Resignative Zufriedenheit?

„Wichtig ist nicht, woher man kommt, sondern wohin man will.“

Sind Sie resignativ zufrieden oder sind Sie wirklich zufrieden?

Eine Umfrage der Sendung Eco von SF1 kommt zu einem erstaunlichen Resultat: „94 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit ihrer Arbeitssituation.“ Trotzdem geben aber 33 % der Befragten an, die Belastung in ihrem Job sei zu gross.

Wie passen diese beiden scheinbar widersprüchlichen Resultate zueinander? Der Experte (Arbeitspsychologe Theo Wehner) bringt bei seiner Erklärung den Begriff der „resignativen Zufriedenen“ ins Spiel. „Resignativ zufrieden“ – was soll denn das bedeuten?

Kann ich wirklich resigniert haben und trotzdem zufrieden sein? Der ETH Professor beschreibt diese Einstellung so: „Es lässt sich nicht mehr viel ändern und man sollte hier zufrieden sein.“ (gemäss Aritkel auf sf.tv) Ich bin mit Theo Wehner damit einverstanden, dass es Situationen gibt, in denen wir uns einfach mit den Umständen abfinden sollten. Aber: Resignative Zufriedenheit, das ist mir klar zu wenig!

Schritte zu mehr Zufriedenheit im 2012

Was tun Sie, damit Sie 2012 mehr Zufriedenheit erleben? Und im Sinn des obigen Zitates: Wissen Sie, wohin Sie 2012 wollen? Ich würde behaupten: Der resignative Zufriedene schaut, woher er kommt und sagt sich: „Okay, so ist es halt, da lässt sich nicht mehr viel ändern.“ Der wirklich Zufriedene (oder der, der es werden will) geht ganz anders an die Sache: „Gut, was war, lässt sich nicht mehr ändern. Doch die Zukunft liegt vor mir, ich werde sie gestalten.“

Bleiben wir beim Thema Arbeitszufriedenheit. Schliesslich verbringen die meisten von uns den grössten Teil ihrer (wachen) Zeit beim Arbeiten. Trotz der Eco-Umfrage vermute ich, dass viele Menschen auch in unserem Land gerne noch etwas zufriedener wären bei ihrer Tätigkeit.

Was hilft Ihnen motiviert zu arbeiten?

Wollen Sie wissen, was Ihnen bezüglich Arbeitssituation besonders wichtig ist und wo Sie am besten anpacken, wenn Sie in Ihrem Job (noch) zufriedener werden wollen? Dann machen Sie mit folgenden Begriffen eine Rangliste: Zu oberst das, was Ihnen am wichtigsten ist bis zu dem Thema, das für Sie am wenigsten Bedeutung hat:

  • Arbeitsort und Arbeitsweg
  • Ein bestimmtes Lohnniveau
  • Funktionierendes Team
  • Hohe Selbständigkeit, Eigenverantwortung
  • Persönliche Stärken/Fähigkeiten jederzeit einbringen können.
  • Sozialleistungen und Ferien
  • Mit der Tätigkeit etwas bewegen können.
  • Arbeitsplatzkomfort und Infrastruktur
  • Das Umfeld: Einpersonenbetrieb oder globale Holding?
  • Resultate sofort erkennbar
  • Viel Abwechslung oder lieber Routinearbeiten?
  • Arbeitsplatzsicherheit und langfristige Perspektiven
  • Teil einer sinnvollen, bedeutsamen Aufgabe sein
  • (Un)Regelmässige Arbeitszeiten

Betrachten Sie nun Ihre Rangliste und vergleichen Sie diese mit Ihrer derzeitigen Tätigkeit. Entsprechen die Punkte, die Ihnen besonders wichtig sind, Ihren Vorstellungen? Wenn ja, freuen Sie sich darüber. Wenn nur zum Teil, dann fragen Sie sich, was Sie in diesem Jahr unternehmen können, um dem Idealzustand einen Schritt näher zu kommen. Wenn überhaupt nicht, ist es möglicherweise an der Zeit, Ihre Arbeitssituation komplett  zu überdenken.

Zufrieden im Job und im Leben

Resignative Zufriedenheit lohnt sich nicht. Wenn schon nicht im Job, dann ganz bestimmt auch nicht im restlichen Leben. Es gibt einige Umstände, die sind nicht veränderbar und einmal getroffene Entscheidungen können wir oft nicht so schnell rückgängig machen. Aber Eines können wir immer: Vorwärts blicken. Fürs 2012 wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihr Leben aktiv gestalten und sich nicht als Opfer der Umstände fühlen.

Als Coach, Trainer und Theologe werde ich mich weiterhin dafür einsetzen, dass Menschen mehr Zufriedenheit erleben dürfen. So freue ich mich zum Beispiel auf die kommenden gms Matinéesz’friede läbe„, wo wir genau diese Fragen nach Zufriedenheit im Leben, Job, Partnerschaft und Gesellschaft stellen werden.

Verabschieden Sie sich von der resignativen Zufriedenheit und werden Sie wirklich zufrieden!

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Zeigen Sie Schwäche

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
Jesus Christus in der Bibel, 2. Korinther 12,9

Noch klingt uns das Wort des Jahres 2011 in den Ohren: „Stresstest“ wurde in Deutschland zum Schlagwort des Jahres gewählt. Die Wörter, Unwörter oder Sätze des Jahres sind immer ein Rückblick auf die vergangenen Monate. Im Gegensatz dazu bieten uns kirchliche Kreise immer im voraus ein Wort zum Jahr. Ein Spruch aus der Bibel, der ermutigen, zum Nachdenken anregen und herausfordern soll.

In diesen Tagen gibt es jedoch eine auffällige Verbindung zwischen dem Wort des (letzten) Jahres und dem Bibelspruch des Jahres. Während in Deutschland der Bundespräsident Christian Wulff einem Stresstest unterzogen wird, muss sich in der Schweiz der Präsident der Nationalbank, Philipp Hildebrand, öffentlich zu seinen privaten Bankgeschäften äussern. Dürfen solche mächtigen Personen des öffentlichen Lebens Schwächen haben und diese auch zeigen?

Bei solchen angeblichen Skandalen tritt jeweils ein interssantes Phänomen zutage: Die Massenmedien, die ja bekannterweise nicht immer durch ihre Integrität glänzen, spielen sich zu den Hüter von Moral und Wahrheit auf. Da stehen dann plötzlich Persönlichkeiten am Pranger, die vorher durchaus als glaubwürdig und anständig wahrgenommen wurden.

In Deutschland hat sich inzwischen auch Hape Kerkeling zu Wort gemeldet und schliesst seinen Kommentar mit den Worten: „Herr Präsident, bleiben Sie im Amt und vor allem bleiben Sie Mensch!“ Denn, auch ein Präsident kann nicht unfehlbar sein.

Der Bibelspruch des Jahres verspricht den beiden Männern – und damit uns allen -, dass sogar eine Kraft darin liegt, wenn wir Schwäche zeigen. Es ist Jesus, der uns das zusagt. Er selbst will unsere Kraft sein, wenn wir schwach sind. Das ist nicht „Schwachsinn“ – es ist die Zusage der Bibel, meine tiefe Glaubensüberzeugung und die Erfahrung von tausenden Menschen aller Zeiten und aller Orten.

Auch der stärkste Mensch, das lehren uns diese Tage, braucht einen Ort, wo er schwach sein kann. Und dieser Ort sollte nicht zuerst die Massenmedien sein (auch wenn uns die Kommunikationslehre zu recht sagt, dass Intransparenz und Salamitaktik nicht gut ankommen). Wir sollen auch in der Öffentlichkeit Schwäche zeigen und zu unseren Fehlern stehen; die Kraft liegt aber darin, wenn wir zuerst im Rückzug in die Stille unser Sein und Tun reflektieren und vor Gott unser Schwachsein offen legen.

Wer in Stille, Meditation und im Gespräch mit dem Schöpfer über sein moralisches, rechtliches oder verborgenes Fehlverhalten nachdenken kann, wird innerlich gestärkt in die Öffentlichkeit zurückkehren. Wer inneren Frieden geschenkt bekommt, kann sich nun auch für äusserlichen Frieden stark machen. Was von Fall zu Fall etwas anderes heissen kann: Eine Entschuldigung von Mensch zu Mensch, ein „sich Stellen“ der Justiz, ein öffentliches Bekennen…

Jeder von uns stolpert von Zeit zu Zeit über seine Schwächen. Darum sind mir auch Personen des öffentlichen Lebens lieber, die Schwächen zeigen und uns (auch) im Umgang mit ihren Fehlern Vorbild sind. Ich glaube sogar, dass wir am meisten von diesen Führungspersonen lernen können, wenn sie uns daran teilhaben lassen, wie sie mit den Herausforderungen des Lebens umgehen. Hochglanz Promis, egal ob sie nun aus Gesellschaft, Politik, Sport oder Kirche kommen, die immer alles im Griff haben, schrecken mich ab.

Darum: Zeigen Sie Schwäche! Sie werden bei Ihren Mitmenschen mehr punkten, als wenn Sie so tun, als würden Sie immer alles richtig machen. Und vergessen Sie nicht: Es gibt einen über uns, der uns genau in unserer Schwachheit Stärke sein möchte.

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Mehr Speed?

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert,
geht immer noch geschwinder als der ohne Ziel umherirrt.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-81)

Anders ausgedrückt: Du kannst mit hundert Sachen auf der Autobahn des Lebens unterwegs sein und doch nie ankommen.

Mir scheint, in unserer Gesellschaft wird eines völlig überbewertet: die Geschwindigkeit. Auf der anderen Seite wird etwas völlig unterbewertet: die Zielorientierung.

Hauptsache schnell. Kürzlich hat mir eine Frau gesagt, ihr Mann kuriere gerade ein Burnout aus. Auf mein Nachfragen hin erzählte sie mir vom Job und den Arbeitsbedingungen ihres Mannes. Als Manager einer grossen, weltweit tätigen Firma gehört es zum Beispiel zu den Erwartungen, dass Anfragen innert zehn Stunden beantwortet werden – Ferien hin oder her. „In Dubai wird auch sonntags gearbeitet, also muss mein Mann auch dann online sein“, erklärte mir die Frau.

Im Artikel „Damals sollte man gelebt haben!“ (NZZ am Sonntag, 18. Dezember 2011) fragt Martin Helg danach, in welcher Zeit die Gesellschaft wohl am glücklichsten war. Die Babyboomer schneiden ganz gut ab, denn sie hatten: „Einen Job mit eigener Sekretärin. Steil steigende Löhne. Geschäftsreisen in der Businessclass. Ein flauschiges Altersfürsorge-Kissen (das wir für sie polstern). Und zu allem Überfluss gab es noch kein Handy, also keine Kontrollanrufe von daheim und keinen Zwang, Twitter-Botschaften abzusetzen.“

Ich möchte nicht in einer anderen Zeit gelebt haben, doch ein Wunsch an unsere Zeit hätte ich schon: Wie wärs, wenn wir mal den Fuss vom Gaspedal nähmen und statt in immer höherer Geschwindigkeit neue Rekorde zu erzielen eine Denkpause einlegen würden? Es ist nämlich durchaus erlaubt, den Geschwindigkeitsrausch einmal kritisch zu hinterfragen! Vielleicht eignet sich keine Zeit so gut wie der Jahreswechsel, um darüber nachzudenken, ob wir tatsächlich rund um die Uhr erreichbar sein wollen. Soll der Chef wirklich über unser ganzes Leben verfügen dürfen?

Werden Sie Ihr eigener Chef

Haben Sie schon einen Neujahrsvorsatz gefasst? Wenn nicht, hab ich hier einen Vorschlag: Werden Sie im neuen Jahr Ihr eigener Chef. „Wie soll das gehen?“ fragen Sie vielleicht. Im Prinzip ganz einfach – und oft doch so schwer: Beginnen Sie damit, selbstbestimmt zu leben und sich nicht als Opfer Ihrer Umstände zu fühlen.

Die beste Erfindung beim Handy ist der Ausschaltknopf. Seien Sie einfach mal nicht erreichbar. Lassen Sie sich nicht dirigieren von Meinungen, Trends, unrealistischen (und unmenschlichen) Arbeitsbedingungen. Wer sich vom Markt und vom Geld bestimmen lässt, ist höchst unfrei. Wir werden zu Gefangenen unserer materialistischen „Begierden“. Klar gibt es schon bald wieder ein noch besseres iPhone – doch, werden Sie Ihr eigener Chef und stürzen Sie Appel & Co. vom Thron.

Heisst mehr Geschwindigkeit auch mehr Lebensqualität?

Der eigene Chef zu werden, wird nicht immer einfach sein. Es gibt Konflikte, weil so viele andere gerne Chef über uns wären. Und manchmal kann der Preis auch hoch sein: Freundschaften könnten in Gefahr stehen oder ich muss mich tatsächlich nach einem geeigneteren Job umsehen, wenn ich mich nicht länger den unwürdigen Arbeitsbedingungen beugen will.

Ich bin überzeugt: Unser Leben gewinnt an Qualität, wenn wir etwas Geschwindigkeit raus nehmen, unser eigener Chef werden und auch mal ein Timeout einschalten.

„Immer schneller“ ist ein schlechtes Lebensmotto. Wer sich dem „Immer schneller“ Anspruch anpasst, muss sich nicht verwundern, wenn er eines Tages aufwacht und erschrocken feststellt, dass sein Leben an ihm vorbeigerauscht ist.

Am Ende zählt nicht die Geschwindigkeit. Was zählt, ist die richtige Richtung. Wer beharrlich und ausdauernd seine Ziele verfolgt, wird es selbst in Schritttempo weiterbringen als der ziellose Raser.

Wie wärs, im neuen Jahr etwas Tempo wegzunehmen um Schritt für Schritt den eigenen Zielen näher zu kommen? Gerne unterstützen wir Sie dabei, zum Beispiel mit unseren Timeout-Weekends oder mit einem Coaching. Happy New Year!

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Geschenke, die etwas bewegen

„Das, was wir aus Liebe tun, tun wir im höchsten Grade freiwillig.“
(Thomas von Aquin)

Gerade eben habe ich mir die nie gehaltene Rede, die trotzdem zur „Rede des Jahres 2011“ ausgezeichnet wurde, angesehen. Jean Ziegler wurde von der Universität Tübingen für seine Rede geehrt, die er, nach einer Ein- und dann wieder Ausladung als Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele, schliesslich via Youtube verbreitete.

Was ich da höre, ist nicht ganz neu und gehört seit Jahren zur Botschaft von Jean Ziegler: „Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren“, beginnt er und führt dann aus, dass heute im Gegensatz zu früheren Zeiten weltweit mehr als genug Nahrung zur Verfügung stehen würde. Das Problem liegt also im System, in der Weltordnung. Erschreckend: Laut Ziegler sind die Leistungen für die Bekämpfung der Armut aus dem Westen seit der Finanzkrise massiv gesenkt worden. „Wir“ retten scheinbar lieber Banken aus dem selbstverschuldeten Sumpf als Kinder vor dem sicheren Hungertod zu retten.

Was hat der Hunger der Welt mit meinem Zitat der Woche zu tun? Es könnte ganz viel damit zu tun haben. Wir tun ganz vieles einfach so – ohne Lohn oder Ehre zu erwarten – eben freiwillig. Aus freiem Willen. Weil es uns ein Anliegen ist, weil wir es gerne tun, weil wir es lieben.

Nun, Freiwilligkeit kann man eben nicht anderen aufzwingen. Und trotzdem möchte ich uns alle herausfordern, zu Weihnachten nicht nur einfach unsere Liebsten mit irgendwas zu beschenken, sondern auch über die Familie hinaus Gutes zu tun. Gutes tun tut gut – uns selbst, unserem Mitmenschen, unserer Welt.

Geschenkvorschlag 1

Es gibt zahlreiche Menschen, die sich durchs Jahr durch freiwillig für die Gesellschaft engagiert haben. Ich selbst durfte dieses Jahr mit vielen zusammenarbeiten, die sich ehrenamtlich in unserer sozial-diakonischen Kinder- und Familienanimation engagiert haben. Das ist eine tolle Form, Gutes zu tun. Ein Weihnachtsgeschenk könnte ja folgender Neujahresvorsatz sein: Ich schenke einen Teil meiner Zeit im 2012 einer gemeinnützigen Organisation, in dem ich paar Stunden pro Monat Freiwilligenarbeit leiste.

Geschenkvorschlag 2

Standen Sie schon mal dem Hungertod nahe? Wohl kaum. Unsere Probleme sind oft andere: Wie werden wir die im Dezember angesammelten Kilos im Januar wieder los? Wenn wir schon Geld für Diätbücher und Fitnessabos ausgeben, könnten wir da nicht auch Geld in die Armutsbekämpfung investieren?

Besondere Geschenke, die etwas bewegen. (Quelle: tearfund.ch)

Als Familie haben wir unser „Spendenbudget 2011“ noch nicht ausgeschöpft. Als ich mir heute morgen Gedanken zu diesem Blogbeitrag gemacht habe, entstand folgende Idee: Wenn wir morgen als Familie ein weihnächtliches Puppentheater besuchen, danach über den Weihnachtsmarkt bummeln und wahrscheinlich noch gemeinsam essen gehen, will ich anschliessend mit meiner Familie „Geldgeschenke“ machen. Das Hilfswerk tearfund.ch hat besondere Geschenke im Angebot: Von Saatgut für eine Kleinbauernfamilie in Peru über eine Nähmaschine für eine junge Frau in Bangladesch bis zum Regenwassertank für ein Quartier in Uganda. Was werden meine Kinder und meine Frau wohl auswählen? Und was würden Sie auswählen? Oder: Helfen Sie mit? Was wählen Sie aus? (Selbstverständlich gibt es neben tearfund.ch noch viele andere gute Hilfswerke und ich krieg auch keine Provision!)

Ich lade uns alle ein, aus Überzeugung und aus Liebe Geschenke zu machen, die etwas bewegen. Die meisten von uns haben genügend Zeit und Geld zum Schenken. Oder mindestens das Eine von beidem. Aber eben, es ist freiwillig.

Oh du fröhlicher Weihnachtsstress

„Weihnachten offenbart die Temperaturen im Umgang der Menschen miteinander.“
Kardinal Karl Lehmann

Und wieder steht uns das „Fest der Liebe“ kurz bevor. Und wie alle Jahre wieder ist die Adventszeit von einem mehrwöchigen Ausnahmezustand geprägt: Ein Weihnachtsessen reiht sich ans andere, Geschenke werden gewünscht, gebastelt und gekauft, man trifft sich an Weihnachtsmärkten, die vor allem durch kulinarische Nascherein zu bestechen vermögen, die Vorfreude auf das grosse Fest steigt bei den Kindern von Tag zu Tag – etwa im ähnlichen Verlauf der Stresskurve der Eltern.

Ganz nach dem schlauen Spruch von Kurt Marti, „Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht.“, gehört bei mir die Frage nach Sinn und Unsinn unserer Art Weihnachten zu feiern alljährlich dazu. Ich steh da in einem inneren Konflikt: Auf der einen Seite sprechen mich all diese Adventsrituale an. Die Idee, mit den Kindern all die Weihnachtsgeschenke für Grosis und Göttis selbst zu basteln, ist doch wunderbar. Und was gibt es besseres, als „in Liebe selbst gebackene Weihnachtsguetzli“? Auch das Bummeln auf dem Weihnachtsmarkt mit der ganz besonderen Duftnote gefällt mir jedes Jahr wieder – besonders, weil der Besuch eines solches Marktes zu einem guten Ritual für uns als Ehepaar wurde. Dann sind da noch die Weihnachtsessen. Warum muss ausgerechnet im Advent jede Kommission, jede Firma und jeder Verein noch ein Weihnachtsessen machen? Klar, man könnte dies auch im Januar nachholen; aber irgendwie wäre dies dann doch nicht dasselbe, oder?

Ich habe also sehr viel Sympathie für all diese Dinge, die den Advent ausmachen. Und doch gibt es eben eine Spannung in mir. Gerade gestern beim Coiffeur war da diese Situation: Eine Mutter gesteht mir, dass sie eigentlich gerade ziemlich überfordert ist. Und ich frage mich: Führt diese Art, wie wir Advent und Weihnachten verbringen nicht dazu, dass wir uns selbst überfordern und an Heiligabend erschöpft in den Sessel fallen, die Weihnachtslieder hinter uns bringen und kein Hauch von Besinnung auf das wahre Weihnachten mehr möglich ist?

Vielleicht wollen wir wieder einmal zu viel – zu viel des Guten. Vielleicht sind es zu viele gute Erwartungen, zu viele gute Vorsätze (wen wir alles beschenken wollen), zu viel Lust auf Harmonie – Friede, Freude und Liebe auf Knopfdruck, und zu viel ausgemalte Weihnachts- und Familienidylle. Möglicherweise gibt es auch den unbewussten Antrieb in uns, in der Weihnachtszeit nahzuholen, was wir auf der zwischenmenschlichen Ebene durchs Jahr verpasst haben.

Vielleicht, und da bin ich mir ziemlich sicher, wäre weniger oftmals mehr. Ich hätte da eine Idee: Weniger „Fest der Liebe“ dafür mehr Liebe während dem Jahr. Könnte das ein weihnächtlicher Vorsatz sein? Ein Geschenk, das wir uns gegenseitig schenken könnten?

Und hier noch für alle, die ihre Familien Weihnachtsfeier am Planen sind. Im Alltagstipp Weihnachten einmal anders im Radio Life Channel haben wir eine Idee parat.

Haben Sie das "Winner-Gen"?

Du gewinnst nie allein. Am Tag, an dem du was anderes glaubst, fängst du an zu verlieren.
Mika Häkkinen (* 1968), finn. Formel-1-Rennfahrer

Kürzlich hörte ich mir ein Interview von Bill Hybels mit Jack Welch aus einem früheren Leadership Summit an. Unter anderem diskutierten die beiden erfolgreichen Führungspersonen darüber, wie sich A-Mitarbeiter von B-Mitarbeitern unterscheiden. Was zeichnet also die Top-Leute aus?

Jack Welch, umjubelter „Manager des Jahrhunderts“ und gleichzeitig als unmenschliche Führungsperson abgestempelt, zeigt in diesem Gespräch auf, dass ein Winner-Typ nicht einfach ein „harter Hund“ ist, der über Leichen geht, im Gegenteil. Gemäss Welch zeichnen einen A-Mitarbieter folgende Eigenschaften aus:

  • voller Energie
  • begeistert andere, gibt Energie weiter
  • liebt es, Menschen wachsen zu sehen
  • feiert seine Leute
  • ist grosszügig
  • stellt grossartige Leute ein

In den Ausführungen fällt mir vor allem Eines auf: Gorssartige Mitarbeiter freuen sich am Erfolg anderer, ja, sie helfen anderen sogar, erfolgreich zu sein. Wer das Winner-Gen nicht hat, versteckt die besten Leute oft, weil er Angst um seine eigene Position hat. Winner-Typen bringen das Beste im anderen zum Leuchten.

Kürzlich hat mir mein Vater eine interssantes Blatt mit dem Titel „Der Sieger und der Verlierer“ gezeigt. Er selbst entdeckte das Dokument bei der Kundenannahme eines Autohändlers. Auch da ist zu lesen, dass der Sieger ein Klima schafft, in dem gemeinsamer Erfolg möglich wird:

  • Der Sieger hat immer einen Plan.
    Der Verlierer hat immer eine Ausrede.
  • Der Sieger sagt: Lass mich Dir dabei helfen.
    Der Verlierer sagt: Das ist nicht meine Aufgabe.
  • Der Sieger findet für jedes Problem eine Lösung.
    Der Verlierer findet in jeder Lösung ein Problem.
  • Der Sieger ist immer Teil einer Lösung.
    Der Verlierer ist immer ein Teil eines Problems.

 

Gewinnen ist immer eine Teamleistung. Dass gerade die Teamfähigkeit den Unterschied von einem A- zu einem B-Mitarbeiter ausmacht, bestätigt auch Jörg Knoblauch, der Personalexperte im deutschsprachigen Raum.

Wie im eingangs erwähnten Zitat von Häkkinen zu lesen, ist Siegen sogar im Einzelsport eine Teamangelegenheit. Der Winner-Typ hat nicht Angst vor dem Erfolg des anderen, denn er weiss, dass es auch sein Erfolg ist.

Zitat der Woche 49

Du gewinnst nie allein.Am Tag, an dem du was anderes glaubst, fängst du an zu verlieren.
Mika Häkkinen (* 1968), finn. Formel-1-Rennfahrer

Mein Zitat dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit„. Der passende Blogbeitrag dazu erscheint am Freitag.

Weltuntergang oder doch eine neue Welt?

Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.
Die Bibel, Offenbarung 21,4 (nach NGÜ)

An diesem schönen Morgen deutet bei mir nichts einen Weltuntergang an: Ich bin unterwegs zu einem sicherlich inspirierenden Treffen mit meinem Coach. Auf der Anreise genoss ich den erwachenden Tag und den Ausblick auf die Berge. Jetzt sitze ich hier in einem McCafé, neben mir ein Latte und dazu schreibe ich meinen neusten Blogbeitrag. – So könnte das Leben immer sein…

Neben mir liegt aber auch eine Zeitschrift mit einem Artikel „Achtung Weltuntergang!“ und beim surfen sehe ich, dass die Welt dieses Jahr eigentlich schon mehrmals hätte untergehen sollen. Und andere Kreise fordern eindringlich eine neue Weltordnung oder rufen als Botschafter des Lichts die Menschheit auf, dringend mit der Erschaffung einer neuen Welt zu beginnen. Die Zeit dränge, wir sollten sofort aktiv werden, steht da. Und: „Die Erde steht vor einem noch nie da gewesenen Ereignis – einem Dimensionssprung im menschlichen Bewusstsein.“

Andere sagen, spätestens am 21. Dezember 2012 sei Feierabend. Der Maya-Kalender lasse keine andere Schlussfolgerung zu.

Einige Menschen lassen sich von diesen Endzeitszenarien faszinieren. Sonst würden wohl kaum in regelmässigen Abständen apokalyptische Kinofilme erscheinen. Wir können uns bei solchen Weltuntergangsvorstellungen auch verunsichern oder beängstigen lassen.

Mir gefallen beide Strömungen nicht: So edel ich die „Lichtbotschaft“ finde, dass wir an einer neuen Weltordnung arbeiten sollten, so fatal finde ich den Kern der Botschaft. Wir Menschen hätten es in der Hand, wenn wir uns nur genügend anstrengen, unsere inneren Energien mobilisieren… – dann können wir eine neue Welt erschaffen. Wir können vieles, aber das können wir nicht!

Auf der anderen Seite lasse ich mir auch nicht Angst machen von einem plötzlichen Ende. Zwar glaube auch ich, dass eines Tages eine neue Welt kommen wird. Aber ich habe weder Angst davor, noch glaube ich, dass ich sie erschaffen muss. Wie es ganz oben steht:“Er wird…“. Ich bin froh, dass Gott selbst ein Neues schaffen wird. Ich will dabei sein, wenn er das tun wird – aber ich will nicht, dass wir Menschen die Verantwortung dafür haben. Wir haben es ja schon einmal nicht wirklich hingekriegt…

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSpiritualität„.

Zitat der Woche 48

Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben, kein Leid und keine Schmerzen, und es werden keine Angstschreie mehr zu hören sein. Denn was früher war, ist vergangen.
Die Bibel, Offenbarung 21,4 (nach NGÜ)

Mein Zitat dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSpiritualität„. Der passende Blogbeitrag dazu erscheint am Freitag.