Die Welt steht Kopf

Ich liebe starke und imposante Bühnenprogramme mit kreativen, professionellen und auch überraschenden Elementen. Sei dies beim Konzertbesuch, als Teilnehmer einer Tagung oder eines Kongresses und selbst im Gottesdienst lasse ich mich gerne von einer frischen, qualitativ hochstehenden Präsentation ansprechen. Das inspiriert mich.

Neulich war jedoch genau eine andere Form das, was mir in der Situation gut tat: Ein schlichter Taizé-Gottesdienst ohne Band – dafür mit beruhigenden Flötenklängen, ohne üppiger Deko. – dafür mit angenehmem Kerzenlicht, ohne Präsentation – dafür mit unaufdringlicher Leitung mit der Einladung, sich von den Liedern und Texten ansprechen zu lassen.

Es sind zwei komplett unterschiedliche Dinge, die ich beide sehr schätze und auf keinen Fall gegeneinander ausspielen will – genau die Ergänzung sind für mich wertvoll: Vielleicht passt hier wieder einmal das Bild von «Wurzeln und Flügeln» ganz gut.

Ein schlichter Taizé-Gottesdienst erinnert mich an meine Wurzeln. Es sind Texte und Lieder, die mich geborgen im Glauben an den liebenden Gott, in dem ich beheimatet bin, ruhen lassen.

Mehr als eine Dose Red Bull verleiht mir auf der anderen Seite ein starkes Programm Flügel: Es fordert mich heraus, den guten Wurzeln des Glaubens auch Taten folgen zu lassen. Ein gutes Programm – ob jetzt in einem christlichen Setting oder auf einer politischen Konferenz – ist für mich dann gut, wenn es mich kulturell abholt und mich inspiriert, selber aktiv zu werden und etwas zu bewegen.

Für mein Leben in dieser verrückten Welt – Corona war gestern, heute ist Krieg in Europa – brauche ich unbedingt Wurzeln und Flügel: Ich will mich in etwas Grösserem aufgehoben und getragen fühlen, gleichzeitig will ich in aller Ohnmacht und Komplexität des Lebens auch erfahren, wie ich mich an meinem Ort in kleinen Schritten für die gute Sache einbringen kann.

Anders ausgedrückt: Ich will nicht jeden Sonntag «bloss» daran erinnert werden, dass Gott es gut mit mir meint und mich auch in der grössten Not des Lebens trägt. Ich will auch mal herausgefordert werden mit der Frage, was es in meinem Leben heissen könnte, diesem Jesus nachzufolgen und diese Welt in seiner Kraft zu einem besseren Ort zu machen – mit mehr Liebe und weniger Hass.

Und natürlich will ich anderseits auch nicht andauernd hören, was ich tun könnte, sondern brauche die erfahrbare Gewissheit, dass ich in Gottes Händen gut aufgehoben bin.

Meine Welt steht Kopf

Wie ich schon im letzten Blogartikel (Das Leben auf der Achterbahn) durchblicken liess, steht derzeit nicht nur die grosse Welt um mich herum Kopf, sondern auch in unserer kleinen Familienwelt sind wir gerade arg herausgefordert. Nach einem längeren gesundheitsbedingten Ausfall wurde unserem Sohn der Ausbildungsplatz gekündigt, just in dem Moment, als er sich dank professioneller Hilfe auf sein Comeback vorbereitete und dem Arbeitgeber seinen Plan für den Wiedereinstieg präsentieren wollte. Wir teilen jetzt erst recht mit vielen anderen die Erfahrung: Arbeiten in einem sozialen Job kann alles andere als sozial sein …

Eine Kündigung kommt selten alleine. Jedenfalls musste ich auch gleich noch den Ausstieg eines sehr wertvollen Mitarbeiters zur Kenntnis nehmen.

Und da kam eben der eingangs geschilderte Taizé-Gottesdienst genau richtig: Eine schlichte Feier in einer kleinen Gemeinschaft. Die meisten Leute kannte ich nicht, aber der schönen Stimme meines Sitznachbarn zu lauschen und mich dadurch daran erinnern zu lassen, dass Gott genau jetzt oben, neben und unter mir ist – das brauchte ich.

«In deiner Hand steht meine Zeit» war so eine Liedzeile, die mich meine Wurzeln spüren liess. Und es war nachhaltig! In den Tagen und inzwischen Wochen nach dieser Feier erinnere ich mich fast Mantra mässig immer wieder daran: Meine Zeit steht in seinen Händen.

Wo ist Gott, wenn die Welt Kopf steht? Warum können einzelne Machthaber wie Putin so viel Leid anrichten und Leben zerstören? Warum lässt Gott das zu?

Glaub mir: Ob meine kleine oder unsere grosse Welt Kopf steht, die Frage «Gott, was soll das?» ist ein ständiger Begleiter.

Und trotzdem will ich an meinen Wurzeln festhalten: Da ist ein liebender Gott.

Glücksaufgabe

Was hilft dir in Situationen, in denen deine Welt Kopf steht? Und welche Wurzeln tragen dich, wenn das Chaos in der Welt überhand nimmt?

Gnadenbringende Weihnachtszeit …

Hast du gerne Weihnachtslieder? Und welches sind deine liebsten Weihnachtslieder?

Hier ein kleines Rätsel für Weihnachtslieder-Profis unter uns: Erkennst du die folgenden Zeilen? Aus welchen Liedern stammen sie? (Lösung am Ende des Artikels)

A) «Gnadenbringende Weihnachtszeit!»

B) «Einfach frei nach Schnauze backen»

C) «Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus»

D) «überen eus in Ewigkeit» (Schweizer Mundart)

Weihnachtslieder sind nicht jedermanns Sache. Obwohl die Auswahl ja riesig ist und in jeder Stilrichtung etwas zu finden ist.

Überhaupt: Wie hast du es so mit Weihnachten?

Die Advents- und Weihnachtszeit lebt von einem spannenden Mix aus Kitsch, Romantik, Geschenke, sinnentleerten Ritualen, Sehnsucht nach menschlicher Wärme und dem Aufblitzen einer göttlichen Liebes- und Hoffnungsbotschaft.

An uns persönlich ist es, zu entscheiden, welchen Aspekt davon wir besonders gewichten wollen.

Nachdenklich stimmte mich folgende Zeile, die ich gestern im Bieler Tagblatt entdeckte:

An Weihnachten scheint mir vieles unsinnig.
Einige treffen sich mit Menschen,
die sie nicht mögen und nicht sehen möchten,
um eine Geburt zu feiern,
an deren Existenz sie zweifeln. 

Jessica Ladanie
(in: Jesus wäre vegan, Kolumne im Bieler Tagblatt, 23.12.21)

Oje, wie traurig ist denn das?!
Viel Stress mit wenig Inhalt.
Schade, wenn Weihnachten nicht mehr sein darf!

Mir gefallen die kitschigen Weihnachts-Liebesfilme, gegen Geschenke habe ich nichts einzuwenden und auch Familienfeste und Weihnachtsessen mit Freunden gehören für mich in die Zeit am Jahresende.

Aber wenn das alles ist, wäre mir tatsächlich lieber, wenn wir es nicht mehr mit der Geburt dieses Babys in der Krippe im Stall von Betlehem in Zusammenhang bringen würden. Wir brauchen wirklich nicht eine Geburt zu feiern, wenn wir deren Existenz anzweifeln.

Dann wäre eine Jahresend-Party als Zeichen des menschlichen Miteinanders viel ehrlicher.

Doch soweit lasse ich es für mich persönlich nicht kommen: Weihnachten ist das Fest der Liebe! Und zwar nicht einfach Liebe als wohlig-warmes-romantisches Miteinander von Menschen.

Hier geht es um göttliche Liebe!!

Genau für Zeiten wie die gegenwärtige wurde Weihnachten! Gott besucht uns in aller Schwachheit, Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit. Sein Licht bringt uns eine neue, ganz andere Hoffnung. Eine Liebe, die nicht von dieser Welt ist.

Eine Frage des Vertrauens

Letzte Woche habe ich hier über Vertrauen geschrieben. Tatsächlich handelt es sich aus meiner Sicht auch bei Weihnachten um eine Vertrauenssache.

Wer Weihnachten ernst nimmt, steht hier vor einer Vertrauensfrage:

Vertraue ich irgendeinem Weihnachtszauber aus Kitsch, Romantik, Kommerz und Engelchen?

Oder merke ich, dass hier mein Herzvertrauen gefragt ist, mich der Höchste persönlich besucht und mich fragt: Vertraust du mir?

Vertraust du der gnadenbringenden Weihnachtszeit, weil er – weil Jesus – es ist, der da Gnade bringt?

Manchmal dringen die alten Weihnachtslieder nicht so recht zu meinem Herzen durch. Diese alte Sprache ist mir fremd.

Und doch: Genau diese «gnadenbringende Weihnachtszeit» wünsche ich mir dieses Jahr ganz besonders. Etwas Gutes, etwas Göttliches ist mir, dir, uns allen geschenkt. Sind wir bereit, dieses Geschenk anzunehmen und dem Schenkenden zu Vertrauen?

Oder mit dem populären Weihnachtslied (Last Christmas) gefragt: Wem schenkst du dieses Weihnachten dein Herz und dein Vertrauen?

Glücksaufgabe

Welcher Teil von Weihnachten macht dich glücklich?

Und hier noch die Lösungen zum Weihnachtslieder-Rätsel:
A) «O du fröhliche»
B) «In der Weihnachtsbäckerei»
C) «Alle Jahre wieder»
D) «Das isch de Stern vo Bethlehem»

Wegschauen?

Wie geht es dir mit all den Katastrophen auf der Welt? Mich machen sie ziemlich ohnmächtig und die ganze Corona-Situation macht es nicht einfacher.

Einmal mehr wurde ich vom  Magazin Family und FamilyNEXT gefragt, wie ich damit umgehe, was mir hilft, wenn ich mich ohnmächtig gegenüber den Katastrophen fühle.

Hier meine Antwort:

Was mir gegenwärtig hilft? Ganz ehrlich? Wegschauen! Rückzug in meine kleine „heile Welt“. Na klar, die ist ja auch nicht immer so heil, doch die Probleme in meiner kleinen Welt – Reisebeschränkung wegen Corona, Badeverbot wegen Hochwasser, kein Frischbrot im Regal kurz vor Ladenschluss – sind ja vergleichsweise wirklich kleine Probleme, schon fast lächerliche.

So einfach und bequem der Rückzug in meine kleine Welt scheint, so unbefriedigend ist er auf der anderen Seite: Was gibt mir das Recht, mein geschenktes Leben in einem privilegierten Teil der Welt – und dazu noch an einem der schönsten Flecken – zu geniessen, während anderswo Menschen zuschauen müssen, wie Flammen oder Fluten ihre ganzes Habe innert Sekunden zerstört? Oder Menschen tagtäglich unter Armut, Hunger, Ungerechtigkeit zerbrechen? Die Liste liesse sich beliebig erweitern – Syrien, Afghanistan, Haiti …

Und dann kommt sie, die Ohnmacht. Ich fühle mich wirklich ohnmächtig den Katastrophen dieser Welt gegenüber. Ob Naturkatstrophen, Kriege oder die riesige Ausbeutung von Mensch und Natur – was kann ich da schon tun? Noch schlimmer: Mit meinem mitteleuropäischen Lebensstil bin ich sogar Teil vom Problem. Doch Gott hat uns beauftragt, Teil der Lösung zu sein.

Ich will mich der Ohnmacht stellen, statt wegzuschauen. Ich will im Kleinen beginnen, Teil der Lösung zu sein, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Das ist mein Anfang. Und dann will ich herausfinden, wie ich die drei grossen göttliche Aufträge in meinem Leben umsetzen kann:

1. Bebaut und bewahrt die Erde! (1. Mose 2,15)
2. Liebe Gott und deine Nächsten wie dich selbst! (Markus 12,30f)
3. Machet zu Jüngern alle Völker! (Matthäus 28,19).

Und wenn ich meine Verantwortung wahrnehme, darf ich auch mit gutem Gewissen meine kleine Welt geniessen.

Dieser Artikel ist zuerst als Kolumne in der Rubrik „Das hilft mir, wenn …“ im Magazin Family und FamilyNEXT erschienen.  

Glücksaufgabe

Und was hilft dir im Blick auf das aufkommende Ohnmachtsgefühl bei all den Katastrophen? Wegschauen? Rückzug? Aktivismus?

Ich möchte echt häufiger Teil der Lösung als Teil des Problems sein. Und dies beginnt wohl mit dem ehrlichen, unbequemen Blick in den Spiegel.

Aber Achtung: Der Weg zum Ziel ist lang! Darum lass uns einen kleinen Schritt nach dem anderen gehen. Die Folge wird Glück für viele statt für wenige sein.

Der Wind in meinem Leben

Ich bin total entspannt: Heute Morgen hab ich noch die letzten Sonnenstrahlen genutzt, um mit meiner Frau unseren Aare-Spaziergang zu machen – auf halber Strecke wurden wir jedoch bereits vom Regen begrüsst.

Früher, als Hauptleiter einer Jungschar, wäre ich an einem so verregneten Freitag vor Pfingsten alles andere als entspannt gewesen: Zelte aufbauen oder gleich in der Zivilschutzanlage das Nachtquartier einrichten? Welche Programmteile des Pfingstlagers (PfiLa) müssen umgestaltet werden, was kann wie geplant durchgeführt werden?

Nun gut, eigentlich gehört ja Regen fest in eine PfiLa-Planung dazu …

Neben der Erinnerung an nasskalte und trotzdem geniale PfiLas (Pfingstlager) mit der Jungschar – und der Nostalgie des Cup-Finales am Pfingstmontag im Wankdorfstadion – ist Pfingsten für mich die schöne Zusage Gottes, dass er uns nicht alleine lässt: Der gute Geist Gottes will uns tröstend und helfend zur Seite stehen. Mehr noch! Der Heilige Geist will uns nicht nur be-geleiten, sondern uns gar an-leiten.

Mit Rückenwind unterwegs

Die Bibel vergleicht den göttlichen Geist unter anderem mit dem Wind. In meiner Auseinandersetzung mit der Glücksthematik brauche ich das Bild des Windrades. Und genau da kommt dieser Wind ins Spiel: Was wäre ein Leben ohne Wind? Hier steht der Wind für eine gelebte Spiritualität und die Sinnhaftigkeit im Leben.

Und welcher Wind ist der Antrieb meines Engagements in Kirche, Gesellschaft und Politik? «Suchet der Stadt Bestes und betet für sie!», lesen wir bei Jeremia. Das ist mein Leitmotiv für mein vielseitiges Wirken.

So will ich beispielsweise eine Sachpolitik betreiben, die das göttliche Wohlwollen für seine Geschöpfe und seine Schöpfung zum Ausdruck bringt. Dabei will ich bewusst die Kraft und Führung des Heiligen Geistes in Anspruch nehmen. Er darf und soll der Wind in meinem Leben sein – auch in meinem Politisieren.

Und darum will ich als Pfarrer der Gesellschaft dienen – nicht bloss einem kleinen Kreis von Gleichgesinnten. Unsere Aktivitäten als Kirche sollen zum Wohl aller beitragen. Das heisst dann:

Verantwortung übernehmen – lokal und global.

Brücken bauen – statt Fronten zu zementieren.

Menschen dienen – praktisch, unbürokratisch, konkret.

Pfingsten steht für die Hoffnung, dass eine andere Welt möglich ist. Eine Welt, nicht getrieben von egoistischer Gier, sondern angetrieben vom guten Geist Gottes, der alle Menschen beflügeln will.

(Teile aus diesem Artikel sind als Kolumne in der Zeitung Berner EVP 2/2021 erschienen.)

Glücksaufgabe

Falls du während dem Pfingstweekend nicht gerade umziehst oder in einem Pfila bist, habe ich dir hier einen Glückstipp: Zusammen mit der Hirnforscherin Barbara Studer durfte ich als Talk-Gast beim Livenet-Talk «Was kann ich zu Glück und Gesundheit beitragen?» mitwirken.

Und falls du lieber liest als den Talk zu schauen, gibt es im Artikel Livenet-Talk: Was kann ich zu Glück und Gesundheit beitragen? eine gute Zusammenfassung davon.

Beschenkt im Unterwegssein

Es gibt da rund um Ostern diese Geschichte von zwei Männern aus dem Freundeskreis von Jesus, die von Jerusalem nach Emmaus unterwegs waren – voller Irritation und Enttäuschung, Trauer und Mutlosigkeit.

Aus irgendeinem Grund liebte unser Sohn diese Geschichte in seiner Kinderbibel ganz besonders, immer und immer wieder wollte er, dass wir ihm genau diese Geschichte erzählten.

Und tatsächlich: Es ist eine wunderschöne Geschichte, die auch uns heute viel mitgeben kann.

Am Ziel angekommen, sagen die beiden Freunde zueinander: »Brannte nicht unser Herz in uns …?« Oder in einer anderen Übersetzung heisst es: »Hat es uns nicht tief berührt …?«.

Ich sehe sie vor meinem inneren Auge, wie sie sich niedergeschlagen auf ihre Wanderung machen. Am Ziel angekommen, dann wenn ich müde von den Anstrengungen wäre, sprang ihr Herz vor Freude – so sehr, dass sie – wenn sie denn heute leben würden – sofort eine Insta-Story gepostet hätten und in ihrer WhatsApp-Chatgruppe »Follower of Jesus« geschrieben hätten: »Ihr glaubt nicht, was uns gerade passiert ist …«.

Da sich die Geschichte aber vor rund 2000 Jahren abspielte, blieb ihnen nichts anders übrig, als nochmals die mehrstündige Wanderung unter ihre Füsse zu nehmen, um ihre Freude mit ihren Freunden teilen zu können.

Als Weggemeinschaft unterwegs

Was ist geschehen? Was war der Grund für diesen frappanten Stimmungswechsel?

Die beiden Freunde, auch Emmaus-Jünger genannt, sind also traurig, irritiert und voller Fragen unterwegs. Sie reflektieren die Geschehnisse der letzten Tage: Eben noch – gerade mal eine Woche ist es her – wurde ihr Freund und Rabbi Jesus triumphal als König in Jerusalem willkommen geheissen, nach intensiven Tagen genossen sie eine feierliche Mahlzeit mit dem gemeinsamen Abendmahl; dann ging es Schlag auf Schlag – Verhaftung von Jesus, (Schein)Verhör, Anschuldigungen des manipulierten Mobs, Misshandlung, qualvoller Weg nach Golgatha, Leiden am Kreuz, letztes Aufschreien ihres Lehrers, Tod.

Aus und vorbei. Tod ihres Freundes, Tod einer Bewegung, Tod einer Hoffnung.

Zu allem Übel dazu wurde nun auch noch der Leichnam gestohlen; das Grab ist leer, voll sind dafür Kopf und Herz der zurückbleibenden Freunde: voller Irritation, Verunsicherung und Fragen.

Das kommt mir bekannt vor: Für mich bleibt das Leben immer wieder ein Rätsel. Dann geht es mir wie den beiden Emmaus-Jünger – traurig, irritiert, voller Fragen.

In dieser Gefühlslage sind sie also auf ihrem Weg unterwegs. Plötzlich schliesst sich eine dritte Person dieser fragenden Weggemeinschaft an. Es ist Jesus selbst, der Auferstandene. Nein, sein Leichnam wurde nicht gestohlen, er ist nicht (mehr) tot, die Hoffnung lebt, die Bewegung wird sich von jetzt an über die ganze Welt ausbreiten wird selbst 2000 Jahre später eine wachsende Bewegung sein.

Doch von all dem wissen die Freunde noch nichts, sie erkennen nicht einmal ihren Freund Jesus. Im Gegenteil, schon fast überheblich sagen sei zu ihm: «Du bist wohl der Einzige, der nicht versteht, was hier gerade abgeht!?».

Doch, doch, das tut er schon. Aber es gehört zu seiner Art, dass er sich erst mal den Fragen der Emmaus-Jünger annimmt, zuhört, bevor er spricht. Und dann hilft er ihnen die Zusammenhänge zu erkennen, ganz am Ende der Begegnung gibt er sich zu erkennen. Jetzt gibt es für die Freunde kein Halten mehr: Ihr Herz springt vor Freude. Jesus lebt! Das müssen sie sofort Petrus und den anderen erzählen … Mit neuer Kraft und Zuversicht machen sie sich beschwingt nochmals auf den Weg.

Genau wie die Emmaus-Jünger wünsche ich mir, mit den Menschen um mich herum als «Weggemeinschaft» dem Geheimnis des Lebens und Glaubens auf die Spur zu kommen. Und dies ganz im Jesus-Stil: Zuhörend, nachfragend, liebevoll, nicht verurteilend, fragend, suchend, offen.

Die Rätsel unserer Zeit mögen gross sein.

Die Verunsicherung dieser Tage mag gross sein.

Deine persönlichen Herausforderungen mögen gross sein.

Noch grösser bleibt das Wunder von Ostern:
Jesus hat den Tod besiegt.
Alles Quälende wird nicht das letzte Wort haben.
Weil das letzte Wort ein gutes Wort sein wird.
Denn: Jesus lebt!

Der Auferstandene möchte auch heute in uns leben und Teil unserer Weggemeinschaft sein!

Frohe und gesegnete Ostern!

Akkustand niedrig

Jedes Kind weiss inzwischen, dass seine elektronischen Lieblingsspielzeuge (meistens mit einem kleinen i geschrieben: iPad, iPhone …) nicht nur mit dem heissgeliebten W-LAN sondern auch regelmässig mit dem Stromnetz verbunden werden muss.

Was leider noch nicht jedes Kind begriffen hat: Auch der menschliche Akku ist nicht unerschöpflich!

Leider ist das Aufladen unseres Akkus nicht so einfach wie bei diesen iGeräten – Kabel rein und schon wird der Ladevorgang gestartet und wir müssen währenddessen nicht einmal eine iPause einlegen …

Nein, bei uns Menschen ist es selbstverständlich etwas komplexer. Kommt dazu, dass wir nicht bloss einen Akku haben, sondern gleich mehrere, die immer mal wieder geladen werden möchten.

Ich sehe mindestens vier unterschiedliche Akkus, oder Tanks, die eine regelmässige Tankfüllung brauchen:

Den emotionalen Tank füllen wir vielleicht im Zusammensein mit Freunden. Oder mit einem Vollbad. Oder einem Ausflug in die Berge.

Den geistigen Tank füllen wir in dem wir unserem Verstand Futter geben: Ein gutes Buch, einen TED Talk oder sich mit dem Glück auseinandersetzen.

Für den körperlichen Tank gibt es verschiedene Unterbereiche: Da sind die vernünftige Ernährung, genügend Schlaf, regelmässige Bewegung.

Der seelische Tank hat mit der Sehnsucht nach etwas Ewigem in unserem Leben zu tun. Irgendwo in uns gibt es diesen Akku, der nach göttlicher Liebe, Unvergänglichkeit und Vollkommenheit schreit. Vielleicht könnten wir dies auch die „Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies“ nennen.

Einen neuen spirituellen Zugang*

Dieser seelische Tank hat mit dem zu tun, was wir diese Woche in der Aktion 7 Wochen für mein Glück als den Wind im Windrad, die Sinnfrage oder eine gelebte Spiritualität kennen gelernt haben.

Für eine Tankfüllung gibt es verschiedene Möglichkeiten; ganz deiner Persönlichkeit entsprechend, kannst du einen Zugang zum Gott der Liebe entdecken und entfalten.

Vollkommenheit werden wir trotz Tankfüllung zwar im Diesseits nicht erlangen, doch das Wunder von Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten in Kombination ist das himmlische Versprechen, dass wir durch Jesus und den guten Geist Gottes hier und jetzt mit dem Göttlichen in Berührung kommen können.

Mit welchem der folgenden neun Zugänge* hast du bereits gute Erfahrungen gemacht? Wie wird Gott für dich erfahrbar? Was hat für dich «funktioniert», was nicht?

Und welchen Zugang zu Gott möchtest du einmal ausprobieren?

Der Natur-Typ: Gott in seiner Schöpfung lieben

Ich liebe diesen Zugang: Der Anblick einer Bergkette oder das Meditieren im Wald – da fühle ich mich sofort mit dem Schöpfer verbunden.

Der sinnliche Typ: Gott mit allen Sinnen lieben

Bilder, Gerüche, Kathedralen … – Gott mit allen Sinnen in der Schönheit entdecken.

Der traditionalistische Typ: Gott lieben durch Rituale und Symbole

Das Schöne an den unterschiedlichen Zugängen ist, dass sie genauso vielfältig sind wie wir Menschen: Einige können mit festen Liturgien nichts anfangen, andere fühlen sich gerade im gemeinsamen, liturgischen Gebet Gott besonders nahe.

Der asketische Typ: Gott lieben in Einsamkeit und Schlichtheit

Dieser Zugang wird mit ein Grund sein, warum sich das Pilgern einer solch grossen Beliebtheit erfreut: Die Einsamkeit hilft Gedanken zu sortieren und sich dem Göttlichen zu öffnen.

Der aktivistische Typ: Gott lieben durch Konfrontation

Ohne Taten sei der Glaube tot, sagt die Bibel. Nach diesem Motto leben Menschen mit diesem Zugang.

Der fürsorgliche Typ: Gott lieben durch Nächstenliebe

Nächstenliebe ist ein wichtiger Glücksfaktor – und ein Zugang, um Gott zu lieben und erfahren.

Der enthusiastische Typ: Gott lieben durch Mysterien und Feiern

Dieser Zugang ist für Menschen, die ihre Freude gerne durch Musik und andere kreative Ausdrucksformen erleben und teilen.

Der kontemplative Typ: Gott lieben mit grenzenloser Hingabe

Sie verbringen viel Zeit, um über Gott nachzudenken, mit ihm zu reden und vor allem einfach in seiner Gegenwart still zu sein.

Der intellektuelle Typ: Gott lieben mit dem Verstand

Glauben kann man (darf und soll man!) auch mit dem Verstand: Während einige Menschen Gott besonders in Emotionen entdecken, erfahren Menschen mit diesem Zugang Gott besonders in der intellektuellen Auseinandersetzung mit ihm und der Bibel.

Glücksaufgabe

Egal ob du das Ganze mit Gott und Glaube gerade frisch am Entdecken bist oder du dich als Profi in Sachen christlicher Spiritualität bezeichnen würdest – lass dich vom Ewigen besuchen und beschenken!

Und für besonders Neugierige und Mutige: Gönn dir eine Horizonterweiterung und lass dich einmal auf einen Zugang ein, der nicht gerade offensichtlich zu deiner Persönlichkeit passt.

Die geschilderten Zugänge werden im Buch «Neun Wege, Gott zu lieben» (Edition AufAtmen) von Gary L. Thomas vorgestellt.

Optimistisch in die Zukunft

Was war das wieder für eine Woche? Da poppte beispielsweise am Mittwoch auf meinem Smartphone die Meldung „Die Übersicht: Das müssen Sie über die brasilianische Corona-Variante wissen.“ auf.

Nachdem wir jetzt fast ein Jahr über das Corona-Virus sprachen und schon mehrmals meinten, wir bekämen es so oder anders in den Griff, beschäftigen wir uns inzwischen mit der britischen, einer südafrikanischen und nun also auch mit der brasilianischen Variante.

Und: Obwohl man ja derzeit kaum reist, sind alle drei Varianten schon bei uns angekommen. Bekommen wir das Virus mit all seinen Mutanten so in den Griff? Fraglich.

Wie bleibe ich optimistisch?

Irgendwie – wenn man jetzt kein Epidemiologe ist und eher bildlich an die Sache herangeht – bekommt man den Eindruck, dass da irgendwo eine fiese Corona-Familie sitzt und sich schon den übernächsten Streich (oder Schlag) im Krieg gegen die Menschheit ausheckt.

Man wird das Gefühl nicht los: Wir hinken immer wieder ein, zwei Schritte hinterher.

Auf Ende Januar 2021 war eine grössere Veranstaltung angesagt, die ich organisiere. Nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ hofften wir anfangs Herbst noch, die Konferenz durchführen zu können.

Doch die Hoffnung schwand und die Motivation, etwas vorzubereiten, das nicht durchgeführt werden kann, schwand etwa im gleichen Mass.

Inzwischen steht ein neuer Termin (Ende August). Wird es diesmal klappen? Oder wiederholt sich das Ganze einfach nochmals?

Das Schöne an der aktuellen Situation: Es geht allen gleich. Planungssicherheit gibt es nicht.

Ich will nicht schön reden, was nicht schön ist. Aber ich will in allem optimistisch bleiben. Denn: Eine motivierende Zukunftsperspektive ist ein wichtiger Glücksfaktor:

«Optimismus und Hoffnung schützen uns gegen Depression, wenn uns Schicksalsschläge treffen, sie verhelfen uns zu einer besseren Arbeitsleistung […] und schenken uns bessere körperliche Gesundheit.»
Martin Seligman, Begründer der Positiven Psychologie

Wo ist das Pony?


Ein gesunder Umgang mit der Zukunft hat mit positiven Emotionen bezüglich dem Künftigen zu tun und drückt sich in Zuversicht, Vertrauen und auch Selbstvertrauen aus.

Aber Achtung: Den Optimismus, von dem hier die Rede ist, sollten wir nicht mit positivem Denken verwechseln. Das Motto «Alles wird gut, wenn ich es mir nur genug wünsche» erscheint einem kritischen Zeitgenossen aus gutem Grunde zu einfach.

Doch auch der Realist lebt besser, wenn er mit Zuversicht auf die vor ihm liegenden Tage schaut und nicht alles Kommende bereits im Voraus mit einem düsteren Grau übertüncht.

Dazu, wie wir den Optimismus nicht verlieren, hörte ich kürzlich an einer Sitzung folgende tolle Kurzgeschichte:

Eltern von eineiigen Zwillingen machten einmal einen interessanten Test: An einem Geburtstag gaben sie ihren Kindern – eines war Pessimist, das andere Optimist – ihre Geschenke in verschiedenen Zimmern.
Das pessimistische Kind bekam das beste Spielzeug, das die Eltern finden konnten. Dem optimistischen Kind schenkten sie eine Kiste voller Pferdemist.
Voller Neugier warteten die Eltern auf die Reaktionen der Zwillinge.
Das pessimistische Kind schimpfte: Dieses Spielzeug hat eine hässliche Farbe. Damit spiele ich nicht!
Im anderen Zimmer warf das optimistische Kind den Pferdemist lachend in die Luft und rief: „Ihr könnt mich nicht reinlegen! Wenn hier so viel Mist ist, gibt es auch irgendwo ein Pony.“
Elisabeth Mittelstädt, in „Gute Woche!“

Tanke Hoffnung!
Suche nach dem Pony!

Glücksaufgabe

Meine Hoffnung hat mit meinem Glauben zu tun. Auch die Glücksforschung hat herausgefunden: Glaube macht glücklich! Unter anderem, weil im gelebten Glauben eine motivierende Zukunftsperspektive in der Hoffnung auf Gott gut begründet ist.

Was nährt deine Hoffnung?

Und hier noch einen TV-Tipp passend zur Pony-Geschichte: Aus Mist Dünger machen, Fenster zum Sonntag Talk mit Georges Morand.
(Ausstrahlung 13./14. Februar 2021 auf SRF oder online)

Schwung für unser Leben (Teil 2)

In der aktuellen Ausgabe von jesus.ch-Print „Up!“ findet sich unter anderem auch ein Interview mit mir. Hier folgt Teil 2 aus dem Interview (zu Teil 1):

Was bedeutet für Sie persönlich Lebensglück?

Während der Recherche für mein Buch „Glück finden – hier und jetzt“ habe ich unterschiedliche Glücksdefinitionen und –aktivitäten studiert. Da gab es einige erstaunliche Aha-Erlebnisse: Viele Glücksaktivitäten aus der Glücksforschung finden sich bereits in der Bibel! Das sind Werte wie Dankbarkeit, Grosszügigkeit, Vergebung oder auch Achtsamkeit.

Ein weiteres Aha-Erlebnis betrifft die Tatsache, wie gesund ein glücklicher Lebensstil ist und wie sehr ein solcher Lebensstil auch von unserem Hirn gefördert wird: Es ist eine Lüge, wenn wir denken, ein egoistischer Lebensstil entspräche unserem Menschsein. Tatsächlich hat die Neurobiologie herausgefunden, dass der Glück und Erfüllung findet, der nicht nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist, sondern aktiv Nächstenliebe übt.

Meine Auseinandersetzung mit dem Thema Glück und Lebenszufriedenheit hat mich schlussendlich zu meiner eigenen Glücksdefinition geführt: „Glück besteht aus einem dankbaren Blick zurück, einem genussvollen Leben im Hier und Jetzt sowie aus einer hoffnungsvollen Perspektive für die Zukunft. Dazu gehört ein Versöhntsein mit sich, seinen Mitmenschen und dem Leben ganz allgemein.“

Sie verwenden in Ihrem Buch das Bild des Windrads. Was steckt dahinter?

Seit Jahren arbeite ich als Coach und Referent mit den fünf Lebensbereichen der Individualpsychologie. Als ich untersuchte, was glückliche Menschen auszeichnet, bin ich wieder bei diesen fünf Lebensbereichen gelandet: Glückliche Menschen zeichnet aus, dass sie ein erfülltes Liebes- und Familienleben gestalten, einer sinnerfüllten Tätigkeit nachgehen, ein reiches Sozialleben pflegen, einen bewussten Umgang mit sich selbst haben und eine aktive Spiritualität leben.

Mit dem ShalomLeben-Windrad illustriere ich das Zusammenspiel dieser Aspekte: Die starke Nabe steht für ein starkes Selbst, die Rotorblätter für die drei Lebensfelder Liebe/Familie, Arbeit, Sozialleben. Nicht sichtbar und doch unverzichtbar ist der Wind. Was ist ein Windrad ohne Wind? Was ist ein Leben ohne Sinn, ohne Verbundenheit mit etwas Höherem?

Was tun bei einer Flaute, bei Windstille?

Der Weg zu einem erfüllten Leben geht nicht an einem übergeordneten Sinn vorbei. Ohne sich als Teil von etwas Größerem zu verstehen, ist diese höchste Form eines glücklichen Lebens nicht zu haben. Ohne diesen göttlichen Wind, der unser Windrad zum Drehen bringt, bleibt die Suche nach Glück ein anstrengender Kraftakt.

Nun ist das Bild vom Wind im Windrad für mich einerseits stark mit einer gelebten, aktiven Spiritualität verbunden. Anderseits steht der Wind auch für Sinn – Lebenssinn, jedoch auch Sinnhaftigkeit bei dem, was wir tun.

Darum muss eine Antwort hier auch zweiteilig ausfallen: Wer sein Leben schon eine längere Zeit bewusst mit Gott gestaltet, wird die Erfahrung machen, dass es unterschiedliche Phasen gibt. Manchmal erleben wir Gott auf eindrückliche Art und Weise, manchmal scheint er über eine lange Zeit zu schweigen. Beides gehört dazu, auch in der Bibel. Dieser göttliche Wind bleibt ein unverfügbares Geschenk.

Anderseits leben wir heute in einer WHY-Generation. Die Sinnhaftigkeit bei dem, was wir tun, ist sehr zentral. Wenn wir da beispielsweise im Job eine Flaute erleben, tun wir gut daran, mit einem Freund oder Coach darüber auszutauschen, wie wir zu mehr Sinn in unserer Tätigkeit finden.

Glücksaufgabe

Nächste Woche geht es los mit der Aktion „7 Wochen für mein Glück„: Bis zum UNO-Tag des Glücks (20. März) wollen wir – jeder für sich und trotzdem gemeinsam – in unsere Lebenszufriedenheit investieren und die oben erwähnten fünf Lebensbereiche vertieft betrachten. Neben dem wöchentlichen GlücksBlog und dem GlücksBuch unterstützen wir dich mit dem täglichen stayhappy.blog – wenn du willst, sogar als WhatsApp-Nachricht direkt auf dein Handy.

7 Wochen für mein Glück – eine Investition, die sich lohnen wird!
Aktions-Flyer herunterladen.
Medienberichte: EMK Schweiz / Livenet

Schwung für unser Leben (Teil 1)

In der aktuellen Ausgabe von jesus.ch-Print „Up!“ findet sich unter anderem auch ein Interview mit mir. Hier folgt Teil 1 aus dem Interview:

In seinem Buch «Glück finden – hier und jetzt» vergleicht Stefan Gerber das Streben und Leben von uns Menschen mit einem Windrad. Im Interview erklärt der Coach und Theologe das Bild und zeigt Perspektiven für mehr Zufriedenheit in unserem Leben auf. 

Worauf gründet sich unser Streben nach einem glücklichen, erfüllten Leben? 

Das Thema Glück und subjektives Wohlbefinden, also wie wir Glück selbst wahrnehmen, hat die Menschheit schon immer beschäftigt. Die philosophischen Auseinandersetzungen mit dem Glück reichen weit zurück. Bereits Aristoteles (384–322 v. Chr.) schrieb vom menschlichen Glücksstreben.

Man könnte meinen, das Streben nach Glück sei ein Luxus, den sich nur Menschen in einer vom Wohlstand verwöhnten Gesellschaft leisten können. Tatsächlich ist das Streben nach Glück so alt wie die Menschheit selbst. Zu jeder Zeit versuchten Menschen, sich zu entfalten und persönliche Ziele zu erreichen. In unserer Multioptionsgesellschaft müssen wir uns erst recht klar darüber werden, wie wir unser Leben gestalten und unsere Zufriedenheit finden wollen.

Sogar die Bibel weiss, dass das Leben dem Glücklichen leichter fällt: „Für den Niedergeschlagenen ist jeder Tag eine Qual, aber für den Glücklichen ist das Leben ein Fest.“ (Die Bibel, Sprüche 15,15)

Wie können wir zu einem erfüllten Leben finden?

Langezeit konnte ich nicht wirklich etwas anfangen mit dem hebräischen Begriff „Shalom“. Er war für mich zu sehr verknüpft mit israelischen Volkstänzen während meiner Jugendgruppen-Zeit – das war weniger meines.

Inzwischen sehe ich jedoch in Shalom den Weg zu erfülltem Leben: Shalom meint ganzheitlichen Frieden und reicht viel weiter als bloss die Abwesenheit von Krieg. LebenszuFRIEDENheit gibt es demnach, wenn wir uns mit jeder Faser unseres Lebens versöhnen. Natürlich bleibt das ein Stück weit ein Ideal, das an die göttliche Vollkommenheit geknüpft ist und in unserer unvollkommenen Welt noch nicht vollständig erreicht werden kann. Doch wenn es uns gelingt, uns mit den unterschiedlichen Aspekten des Lebens – mit mir selbst, mit meinen Mitmenschen, mit meiner Arbeitssituation … – zu versöhnen, finde ich Erfüllung im Dasein.

Für mich beginnt dieses Versöhntsein damit, dass mir der Himmel Versöhnung anbietet: Weil Gott mich liebt – und zwar mit all meinen Sonnen- und Schattenseiten –, kann ich mich mit mir selbst versöhnen.

Glücksaufgabe

Wie hast du es mit dem Glück? Was macht dich gegenwärtig (un)glücklick?

Glück ist viel stärker als wir oft denken gestaltbar! Willst du dein Glück bewusst gestalten und in deine Lebenszufriedenheit investieren?

Gerne unterstütze ich dich dabei! Möglichkeiten gibt es viele – eine ganz einfache und aktuelle ist die Aktion „7 Wochen für mein Glück„: Komm ab dem 1. Februar mit auf eine Reise zu mehr Freude und Lebenszufriedenheit!

Von fantastisch bis fanatisch

Was vermisst du gerade am meisten?

Ich würde gerne wieder einmal einen Hockey-Match besuchen. Vielleicht sogar mit einem gemütlichen Fondue unter Freunden im Voraus, dann die Stimmung in der vollen Tissot Arena geniessen, einem spannenden Spiel zuschauen und hoffen, dass Janis Moser mal wieder ein Geniestreich gelingt und „meine Mannschaft“ zum Sieg führt.

Ist das Spiel umkämpft, gehen auch die Emotionen hoch. Das gehört irgendwie dazu. Die Spannung geniesse ich, doch für mich gibt es auch Grenzen: Das eigene Team unterstützen ja, den Gegner anfeinden nein.

In einer aufgeladenen Stimmung stimmt man natürlich schneller als einem lieb ist mit in den Fangesang ein und provoziert den Gegner – wie damals, als der Berner Goali Renato Tosio nach einer Fan-Provokation im ehrwürdigen Bieler Eisstadion zu kochen begann, sich umdrehte und der gesamten Fankurve den Stinkefinger zeigte.

Was passiert, wenn sich ein Leader wie Tosio provozieren lässt und mit einer solchen Geste Öl ins Feuer giesst, kann man sich leicht ausmalen.

Oft bleibt es im Sportstadion und auch sonst im Leben – oder auf Social Media – zum Glück bei verbalen Entgleisungen. Wobei auch diese unter Umständen tiefe Spuren der Verletzung anrichten können.

Wenn aber verbale Provokationen zu Vandalismus und physischer Gewalt ausufert, ist der Schaden definitiv angerichtet.

Ist es noch ein Genuss, wenn Fangruppen durch eine Hundertschaft von Polizisten in Vollmontur voneinander getrennt werden müssen?

Ich liebe ein fantastisches Hockeyspiel und ja, ich würde mich durchaus als Fan vom EHC Biel bezeichnen – heute geht das auch ganz gut ohne entsprechende Fanutensilien und Trikot. Man kann ja auch so mit dem Herzen dabei sein.

Nicht verstehen kann ich, wenn aus einer begeisterten Fankultur ein Fanatismus wird – in Sport, Politik oder Religion.

Respekt vor dem Gegenüber – auch wenn es anders denkt als ich

Doch, verstehen kann ich es vielleicht sogar: Da gibt es etwas, das einem so wichtig ist, dass man es um jeden Preis und gegen alles andere verteidigen will. Und irgendwann kippt das FÜR-etwas-Einstehen in ein GEGEN-etwas-Ankämpfen.

Plötzlich wird aus meinem FÜR-den-EHCB-Fanen ein GEGEN-den-SCB-Stimmungmachen.

Plötzlich wird aus einem Freidenker ein Christenbekämpfer.

Plötzlich werden aus Lebensschützern fanatische Abtreibungsgegner.

Plötzlich werden aus Menschen mit traditionellem Familienbild Schwulenhasser.

Plötzlich werden aus Trump-Wählern Biden-Hasser.

Plötzlich herrscht Krieg im Kapitol.

Also so plötzlich kommt das alles ja nicht. Wer mit dem Feuer spielt, brennt sich irgendwann. Wer den Respekt vor anderen Meinungen verliert, steht nicht mehr bloss für seine Ansichten ein, sondern bekämpft Andersdenkende. Wer sich getrieben fühlt, sein Weltbild andern zu überstülpen, in dem steckt das Potenzial eines fanatischen Kämpfers.

Ich habe starke Überzeugungen – für die will ich auch öffentlich einstehen.

Mir sind mein Glaube und meine Jesus-Nachfolge sehr wichtig und ich will meine Spiritualität auch zeigen – nicht aufdringlich zur Schau stellen, aber eben auch nicht verstecken.

Was mir wichtig ist: Ich will als einer bekannt sein, der FÜR etwas ist – Glaube, Liebe, Hoffnung, Glück – und nicht als einer, der immer GEGEN etwas ist.

Und ich möchte meinen – ob kleinen oder grossen – Einfluss zum Guten nutzen: Menschen zur Liebe anstiften.

Dass man Menschen auch zu ganz anderem anstiften kann und dass aus fanatischem Gedankengut in Politik zusammen mit fundamentalistischer Religion ein gefährlicher Cocktail wird, haben wir letzte Woche eindrücklich in einem der traurigsten Kapitel der jüngeren US-Geschichte gesehen.

Glücksaufgabe

FÜR was lebst du? Wofür willst du einstehen, was ist dir wichtig? Und wie kannst du für eine Meinung einstehen ohne Andersdenkende anzufeinden?

Und: Ein volles Stadion kann ich leider derzeit auch nicht bieten, aber wenn du wissen willst, was mich beim Talken mit dem Hockey-Star Janis Jérôme Moser letzten Herbst beindruckt hat, kannst du dies hier nachlesen oder den Talk auch gleich nachhören.