noch gar nicht mitgerechnet.

Da war die eine Facebook-Freundin aus den USA, die mit folgendem Bildchen ihre Freude an der ach so tollen Bibelstelle aus Epheser 3,20 kundtat:

Ein Bild, das Zeichnung, Blütenblatt, Entwurf, Vase enthält.

KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.

Ich klinge zynisch, ich weiss. Tatsächlich ist es so, dass mich die lieben Amis in jungen Jahren voll erwischt haben – auch mit dieser Bibelstelle: Träume gross – und Gott schafft noch viel Grösseres!

In diesem Team wollte ich mitspielen.

Visionieren und träumen konnte ich schon immer gut, da kam dieses magisch wirkende Versprechen gerade recht: «Gott tut Grosses, noch viel Grösseres, als du erbitten oder du dir vorstellen kannst. Go for it!»

Irgendwann hab ich begriffen, dass viele meiner evangelikalen Freunde da wohl Paulus ein bisschen missverstanden hatten. Und ich ging ihnen gehörig auf den Leim: Grosses und noch Grösseres war Synonym für die Roger Federer «Mehr ist Mehr»-Philosophie.

Es ging um Äusserlichkeiten: Mehr hochstehende Programme, mehr gigantische Gebäude, mehr Gottesdienstbesuchende, mehr Spenden, mehr, mehr, mehr …

Wie das hübsche Bildchen: Du träumst von einer rosa Blume? Gott will dir nicht eine, nicht zwei, nicht drei solcher Blumen schenken. Auch nicht einen kleinen Bund voll. Nein, einen Riesenstrauss nur für dich.

Voll gleicher rosa Blumen.

Ist das wirklich mein Gott? Nur Äusserlichkeiten? Und nur einfarbig?

Heute ist mein Gott bunt.

Und auch in den leisen Zwischentönen zu hören.

Nicht noch mehr von eindrücklichen Äusserlichkeiten.

In meiner Predigt letzten Sonntag sagte ich: «Beim Glauben geht es um unsere innere Haltung. Alles andere kann zu Scheinheiligkeit, Heuchelei führen.»

Da ging es nicht um Epheser 3,20. Doch es passt auch zu dieser Bibelstelle: Wenn wir sie nämlich nicht nur isoliert und mit unserer Leistungs-/Wachstumsbrille lesen, merken wir, dass Paulus hier nicht von Äusserlichkeiten spricht.

Der Text spricht davon, in der Liebe verwurzelt zu sein.

Also Liebe zu erfassen, die grösser und weiter ist als alles – grösser als alles Bitten und Erkennen, als unser Verstand.

Und plötzlich sehe ich einen anderen «Mehr ist Mehr»-Gott. Einer, dessen Segen mich nicht zwingend in grössere äusserliche Dimensionen führen will, sondern mir in erster Linie ein weiteres Herz schenken will.

Ich sehe heute in diesem Text mehr ein Bild von einem Gott, der Barrieren sprengt. Barrieren in unserem Denken und in unserem Glaubenskonstrukt:

Was, wenn seine Liebe noch viel grösser ist, als wir uns vorstellen, erbitten und erdenken können?

Was, wenn Gottes bedingungsloses JA sogar für Menschen zählt, die wir schon längst abgeschrieben haben?

Zurück zu diesem Bild, das ich neulich bei einer Facebook-Freundin entdeckte: Ich glaube nicht (mehr), dass Gottes Plan ein eintöniger, enggeschnürter rosa Blumenstrauss ist.

Mein Gott mag es bunter.

Und freier.

Ich finds ja immer noch schön, wenn unsere Kirchen vollbesetzt sind. Aber bitte nicht so enggeschnürte Theologie, die voll auf äusseres fixiert ist.

Und nicht nur mehr vom gleichen.

Mehr bunt bitte!

So, und nun wäre der Boden gelegt, um zum zweiten Triggerpunkt der letzten Tage zu kommen. Doch meine avisierte Wortzahl ist bereits aufgebraucht.

Ich versuchs kurz zu machen – und sonst ists dann halt bloss ein Cliffhanger für einen nächsten Artikel …

Wie kann es sein, dass eine junge, sehr engagierte Frau Morddrohungen erhält, möglicherweise gar aus der eigenen Partei, weil sie sich zu ihrer Homosexualität bekennt?

Selbst wenn wir in der Beurteilung einer christlichen Ethik nicht zu den gleichen Schlussfolgerungen kommen, liebe evangelikale Bubble, können wir uns vielleicht darauf einigen, dass Verachtung und Verurteilung einer Person, Mobbing bis hin zu Morddrohungen keine geeignete Mittel sind, um Gottes Liebe in dieser Welt sichtbar zu machen?

Ich bedaure sehr, dass meine Partei offensichtlich nach wie vor kein sicherer Ort ist für Menschen, die bunt statt gleich sind. Immerhin gibt es eine Stellungnahme der EVP Schweiz, in der Hass und persönliche Anfeindungen verurteilt werden.

Gerne nehme ich die Verantwortlichen beim Wort und wünsche mir, dass es irgendwann keine solche menschenunwürdigen Fälle mehr geben wird.

Und nein, weder schöne Worte alleine noch reflexartig das Problem auszulagern und beispielsweise die «bösen Medien» zu beschuldigen, sind da dienlich: Menschen spüren sehr wohl, ob sie in unseren Gruppen, Parteien, Kirchen … wirklich willkommen sind oder bloss geduldet werden.

Ich kann mir leider nicht vorstellen, dass der Grundsatz «Die Würde des Menschen ist unantastbar» in unserer Welt (inkl. der Kirchenwelt!) jemals Realität wird.

Doch ich glaube ja an einen Gott, «der er die Macht hat, unendlich viel mehr zu tun – weit mehr als alles, was wir von ihm erbitten oder uns ausdenken können. So gross ist seine Macht, die in uns wirkt.»

Glücksaufgabe

Wie würde dein Leben (und Glauben) aussehen, wenn es tatsächlich mehr um Inneres als um Äusseres gehen würde?

Hoffnung ist ein Arschloch

Letzten Sonntag hörte ich sie wieder in der Kirche. Die süsse Lobeshymne auf die Hoffnung. Sie trage uns durch, sie belebe uns, ja, sie sei die Stärke in unserer Schwachheit. Und ich las von ihr in unserem Kirchenmagazin und sogar in der NZZ am Sonntag.

Da hab ich nichts dagegen. Im Gegenteil: Hoffnung ist gar Teil von meinem Lebensmotto und oft genug habe ich hier im GlücksBlog schon von ihr geschrieben.

Und gleichzeitig muss es heute einfach auch mal gesagt werden – und sorry, dass ich dafür eine so unanständige Wortwahl wähle (es muss sein, weil es erstens mir gerade guttut und ich zweitens «hoffe» 😉, dass es neugierig macht): Hoffnung ist auch bloss ein Arschloch!

By the way: Der letzte Abschnitt lässt bereits vermuten, dass es zwischen dem Verb Hoffen und dem Substantiv Hoffnung zu unterscheiden gilt. Doch dazu später mehr.

Meine Frau sagte mir neulich: «Du kannst alles schönreden. Du kannst sogar in einem hässlichen Kaffeerahmdeckel etwas Schönes sehen.»

Genau das ist mein Problem: Als Visionär sehe ich Chancen, wo andere Hindernisse sehen.

Klingt für dich nach einer Stärke? Das war es in meinem Leben auch schon sehr oft: Vieles, was in meinem Leben und durch mein Wirken werden durfte, entstand, weil ich Visionen, Träume und damit Hoffnung hatte. Ich sah Möglichkeiten, packte mutig und zielstrebig an.

Gleichzeitig hat diese Eigenschaft auch zu ganz viel Schmerz in meinem Leben geführt. Ganz ehrlich: Bei allem, was ich erreicht habe – die Visionen waren (fast) immer grösser als die Realität. Was ich hoffte, war immer noch etwas mehr als das, was wurde.

Und so ist meine Stärke eben auch eine meiner grössten Schwächen: Mein Hoffen und mein Visionieren kann zu einem Realitätsverlust führen. Ich mische so lange Träume, Visionen und Hoffnung ins graue Allerlei der Realität, bis ich sehnsüchtig eine farbenfrohe Zukunft vor mir sehe.

Hoffen als Realitätsbeschönigung

«Da hilft nur noch beten und hoffen!» – Zum Gebet will ich mich an dieser Stelle nicht äussern. Doch dieses Hoffen auf bessere Zeiten, ist es nicht ein hilfloses Klammern an einen Strohhalm? «Ich hoffe mit dir!», sagen wir dem todkranken Mitmenschen. Was meinen wir denn damit? Dass wir auf irgendeine wundersame Wendung hoffen und am Ende alles schon gut kommen mag? Oder hoffen wir mit der Person, dass sie noch möglichst viele gute Tage hat, bevor die Krankheit ihr das Leben endgültig raubt? Oder gilt unsere und die gewünschte Hoffnung auf etwas, das über das irdische Dasein hinausragt?

Als leidenschaftlicher Visionär weiss ich natürlich, dass im menschlichen Hoffen eine unglaubliche Gestaltungskraft innewohnt.

Als gereifter Visionär weiss ich jedoch auch, dass menschliches Hoffen auch dazu verführen kann, die Realität schönzureden oder ihr überhaupt gar nicht in die Augen zu schauen.

Der meistgesagte Satz von manchen (auch kirchlichen) Führungspersonen ist «Es kommt schon gut», dicht gefolgt von «Es wird sich schon ein Weg zeigen».

Das ist Hoffen statt Handeln!

Und so lähmt uns unser Hoffen dort, wo es eigentlich zu mutigem Vorwärtsstolpern inspirieren möchte.

Stehen wir dazu: Die Realität ist einfach manchmal wirklich schlecht. Und (um nochmals unanständig zu werden): Das Leben ist ab und zu einfach scheisse.

Was sagen wir den Opfern und ihren Angehörigen der Silvesterkatastrophe in Crans Montana? Was den todkranken Freunden? Was in unseren eigenen ausweglosen Situationen?

Ich brauche mehr als ein Hoffen auf bessere Zeiten. Ich wünsche den Menschen, dass sie nicht naiv die Augen vor der harten Realität verschliessen – und gleichzeitig darin Ruhe finden und damit Frieden schliessen können.

Für mich wird das nur möglich, weil es da eben eine jenseitige Hoffnung gibt, die mehr ist als unser Hoffen. Und in dieser Hoffnung will ich mein Leben in all seinen Herausforderungen gestalten – statt einfach auf bessere Zeiten zu hoffen.

Glücksaufgabe

Hoffst du noch (auf bessere Umstände)?
Oder lebst du schon (mit göttlicher Hoffnung)?

Wenn ein Platz plötzlich leer bleibt

Sie haben es wieder geschafft: Auch dieses Jahr berührt mich ein Weihnachts-Werbeclip von einem Grossverteiler zutiefst in meinem Herzen.

«Finn und sein Papa» – ist es nicht brillant, wie hier in 90 Sekunden das ganze Leben erzählt wird:

Spiel & Freude.
Leben entdecken & von Vorbildern lernen.
Verlieben & eigene Familie gründen.
Herzensmenschen loslassen.

Und dann, völlig unaufdringlich der «Call to action» – nein, nicht der Aufruf bei diesem Grossverteiler einzukaufen (ist natürlich subtil auch Teil vom Clip). Doch was ist der «Call to action», zu was werden wir eingeladen?

«Weihnachten ist, was wir weitergeben.»

Der Clip zeigt, dass es nicht einfach darum geht, Geschenke weiterzugeben. Es geht tiefer: Wir geben Wärme, Liebe, Werte und Traditionen weiter – von einer Generation zur nächsten.

So werden diese 90 Sekunden zu viel mehr als einem süssen Weihnachts-Werbeclip:

Leben ist, was wir weitergeben.
Familie ist, was wir weitergeben.
Freundschaft ist, was wir weitergeben.
Und ja: Glaube ist, was wir weitergeben.

Und zwar geben wir nicht weiter, weil wir beim richtigen Grossverteiler eingekauft haben – wir geben weiter, weil uns das Leben, der Himmel, weil uns Gott selbst, zuerst beschenkt hat. In dieser Krippe im Stall begegnet und beschenkt uns Gott. Das ist Weihnachten.

Eine Stelle im Clip hat mich besonders berührt: Als der Platz vom Papi plötzlich leer geblieben ist.

Viele von uns kennen das: Der Platz von Herzensmensch­en an unserem Tisch bleibt leer. Weil sie von uns gegangen sind, weil sie sich entschieden haben, nicht mit uns zu feiern oder weil sie gesundheitlich oder beruflich verhindert sind.

«Siehe, ich mache alles neu!»

Wenn Plätze am Tisch leer bleiben, ist es gar nicht so einfach, in Feier- und Festtagslaune zu kommen. Wenn unser Leben und die Welt voller Trauer, Klage und Schmerz sind, was gibt es da zu feiern?

Hier hinein spricht Gott durch die Jahreslosung 2026: «Siehe, ich mache alles neu!» (Die Bibel, Offenbarung 21,5).

«Siehe»: Das ist die Einladung, unseren Blick weg vom leeren Platz, weg von Trauer, Not und Schmerz auf ihn zu richten, auf den, der uns aufrichten wird.

Es ist der Blick, der über unser gegenwärtiges Leben und Feiern in die zukünftige Welt ragt. Es wird nicht ver­sprochen, dass jetzt schon alle Tränen getrocknet werden, doch dann wird alles neu – der Schmerz ist vorbei.

Darum ermutige ich trotz den leeren Plätzen an unseren Tischen zu feiern:

Feiert! Feiert freudig und ausgelassen – auch wenn nicht alles gut ist in eurem Leben, wenn Plätze am Tisch leer bleiben, wenn Schmerzen plagen.

Doch: Verdrängt beim Feiern den Schmerz nicht! Integriert den leeren Platz ins Feiern – er gehört zu euch dazu.

So wird unser unperfektes Familien-Weihnachtsfest sowie unser «Leben feiern» nicht nur eine Erinnerung an die erste Weihnacht, als der Himmel diese chaotische und unperfekte Welt besuchte und uns Frieden statt Furcht gebracht hat.

Unser Feiern ist nicht nur ein Erinnern zurück zur Krippe im Stall, zum Gott Mitten in Schwachheit.

Unser Feiern, wenn wir die leeren Plätze und den Schmerz nicht ignorieren, werden auch zu Erinnerungsmomenten an das, was kommen wird, was uns versprochen ist:

«Siehe, ich mache alles neu!»

Die leeren Plätze – Schmerz, Not und Trauer – werden nicht das letzte Wort haben!

Glücksaufgabe

Manchmal bleiben Plätze an unserem Tisch leer.
Und manchmal gibt es Tische, an die sind wir nicht eingeladen.

Weihnachten ist auch die Erinnerung, dass es bei Gott anders ist: An seinem Tisch sind wir alle erwünscht und willkommen!

Wie schon Peter Reber singt (Fröi di), gibt es bei diesem Fest keine exklusive Gästeliste – weil alle eingeladen sind.

Ich wünsche dir gesegnete Weihnachten und schon jetzt alles gute fürs kommende Jahr! Welchen Gedanken aus diesem Artikel willst du mitnehmen für die kommenden Festtage und das neue Jahr?

Basis von diesem Artikel ist meine Predigt vom vierten Advent, welche du hier nachhören kannst:

Der Duft der Glückseligkeit

Entspannung hat für mich einen ganz bestimmten Duft: Nein, nicht Lavendel (obwohl ich den auch ganz gut riechen kann).

Meinen Duft der Entspannung gibt’s für mich an einem einzigen (mindestes bisher, mehr dazu gleich weiter unten) Ort. Nämlich in meinem Lieblings-Wellnesshotel im Montafon.

Wir fahren in die Tiefgarage, entladen vorfreudig unser Gepäck aus dem Auto, rollen (wenn nicht gerade zuvorkommendes Hotelpersonal schneller ist) den Gepäckwagen zum Lift – und da steigt er schon in meine Nase, der Duft, der für mich reine Entspannung bedeutet.

Glückshormone werden ausgeschüttet.
Geist und Körper sind bereit für eine Auszeit.
Gerade noch im Alltagstrubel, jetzt blühe ich auf.

Hotelgänge haben ihre eigenen Düfte – meistens möchte ich mich da nur noch verduften. Nicht so in meinem Lieblingshotel: Da ist der Gang im Hotelgang eine Wohltat.

Ich bleibe stehen:
Einatmen, ausatmen.
Entspannung geht durch die Nase.

Und dann kommt mir das Pauluswort in den Sinn, dass Menschen, die aus der Liebe Gottes leben und diese Liebe weitertragen, für andere zum Wohlgeruch werden. Es ist der Duft, «der aus dem Leben kommt und zum Leben führt.» (Paulus im 2. Korintherbrief 2,16, nach der Basisbibel)

Ist es mit Gottes Bodenpersonal, mit uns Menschen, nicht auch wie mit diesen Hotelgängen? Es gibt diese und diese …

Ein Wohlgeruch, der zum Leben führt.
Hier bin ich gerne, hier blühe ich auf.

Ein Mief, der Leben tötet.
Hier ist mir unwohl, hier geh ich ein.

Leider klappt das mit dem Wohlgeruch zu oft nicht. Bei Menschen, in Kirchen. Dies wurde auch neulich im «Chäs, Brot, Wy – und mini Gschicht mit Gott» deutlich, als mein Talk-Gast, Bjørn Marti, von seinen Erfahrungen erzählte. Es wurde ganz ruhig im H2, als das Gespräch nach einer Stunde nochmals richtig tief wurde: Kirchen können ganz schön unmenschlich, ja gar unchristlich sein. Nichts von Wohlgeruch und Aufblühen.

Doch schauen wir auf das Gute! Es gibt sie, die Orte, die für uns zum Wohlgeruch werden. Menschen fühlen sich plötzlich gesehen, Jugendliche entdecken ihren «Safe Place», Mamis danken dafür, wie liebevoll da alles gestaltet ist …

Leben erwacht!
Der Wohlgeruch zieht Kreise!

Nach dem Ausflug in die Kirchenwelt zurück in mein Lieblingshotel: Da war ich also wiedereinmal an diesem Ort, wo schon der Duft Entspannungsgefühle in mir weckt, und war traurig darüber, dass ich mit meinem Smartphone, das sonst ja alles kann, nicht diesen Duft einfangen konnte … Und statt mit mir in dieses Wehklagen über die unvollkommene «Moderne Technik» einzustimmen, lachte meine Frau still auf den Stockzähnen in sich hinein (so stelle ich es mir jedenfalls inzwischen vor).

Denn: Was für eine grossartige Überraschung, als mir Brigä neulich an meinem Geburtstag einen Raumspray – das tönt irgendwie zu billig für dieses wertvolle Geschenk – also eher eine Dose voll Wohlgeruch aus meinem geliebten Hotel schenkte.

Neben weiteren tollen und originellen Geschenken meiner Herzensmenschen war dies mit Abstand das wohlriechendste.

Und so versprühe ich seither immer mal wieder etwas «Parfum d’Interieur» aus dem Löwen Hotel Montafon in unseren vier Wänden – und heute zum Schreiben dieses Textes sogar im Büro.

Glücksaufgabe

Welche Düfte wecken Glücksgefühle in dir?

In welchem Umfeld blühst du auf?

Und: Wo bist du ein Wohlgeruch, der andere zum Blühen bringt?

Seid nützlich!

Bisher bin ich ganz gut ohne KI zurechtgekommen. Naja, vielleicht nahm ich dieser künstlichen Intelligenz auch einfach übel, dass sie mich und mein Glücksbuch vor längerer Zeit einmal nicht wirklich kennen wollte.

Inzwischen habe KI dazugelernt, wird gesagt. Also fragte ich sie, was ich glaube. Mit dem Resultat kann ich grösstenteils leben, jedenfalls wird da keine mir fremde Person beschrieben – auch wenn gewisse Reizthemen etwas gar überhandnehmen, inkl. Vorwürfe meiner Kritiker.

Doch dieser Abschnitt gefällt mir: «Sein Lebensmotto lautet ‘Liebe schenken – Hoffnung verbreiten – Glaube leben’. Gerber entdeckte den christlichen Glauben früh durch seine Eltern und setzt sich für Projekte ein, die Dankbarkeit, Gelassenheit und Freude fördern, auch inmitten von Zweifeln.»

Und auch diesen Satz nehme ich gerne und freue mich, wenn mein Engagement so erlebt wird (ob das eine künstliche Intelligenz beurteilen kann, ist wiederum eine andere Frage): «Seine Arbeit zielt auf zeitgemässe, feierliche Glaubenskommunikation ab, fern von Kontrolle oder Angst.»             

Seit ich predige, war mir ein solcher einladender Stil wichtig. Doch einfach nur «schön & nett» sollte es auch nicht sein. Mit dem, was ich tue und sage, will ich etwas bewegen. Darum darf es gerne auch herausfordern, ja ab und zu vielleicht sogar etwas piksen.

So war es die letzten beiden Wochen spannend zu erleben, was der Titel meiner aktuellen Predigt auslöste: «Wie politisch darfs denn sein?» Teils wurde mir zu verstehen gegeben, dass das kein gutes Thema für eine Predigt sei.

Natürlich steckte auch eine leichte Provokation im Titel, was die Neugier wecken sollte. Und in der Predigt habe ich auch sehr deutlich gemacht, dass ich die Vermengung von Glaube und Politik, wie wir sie derzeit gerade in den USA erleben, höchstbedenklich finde.

Darum geht es mir auch nicht um Parteipolitik und schon gar nicht um einen Gottesstaat. Doch der Mensch ist ein politisches Wesen, der Christenmensch sogar sehr.

Mindestens wenn er dem Vorbild Jesu folgt. Dieser war nämlich höchstpolitisch und leitete seine Zuhörer:innen in der Bergpredigt dazu an, sich als Salz der Erde und Licht der Welt nützlich zu machen.

In diesem Abschnitt in der Bergpredigt benutzt Jesus auch das Bild einer Stadt auf dem Berg. Ich verstehe seine Botschaft darin so: Bei euch gilt eine andere Sozialordnung, hier geht es um eine lebensfördernde Gemeinschaft.

Ja, da sind Menschen auf dem Jesus-Weg unterwegs und suchen nachdem, was das Leben aufblühen lässt. Wir sind aufgefordert, uns für eine bessere, liebevollere und gerechtere Welt zu engagieren – das hat immer auch eine politische Dimension.

Als ich neulich über den «Salz & Licht»-Bibeltext nachdachte, schrieb ich in meine Bibel «Seid nützlich!» und «Kein Schneckenhaus!».

Und da landen wir wieder beim Zitat von Johanna Dohnal, mit dem ich den letzten Blogartikel beendete: «Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.»  

Und wir landen auch wieder bei der KI-Suche zu meinem Glauben: Wer diesem Jesus nachfolgt, verkriecht sich nicht im Schneckenhaus. Er:sie exponiert sich. Und wer die Würde aller Menschen hochhält, tut im Grunde nur, wozu uns die Bibel und manch Grundgesetze schön längst einladen – und riskiert damit leider noch heute Gegenwind zu ernten.

Glücksaufgabe

Ich bin kein Fan grosser Imperative. Das hat sogar KI gecheckt, wenn sie meine Glaubenskommunikation als «fern von Kontrolle oder Angst» einstuft. Befehle gehören für mich genauso in diese Kategorie.

Trotzdem habe ich heute einen Imperativ als Blogtitel gewählt: «Seid nützlich!» Ich weiss, es kann ein schmaler Grad zwischen «liebevoll-anstupsender Einladung» und einer «druckerzeugenden (Auf)Forderung» sein.

Darum setz ich hier am Ende des Blogs jeweils auch lieber ein ?-Zeichen als ein !-Zeichen.

Doch heute bleibe ich dabei: «Sei nützlich!»

Die erwähnte Predigt kann übrigens in unserem Matinée-Podcast nachgehört werden.

Bilanz zum halben Jahrhundert

Bald werde ich fünfzig. Bin ich deshalb aktuell besonders sentimental?

Jedenfalls sass ich letzten Samstag in Marburg in einer Konferenz und heulte während der ersten Session vor mich hin. Naja, vielleicht ist das etwas übertrieben. Doch die Augen waren immer mal wieder feucht und Tränen kullerten über meine Wangen.

Ich sass im Lokschuppen Marburg, einer Location, die mich durch die Posts und Videos vom UND Marburg bereits in Vergangenheit sehr angesprochen hatte. Das Live-Erlebnis konnte für einmal durchaus mit dem virtuellen Eindruck mithalten.

Das Zusammenspiel einer für mich sehr ansprechenden Location, dem guten Sound und der Tatsache, dass ich hier Teil einer Veranstaltung sein durfte, in der es um Inklusion statt um Verdammung ging, hat mein Herz tief berührt.

Und ja, auch wenn ich kurz davor in meiner Reisegruppe noch bluffte, mein 50. Geburtstag bringe mich nicht sonderlich ausser Balance, war es nun doch um mich geschehen. Der Realitätscheck war knallhart: Was ich hier in Marburg erleben durfte, war Kirche, wie ich sie vor meinem inneren Auge und in meiner Traumvorstellung schon längst sehe und ersehne.

Tatsächlich habe ich mehr als die Hälfte meines bisherigen Lebens diesem Traum verschrieben. Und was ist daraus geworden? Je nach Blickwinkel ganz viel.

Schönes. Gutes. Kraftvolles. Befreiendes. Lebensförderndes. Hoffnungsvolles.

Und doch bleibt es an manchen Stellen ein «Murks». Es ist anspruchsvolle Arbeit, die sich mal um Marketing, mal um Raumgestaltung, dann um knappe Finanzen und Liegenschaftsfragen dreht. Begleitung von Menschen und inhaltliches Wirken kommt da manchmal einfach zu kurz.

Natürlich ist in den hippen Projekten oder gar in Megachurchs nicht alles einfach easy und mega. Im Gegenteil: während bei uns Zehntausende Franken fehlen, sind es dort möglicherweise Millionen.

Und ja, es ist auch ganz vieles gegangen in den letzten Jahren: Wir waren anfangs Jahr mit BUNT GLAUBEN Veranstalter einer fantastischen Konferenz, mehr Menschen tragen Verantwortung, Teams gestalten mit, die Resonanz scheint grösser geworden zu sein …

Trotzdem tauchen sie auf, die Fragen, die wohl ganz automatisch zu dieser Wegmarke mit der 50 drauf gehören: Was ist aus meinen Träumen geworden? Was habe ich erreicht? Wo will ich noch hin? Wie will ich meine nächste Wegstrecke gestalten?

Da gab es letztes Wochenende auch ganz viel Bestätigendes: Ich will an diesem Mix von frischen Formen, weiter Theologie und gemütlichem Ambiente unbedingt dranbleiben. Dabei will ich mich nicht im Kleinklein verlieren, sondern zusammen mit positiven Menschen «etwas Grosses rocken» – selbst dann, wenn es ein kleines, verletzliches Pflänzchen bleibt.

Dazu nehme ich wertvolle Impulse aus der Coming-In Konferenz (veranstaltet vom Verein Zwischenraum) mit. Wie diese Perlen aus meinen Tagungsnotizen:

Wenn wir «Gemeinsam Gemeinde» (Tagungsmotto) sein wollen, sollten wir auf unserer Reise nicht wie die vorne im Van sein, die herablassend über die Mitreisenden hinten im Van reden. Möglicherweise schlafen sie nicht und werden tief verletzt von der Art, wie wir über sie sprechen.

Dieses Bild hat was. Und dazu passt ein weiterer Gedanke von Tabea Wagner: «Stellt Fragen, aber stellt niemanden in Frage!».

Denn (so Lol): «In einer Gemeinde, in der nicht alle sicher sind, ist niemand sicher!»

Vom Workshop mit Damaris vom genialen lev-Gemeindegründungsprojekt bleibt mir besonders dieser Gedanke hängen: «Die Haltung von anderen kann ich nicht machen, ich kann nur immer wieder meine Haltung einbringen.» 

Und Mira Ungewitter habe ich wunderbare Zitate zu verdanken: «Die gerade Linie ist gottlos», habe der Künstler Hundertwasser gesagt. Umgemünzt für unser Wirken gab Mira zu bedenken: «Der Jesus-Weg ist viel verschlungener als so manche Gemeinde-Einbahn!»

Mit einem Zitat der österreichische Feministin Johanna Dohnal ermutigte uns Mira zu beherztem Engagement: «Aus taktischen Gründen leise zu treten, hat sich noch immer als Fehler erwiesen.»

Vielleicht nehme ich das als Motto für meinen nächsten Wegabschnitt.

Glücksaufgabe

Was ist aus deinen Träumen geworden?

Welche gilt es loszulassen und für welche willst du umso beherzter einstehen?