Boarding Time

Advent ist, wenn Kinderaugen wieder zu strahlen beginnen
und wir uns anstecken lassen von der Vorfreude auf Weihnachten.
Gudrun Kropp

Vielleicht ist es bei Vielfliegern anders, aber Menschen, die nicht regelmässig ins Flugzeug steigen, haben gewöhnlich eine etwas erhöhte Anspannung, wenn sie 1-2 Stunden vor Abflug am Flughafen ankommen und einchecken. Das war bei mir vor einigen Jahren nicht anders. Doch schlagartig wurde aus meiner erhöhten Anspannung totale Alarmbereitschaft. Die netten Leute beim Check-In sagten mir ganz höflich: „Mit diesem Pass lassen sie Sie in den USA nicht rein.“ Uf, da hab ich scheinbar ein wichtiges Detail übersehen… Und jetzt? Mit rasendem Puls und aussergewöhnlichem Adrenalinschub suchte ich das Notpassbüro am Flughafen auf.

Jede Menge Schweisstropfen später und viele Franken leichter war ich dann nicht gerade stolzer Besitzer eines provisorischen Passes. Erschöpft, aber immerhin noch rechtzeitig zum Boarding, erreichte ich das Gate. Zur Entspannung blieb mir ja ein langer Flug nach Chicago.

Genauso hektisch wie meine „Flugvorbereitung“ von damals, verläuft häufig die Adventszeit. Mit der Idealvorstellung einer gemütlichen Stunde vor dem Abflug (vielleicht mit Prosecco an der Panoramabar) reiste ich an den Flughafen. Mit viel Idealvorstellungen und idyllischen Bildern starten viele von uns Jahr für Jahr auch in die Adventszeit. Klein und Gross freuen sich, überall gibt es Beleuchtungen zu bestaunen und wir stellen uns vor, wie wir in unserer weihnächtlich dekorierten Wohnung bei Kerzenschein eine gemütliche Stunde mit unseren Liebsten verbringen, vielleicht sogar eine Adventsgeschichte erzählen.

Doch dann reisst uns die harte Realität aus der Traumwelt: Im Geschäft ist alles andere als Gemütlichkeit angesagt, da ja auf den letzten Drücker noch die Jahresziele ins Trockene gefahren werden müssen. Mit den Kindern gilt es die nett gemeinten besonderen (besinnlichen) Aktivitäten von Schule, Schwimmclub und Kirche abzuspulen. Natürlich: Nicht zu vergessen all die noch nicht vorhandenen Geschenke, die üppigen Weihnachtsessen und die nervtötenden Familiendiskussionen, wer nun eigentlich dieses Jahr für welchen Teil der Weihnachtsfeier zuständig ist und wer das Fleisch fürs Chinoise wann, wo, zu welchem Preis einkauft… „Oh du stressige Weihnachtszeit“.

Leider ist es mir als Pfarrer schon so gegangen, dass ich innerlich erst bei Weihnachten angekommen bin, als alles schon fast vorüber war. Letztes Jahr ist es mir beim Weihnachtsgottesdienst so vorgekommen, als wäre Weihnachten wie ein Flugzeug. Es wurde mir bewusst: Trotz ganz vielen Adventsanlässen, die von der Idee her als Vorbereitung auf Weihnachten gedacht waren, war ich noch nicht in dieses Weihnachts-Flugzeug eingestiegen. Irgendwie war ich noch in hektischer, innerlichen Betriebsamkeit zwischen Check-In (1. Advent) und Abflug-Gate. Mit anderen Worten: Ich ganz persönlich war noch überhaupt nicht bei Weihnachten angekommen.

Dieses Jahr will ich es besser machen. Darum habe ich zum Beispiel gestern für mich alleine ganz viele Kerzen in der Wohnung angezündet, Weihnachtsmusik gehört und mich im Gebet auf den eingelassen, der an der ersten Weihnacht als Gesandter Gottes in friedlicher Mission zu uns Menschen kam.

Es ist Boarding Time – lassen wir uns ein auf das Fest der Liebe, damit wir nicht plötzlich den Flieger verpassen.

 

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Welche Männer braucht das Land?

Die Vaterliebe gestattet uns,
mit all den wunderbaren Wurzeln etwas Gutes anzufangen.
Sie bringt uns das Fliegen bei.

Richard Rohr (in: Vom wilden Mann zum weisen Mann)

Es ist inzwischen ein Dauerbrenner und gerade diese Woche war es wieder zu lesen: Die Rollenbilder von Mann und Frau sind nicht mehr so klar festgeschrieben wie früher und dies führt dann auch hin und wieder zu Rollenverwirrung: Wann ist ein Mann ein Mann? Oder: Welche Männer braucht das Land?

Der Schlusskommentar von Nina Belz zum ausführlichen NZZ-Spezial Frauenwelten endet mit den Sätzen: „Emanzipation ist keine Frauenangelegenheit. Sie verändert auch das Leben der Männer.“ (NZZ, 13.11.13)

Da haben wirs: Auch die Männerwelt ist im Wandel. Eine solche Veränderung betrifft die Arbeitswelt. Immer mehr Männer wünschen sich Teilzeitarbeit. Und einige von ihnen setzen diesen Wunsch auch tatsächlich um und übernehmen im Familienmanagement mehr Verantwortung. Sind das „Plöischler“ oder gar nur halbe Männer? Natürlich gilt es noch mit einigen Stammtisch-Vorurteilen zu brechen, um als Familienmann unter Männer nicht mehr belächelt und im Einkaufszentrum beim Familieneinkauf mit schreienden Kindern nicht mehr von Frauen bemitleidet zu werden.

Glücklicherweise erlebt man(n) ab und zu auch schon das Gegenteil: Andere Männer beneiden einem für die Möglichkeit, intensiver an der Entwicklung der eigenen Kinder teilhaben zu können. Und ja, manchmal sind es wohl nicht nur bemitleidende Blicke der Frauen im Einkaufszentrum, es könnte sich auch eine stille Bewunderung darunter mischen.

Teilzeitarbeit als Allheilmittel? Jürg Wiler, Co-Leiter der Kampagne Der Teilzeitmann nimmt uns solche Illusionen, spricht aber auch die Stärken dieses Modelles an: „Wohlgemerkt: Teilzeitarbeit macht das Leben zwar nicht einfacher, aber runder und ganzheitlicher.“

Männer, die stolz sind auf ihre Kinder

Aber die Frage, welche Männer das Land nun braucht, ist immer noch nicht geklärt. Jedenfalls steht eines für mich fest: Unsere Kinder brauchen keine zweite Mutter! Was unsere Kinder unbedingt brauchen, ist die Ergänzung der weiblichen und männlichen Energie. Dabei hat mich das Buch Vom wilden Mann zum weisen Mann von Richard Rohr sehr inspiriert. Das Konzept von Wurzeln und Flügeln zeigt, was unsere Kinder brauchen: Geborgenheit einerseits, Beauftragung anderseits. Gemäss Rohr ist die Mutterliebe dafür verantwortlich, den Kindern festen Boden unter die Füsse zu geben. Demgegenüber ist es an uns Vätern, wie oben im Zitat beschrieben, unsere Kinder zum Fliegen zu bringen.

Rohr schreibt dazu: „Wenn der Vater seinem Kind sagt: ‚Du schaffst das!‘, dann schafft es das.“ Natürlich tönt das verführerisch nach illusorischem „Nichts-ist-mir-unmöglich“. Und doch: Wie viele gebrochene Menschen (vielleicht vor allem Buben und Männer) gibt es in unserer Gesellschaft, weil kein Vater da war, der ihnen etwas zutraute, der ihr Cheerleader war, der sie anfeuerte, ihnen Vorbild war, sie voller Stolz bejubelte…?

Wir Männer sind gefragt! Am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft – aber eben auch in der Familie! Dies bestätigt auch der Psychotherapeut Peter Ballnik, Autor von Papa-Zeit. 52 Tipps für berufstätige Väter, im Interview mit dem Männermagazin Ärmel hoch!: „Die Kinder brauchen Väter, die stolz auf sie sind.“ Und: „Väter spielen wilder, ausgelassener, fordernder. Mütter halten den Kindern den Rücken frei. Väter führen die Kinder nach aussen. Es ist wichtig, dass Väter die Dinge auf ihre Art machen. Väter brauchen wortwörtlich Spielraum mit den Kindern.“

Unser Land braucht also Männer, die sich selbst, ihren Kindern und auch den Mitmenschen etwas zutrauen und sie befähigen.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

 

Emotionale Achterbahn

Glückliche Menschen sind lebendige Menschen.
Dr. Henry Cloud (in Auf der Spur des Glücks)

Jeder Mensch, so sagen wissenschaftliche Studien, hat ein „Glücksfixpunkt“. Unser subjektives Wohlbefinden ist demnach zur Hälfte genetisch bedingt. So erreicht unser innerer Stimmungsbarometer einige Zeit nach einem negativen oder positiven Ereignis wieder diesen Fixpunkt.

Ich staune immer wieder über mich selbst: Wie schnell meine Stimmung in die eine oder andere Richtung kippen kann. Da erhalte ich eine Nachricht, die mich irritiert oder mich zu sorgevollen Gedanken verleitet, und schon ist mein emotionales Wohlbefinden massiv unter Druck. Auf der anderen Seite, gerade gestern ging es mir wieder einmal so, kann ich in einem Stimmungstief sein und schon nach ein, zwei guten Begegnungen hellt sich meine emotionale Verfassung deutlich auf.

Das Leben ist eben eine emotionale Achterbahn – mit vielen Kurven, „Ups and Downs“, ruckartigen Richtungswechseln. Nun zeigen verschiedene Untersuchungen (siehe zum Beispiel in Glücklich sein von Prof. Sonja Lyubomirsky), dass unser Glücksempfinden aber trotz dieser emotionalen Achterbahn immer wieder zum Ausgangspunkt, eben zu unserem Glücksfixpunkt, zurückkehrt. Vielleicht am Eindrücklichsten dabei ist, wie schnell die kurzfristige Glückssteigerung nach einer Lohnerhöhung oder einem Karriereschritt verebbet. Aber auch das Gegenteil stimmt: Nach Rückschlägen finden wir mit der Zeit wieder zu unserem üblichen Glücksniveau zurück.

Vergebliche Suche nach Glück?

Nun können wir einwenden, dass damit all unser Glücksbestreben – samt der Fülle entsprechender Ratgeber oder den Bemühungen für ein Schulfach „Glück“ – völlig unnütz seien, wenn wir ja sowieso immer wieder auf unserem angestammten Glücksfixpunkt landen.

Die Studien sagen eben auch noch etwas anderes. Dies wurde gerade gestern im 10vor10 Beitrag Kann man Glück lernen? gut dargestellt: Wie eingangs geschildert, sind rund 50 % unseres Glücksempfindes von unseren Genen abhänging. Weitere (nur!) 10 % werden durch die äusseren Umstände (Geld, Status, Gesundheit, Wohnort, Alter…) beeinflusst. Und die restlichen 40 %? Dieser grosse Teil können wir aktiv durch unser Denken und unsere Haltung, Lebensstrategien und Handlungen gestalten.

Es kommt mir vor wie bei der banalen Metapher vom halbleeren oder halbvollen Glas: Unser genetisch angelegter Glücksfixpunkt entspricht dem Inhalt im Glas. Die Lebensumstände können dabei das Glas selbst sein – ein grosses oder kleineres Glas, das spielt eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist aber nun unsere Haltung: Mit welchen Augen betrachten wir unser Leben? Welche Bedeutung gebe ich meinem Leben? Ist unser Glas halbleer oder halbvoll?

Unsere Lebenszufriedenheit (unser Glück oder unser emotionales Wohlbefinden) hängt zu einem grossen Teil davon ab, ob wir unser Leben aktiv gestalten oder ob wir uns von den Umständen treiben lassen. Und selbst wer geneigt ist, immer das halbleere Glas zu sehen, kann mit einigen Glücksstrategien zu einer zufriedeneren Persönlichkeit werden.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Wie du mir, so ich dir?

Takt ist die Fähigkeit, einem anderen auf die Beine zu helfen,
ohne ihm auf die Zehen zu treten.
Curt Goetz (deutscher Regisseur und Schriftsteller, 1888 – 1960)

Haben Sie gewusst, dass Sie ein Bankier sind? Ohne es möglichweise bis jetzt gewusst zu haben, verwalten Sie eine grosse Menge von Kontos auf denen tägliche Ein- und Auszahlungen getätigt werden.

Nein, ich spreche jetzt nicht von üblichen Geldkontos. Denn mit der Währung, in welcher diese Kontos geführt werden, können Sie sich keine Produkte des täglichen Gebrauchs kaufen. Sie wird weder im Onlineverkauf noch beim Grossverteiler akzeptiert, doch in täglichen zwischenmenschlichen Begegnungen ist sie Gold wert.

Ich schreibe hier vom Konzept des emotionalen Beziehungskontos. Stephen R. Covey bedient sich dieser Metapher in verschiedenen seiner Bücher (z.B. in Die 7 Wege zur Effektivität) um zu erklären, was in zwischenmenschlichen Beziehungen vor sich geht.

Jeder Mensch führt für die Menschen mit denen er in Beziehung steht ein virtuelles Beziehungskonto. Wie bei einem normalen Bankkonto gibt es auch beim emotionalen Beziehungskonto Ein- und Auszahlungen. Die Kunst einer beglückenden Beziehung ist nun, dass der Kontostand stetig steigt und somit das Guthaben an Vertrauen (das ist die Währung, in welcher dieses Konto geführt wird) fortlaufend zunimmt.

Einzahlungen auf das emotionale Beziehungskonto

Bei einer Erstbegegnung mit einer uns bis anhin fremden Person entscheiden wir recht schnell (natürlich aus dem Bauch heraus), ob es sich lohnen wird, für diese Person ein Konto anzulegen. Ist uns dieser Unbekannte auf anhieb sympathisch, gleicht dies einer Ersteinlage auf das neueröffnete emotionale Beziehungskonto. Folgen im weiteren Verlauf der Beziehung gute Begegnungen, werden Gemeinsamkeiten entdeckt, erweist sich die Person als hilfsbereit, übt das Gegenüber eine gewisse Faszination auf uns aus, so sind das alles weitere Einzahlungen auf das Beziehungskonto.

Nun reden wir ja von einem emotionalen Konto. Es geht also nur im übertragenen Sinn um Zahlen und Buchhaltung, nicht im mathematischen Sinn. Was wir abspeichern sind weniger errechnete Zahlen als vielmehr erlebte Emotionen, also Gefühle. Nach jeder Interaktion wird eine Beziehung entweder gestärkt oder geschwächt. Situationen, die gute Gefühle hinterlassen, sind Einzahlungen auf das emotionale Beziehungskonto. Konflikte und ungute Gefühle führen zu Belastungen und Auszahlungen auf diesem Konto.

Natürlich haben nicht nur wir ein emotionales Beziehungskonto für die Menschen, mit denen wir in Beziehung stehen. Die anderen Menschen führen selbstverständlich auch ein Konto, das unseren Namen trägt. Darum ist es sinnvoll, im Beziehungsalltag darüber nachzudenken, wie und wann wir Einzahlungen bei uns nahestehenden Personen vornehmen.

Denn: In jeder Beziehung (ob in der Ehe, am Arbeitsplatz, im Verein oder im Freundeskreis) gibt es von Zeit zu Zeit schwierige Momente und somit Abbuchungen vom emotionalen Beziehungskonto. Deshalb sind wir gut beraten, wenn wir uns regelmässig um Einzahlungen bemühen. Während Kränkungen, das Brechen von Abmachungen, Missverständnisse oder unerfüllte Erwartungen zu Belastungen auf dem Konto führen, sorgen wir mit gemeinsamen Erlebnissen, Liebestaten, Verständnis zeigen oder Grosszügigkeit dafür, dass der Konto-, resp. Vertrauensstand, auf dem emotionalen Beziehungskonto steigt.

 

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Job oder Berufung?

Eine Berufung ist eine mit Leidenschaft erfüllte Selbstverpflichtung,
um der Sache willen zu arbeiten.
Martin Seligman (in: Der Glücks-Faktor, Warum Optimisten länger leben)

Hand aufs Herz: Warum rappeln Sie sich jeden Morgen auf und machen sich auf den Weg zu Ihrer Arbeit? Des Geldes wegen? Aufgrund Ihrer Karriereziele? Oder weil die Arbeit einfach Spass macht?

In seinem Buch Der Glücks-Faktor beschreibt Martin Seligman drei unterschiedliche Kategorien, wie wir unsere Arbeit betrachten können:

  • Arbeit als Job
  • Arbeit als Karriere
  • Arbeit als Beruf

Mir hat diese Unterteilung sofort gefallen. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche Einstellung wir eigentlich zu unserer täglichen Arbeit haben.

Mehr als ein Job

Wenn es uns bei unserer Arbeit ausschliesslich darum geht, genügend Geld für unser Leben zu verdienen, erledigen wir bloss einen Job. Wir stellen dem Arbeitgeber unsere Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten als Gegenleistung eine Bezahlung. Mehr erwarten wir uns nicht von unserer Arbeitsstelle. Solange der Lohn stimmt, sind wir soweit zufrieden. Unser Motto wird dann vermutlich sein: Möglichst wenig Engagement zu möglichst hoher Entlohnung.

Arbeit als Berufung?

Die nächste Stufe in diesen Kategorien der Arbeitsorientierung ist die Karriere. Unsere Arbeit dient nun nicht ausschliesslich als Mittel zur Finanzierung unseres Lebensunterhaltes. Hier betrachten wir unsere Arbeitsstelle als Stufe in unserer Karriereleiter. Das persönliche Engagement ist um ein Vielfaches höher, da wir ja nicht nur eine angemessene Entlohnung für unsere Arbeit erwarten, sondern uns auch um eine kontinuierliche Beförderung bemühen.

Bei der Berufung schliesslich spielen Geld und Beförderungen eine sekundäre Rolle. Wir sind Überzeugungstäter. Was wir tun, tun wir aus Leidenschaft und weil wir einen Beitrag zu etwas, was grösser ist als wir, leisten können. Martin Seligman schreibt zu dieser Gruppe von Berufstätigen: „Wenn es kein Geld gibt und Beförderungen aufhören, wird trotzdem weitergearbeitet.“

Traditionell sprach man bei einigen wenigen, prestigeträchtigen Berufsgruppen von Berufung: Ärzte, Priester, Wissenschaftler, Oberste Richter. Doch im Grunde kann jede Arbeitsstelle Job, Karriere oder Berufung sein. Stellen wir uns den Arzt vor, der Dienst nach Vorschrift tut und lediglich an seinem Einkommen interessiert ist – er erledigt bloss einen Job. Hingegen kann selbst ein Wegmeister, der seine Arbeit als Beitrag zu einer sauberen und schöneren Umgebung in einem Dorf betrachtet, einer Berufung nachgehen.

Wann wird unsere Arbeit zu einer Berufung? Martin Seligman schreibt: „Wenn Sie einen Weg finden können, Ihre Signatur-Stärken [individuelle Fähigkeiten] oft bei Ihrer Arbeit einzusetzen, und zudem erkennen können, dass Ihre Arbeit ein Beitrag zu einem höheren Gut ist, haben Sie eine Berufung.“

Das wünsche ich Ihnen!

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Doping für die Seele

Was den Menschen wirklich befriedigt, ist nicht, schlank oder reich zu sein, sondern sich in seinem eigenen Leben wohlzufühlen.
Mihaly Csikszentmihalyi (in: FLOW – Das Geheimnis des Glücks)

Ich kenne mehrere Menschen, die einen angeblich sicheren Job aufgegeben haben und die Reise in eine eher ungewisse berufliche Zukunft gewagt haben. Warum tauschten diese Leute die Sicherheit gegen die Ungewissheit? Sind es etwa besonders abenteuerlustige Zeitgenossen oder gar gesellschaftskritische Aussteiger? Einige davon vielleicht schon, doch die Mehrheit der mir bekannten „Umsteiger“ sind es nicht.

Was dann? Meine Vermutung ist diese: Sie waren auf der Suche nach Doping für die Seele und strebten nicht nach Doping für das Portemonnaie.

In meiner Forschungsarbeit zum Thema Glück wird beim Blick in die entsprechende Literatur immer deutlicher: Geld macht nicht glücklich! Viele Studien belegen das. Sicher, auch das zeigen die Studien, bis zu einem gewissen Punkt beeinflusst unsere Finanzkraft unser Glück. Doch sobald die Grundbedürfnisse gedeckt sind, lässt sich die Lebenszufriedenheit nicht merklich und nachhaltig durch mehr Geld anheben.

Im letzten Blogartikel vor der Sommerpause habe ich dazu folgendes geschrieben:

Doch selbst wenn das möglich wäre, glaube ich nicht, dass Mitarbeitende oder auch Kunden über finanzielle Reize langfristig zu motivieren sind. Wir müssen einen tieferen Kern in ihnen ansprechen!

Wie sprechen wir diesen inneren Kern an? Anders gefragt:

Was ist Doping für die Seele?

In Anlehnung an das obige Zitat von Mihaly Csikszentmihalyi würde ich als erstes sagen: Doping für die Seele ist, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Oder eben wenn man sich in seinem eigenen Leben wohlfühlt.

Und dazu gehören weniger Dinge wie Reichtum, Status und Aussehen. Sondern eher:

  • Selbstbewusstsein – ein Bewusstwerden von sich selbst: Wer bin ich (nicht)? Was kann ich (nicht)? Was will ich (nicht)?
  • Ein Umfeld, das zu mir passt: Mitmenschen, die mich zum Blühen bringen. (Ein solcher Mitmensch ist hoffentlich nicht nur „die beste Freundin“, sondern darf sehr gerne auch der Chef, der Ehepartner oder die Arbeitskollegin sein!)
  • Ziele, die zu meinen Überzeugungen passen: Wenn unser tägliches Wirken kaum unserer inneren Wertvorstellung entspricht, fühlen wir uns bei dem, was wir tun, im besten Fall neutral – aber kaum beflügelt.
  • Aufgaben, die zu unseren Talenten passen: Doping für die Seele ist, wenn ich (auch beruflich) das machen kann, was ich gerne tue und besonders gut kann.
  • Ein Sinn, der meinem Leben Halt gibt: Um mich in mir selbst wohlzufühlen, muss ich wissen, warum ich tue, was ich tue. Wo liegt der tiefere Sinn in meinem Sein und Wirken?

Doping für die Seele ist demnach, wenn ich mich selbst kenne und mein Alltagsleben optimal zu diesem Selbst passt. Und darum orientieren sich einige in ihrem (Berufs)Leben neu.

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Mitmenschen motivieren

Die beste ‎Motivation ist immer noch,
den Menschen ‎Eigenverantwortung zuzugestehen.

(Erich Sixt)

Nach der Frage, wie man sich selbst motivieren kann (Kann Arbeit glücklich machen?), interessiert mich heute die Frage, wie wir andere Menschen motivieren können. Darüber, wie dies bei den Kindern gelingen oder misslingen kann, habe ich mir letzte Woche Gedanken gemacht (So machen Sie Ihre Kinder (un)glücklich!). Doch wie ist es, wenn wir Menschen ausserhalb unserer Familie motivieren wollen? Zum Beispiel als Chef am Arbeitsplatz oder als Trainer am Spielfeldrand, vielleicht auch als Freundin, die ihr wichtige Menschen unterstützen möchte. Und natürlich interessiert mich diese Frage auch als Life-Balance-Coach, der Menschen in ihrer Persönlichkeitsentfaltung begleitet.

Reisebegleiter sein

Beginnen wir doch bei uns selbst: Wann fühlten wir uns von anderen in besonderem Masse motiviert – oder eben auch nicht? Ich erinnere mich an zwei Erlebnisse, die ich alles andere als motivierend empfand. Während meiner Banklehre hatte ich einmal einen Chef, der die Angewohnheit hatte, einfach kommentarlos weitere zu bearbeitende Dossiers auf meinen Schreibtisch zu knallen. Seine Geste und der wachsende Pendenzenberg machten mächtig Druck – schon fast angsteinflössend für einen 19jährigen.

Die zweite Situation war, als ich in jugendlichem Enthusiasmus ein neues Projekt startete und ich mir von einem Unbeteiligten gut gemeinte, aber unverhofft und ungebeten platzierte, mahnende Ratschläge anhören musste.

Zuoberst auf meiner Demotivationsrangliste stehen folglich: Bemutterung (Leute, die meine Situation nicht kennen und sich dennoch kompetent fühlen, mir zu sagen, was ich jetzt zu tun habe), Alibiaufträge (Teamleiter, die einen etwas ausarbeiten lassen und dann doch selber entscheiden) und Herumkommandierung (Chefs, die alles andere als einen partnerschaftlichen Führungsstil haben und darauf warten, dass ich scheitere). Was steht auf Ihrer Liste ganz oben?

Motiviert fühle ich mich, wenn ich als Person ernstgenommen werde. Wenn sich jemand die Mühe macht, mir wirklich zuzuhören und versucht, sich in meine Situation hineinzudenken, ohne vorschnell Lösungen zu präsentieren. Angespornt werde ich auch, wenn mir etwas zugetraut wird. Wenn mir das Gefühl vermittelt wird, dass genau mein Beitrag für das gelingen eines Projektes von entscheidender Bedeutung ist. Und: Mich motiviert, wenn ich in der Umsetzung einer Aufgabe Freiraum und Eigenverantwortung habe. Grundsätzlich tut mir gut, wenn ich Anerkennung für mich als Person und für meine Tätigkeit erhalte.

Obwohl ja jeder Mensch etwas anders tickt, wird das, was mich motiviert, bestimmt auch von vielen anderen als motivierend erlebt. Darum will ich es als Reisebegleiter und nicht als Befehlshaber versuchen. Das Leben ist eine Reise – und jeder reist auf seine Weise. Als Reisebegleiter will ich Menschen auf dieser Reise unterstützen: Was kann ich tun, damit sie an ihr Ziel kommen? Und dort, wo ich für eine Organisation Verantwortung trage, werde ich in gewissen Situationen nicht nur der Begleiter sondern auch der Reiseführer sein, der die gemeinsame Richtung vorgibt. Doch auch da will ich möglichst die Eigenverantwortung aller Beteiligten fördern: Wenn es mir gelingt, Menschen gemäss ihren persönlichen Interessen und Stärken ihren Beitrag leisten zu lassen, habe ich es mit motivierten Mitmenschen zu tun.

Da in meinem Umfeld (gemeinnützige sozial-diakonische Kinder- und Familienanimation) die finanziellen Mittel sehr beschränkt sind, komme ich gar nicht auf die Idee, Menschen rein monetär motivieren zu wollen. Doch selbst wenn das möglich wäre, glaube ich nicht, dass Mitarbeitende oder auch Kunden über finanzielle Reize langfristig zu motivieren sind. Wir müssen einen tieferen Kern in ihnen ansprechen!

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Das packe ich!

Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden,
es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.

Johann Wolfgang von Goethe

„Das ist einfacher gesagt als getan!“ – dies die Reaktion einer Freundin, als ich diese Woche das obige Zitat „getwittert“ hatte. Sie hat natürlich recht. Ich will auch gar nicht behaupten, das Leben aktiv und selbstbestimmt zu gestalten, sei einfach. Doch es ist definitiv eine lohnenswerte Sache!

Natürlich ist es einfacher, in die Opferrolle zu schlüpfen und voller Selbstmitleid der Lüge zu verfallen, Veränderung sei nicht möglich. Und natürlich ist es auch einfacher, im Hamsterrad gefangen zu bleiben und Tag für Tag die Tretmühle zu betätigen. Sich treiben lassen – vom Chef, von der vielen Arbeit, von den Ansprüchen der Familie, von den Einflüsterungen der Gesellschaft – ja, das ist einfacher, als sein Leben aktiv zu gestalten und ein Vorhaben konkret anzupacken. Doch wer sich nicht im Kreis drehen will – oder im Burnout landen will – macht sich besser die Mühe, den schwierigeren Weg zu wählen.

Auf meiner Studienreise nach Sheffield (siehe Blogartikel von letzter Woche), lernte ich eine simple Strategie kennen, wie wir das obige Zitat in die Tat umsetzen können. In der faszinierenden Kirche St. Thomas Crookes hat uns der Teamleiter Mick Woodhead damit herausgefordert, indem er uns aufforderte, mittels folgendem Raster von unseren Visionen und Zielen zu erzählen.

1. What is? – Wie präsentiert sich die Ausgangslage?

Egal, ob in einem Satz die aktuelle Situation beschrieben wird oder ob man sich Zeit für eine ausführliche IST-Analyse nimmt, jede Veränderung beginnt mit der Auslegeordnung der momentanen Situation:

  • Wo stehe ich gegenwärtig?
  • Was ist gut?
  • Was weniger?
  • Wo freue ich mich?
  • Wo „drückt der Schuh“?

2. What could be? – Wie könnte sich die Zukunft präsentieren?

Nach der Bestandsaufnahme folgt der Blick nach vorne. Ob knallharte Facts, Zahlen, die man erreichen will, oder motivierende Träume, die aufleben, hier beschäftigen wir uns mit dem, was sein könnte:

  • Was wünsche ich mir für die Zukunft?
  • Was möchte ich erreichen?
  • Welche konkreten Ziele habe ich?
  • Was wäre wenn?

3. What will be? – Wie präsentieren sich die nächsten Schritte?

Ganz im Sinne des obigen Zitates von Goethe nützt diese einfache Strategie überhaupt nichts, wenn wir bei der Träumerei stehen bleiben. Nach dem Wollen kommt das Tun! Auch hier wieder: Je nach Situation werden einige einen ausgeklügelten 10-Punkte-Plan erarbeiten und andere begnügen sich nach dem Motto „Just do it!“ mit einem ersten Umsetzungsschritt. Wichtig ist, dass den guten Absichten und Ideen auch Taten folgen.

Diese drei Schritte können wir sowohl in der persönlichen Lebensgestaltung als auch bei unseren Firmenprojekten anwenden. Wie eingangs erwähnt, sind das Einleiten von Veränderungen und das aktive Gestalten des eigenen Lebens, keine einfachen Dinge. Doch so simple Strategien wie diese drei Punkte helfen mir, aktiv zu werden. Und ein letzter Tipp: Die Wirkung dieser Übung vervielfacht sich, wenn man die Antworten mit einem Freund teilt!

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Gemeinsam sind wir stark

Man muss mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, sie achten und motivieren. Dauerhafter Erfolg ist nur im Team möglich.
Klaus Steilmann

Letzte Woche hatte ich im Rahmen meines Masterstudiengangs die Gelegenheit, an einer Studienreise nach Sheffield GB teilzunehmen. Es war eine schöne und lohnenswerte Reise; und dies nicht nur, weil das Wetter doch um einiges angenehmer war als hierzulande. Sheffield hat einige spannende Gebäude und schöne Plätze zu bieten, doch was die Studienreise vor allem auszeichnete, waren die inspirierende Lerngemeinschaft (gekoppelt an eine grosse Lernbereitschaft) unter uns Studenten und die innovativen Projekte, die wir als Gruppe besuchten.

Die Studienreise hatte zum Ziel, verschiedenste Ausdrucksformen von Kirche kennen zu lernen und diese „Fresh expressions of Church“ zu reflektieren sowie daraus Impulse für die Arbeit in unserem Land zu gewinnen.

Innerhalb der Anglikanischen Kirche gibt es seit rund zehn Jahren unter der Bezeichnung „Fresh expressions of Church“ eine wachsende Bewegung mit vielen kleinen, ermutigenden Initiativen, die zeigen, dass ein Turnaround von einer (aus)sterbenden Kirche zu einer erfrischenden, relevanten Erfahrung von Kirche nicht nur wünschenswert und denkbar, sondern auch möglich ist.

Biker im Talar

Trotz der immensen Unterschiedlichkeit der besuchten Projekte ist uns eine Gemeinsamkeit schnell aufgefallen: Der Teamgedanke. Dies zeigte sich schon nur darin, dass fast alle Projekte von einem Team und nicht von einer Einzelperson vorgestellt wurden.

Einzigartig war das Beispiel von Harry Steele. Er wurde als Pionier in eine sehr traditionelle, schrumpfende Anglikanische Kirche mit katholischer Ausprägung gestellt. Auf den ersten Blick war klar, dass er selbst jedoch alles andere als traditionell ist: Harley Davidson Gurt umgeschnallt, auffallender Schnurbart, lässiger Umgang – ohne „Beweisfotos“ wäre es kaum vorstellbar, dass Harry in einem Talar in einer Kirche steht.

Eindrücklich wird schon vor der Kirche kommuniziert: Hier ist etwas in Bewegung, hier geschieht Veränderung. Dabei geht Harry einerseits konsequent vor, anderseits aber auch behutsam. Man muss zielstrebig losmarschieren und die Leute für einen gemeinsamen Weg gewinnen, aber wenn man eigenmächtig alles umstellt, haben am Ende alle verloren.

Was Harry dabei geholfen hat, eine kleine Veränderung nach der anderen durchzuführen, war das grosse Team, dass ihn auf dieser Reise begleitet. Eine grosse Zahl von Menschen verpflichteten sich, mindestens ein Jahr diesen Weg mitzugehen, egal wie attraktiv oder schwierig es würde. Ganz nach dem Motto: „Was ich alleine nicht schaffe, können wir gemeinsam erreichen.“

Herausgefordert und ermutigt

Die Studienreise war für mich befreiend, ermutigend und herausfordernd gleichzeitig. Und dies hat mit den besuchten Projekten zu tun, zu einem sehr grossen Teil aber auch mit der Gemeinschaft der Mitreisenden. Auch hier wieder der Teamgedanke: Wäre ich alleine auf diese Reise gegangen, hätte ich nicht im selben Mass profitiert. Das Reflektieren, Austauschen und Fragen mit den zwölf andern – als Gesamtgruppe in unserem Seminarraum oder spätabends in kleinen Gruppen im englischen Pub – half, den Transfer in die eigene Situation zu gewährleisten. Schön war auch, dass es nicht einfach beim Theologisieren blieb. Es war eine echte persönliche Anteilnahme an der Situation des anderen spürbar, was sich auch im Gebet füreinander ausdrückte.

Und so nehme ich neben vielem anderem für mich mit: Veränderung geschieht im Team. Bleiben wir Einzelkämpfer, haben wir einen ganz schweren Stand. Doch wenn eine Gemeinschaft von Menschen entsteht, die gerne zusammen ist und sich für ein gemeinsames Ziel engagiert, kann etwas Grossartiges entstehen. – Dies gilt für die Kirche, aber nicht nur! Den Teamgedanken gilt es auch in jedem anderen Arbeitsumfeld und wohl auch in jeder Lebenslage hochzuhalten.

 

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Was chronischer Stress kostet

Heute lebt der Normalbürger in einem solchen Hamsterrad
der Überreizung und Überlastung,
dass sein Körper bald nicht mehr weiss,
wie er darauf reagieren soll.
Archibald Hart (in: Wer zu viel hat, kommt zu kurz) 

Da ich kürzlich eine Arbeit zum Thema Stress schrieb, habe ich mich entschieden, meine Stress-Serie hier noch etwas weiterzuführen. Heute will ich zu den Folgen von Stress schreiben.

Volkswirtschaftliche Kosten von Stress

Beginnen wir mit dem Argument, das in der Schweiz gewöhnlich am meisten zu überzeugen mag: den Zahlen. Genauer: den finanziellen Folgen von Stress. Die ganze Stressproblematik ist eine enorme volkswirtschaftliche Belastung geworden. Gemäss einer Seco-Studie aus dem Jahr 2000 fallen in der Schweiz aufgrund von Stress am Arbeitsplatz jährliche Kosten von 4,2 Mrd. Franken an. Schätzungen gehen noch weiter und rechnen mit rund 10 Mrd. Franken, die sich als Folge von Stress anhäufen.  Diese Zahlen sollten uns eigentlich schon Warnung genug sein, dass mit dem Stress nicht zu spassen ist. Sind wir nur für uns selbst verantwortlich, ist das eine Sache. Sind wir aber als Arbeitgeber für eine Unternehmung und/oder als Führungsperson für andere Menschen verantwortlich, stellt sich die Frage: Was tun wir, um dem chronischen Stress in unserer Organisation, unserem Team, vorzubeugen? Hoffentlich werden wir in der Stressprävention aktiv, weil uns die Menschen um uns herum wichtig sind. Und sonst mindestens, weil wir ein gutes Kostenbewusstsein haben.

Vom Freund zum Widersacher

Nach den Zahlen zu den persönlicheren Folgen von Stress: Was passiert eigentlich in unserem Körper bei chronischem Stress? Wenn wir länger als vierzehn Tage in einer Stresssituation verweilen, führt dies zu negativen körperlichen Auswirkungen. Dieser Verlauf „vom Freund zum Widersacher“ geschieht in drei Phasen :
1. Beginn von Stress: Alarmreaktionsphase
2. Fortdauernder Stress: Widerstandsphase
3. Chronischer Stress: Erschöpfungsphase

In der ersten Phase (bis zwei Wochen) bewirkt der Stress, dass unser Notfallsystem seine Aufgabe erfüllt und wir uns fokussiert auf den „Notfall“ konzentrieren können. In der zweiten Phase nimmt unsere Stressbewältigungsfähigkeit rapide ab und unser Immunsystem wird geschwächt, wir werden anfälliger auf Krankheiten. Gönnen wir uns auch im fortdauernden Stress keine Ruhephase, kann sich unser Stresssystem nicht erholen und wir landen im chronischen Stress. Wie Archibald Hart in seinem Buch Wer zu viel hat, kommt zu kurz schildert, führt diese dritte Phase dazu, „dass unser Organismus von der Auseinandersetzung mit dem Stress umschaltet auf das blosse Überleben.“ (Diese Umstellung hat mit der veränderten Funktion des Stresshormons Kortisol zu tun.)

Die Folgen von chronischem Stress sind einerseits die bekannten Stresskrankheiten wie chronische Müdigkeit, Schmerzen, Angst, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Immunschwäche. Anderseits besteht eine grosse Gefahr, dass uns der chronische Stress früher oder später in eine Depression oder ein Burnout führt. Roland Hardmeier schreibt als Betroffener in seinem Erfahrungsbericht Nach wie viel Burn ist Mann out?: „Im Grunde genommen lässt sich die Ursache meiner Krankheit in einem Wort zusammenfassen: Stress.“ 

Wir sollten gewarnt sein!

 

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