Besuch im Slum

Das Leben wird reicher, wenn man es hingibt;
es verkümmert, wenn man sich isoliert
und es sich bequem macht.
Papst Franziskus

«Gutes Haus» hat der Kindergärteler auf das Plakat geschrieben. Die Kinder durften an den 15. Happy Kids Days in Studen  auf dieses Plakat schreiben, wofür sie dankbar sind. Nachdem die Teilnehmenden sichtlich berührt vom Slum-Postenlauf waren, sprudelte es nur so von Dankbarkeits-Statements.

Unter dem Motto «Vo Härze …» wurden während vier Nachmittagen die christlichen Werte Liebe, Helfen, Teilen und Dankbarkeit erlebnispädagogisch beleuchtet. Besonders betroffen gemacht hat die Kinder dabei die Tatsache, dass es auf unserer Welt vielen ihrer Altersgenossen nicht so gut geht wie uns hier in der Schweiz. Auch wenn das spielerische Bauen einer Kartonbehausung grossen Spass bereitete, wurden viele doch nachdenklich, als sie erfuhren, dass es Kinder gibt, die so leben. An diesem Nachmittag konnten die Kinder sogar nachempfinden, wie es ist, Müll nach Essbarem abzusuchen.

Beim Abschlussfest zeigten die Kinder ihren Eltern, was sie bei den Happy Kids Days erlebt hatten. Und natürlich haben wir auch die Erwachsenen eingeladen, die beleuchteten Werte in ihrem Alltag auszuleben: «Es gibt immer einen Grund, dankbar zu sein.« Wie ich damals die Zuhörenden herausforderte, frage ich auch jetzt: «Unsere Welt braucht Menschen, die ‚Vo Härze teile‘ – sind Sie dabei?«

Teilen macht reich

Ein Lebensstil der Grosszügigkeit ist der kleine Bruder der Dankbarkeit. Wer dankbar ist für das, was ihm anvertraut ist, in dem wird das Bedürfnis wach, seine Freude zu teilen. Neben Dankbarkeit ist auch Grosszügigkeit ein Weg ins Glück – das weiss der, welcher es ausprobiert, schon lange. Inzwischen ist es aber auch durch viele wissenschaftliche Studien der Positiven Psychologie bestätigt worden.

Und so stimmt es, wenn Papst Franziskus sagt, das Leben werde durchs Teilen reicher. Vielleicht werden sich auf dem Bankkonto ein paar Fränklis weniger anhäufen, doch in Sachen Lebenserfahrungen und subjektives Wohlbefinden werden wir definitiv reicher, wenn wir grosszügig teilen, was uns anvertraut ist.

So haben wir den fünfzig Kindern bei Happy Kids Days mit auf den Weg gegeben: Teilen macht doppelt glücklich. Keiner von uns kann durch sein Teilen die ganze Welt retten. Und trotzdem ist unser Teilen, egal wie klein oder gross unser Beitrag auch ist, unglaublich wertvoll. Wer teilt, rettet nämlich erst einmal seine eigene kleine Welt: Man rettet sich aus der Isolation und Bequemlichkeit und entflieht so, wie es Papst Franziskus formuliert, der Verkümmerung. Wer teilt und sich hingibt, wird reicher – seine Lebensqualität steigt. Und dabei macht unser Teilen erst noch für mindestens einen weiteren Menschen auf dieser Welt einen Unterschied – vielleicht können wir damit sogar einem Kind in den Slums eine neue Lebensperspektive ermöglichen.

Was spricht eigentlich noch dagegen, sich gleich jetzt für einen Lebensstil der Grosszügigkeit zu entscheiden?

KONKRET

  • Radiosendung Danke sagen als Lebensstil (mit Georges Morand und Stefan Gerber)
  • Die Aktion Nacht ohne Dach vom Hilfswerk TearFund sensibilisiert junge Menschen für die Not in den Slums – und hilft zu teilen.
  • Dankbarkeit und Grosszügigkeit sind Wege ins Glück. Diese und weitere Wege ins Glück entdecken Sie in meinem neuen Buch Glück finden – hier und jetzt.
    Einfach verständlich präsentiert Stefan Gerber darin verblüffende wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Glücksforschung, gibt praktische Glücktipps («5 gute Taten pro Woche»), bestätigt einen da, wo man sich gut unterwegs fühlt – und zeigt, wo sich eine Neuorientierung empfiehlt.
    Stephan Lehmann-Maldonado, Chefredaktor UBS magazin
Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich Gesellschaft“.

"Eigentlich" geht es uns gut

Eigentlich hatten wir alles, was wir brauchten. Ein schönes Zuhause, Geld und ein sicheres, gutes Land, in dem wir wohnten.
Sara Spross im Magazin Family (2/15) 

Das Wörtchen „eigentlich“ ist verräterisch: Sagt jemand „Eigentlich geht es mir gut“, geht es der Person eben doch nicht gut. Gemeint ist wohl: Im Grunde könnte ich dankbar sein für das, was ich habe. Oder: Es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum ich nicht zufrieden sein könnte. Oder eben sollte. Und da liegt wohl das Problem von solchen Formulierungen: Ich sehe ja, dass ich zufrieden sein müsste – aber eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, fühlt es sich eben doch nicht so an.

Kann man Glück, Zufriedenheit, Dankbarkeit oder auch Genügsamkeit befehlen? Nein. Wenn meine Innenwelt nicht in Balance ist, ich mich in meiner Haut nicht wohl fühle, kann äusserlich noch so vieles tiptop sein – mehr als ein „Eigentlich geht es mir gut“, „Eigentlich habe ich alles, was ich brauche“ oder „Eigentlich habe ich nichts zu jammern“ werden wir da nicht ernten.

Eine neue Lebensqualität gefunden

Das hat auch das Ehepaar Spross erlebt, von dem das Eingangszitat stammt. Gestern Abend waren sie Gast in der Veranstaltungsreihe Chäs, Brot, Wy – u mini Gschicht mit Gott von gms – z’friede läbe. In diesem Format erzählen Gäste nach Weinkunde und Tapas ihre spannende Lebensgeschichte.

Obwohl Sprosses äusserlich gesehen alles hatten, hing ihre Ehe an einem dünnen Faden. Er, der gewissenhafte Geschäftsmann aus Kloten, sie, die temperamentvolle Frau aus Chile, – da sind Konflikte vorprogrammiert. Zusätzlich stand er mit seiner Firma in einem herausfordernden Geschäftsfeld arg unter Druck.

Die Lage spitzt sich zu, bis das Paar eines Tages in einem Ehekurs (sie meldete sich an – er kam eher unfreiwillig und erst über Umwegen mit) endlich einmal Zeit findet, um zu zweit an einem Tisch zu sitzen und einfach zu reden, den anderen besser kennen und verstehen zu lernen, Zusammenhänge zu entdecken …

Wenn ich heute dem Ehepaar Spross gegenüber stehe, sehe ich nicht Menschen, denen es „eigentlich“ gut gehen sollte. Ich sehe ein Paar, das angekommen ist. Nicht in einem Leben ohne Konflikte. Die Auf und Abs gehören zu ihrem Alltag, der Druck im Geschäft ist nicht weg und die Unterschiedlichkeiten in ihrer Persönlichkeiten bleiben eine Herausforderung. Doch sie haben gelernt, konstruktiv damit umzugehen.

„Ich habe Gott nicht gesucht“, sagt Peter. Aber offensichtlich hat Gott ihn gefunden. Seit er Gott bewusst einen zentralen Platz in seinem Leben einräumt, hat sich vieles verändert. Und immer wieder spricht Peter von Wunder, die er im Alltag erlebt. Das mit der Ehe, die eine neue Qualität gewonnen hat, ist nur eines davon. Das Durchstehen der schweren Krankheit ihres Sohnes ein weiteres. Auch im Geschäftsalltag erlebt er, wie Gott vieles zum Guten führt – wenn man ihn lässt.

Eine ermutigende Geschichte, die wir da vom Ehepaar Spross erfahren durften. Und was tun Sie, damit es Ihnen und Ihrer Partnerschaft nicht nur „eigentlich“ gut geht?

 

KONKRET

Zufriedenheit kann man nicht befehlen. Aber ich lade Sie ein, das Glück einfach mal auszuprobieren. Hier finden Sie Inspiration dazu:

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Hör auf dein Herz

What are you willing do die for? Live for that.
Wofür bist du bereit zu sterben? Lebe dafür!
Common 
(am Global Leadership Summit 2015)

Neben den hochstehenden Referaten, die für viel geistiges Futter sorgen, besticht der Leadership Summit auch durch die künstlerischen Darbietungen und die eindrücklichen Storys. Das ist dann jeweils starkes Kraftfutter für das Herz.

Als Überraschungsgast ist in diesem Jahr der Hip Hoper und Schauspieler Common, Oskargewinner für seinen Song Glory aus dem Film Selma, aufgetreten. Nicht nur, das der Auftritt wunderschön war, der Song Glory berührt definitiv das Herz und das kurze Statement von Common war eine Herausforderung für alle Anwesenden:

„Wofür bist du bereit zu sterben? Dann leben auch danach!“

Es ist eine beliebte und ebenso verhasste Coaching-Übung, die eigene Grabrede oder Todesanzeige zu schreiben. Ob man das mag oder nicht: Sich damit zu beschäftigen, was man gerne einmal über seinem eigenen Leben stehen hat, bringt das Wesentliche direkt auf den Punkt. Was möchten Sie, dass die Leute einmal nach Ihrem Tod über Sie sagen werden? Für was möchten Sie in Erinnerung bleiben?

Nur: Über solche Fragen nachzudenken ist bloss der erste Schritt. Das Entscheidende bei diesem Gedankenspiel ist, wie so oft, die Umsetzung. Und da holt uns Common mit seinem Statement ab: „Live for that! Lebe dafür!“

Ein übervolles Herz

In den letzten Wochen habe ich einige Referate und Eindrücke vom diesjährigen Global Leadership Summit hier in meinem Blog verarbeitet. Es war ein grossartiger Motivationsschub, dass ich nach etlichen Jahren Unterbruch diesen Sommer wieder einmal bei dieser herausragenden Konferenz live in Chicago dabei sein durfte.

Was mich an dieser Konferenz besonders anspricht, ist die Ganzheitlichkeit: Mein Kopf wird mit dem Besten, was es über Leadership zu hören gibt, inspiriert. Mein Herz wird durch Storys von Menschen, die ihrem Herz gefolgt sind, berührt. Und meine Hände warten bereits darauf, daheim das Gehörte in Taten umzusetzen. Denn: „Leadership matters!“ wie Bill Hybels nicht müde wird zu sagen.

Und er hat recht: Gestern gingen die 15. Happy Kids Days in Studen zu Ende. Für unsere gemeinnützige Kinder- und Familienanimation ist das die schönste Woche im Jahr. 50 strahlende Kinder. Glückliche Mitarbeitenden, die teils extra Urlaub genommen haben. Einfach eine grandiose Zeit. Aber auch diese Happy Kids Days würde es nicht geben, wenn nicht vor 15 Jahren jemand die Führungsaufgabe übernommen und die Initiative ergriffen hätte (Merci Brigä!). „Leadership matters, Führung ist entscheidend!“

Zum Schluss dieser kleinen Serie ein Zitat, das ich an der Konferenz aufgeschnappt habe: „Wer Aufgaben delegiert, kreiert Nachfolger. Wer Autorität, Kompetenz und Verantwortung delegiert, kreiert Leader.“

Wenn wir eines unbedingt brauchen in unserer Welt, sind es Menschen, die Verantwortung übernehmen und sich für das Gute einsetzen. Darum: Liebe Chefs, bitte delegieren Sie nicht bloss Aufgaben! Helfen Sie mit, dass weitere Führungspersönlichkeiten entwickelt werden.

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Stolperstein Feedback

Überall auf der Welt stolpern Leute über die Feedback-Kommunikation.
Sheila Heen 
(am Global Leadership Summit 2015)

Was Sheila Heen aus ihrer Forschungsarbeit zu berichten hatte, war ziemlich ernüchternd: Trotz den vielen, intensiven Trainings, die überall auf der Welt seit Jahren abgehalten werden, um besser darin zu werden, konstruktive Feedbacks zu geben, kämpfen nach wie vor viele Menschen mit der Feedback-Kommunikation.

Sheila Heen hat eine interessante Erklärung, warum all die Seminare nur wenig gebracht haben: Normalerweise werde der Schwerpunkt darauf gelegt, wie wir besser Feedback geben. Aber was wir stattdessen bräuchten, ist einen Schulung darin, besser Feedback annehmen zu können.

Feedback hat nämlich sehr viel mit uns zu tun. Es geht darum, wie wir die Informationen, die wir über uns selbst zur Verfügung haben, verarbeiten. Und da geraten zwei unterschiedliche menschliche Bedürfnisse in Konflikt zu einander:

  • Wir wollen uns weiterentwickeln, lernen und wachsen – und zwar mit Freude.
  • Wir wollen akzeptiert, geliebt und respektiert werden – so wie wir jetzt gerade sind.

Einige Arten von Feedbacks (Wertschätzung: Ich sehe dich) werden vor allem unser zweites Bedürfnis befriedigen. Andere (Auswertung: Ich zeige dir, wo du stehst) werden uns aufzeigen, wo wir uns weiterentwickeln können. Eine dritte Form von Feedback (Coaching: Ich unterstütze dich in deiner Entwicklung besser zu werden.) schaffen es hoffentlich, beide angesprochenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Gerade der Punkt der Wertschätzung ist unheimlich wichtig: Über 90 % der Mitarbeitenden erhalten zu wenig davon (mind. in den USA).

Feedback annehmen

Aber wie können wir nun Feedbacks besser annehmen?

  • Wir sollen, dürfen und können entscheiden, ob wir ein Feedback annehmen. Manchmal lehnen wir es jedoch zu schnell ab.
  • Die möglichen schmerzvollen Reaktionen durchschauen:
    – Stolperstein der Wahrheit: Stimmt das überhaupt?
    – Stolperstein im zwischenmenschlichen Bereich
    – Stolperstein in meiner Identität: Wir sind verunsichert.
  • Erkennen, was mit dem Feedback gemeint ist.
    Nicht vorschnell über richtig und falsch entscheiden, sondern versuchen zu verstehen, was gemeint ist.
  • Sich selber klar sehen.
    Guter Umgang mit den blinden Flecken einüben. Versuchen zu sehen, wie einem die anderen wahrnehmen.
  • Freunde um Hilfe bitten.
    Freunde können einem helfen, zu erkennen, was richtig, was falsch ist, an diesem Feedback. Und sie zeigen einem, dass ein bestimmtes Feedback nicht die ganze Story ist.
  • Schlussendlich verändert es die gesamte Firmenkultur, wenn Führungskräfte bessere Feedback-Nehmer werden.

Schwierige Diskussionen, zu denen häufig auch die Feedback-Kommunikation gehört, ist halt einfach schwierig und wird es wohl auch immer bleiben. Doch wenn wir es schaffen, reflektiert mit uns und den erhaltenen Feedbacks umzugehen, werden uns diese potenziellen Stolpersteinen nicht zu Fall bringen, sondern können zu einem wertvollen Entwicklungsschritt auf unserem Weg werden.

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Motivierte Mitarbeiter, treue Kunden

Service is about caring. We’re all in that business. – 
Dienstleistung heisst sich kümmern. Wir sind alle in dieser Branche.
Horst Schulze (Gründerpräsident The Ritz-Carlton Group)

Jörg Knoblauch (tempus) schreibt betreffend Kündigungsgrund von Mitarbeitenden: „In über 90 Prozent der Fälle ist der Hauptgrund dafür, dass jemand geht, der Vorgesetzte.“ Knoblauch fügt an, dass es in der Regel die besten Mitarbeiter sind, die gehen und sich eine neue Herausforderung suchen. Die, die bleiben, sind die, die keinen neuen Job finden …

Unsere Aufgabe als Führungsperson ist also matchentscheidend! Davon sprach am Global Leadership Summit auch Horst Schulze auf beeindruckende Weise.  Schon nur seine eigene Story ist faszinierend, eine richtige Tellerwäscher-Karriere. Als Jugendlicher hatte er in einem Luxushotel angeheuert und heute führt er eine Hotelkette im obersten Luxussegment (Capella Hotel Group).

Schulze erinnerte in seinem Referat daran, dass es letztendlich in jedem Business, in jeder Branche, darum geht, sich zu kümmern. Kundenloyalität ist enorm wichtig und wird durch ausgezeichneten Service, das echte „sich Kümmern“, erreicht:
1. Fehlerloses Produkt/Dienstleistung
2. Pünktlichkeit (Die Zeit des Kunden wird wertgeschätzt.)
3. Freundlichkeit

Die ersten beiden Punkte sind Grundvoraussetzungen. Der Unterschied macht heute die Freundlichkeit, die persönliche Note. Gelingt dieser herausragende Service, schaffen wir Wert für unsere Kunden. Und die Währung, in der abgerechnet wird, ist das Vertrauen.

Mitarbeitende: Ladies and Gentlemen

Doch ob dieser erstklassige Service in einem Unternehmen wirklich gelebt wird, entscheidet sich nicht am Schreibtisch des CEOs oder auf einem eingerahmten Leitbild in jedem Raum. Die Chefs müssen ihre Mitarbeitenden wertschätzen, ihnen spürbar Wert verschaffen. Dies beginnt für Schulze bereits beim Anstellungsprozess: Menschen auswählen, statt bloss anzuheuern. Mitarbeitende sollen Teil eines Traums werden – und nicht nur eine Funktion ausfüllen.

In der Hotelfachschule hatte Schulze als Student eine Arbeit mit „Ladies and Gentlemen Serving Ladies and Gentlemen“ betitelt. Genau dies wurde später zum Motto der Ritz-Carlton Hotelgruppe. Und genau das brachte Horst Schulze in seinem Vortrag auf eindringliche und sympathische Art rüber: Nicht nur die Kunden sind VIPs, auch die Mitarbeitenden verdienen es, als Ladies und Gentlemens behandelt zu werden.

Und was ist nun die Aufgabe eines guten Chefs? Schulze: „You serve your people by leading them to excellence. That’s leadership. Du dienst deinen Mitarbeiter, indem du sie zu Spitzenleistungen führst. Das ist Führung.“

Es ist wirklich matchentscheidend, wie wir mit den Menschen um uns herum umgehen. „Join me and have a purpose!“ sagte Schulze zu seiner Einstellung gegenüber seinen Mitarbeitenden. Wenn es wirklich gelingt, dass die Menschen, die in unserem Team mitdabei sind, Sinnhaftigkeit erfahren, Teil von etwas Grösserem sind, werden sie sich kaum nach einem anderen Job umsehen.

Schulze war so inspirierend, dass er als Hoteldirektor am Ende seines Vortrages von tausenden von Pastoren eine Standing Ovation erntete. Und dabei dachten sich wahrscheinlich nicht wenige: Für einen solchen Chef würde ich gerne arbeiten.

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Immer ein Grund zum Danken

Wer jeden Tag überlegt, wofür er dankbar ist,
geht glücklicher durch den Alltag.

Stefan Gerber

Vom Bettag 2015 bis Bettag 2016 laden zahlreiche Partner zum Jahr der Dankbarkeit. Kürzlich durfte ich als Leiter der Schweizer Geschäftsstelle dazu folgendes Interview geben (gekürzte Fassung):

Wie kann ich als Einzelperson beim Jahr der Dankbarkeit mitmachen? Wie als (Kirch-) Gemeinde?

Danken kann jedermann – und das sogar sofort ohne Vorbereitung. Ein Dank an Gott, ein Dank an Familienmitglieder, ein Dank an die Mitmenschen. Es geht uns einerseits darum, dass wir beginnen mit offenen Augen und dankbarem Herzen durchs Leben zu gehen. Oft sind wir auf Negatives fixiert und nörgeln fällt uns leichter als zu loben. Das soll sich ändern!
Und dann hoffen wir darauf, dass viele kirchliche Gruppen und ganze Gemeinden das Anliegen auf ihre eigene Weise aufnehmen und kreative Wege finden, um Dankbarkeit zu thematisieren (z. B. in einer Gottesdienstserie) und praktisch werden lassen (z. B. mit einer Dankaktion für die vielen freiwilligen Mitarbeitenden in Kirche und Gesellschaft).

Warum kein „Jahr der Klage“?

Das ist eine gute Idee. Vielleicht sollten wir tatsächlich auch lernen, wie man „biblisch klagt“. Unser Gott hält es nämlich aus, wenn wir vor ihm unser Leid beklagen. Die Bibel ist voll von solchen Klagen. Leider beobachte ich, dass viele Menschen aber lieber jammern, lästern und sich als Opfer suhlen. Die Klage vor Gott bleibt nicht um sich selbst drehend beim Selbstmitleid stehen, sondern führt  uns „vom Klagen zum Loben“. Ist also vorwärtsgerichtet …

… damit wir dann doch bei der Dankbarkeit landen?

Ja, genau! Es geht ja bei der Dankbarkeit nicht um positives Denken oder Schönreden von etwas, was nicht schön ist. Natürlich gibt es auf unserer Welt – und in meinem Leben – viele Missstände. Doch unser Ansatz ist: Es gibt immer einen Grund zum Danken. Wenn wir den Fokus auf das legen, was uns dankbar stimmt, leben wir gesünder und glücklicher. Das bestätigt die Psychologie und davon erzählt die Bibel.

Vielen Menschen ist aber trotzdem nicht zum Danken zumute. Kann man Dankbarkeit verordnen?

Natürlich nicht. Aber wir hoffen, dass das, was durch die Glücksforschung immer mehr in Medien und Gesellschaft postuliert wird, auch in unseren Kirchen ankommt: Unsere Denk- und Verhaltensweisen habe einen enormen Einfluss auf unsere persönliche Zufriedenheit. Wer jeden Tag überlegt, wofür er dankbar ist, geht glücklicher durch den Alltag. Verordnen können und wollen wir die Dankbarkeit nicht. Doch wir laden ein, zum Beispiel durch ein Danke-Tagebuch oder ein Merci an der richtigen Stelle zu erfahren, dass Dankbarkeit vielfältige, positive Auswirkungen hat.

Oft sind Menschen aber peinlich berührt, wenn man ihnen dankt. Wie geht man damit um?

Leider ist das so. Durch die ständige Defizitorientierung sind sich viele Menschen nicht mehr gewohnt, ein Dank oder Lob anzunehmen. Einigen steigt dabei sogar die Röte in den Kopf. Da es sich jedoch besser, gesünder und biblischer lebt, wenn man sich gegenseitig lobt, ist mein Vorschlag ganz praktisch: Schaffen wir uns ein grosses Übungsfeld und sprechen regelmässig ein Lob aus und lernen auf der anderen Seite, Dank anzunehmen. Übung macht den Meister.

Und wofür sind Sie gerade dankbar?

Oh, da gibt es vieles: Das Kitzeln der Sonne, mein Buchprojekt, das ich diese Tage abschliessen kann, das „Brunnenbaden“ mit einer befreundeten Familie kürzlich in Basel … Ein besonderer Glücksmoment war, als wir in den Sommerferien als Familie beim Sonnenuntergang am schönsten Tisch am Strand von Javea unser Nachtessen genossen.

KONKRET

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

"Mach dich verletzlich!"

Be courageous. Be vulnerable. –
Sei mutig. Sei verletzlich.
Brené Brown (am Global Leadership Summit 2015)

Das braucht schon etwas Mut: Vor tausenden von handlungsorientierten, erfolgshungrigen Leaders zu stehen und zu sagen „Mach dich verletzlich!“. Dann noch von einer Frau (da Frauen auf Führungsebene immer noch massiv untervertreten sind, müssen sie sich leider zuerst behaupten, bevor man(n!) ihnen lernwillig zuhört).

Auf jeden Fall hatte am Leadership Summit Dr. Brené Brown genau diesen Mut und war auch bereit, sich verletzlich zu machen. Zum Glück! Was für eine Botschaft für Menschen, die etwas bewegen wollen, grosse Träume haben, ihre Visionen in Teilziele einteilen und sich gewohnt sind, handfeste Strategien zu entwickeln. Leadership ist mehr als bloss ein paar Managementtechniken anzuwenden. Managen können wir Finanzen und Maschinen – aber nicht Menschen.

Brené Brown sagte: „Wir wollen mehr Liebe, Intimität, Zugehörigkeit und Freude. Der Weg dazu geht über Verletzlichkeit.“ Diese menschlichen Grundbedürfnisse, die Sehnsucht geliebt und angenommen zu sein, sind bestimmt nicht dort zu finden, wo wir zwischen uns und unseren Mitmenschen eine Mauer aufbauen. Geben wir uns distanziert, oberflächlich und stets kontrolliert, wird die Intimität in einer Partnerschaft ab- und nicht zunehmen.

Doch diese Tatsache ist nicht nur auf unser Liebes- und Familienleben beschränkt. Sie zählt ganz allgemein für unseren Umgang mit Menschen – auch als Chef. Die allermeisten Menschen suchen nach Nähe, Zuneigung und einem Ort, wo sie dazugehören. Und dies werden wir erst erfahren, wenn wir uns öffnen und uns daher auch verletzlich machen.

Wie viele unnahbare Chefs kennen wir? Nur weil in der ganzen Firma alle per Du sind (weil das mal an einem Motivationsseminar so aufgezwungen wurde), heisst das noch nicht, dass eine Kultur der Zugehörigkeit, Wertschätzung und ja, sogar eine Kultur der Liebe herrscht (der Unterschied von einem guten zu einem Spitzenteam macht der Umgang miteinander, die gegenseitige Liebe, aus!). Es braucht echte Leaders, um eine solche Kultur aufzubauen. Menschen, die nicht Offenheit diktieren, sondern leben! Menschen, die bereit sind, zu scheitern – und auch dazu zu stehen. Menschen, die den Mut haben, sich auch von einer verletzlichen Seite zu zeigen.

Und dazu gehört auch, dass wir uns in Konfliktsituationen nicht einfach zurückziehen. Wie oft hat mir mein Bauchgefühl gesagt, dass etwas nicht stimmt. Und wie selten habe ich die Situation wirklich angesprochen. Ich wollte die Wahrheit im Grunde gar nicht wissen. Aus Angst vor Ablehnung, blieb ich lieber in der Ungewissheit.

Aber genau das ist eine grosse Gefahr. Brené Brown zeigte an Hand einer persönlichen Geschichte aus ihrem Ehe- und Familienalltag auf, dass wir dazu neigen, die fehlende Stücke einer Story selbst zusammenzubasteln. Sprich: Da gibt es eine irritierende Situation im zwischenmenschlichen Bereich und ohne nachzufragen fertigen wir unsere eigene Version der Geschichte zusammen. Unser Hirn glaubt zu wissen, warum der andere jetzt gerade so gehandelt hat. Doch unser Hirn kann leider nicht ins Hirn des anderen gucken und so passiert, was in den meisten Konflikten geschieht: Durch Fehlinterpretation eines Verhaltens fühlen wir uns zurückgewiesen, ziehen uns danach selbst zurück und statt mehr Intimität wächst eine Distanz zwischen uns.

Darum: Die Liebe gewinnt, wenn wir den Mut haben, uns verletzlich zu machen. Uns selber reflektieren, unsere Emotionen klären, einen Schritt auf den anderen zu gehen und Unangenehmes anpacken und so eine neue Kultur in unserer Partnerschaft, Familie, Organisation und Firma implementieren.

KONKRET

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Giver oder Taker?

Find small ways to add great value to others. – 
Finde kleine Wege um anderen grossen Wert zuzufügen.
Adam Grant (am Global Leadership Summit 2015)

„Nicht schon wieder!“ sagt meine Tochter derzeit regelmässig abends um 10 vor 8 während sie die Kindernachrichten schaut. Die ungeheure Dramatik der aktuellen Flüchtlingskrise geht nicht spurlos an ihr vorbei. „Nicht schon wieder!“ sagt sie nicht etwa, weil sie wegen zu wenig Mitgefühl das Ganze nicht sehen will. Es ist wenn schon das Gegenteil: Sie fühlt derart mit Menschen in Not mit, dass es einfach auch einmal zuviel ist – es einfach traurig, ohnmächtig, schlaflos, wütend macht.

Weil auch ich mich ohnmächtig fühle und es auf ein so überwältigendes Problem keine einfache Lösung gibt, will ich hier keine Debatte über die Flüchtlings- und Asylthematik führen. Aber ich will da ansetzen, wo sich jeder von uns selbst hinterfragen darf: Bin ich ein „Taker“ oder ein „Giver“? Bin ich jemand, der nur von anderen profitiert, andere ausnutzt? Oder glaube ich schon daran, dass alle gewinnen, wenn ich mich für andere einsetze?

Was hat das nun mit der Flüchtlingskrise zu tun? Nun, erstens hab ich ja gesagt, ich will nicht davon schreiben. Und zweitens glaub ich schon, einen Zusammenhang zu sehen: In diesem riesigen Schlamassel gibt es viele „Takers“, die durch ihre Selbstverliebtheit die enorme Flüchtlingswelle ausgelöst haben oder die nun in der Krise nur an ihren eigenen Profit denken. Von den aktuell grössten „Reiseveranstaltern“ wurde in einer Nachrichtensendung gesprochen. Konkreter will ich hier nicht werden, das wäre für mein Anliegen nicht hilfreich und auch wieder zu einfach: Mit dem Finger auf die bösen Schuldigen zu zeigen ist mir zu bequem.

Kommen wir also zurück auf die Givers und Takers, kommen wir wieder zu uns selbst. Am Leadership Summit sprach der junge Professor Adam Grant von drei Typen, wenn  es um die Interaktion, die zwischenmenschliche Beziehung, in Organisationen geht: Die Takers, die Givers und die Matchers.

Die Takers haben ein klares Ziel: Sie wollen mehr erhalten, als sie geben. Ihre Bedürfnisse und ihre eigenen Interessen sind wichtiger als die der anderen. Weil sie besser als alle anderen sein müssen, sind sie auch ständig mit der Selbstvermarktung beschäftigt. Ihre Logik: Wenn ich nicht zuerst für mich schaue, wird es niemand anderes tun.

Die Givers funktionieren ganz anders. Ihr Ziel ist es, andere zu unterstützen. Sie sind anderen gegenüber grosszügig und sind bereit, ihre Zeit, Energie, Wissen, Erfahrung, Stärken und Ideen zu teilen. Sie schauen auf das Potenzial in anderen Menschen. Ihre Logik: Wenn ich in andere investiere, gewinnen wir alle.

Die dritte Gruppe besteht aus den Matchers. Sie versuchen das Geben und Nehmen in Balance zu halten. Es sind auch die Menschen, die zwischen Takers und Givers vermitteln. Sie interagieren nach dem Prinzip Leistung für Gegenleistung. Ihre Logik: Wenn ich das für dich tue, musst du dies für mich tun.

Und welcher Weg führt uns nun zum Erfolg? Takers steigen auf – und sinken bald wieder ab. Givers verlieren oft im kurzen Rennen – aber gehören auf die lange Sicht zu den Gewinnern. Die Herausforderung ist es, eine Kultur der erfolgreichen Geber aufzubauen:

  • Grosszügig teilen, was mir anvertraut ist.
  • Wissen weitergeben.
  • Hilfe anbieten – aber auch zeigen, dass es okay ist, um Hilfe zu bitten.
  • PROnoia (andere Menschen meinen es gut) statt PARAnoia (Angst vor den Leuten).
  • Aber auch Grenzen ziehen: Stille Stunde einhalten. Zeit für eigene Arbeit.

Unsere Firmen, Organisationen – ja unsere Gesellschaft – gewinnt nicht, wenn jeder so viel als möglich für sich selbst nimmt. Geben bringt uns weiter!

 

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“ und Gesellschaft“.

 

Kreative Demut

Coming up with a solution is a creative act.
Eine Lösung hervorzubringen ist ein kreativer Akt.
Ed Catmull (Präsident von Walt Disney and Pixar Animation Studios, am Global Leadership Summit 2015)

Neben den hochkarätigen Referaten zu Leadership- und Persönlichkeitsthemen zeichnet sich der Global Leadership Summit für mich auch durch die Geschichten von Führungspersönlichkeiten und die Begegnungen mit anderen Leaders aus. Was gibt es bessers, als das Gehörte am Abend in einer sympathischen Runde beim Nachtessen zu verarbeiten?! Gemeinsam über Umsetzungsschritte nachzudenken und mit spannenden Menschen ins Gespräch zu kommen, die man daheim sonst gar nie trifft. Dabei zu spüren, dass man nicht alleine ist, dass andere auch vor Herausforderungen stehen oder zu hören, wie sie diese gemeistert haben – das tut mir gut.

Ja, überhaupt inspirieren mich die Storys von Menschen, die etwas bewegt haben, die gescheitert sind – und wieder aufgestanden sind, vielmehr als noch so manches brillantes Fachreferat. Fehlt die eigene Praxis, fehlt die eigene harte Auseinandersetzung im Alltag, dann fehlt die Bodenhaftung. Das wirkliche Leben und Verhalten von Leaders spricht lauter und deutlicher als alle Worte, als jede hübsche Theorie.

Dazu gibt es eine eindrückliche Backstage-Story von Ed Catmull (Präsident von Walt Disney and Pixar Animation Studios). Nach dem Talk zwischen ihm und Bill Hybels traf dieser äusserst erfolgreiche Trickfilmemacher hinter der Bühne das Enkelkind von Hybels. Und was macht Catmull? Er kniet sich nieder um mit dem Jungen auf Augenhöhe sprechen zu können.

Dieses Zeichen der Demut spricht eine deutliche Sprache – und unterstützt, was der grossartige Kreativmensch kurz davor den 7’500 Zuhörern im Auditorium über Teamspirit und Kreativität sagte.

Leider habe ich auch schon das Andere erlebt: Leiter, die im Scheinwerferlicht einer grossen Bühne flotte Sprüche von sich gaben und sich hinter der Bühne ziemlich arrogant aufführten.

Was Catmull da schier im Verborgenen (hätte Hybels es später nicht auf der Bühne erzählt, wüsste es kaum jemand) tat, passt gut zu dem, wie Jesus mit den Kindern umgegangen ist. Dadurch, dass Jesus damals die „Geringsten“ zu sich heran liess und wohl sogar sein „Fachreferat“ unterbrach, unterstrich er nachdrücklich seine Botschaft der Liebe, Mitmenschlichkeit und Demut.

Vergessen wir also nicht – ob wir nun Führungspersonen sind oder nicht: Unser Verhalten spricht immer eine lautere Sprache als unsere Worte!

Und was den Talk mit Catmull am Leadership Summit angeht, hier noch einige Kerngedanken:

  • Kreativität erfordert Offenheit – nicht einfach immer dasselbe wiederholen! Darum brauchen wir Horizonterweiterung: Neues anschauen, kennen lernen.
  • Kraft von Storys: Geschichten sind die Art, wie wir kommunizieren – auf allen Ebenen: Familie, Schule, Organisationen, Firmen. Gute Storys berühren immer Emotionen. Storys verändern die Welt!
  • Feedback-Kultur bei Pixar:
    – Peer to Peer (Filmemacher zu Filmemacher)
    – keine Machtstruktur (Feedback ist kein Kündigungsgrund)
    – Vertrauen in Erfolg des anderen.
    – Interesse am Projekt – alle sollen gewinnen.
    – Zuhören
  • Fehler umarmen: Wir werden scheitern – so oder so – aber wir können unsere Organisation zu einem sicheren Ort machen, wo scheitern erlaubt ist.
  • Werten zuzustimmen ist der erste kleine Schritt. Bis sie leben, dauert es Jahre. Vertrauen kann man nicht bloss zustimmen. Vertrauen erntest du!

Ein Mensch kann viel erreichen, wenn seine Worte und sein Handeln zusammenpassen – als Führungsperson in Firma, Kirche oder Politik, aber auch als Mutter/Vater oder Freund.

 

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Das Leadership-Gen – und wie wir es weiterentwickeln

Grossartige Leader starten nicht als grosse Leader.
Sie wachsen zu grossartigen Führungskräften heran.
Jim Collins 
(am Global Leadership Summit 2015)

Gibt es ein „Leadership-Gen“, das eine Person zu einer besonders guten Führungskraft macht? Ich glaube tatsächlich, dass Leadership mehr als ein erlernbares Vorgehen ist. All die unsäglich mittelmässig-schlechten Chefs sind der beste Beweis dafür: Nicht jeder hat das Zeug zur grossartigen Führungskraft.

Gleichzeitig stimme ich natürlich Jim Collins zu: Auch wer mit dem „Leadership-Gen“ ausgerüstet ist, startet nicht als grossartiger Leader. Im Einbringen der eigenen Stärke erzielt man Fortschritte und wird – hoffentlich – immer mehr zu einer grossartigen Führungspersönlichkeit.

Anders gesagt: Als Fürhungsperson ist es unsere Verantwortung uns stetig weiterzuentwickeln. Das sind wir uns selbst und vor allem den Menschen, denen wir vorausgehen dürfen, schuldig!

Zurück zum „Leadership-Gen“. Wie finde ich heraus, ob ich es habe oder nicht? Gerne wird immer wieder auf das etwas gar vereinfachte Testverfahren verwiesen: „Wenn du wissen willst, ob du ein Leadership-Talent hast, dann dreh dich um und schaue, ob dir jemand folgt!“

Ich erinnere mich an ein Jungscharlager: Im Team gab es einerseits einen älteren, gewissenhaften Leiter und anderseits war da der junge, freiheitsliebende Leiter. Ich konnte beide bei der Ausführung der selben Aufgabe beobachten. Dem einen ist es kaum gelungen, die Kinder zu führen. Dem anderen folgten sie wie von selbst.

Warum dieser Unterschied? Für mich liegt die Erklärung beim Vorhandensein (oder eben nicht Vorhandensein) des natürlichen „Leadership-Gens“. Und welcher der beiden Leiter hatte dieses Gen? Genau, der Jüngere war es.

Nun, wie aus diesem jungen, talentierten Leiter eines Tages eine grossartige Führungsperson wird, ist eben das Thema von Jim Collins. Mit seinem Bestseller Good to Great  hat er aufgezeigt, dass grossartige Firmen und Organisationen auch von grossartigen Leadern geführt werden. Collins zeigt darin auch auf, wo der Unterschied zwischen einer „Level 4“- und einer „Level 5“-Führungskraft liegt.

Als regelmässiger Sprecher am Leadership Summit gab Collins bei der diesjährigen Durchführung dieser globalen, inspirierenden Konferenz den rund 100’000 Zuhörenden sieben Fragen zur Weiterentwicklung des eigenen „Leadership-Gens“ mit auf den Weg:

  • Frage 1: Welchem Zweck dienen Sie – mit der Ambition auf Grossartigkeit?
    Eine grossartige Führungskraft schafft es, dass die Leute einem Zweck (übergeordneter Sinn) folgen – und nicht bloss dem Leader.
  • Frage 2: Werden Sie sich damit begnügen, ein guter Leader zu sein – oder werden Sie sich zur grossartigen Führungsperson weiterentwickeln?
  • Frage 3: Wie können Sie Versagen als Wachstumsschritt nutzen?
  • Frage 4: Wie werden Sie erfolgreich indem Sie anderen zu Erfolg verhelfen?
    Wir erreichen unser Bestes nur, wenn wir anderen helfen, erfolgreich zu sein.
  • Frage 5: Haben Sie Ihren persönlichen Igel gefunden?
    Dies ist ein Bild aus Good to Greatund steht für den Schnittpunkt von Leidenschaft, Stärken und Ressourcen.
  • Frage 6: Sind Sie bereit, Grossartigkeit in Ihren Verantwortungsbereich einzubauen?
    Nicht die eigene Karriere vor Augen, sondern das Einsatzgebiet.
  • Frage 7: Wie werden Sie das Leben anderer prägen?
    Das Leben sind Menschen – nicht Titel, Status oder Macht.

KONKRET

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.