Kürzlich sass ich im Gottesdienst und die Pfarrerin (Danke Marian, für die Inspiration!) sprach von einem positiven Aberglauben. Das machte mich stutzig. Der Gedanke faszinierte mich sofort: Es gibt nicht nur den einen Aberglauben, es gibt verschiedene Formen von «Aber-Glaube».
Der klassische Aberglaube hat was mit dem vierblättrigen Kleeblatt, dem Hufeisen, der schwarzen Katze und der Zahl 13 zu tun: «Man schreibt bestimmten Dingen, Zeichen oder Handlungen eine Glücks- oder Unglückswirkung zu» (Perplexity AI).
Die zweite Form von Aber-Glauben hat mit unseren negativen Glaubenssätzen zu tun:
Ich kann das und das gut, ABER ich bin trotzdem nicht gut genug.
Ich habe viele Bekannte, ABER eigentlich fühle ich mich meistens einsam.
Ich bin geliebt, ABER ich muss mich dafür richtig stark anstrengen.
Leider begegnen wir diesem Aber-Glauben auch in Kirchen oft. Neulich hab ich dazu ein passendes, trauriges Bild gesehen:
Das Aber, das wir hinter Aussagen stellen, löscht im Grunde die vorangestellte Aussage: Wenn Gottes Liebe an ein Aber geknüpft ist, ist dies nicht wirklich Liebe.
Wenn wir bedingungslos geliebt und wertgeschätzt sind und jemand ein Aber hintenanstellt, ist diese Liebe eben doch an Bedingungen geknüpft und diese Form von Wertschätzung hat einen komischen Beigeschmack.
Es wird gut!
Der dritte Aber-Glaube hat als einziger eine lebensfördernde, befreiende Wirkung: Auch dieser Aber-Glaube lässt uns eine vorangestellte Aussage anders wahrnehmen. Doch diesmal macht er nicht klein, sondern lässt uns aufatmen.
Es ist auch ein göttliches Aber in unserem Leben. Jedoch relativiert dieses Aber nicht unseren Wert oder die Liebe, sondern lässt meine Umstände in einem anderen Licht erscheinen.
Jesus hat zu seinen Freund:innen gesagt (Johannes 16,33):
«In der Welt habt ihr Angst.
Aber fasst Mut, ich habe die Welt besiegt!»
Über Karfreitag steht «Es ist vollbracht!» und die Oster-Botschaft «Jesus lebt – das Leben hat über den Tod triumphiert!» ist das grosse göttliche Aber schlechthin.
Meine Lebensumstände sind gerade sehr anspruchsvoll, ABER sie werden nicht das letzte Wort haben.
Mein Glaube wird von Zweifeln herausgefordert, ABER Gott kann damit umgehen.
Meine Lebenskraft nimmt stetig ab, ABER einmal wird alles neu.
Daran erinnert uns Ostern und daran erinnert uns heuer während dem ganzen Jahr die Jahreslosung (aus Offenbarung 21,5):
«Gott spricht:
Siehe, ich mache alles neu!»
Daran halte ich mich
Gerade ist manches chaotisch auf dieser Welt. Und wenn sich dazu auch im persönlichen Leben reichlich Chaos breit macht, hilft mir dieses Lied:
Ich muss nicht alles alleine tragen.
Ich habe Menschen um mich, die mir helfen zu tragen.
Ich habe Gott in und über mir, der mir hilft zu tragen.
Ich mag von Zeit zu Zeit nicht mehr, ABER ich bin nicht alleine.
Und in mir lebt diese Oster-Hoffnung, dass wirklich stimmt, was ich kürzlich an einem Lastwagen in Zürich entdeckt habe:

Am Ende kommt alles gut. Vieles mag uns in dieser Welt Angst einflössen, ABER Jesus hat diese Welt überwunden. Diese Hoffnung ist unkaputtbar.
Glücksaufgabe
Im vorletzten Artikel habe ich geschrieben, dass ich inzwischen mit der Sühneopfer-Theologie fremde. Trotzdem bleiben für mich Karfreitag und das Kreuzesgeschehen die Offenbarung der bedingungslosen Liebe Gottes «in extremis»: Nicht weil Gott ein solches Opfer gebraucht hätte, sondern weil seine Liebe zu uns so weit geht, dass Gott in Jesus selbst den Zustand der Gottverlassenheit auf sich nimmt. Es gibt keinen Ort mehr, an dem Gott nicht ist.
Und dann dieser Triumph an Ostern: Die Schmach, die Gottverlassenheit, der Schmerz – sie haben nicht das letzte Wort. Das Leben lebt – «Tod, wo ist dein Stachel?»
Das ist mein Aber-Glaube, meine Trotzhoffnung.
Welchen Aber-Glauben trägst du in dir?












