Schönwetter Leben

Eine solche Skiwoche habe ich noch nie erlebt: Der Wetterbericht und die Sturmwarnungen machten schon im Voraus klar, dass „Schönwetter Skifahrer“ auf wenig Schneestunden kommen würden.

Das schönste Wetter wäre wohl für An- & Abreisetag zu erwarten, ergab unsere kurze Analyse. Und so gab es dann vorletzten Samstag um 5 Uhr Tagwache und um 5.30 Uhr gings mit vollgepackter Familienkutsche los Richtung Lieblingsskigebiet im Montafon.

Nach zwei ganz ordentlichen Skitagen war es Zeit für den Besuch von Sabine – am Montag stand alles still, am zweiten Sturmtag drängten wir uns gefühlt mit dem ganzen Montafon an die zwei geöffneten Skilifte.

Über mangelnde Abwechslung konnte sich keiner beklagen: Jeder Tag anderes Wetter, andere Schneeverhältnisse, Talabfahrt abwechselnd mit oder ohne Wanderintermezzo …

Was sich ziemlich konstant hielt: Die erste Abfahrt am frühen Morgen war die schönste! Ob frisch verschneite Hänge oder perfekt präparierte Pisten – wir waren uns einig: Der Lohn ist gross für den, der bereits um 8.15 Uhr an der Bahn steht.

Wie zu erwarten war: Das schönste Wetter kam zum Schluss. So verbrachten wir auch den Abreisetag auf der Piste und tankten (doch) noch einige Sonnenstunden.

Mehr als Sonnenschein

Ich liebe es, bei besten Bedingungen – sprich: Sonne, gute Sicht, toller Schnee, perfekt präparierte Pisten – mit langezogenen Schwünge  die Hänge herunterzubrettern.

Trotzdem wurde mir an diesem wunderschönen Samstag bewusst: Wären alle sieben Skitage so gewesen, hätte selbst dieses „Perfekte“ etwas Ermüdendes gehabt. Immer nur Sonne – auch das wird irgendeinmal langweilig.

Das Abenteuer war jedenfalls in dieser Skiwoche um einiges höher als im Schönwetter-Urlaub: Wie weit können wir heute die (offiziell gesperrte) Talabfahrt auf den Skis bewältigen? Welche Lifte sind heute geöffnet? Wo ist eigentlich Piste – und wo Nebel? …

Wunderbar waren die Abfahrten im Pulverschnee: Harte Piste mit paar wenigen Zentimeter Neuschnee – ein Gefühl vom Fliegen kam auf.

Natürlich liebe ich auch im Leben, wenn die Sonne scheint! Alle sind happy, die Projekte gehen alle gut von der Hand, die eigenen Kinder machen gerade mehr Freude als Ärger und in der Partnerschaft fliegen die Schmetterlinge.

Auf der anderen Seite ist es so mühsam, wenn man im Nebel herumirrt und nicht weiss, wo einem das Leben als nächstes hinträgt: Beziehungsknatsch, Kündigung, gesundheitliche Einschränkungen, Selbstzweifel, übergrosse Herausforderungen und erdrückende Verantwortung …

Ich ertappe mich hin und wieder beim Gedanken, dass ich mir mehr Zeit zum Geniessen wünsche – mehr Zeit an der Sonne, mehr Gelassenheit, mehr unbekümmerte Momente mit guten Menschen und weniger „unter Strom stehen“, weil schon wieder das nächste Projekt, die nächste Hürde oder auch einfach die nächste auszufüllende Steuererklärung warten.

Möglicherweise geht es vielen von uns ähnlich – und es ist wichtig und gut, wenn wir diese Stimme in uns ernst nehmen.

Und doch: Ich will kein Schönwetter-Leben! Ich wünsche mir ganz viele Schönwetter-Momente in meinem Leben, aber das Leben finden nicht nur an der Sonnseite statt.

Und das ist gut so!

Wer meint, das Leben bestünde nur aus Schönwetter, wird die Sonne eines Tages nicht mehr geniessen können.

Je dichter der Nebel, umso schöner die strahlende Sonne danach.

Nein, ich suche nicht das Leid im Leben und ich wünsche es auch keinem. Tatsache ist aber, dass leidvolle Momente, Stürme, Herausforderungen, Brüche zum Leben dazugehören.

Ich wünsche uns, dass wir an diesen Stürmen nicht zerbrechen, sondern dass sie uns stärken und reifen lassen.

Damit wir dann die Sonne in vollen Zügen wieder geniessen können!

Glücksaufgabe

Welcher Sturm in deinem Leben hat dich zu einer reiferen Persönlichkeit gemacht?

Wie kannst du selbst für eine gesunde Ausgewogenheit zwischen Sturm (Herausforderungen) und Sonnenschein (Genussmomente) in deinem Leben sorgen?

Eindrückliche Liebesgeschichte

Letzten Sommer las ich in einer Zeitschrift eine Porträt über Fritz und Bethli Gugger – und war sofort fasziniert von diesem Paar, das auf über 50 Ehejahre und ein  abenteuerliches (Liebes)Leben zurückblicken kann.

Ich wollte sie kennen lernen und von ihnen erfahren, wie man mit 80 Jahren dankbar und glücklich leben kann. Und wie man es schafft, über 50 Jahre „glücklich verheiratet“ zu sein.

Gestern war es nun soweit: Ich durfte im Rahmen vom Format Chäs, Brot, Wy – und mini Gschicht mit Gott einen Talk mit den beiden führen.

Und sofort wurde bestätigt, was ich erwartet hatte. Das Ehepaar strahlt eine Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Ihre Achtung voreinander und vor Menschen überhaupt, scheint ein zentraler Schlüssel in ihrem Leben zu sein. Durch kleine Aufmerksamkeiten werden sie zur Ermutigung für andere.

So zum Beispiel für meinen kürzlich verstorbenen Grossvater, was ich erst kurz vor dem Gespräch erfahren hatte: Bei meinem Grossvater wurden zahlreiche Postkarten von Guggers gefunden. Immer wieder, bis zu seinem Tod, durfte er sich an einem Feriengruss von Fritz & Bethli erfreuen.

Für andere da sein

Überhaupt zieht sich das Engagement für Mitmenschen wie ein roter Faden durch das Leben von Guggers: Als Lehrlingsbetreuer in Indien, Adoption von Niklaus Samuel (heutiger Nationalrat Nik Gugger), Heimleiter in einem Altersheim, Leitung einer Missionsstation in Costa Rica.

Sich in den Dienst einer grösseren Sache stellen, aus der Dankbarkeit heraus für andere Menschen zum Segen werden, das ist ganz bestimmt ein Erfolgsfaktor für eine tragfähige Partnerschaft.

„Wir arbeiten gerne zusammen und ergänzen uns gut“, sagen die beiden. Das kenne ich selbst aus meiner Ehe. Wir haben das Privileg, als Paar gemeinsam in ganz viele Projekte involviert zu sein. Wie neulich, als wir an einer Tagung zu zweit ein GlücksReferat halten durften. 

Es ist ein Vergnügen, wenn man als Paar gerne und gut zusammenarbeiten kann, sich ergänzt und dabei immer mal wieder auch einen Flow erleben darf. So ist man nicht „bloss“ eine Ehepaar, sondern auch ein Team mit einer gemeinsamen Vision.

Team mit Vision

Mit gemeinsamen Arbeitsprojekten wird man automatisch zum Team, doch das ist nicht für jedes Paar möglich oder empfehlenswert – vielleicht klappt das mit der Zusammenarbeit und Ergänzung nicht wirklich und führt nur zu Konfliktstoff. Dann lässt man dies besser.

Doch der Paaralltag bietet auch sonst genug Möglichkeiten, sich als Team mit Vision zu verstehen: Was wollen wir gemeinsam erreichen? Was soll über unserem Leben, über unserer Ehe stehen? Welche Träume wollen wir gemeinsam anpacken?

Gemeinsames Fundament

Guggers machen kein Geheimnis daraus, dass ihnen gemeinsame Interessen wie Sport oder Musik zu „gwaggelig“ (zu unstabil) seien. So toll dies auch sei, für sie braucht es für eine glückliche Ehe ein tragfähigeres Fundament: Den Glauben miteinander teilen zu können und auch gemeinsam zu beten, das sei für sie das, was am Ende (durch)trägt.

Das heisst nicht, dass man Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg geht. Nein, wer sich achtet, der kann es auch aushalten, wenn der Partner die Welt nicht immer durch die selbe Brille anschaut.

Es war wunderbar, dieses positive Paar kennen zu lernen. Ich habe ein neues Vorbilder für meine Ehe und mein Leben gefunden.

Glücksaufgabe

Bald ist Valentinstag, doch unsere Paarbeziehungen verdienen eine grössere Investition als der jährliche Blumenstrauss am 14. Februar. Wie kannst du dich in deine Partnerschaft einbringen, damit auch ihr Lebensfreude ausstrahlt?

Äs guets Nöis!?

Gestern trafen wir uns zum ersten Unihockey-Training im neuen Jahr. Bei der Begrüssung wünschten wir einander natürlich „Äs guets Nöis!“ – „Happy New Year“ – „Bonne Anée“.

Auch wenn es einerseits eine Floskel ist, finde ich diesen Brauch anderseits auch schön: Man wünscht sich gegenseitig gutes Gelingen, Freude und eben einfach ein gutes neues Jahr.

Eine Mitspielerin (genau, auch das gibt es im freestylers-Plauschteam) hingegen stellte lapidar fest: Wenn wir uns jetzt „Äs guets Nöis!“ wünschen, heisst das dann, dass das Alte nicht gut war?

Nein, das will der Neujahrs-Glückwunsch nicht meinen. Natürlich ist jedes neue Jahr auch eine neue Chance, ein ungeschriebenes Buch das ganz frisch vor uns liegt. Eine Schneelandschaft, die noch ohne jegliche Spuren vor uns liegt und darauf wartet, dass wir unsere Spuren darein setzen.

Ich habe Mühe mit den fast-fix Rezepten „So wird 2020 ihr bestes Jahr“ – das suggeriert irgendwie, dass es immer noch besser werden muss.

Aber ein „gutes Jahr“, das wünsche ich mir, dir und allen von ganzem Herzen. Egal wie das letzte war: Vielleicht hast du – wie ich – das letzte Jahr im Flow beendet. Dann wünsche ich dir – und mir -, dass wir dort ansetzen können und die Geschichte weiterschreiben dürfen.

Und wenn das letzte Jahr mehr von Schmerz als von Freude geprägt war für dich, dann wünsch ich dir, dass du diesen Schmerz im neuen Jahr hinter dir lassen kannst und Gutes empfangen darfst.

Die Selbstopitimierungs-Falle

„Äs guets Nöis“ gefällt mir auch darum, weil es eben von „gut“ und nicht von „perfekt“ spricht.

Das gute Leben – das wünsch ich uns. Vollkommenheit ist für den Himmel reserviert, sage ich jeweils. Natürlich kann schon hier und da Himmel auf Erden geschehen. Aber das irdische Leben wir nie vollkommen sein.

Darum: Ein gutes Leben.

Und das heisst: Ich bin mir bewusst, dass neben vielen schönen Momenten im Leben, neben Freude, Erfolg und Erfüllung auch Schwieriges dazu gehört. Körperliche Schmerzen oder Beziehungsschmerzen. Karrierenbrüche oder emotionale Tiefs.

Glücklich ist nicht, wer das perfekte Leben gefunden hat.
Glücklich ist, wer sich mit all dem Schönen und all dem Schwierigen versöhnt hat und sein Leben aktiv gestaltet – in all den unterschiedlichen Lebensbereichen des ShalomLeben-Windrades:

Die Nabe: Bewusste Selbstführung

Glückliche Menschen sind mit sich im Reinen, blicken optimistisch in die Zukunft und pflegen einen dankbaren und achtsamen Lebensstil.

Rotorblatt: Erfülltes Liebes- und Familienleben

Glückliche Menschen verbringen viel Zeit mit Menschen, die ihnen wichtig sind. Sie pflegen Freundschaften und gestalten ihr Liebes- und Familienleben aktiv.

Rotorblatt: Sinnerfüllte Tätigkeit

Glückliche Menschen gehen einer Aufgabe nach, die ihren Talenten und Interessen entspricht und mit der sie einen Unterschied auf dieser Welt machen können.

Rotorblatt: Reiches Sozialleben

Glückliche Menschen bringen sich als aktiven Teil in die Gesellschaft ein – sei dies in Beziehungen oder in freiwilligem Engagement für ihre Mitmenschen.

Der Wind: Gelebte Spiritualität

Ein Windrad ohne Wind ist bedeutlungslos. Wer für sich den Sinn des Lebens nicht gefunden hat, steht in Gefahr, sein Leben als bedeutungslos zu erleben. Darum finden glückliche Menschen Antwort auf die Sinnfrage.

Über diese fünf Lebensbereiche nachzudenken, sie bewusst zu gestalten, das finde ich seit vielen Jahren sehr wertvoll. Gerne reflektiere ich im Coaching oder in Workshops auch mit anderen ihr Erleben darin.

Doch das Ziel soll nicht das „perfekte Leben“ sein, sondern das gute, bewusste Leben.

Diese Woche habe ich in einem Kiosk gleich mehrere Zeitschriften gesehen, die ihre Titelstory der Selbstopitmierungs-Falle widmen.

Das Glück im Leben soll Freude machen – und nicht zusätzlichen Stress auslösen.

Glücksaufgabe

Wie steht es um deine aktuelle Zufriedenheit in den unterschiedlichen Lebensbereichen? Dieser Workshop kann dir dabei helfen (PDF-Download).

Weitere Anregungen findest du in meinem Buch „Glück finden – hier und jetzt“ oder in einem Coaching.

Ernst Kislig – mein Vorbild

Ernst Kislig? Dieser Name sagt dir nichts? Das versteh ich.

Denn zu allgemeiner Bekanntheit hat er es in seinem Leben nicht gebracht. Aber wer ihn kannte, schaute amüsiert bis bewundernd zu ihm hinauf – obwohl er gar nicht so ein grosser Mann war. Dafür umso mehr ein Mann mit Format. Und wie!

Ernst Kislig – das war mein Grossvater. Letzten Monat ist er in seinem 98. Lebensjahr gestorben.

Ich mochte ihn. Ich liebte ihn. Und als ältestes Grosskind hatte ich irgendwie eine spezielle Beziehung zu ihm.

So war es mir eine grosse Ehre, vor einigen Jahren mit ihm zusammen seinen Lebenslauf zu schreiben.

Was für ein Leben! Dankbar staune ich und lass mich von dieser eindrücklichen Lebensgeschichte berühren:

Ernst Kislig wurde am 29. Januar 1922 in Seftigen als Sohn des Steinhauers Friedrich und Rosa Kislig geboren. Er wuchs mit vier Geschwistern auf und erlebte eine bewegte Kindheit: mit 6 Jahren stürzte er vom Tenn, auch ein Sturz ins Güllenfass gehörte zu seinem Erfahrungsschatz.

Man schmunzelt, wenn man diese Anekdoten liest. Zum Schmunzeln brachte er uns immer wieder. Pure Lebensfreude, selbst wenn die Lebensumstände eher einem Güllenfass ähnelten – das zeichnete Grossvati aus.

Egal ob Familie, Bekannte oder Fremde: Niemand war sicher vor den Witzen von Ernst Kislig. Es war nicht immer klar, ob er die humoristischen Geschichten gerade in dem Moment selbst erfand, in dem er sie erzählte oder ob er den Witz nacherzählte.

Eines jedoch ist sicher: Er war ein Original und als dieses hat er so manchen Menschen ein Lachen ins Gesicht gezaubert.

Seine Schulzeit war geprägt von seiner Rechenstärke, seinen Schwierigkeiten mit Aufsätzen und vor allem von den immer wiederkehrenden epileptischen Anfällen: So fiel er beispielsweise  seitwärts aus dem Schulpult heraus und musste erleben, wie er besonders von den Mädchen gemieden wurde. Dies hinterliess genauso wie die Erfahrung, im Sportunterricht immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt zu werden, Spuren im Selbstwertgefühl des jungen Ernsts.

Soll man lachen oder weinen, wenn man dies liest? Die Kindheit hinterlässt bei uns allen Spuren, manchmal sind es Wunden, die uns ein ganzes Leben prägen.

Als Jugendlicher durfte Ernst das erleben, was heute wohl Selbstwirksamkeitserfahrung genannt würde. Er durfte in der Blaukreuzmusik mitwirken, wurde bald Vorstandsmitglied, engagierte sich freiwillig in der Jugendarbeit und machte sich beruflich selbständig.

Ich bin mir sicher, dass er da erlebte, wie er mit seinem Beitrag etwas zum Guten bewirken konnte – etwas bewegen und dabei auch sich selbst etwas Gutes tun und neue Erfahrungen den Verletzungen aus der Kindheit entgegensetzen.

Was blieb, waren die epileptischen Anfälle, bis zu 10 Anfälle pro Tag. Durch medizinische Unterstützung wurde es mit der Zeit besser …

Doch die vollständige Heilung war ein Geschenk Gottes: Während einer Evangelisationswoche durfte Ernst durch ein Heilungsgebet erfahren, dass Gott ihn auf der Stelle aus seiner Not befreite. Selbst ein Neurologe bestätigte später, dass keine Spur von Epilepsie mehr vorhanden sei!

Diese Erfahrung war für Grossvati von existenzieller Bedeutung. Sie hat seine Gottesbeziehung nachhaltig beeinflusst. „Egal was kommt, egal in welchem Güllenfass ich lande – mein Gott verlässt mich nicht!“, ich stelle mir vor, wie etwa so sein Gottvertrauen aussah.

Und dies brauchte er auch: Herausforderungen als Grossfamilie, Angestellte entlassen müssen und dann die Schliessung der eigenen Schneiderei, gesundheitliche Probleme, pflegebedürftige Frau.

Doch wie er all das meisterte und neben den persönlichen Herausforderungen sich trotzdem immer auch für die Gesellschaft engagierte, hat allen Respekt verdient!

Voller Bewunderung durfte die inzwischen auf 14 Gross- und 15 Urgrosskinder angewachsene Familie beobachten, wie man trotz Schwierigkeiten selbst nach 70 Jahren noch eine Liebesbeziehung leben kann. Die Fürsorge und Hingabe von Ernst bleibt uns in beispielloser Erinnerung.

Auch das darf nicht unerwähnt bleiben: In einer Zeit, in der Beziehungen leichtfertig weggeworfen werden, können wir nur dankbar sein für solche Vorbilder. Ernst hat sein Vreneli geliebt, immer wieder Wege gefunden, sie noch optimaler zu unterstützen – trotz Einschränkungen liessen sich die beiden nicht einschränken!

An der Abdankungsfeier durfte ich den Lebenslauf von meinem Grossvater vorlesen. Eine grosse Ehre und Freude für mich! Denn: Grossvati war schon immer ein Vorbild für mich.

Manch Schweres hatte Ernst Kislig in seinem Leben zu tragen. Doch weil er seinen Gott und all das Schöne im Leben nie aus dem Blick verlor, überwog bis zu Letzt die Dankbarkeit. Und so blicken wir heute dankbar auf ein reiches und vorbildliches Leben zurück!

Glücksaufgabe

Ein Mann mit Format, aber auch mit Ecken und Kanten, sei er gewesen, dieser Ernst Kislig. So hiess es an der Trauerfeier. Ohne Schönfärberei wurde so viel Gutes über dieses Leben erzählt, dass ich dachte – und sagte: All das möchte ich an meiner eigenen Abdankung auch mal hören.

Und da kam mir diese Coaching-Übung in den Sinn: Schreib mal deine eigene Grabrede? Was möchtest du, dass die Leute über dich sagen, wenn du einmal nicht mehr bist?

Es ist eine wirkungsvolle Glücksaufgabe, sich bewusst zu werden, für was man wirklich leben möchte. Es lohnt sich!

Die Psychologie des Gebens

Das Timing hätte nicht besser sein können: Letzten Sonntag stand die gms Matinée unter dem Motto „Lebe grosszügig!“. Tags zuvor war auf der Frontseite der Boulevardzeitung Blick zu lesen: Gottes Lohn – aber in Cash. Ex-Anhänger wirft der evangelikalen Freikirche ICF Raffgier vor.

Auch wenn der Artikel journalistisch mehr als peinlich ist und Dinge miteinander verknüpft werden, die gar nicht zusammengehören, zeigt sich doch: Wenn es ums Geld geht, besonders gerade im Kontext einer Freikirche, begeben wir uns in einen sehr sensiblen Bereich.

Was den Blick-Artikel betrifft, finde ich, die Verantwortlichen vom ICF haben sehr gut reagiert.

Als hätte ich nicht schon über die Brisanz des Themas Bescheid gewusst, wurde ich durch die Blick-Schlagzeile nochmals daran erinnert: Wenn du übers Geld sprichst, wird es heikel. Da gibt es Reflexe in uns, die sofort in Abwehr- oder Kampf-Modus umschalten.

Wer Geld hat, der hat Macht. Doch noch mehr Macht steckt eben im Geld selbst. Mit Geld können wir sehr viel Gutes anstellen, die Welt im Kleinen und Grossen zu einem besseren Ort machen.

Geld kann uns jedoch auch vergiften, Geld ist ein hervorragendes Suchtmittel. Das Spektrum von negativen Eigenschaften, die Geld in uns zum Erwachen bringen kann, ist riesig: sorgenvoll, geizig, stolz, gierig, knausrig, eifersüchtig, selbstsüchtig …

Einen gesunden Umgang mit Geld erlernen

„Geben ist seliger als Nehmen“, hat man früher gesagt. Heute zählt (wenn man einer früheren Werbekampagne Glaube schenken will):  „Geiz ist geil“. Kann ja vielleicht sein, aber glücklich macht der Geiz nicht.

Im Gegenteil: Die Wissenschaft bestätigt, was der alte Spruch von Geben und Nehmen aus der Bibel schon längst sagte: Grosszügigkeit wird von unserem Hirn viel mehr belohnt, macht viel glücklicher, als Egoismus.

Darum hab ich in meiner Message letzten Sonntag als erster von vier Gründen für einen grosszügigen Lebensstil den psychologischen Grund genannt: Grosszügigkeit macht glücklich.

Tobias Esch, Arzt und Neurobiologe,  sagt es in seinem Buch Die Neurobiologie des Glücks: Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert so: «Menschen, die freiwillig helfen, mehr spenden und verschenken, und solche, denen andere vertrauen, diese Menschen sind glücklicher!»

Und weiter:

Beim altruistischen Handeln werden unsere eigenen Ressourcen und salutogenen Potenziale über endogene Belohnungsmechanismen aktiviert … Da ist alles ziemlich gesund.

Geld macht nicht glücklich. Mindestens dann nicht mehr, wenn unser Grundbedarf gedeckt ist.

Glücklich kann – das wusste schon die Bibel und wird durch die Glücksforschung bestätigt – jedoch das machen, was wir mit dem Geld tun:

Ein grosszügiger Lebensstil fördert unser Glücksempfinden. Spenden ist nicht nur edel, es werden dabei auch Glückshormone ausgeschüttet.

Grosszügigkeit ist jedoch viel mehr als einfach Geld zu spenden: Wenn sie zu unserem Lebensstil wird, ist es eine Haltung: Ich verschenke mich meinen Mitmenschen. Das heisst nicht, klein von sich zu denken.

Aber dass ich vielleicht etwas weniger an mich selbst denke und so meine Mitmenschen mehr ins Blickfeld rücke: Wie kann ich meiner Familie und meinen Freunden, meinen Nachbarn, den Arbeitskollegen und auch mal dem Fremden, überhaupt der Gesellschaft etwas geben?

Angefangen beim Lächeln zum aufbauenden Gespräch über eine praktische „Liebestat“ bis zur materiellen Unterstützung.

Diese guten Taten machen mindestens zwei Menschen glückliche: Den Empfangenden und den Gebenden. 

Was ein solches Geben (wie zum Beispiel auch in der Freiwilligenarbeit) bei uns auslöst, hat die Glücksforschung eindrücklich herausgearbeitet:

– Gesund für das Herz-Kreislauf-System
– 
Verringerung depressiver Symptome
– 
Anstieg des Glücksempfindens
– Anstieg des Selbstwertgefühls
– Gefühl der Beherrschung steigt
– Gefühl der Selbstbestimmung steigt
– „Helferhoch“

Unser Hirn belohnt nicht Egoismus. Richtig aufblühen tun wir da, wo wir grosszügig leben.

Glücksaufgabe

Suchst du Glück? Dann mache Grosszügigkeit zu einem deiner zentralen Lebenswerte und finde Wege, wie du andere beschenken kannst.

Interessieren dich meine weiteren Gründe für einen grosszügigen Lebensstil? Hier findest du das Handout zur Message.

Der Tisch

Ein Bild zog sich während der Studienreise, die ich im August in Chicago begleiten durfte, durch die ganze Woche: Der Tisch.

Gleich am ersten Tag sassen wir mit der Reisegruppe aus der Schweiz und Deutschland im riesigen Auditorium der Willow Creek Kirche und liessen uns von der Predigt Welcome to the Party von Eugene Cho inspirieren:  Wir sind eingeladen an den Tisch und aufgerufen, selbst Gastgeber zu werden.

Obwohl mein Englisch zu wenig gut ist, um auf Anhieb zu verstehen, was ein Potluck ist, begriff ich sofort, worauf Eugene Cho hinaus wollte: Unser Tisch soll farbig sein, soll vielfältig sein, soll von den Gaben und Originalität jedes einzelnen leben.

Dieser Potluck, diese bunte Party, zu der alle unorganisiert etwas mitbringen, ist ein Bild dafür, wie das Leben auch sein könnte: Wir alle werden zu Hosts, zu Gastgebern. Und die Qualität vom Ganzen lebt nicht davon, dass einer ein „Super-Held“ ist, sondern von der Summe der Beiträge von jedem Einzelnen.

Menschen Würde verleihen

Der eindrückliche Sozialbereich (Care Centre, CARS Ministry, Rechtsberatung …) zeigte uns an den folgenden Tagen, wie diese Kirche ganz konkret hilfsbedürftige Menschen zurück „an den Tisch“ einlädt.

Ich durfte diese Reise nun schon mehrmals begleiten. Immer wieder berührend für die Gruppe ist, dass hier trotz der unglaublichen Grösse nicht einfach hilflose Menschen abgefertigt werden. Nein, es wird konkret darauf geachtet, wie man diesen Menschen ihre Würde (zurück) geben kann.

Kleines Beispiel: Die secondhand (Kinder)Kleider werden nicht einfach gratis abgegeben, sie werden zu ganz günstigen Preisen verkauft. Die Überlegung dahinter: Die Eltern können mit erhobenem Haupt nach Hause gehen und zu ihren Kids sagen: „Schau mal, was ich heute für dich gekauft habe!“. Wie würdevoller ist dies, als wenn sie sagen müssen: „Schau mal, was ich für dich gekriegt habe!“.

In Chicago selbst wurden wir von der Emmaus Arbeit, die unter den Menschen am Männerstrich aktiv ist, herausgefordert, nicht nur Leute an unseren Tisch einzuladen, sondern den Menschen Würde zu verleihen, in dem wir die Einladung an „ihren Tisch“ annehmen – auch wenn es dort stinkt und ungemütlich ist.

Und schliesslich folgte auf diese Tage voller Eindrücke und Impulse als abschliessender Höhepunkt der Studienreise der zweitägige Global Leadership Summit. Geballte Lektionen auf höchstem Niveau im Bereich Leadership und Persönlichkeitsentwicklung für Social Entrepreneurs, CEOs, Pfarrer und überhaupt für Menschen, die ihre Verantwortung und ihren Einfluss ernst nehmen wollen.

Und was sagen da die Top-Führungskräfte wie zum Beispiel Ben Sherwood, Ex-Präsident von Disney ABC Television? „Meine grösste Leadership-Lektion war der Rat: ‚Only connect!'“, schloss er sein Referat. Es gehe im Miteinander und in der Mitarbeiterführung am Ende nur darum, zu verbinden, zu vernetzen, eine Beziehung aufzubauen.

Oder eben: Menschen an den Tisch zu bringen.

Und Dr. Krish Kandiah, der sich als Autor und Social Entrepreneur im Bereich Pflegefamilien für Kinder engagiert, erzählte, wie man ihm beibringen wollte: „Als Führungsperson musst du auch mal auf den Tisch klopfen können.“

„Nein, wenn das so ist, dann bin ich eben keine Führungsperson“, war seine Reaktion darauf. Statt auf den Tisch zu klopfen, will er ein Leader sein, der die Leute zu sich an den Tisch einlädt, sich mit Menschen verbindet, von anderen lernen will.

Was für ein Fest, wenn wir alle das Leben noch vielmehr als Tisch oder eben als Potluck begreifen, wo jeder das Leben der anderen mit seinem persönlichen Beitrag reicher macht.

Glücksaufgabe

Schau, dass du nicht alleine an deinem Tisch sitzt! Ob ganz konkret mit einem Essen oder im übertragenen Sinn als Führungsperson: Hol Leute an deinen Tisch! Verbinde dich mit deinen Mitarbeitenden, deinen Mitmenschen.

Unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen brauchen nicht mehr Härte, wir brauchen mehr Wärme. Was ist dein Beitrag dazu?

 

My Message

Stell dir vor, du kriegst einen völlig überraschenden Anruf mit der Aufforderung, an einer grossen Veranstaltung – nehmen wir aus aktuellem Anlass das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug – eine Ansprache oder ein Kurzreferat zu halten.

Stell dir weiter vor, es wäre wie in diesen „bösen“ Träumen, wo du vor Herausforderungen gestellt wirst und ihnen nicht ausweichen kannst – ausser du wachst in der nächsten Sekunde schweissgebadet auf und der Spuck ist vorbei … (Nebenbei: Ich war in einem solchen Traum neulich innert kürzester Zeit dreimal hintereinander in eine Verfolgung oder sonst eine missliche Lage verwickelt. Erholsam war dieser Schlaf nicht wirklich!)

Zurück zu dir: Du hast also die Gelegenheit in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Stadion oder Auditorium eine Botschaft zu platzieren. Und die Ausrede: Ich bin für diese Aufgabe nicht geeignet, wird nicht akzeptiert.

Bevor es dir die Schweissperlen auf die Stirn drückt: Natürlich ist es nur eine fiktive Aufgabenstellung; du brauchst nächste Nacht auch nicht davon zu träumen, wie du mit schlotternden Knien vor tausenden Leuten ausgestellt bist und dir einfach entfallen ist, was du in diesem kurzen Moment deiner Berühmtheit zu den Menschen sagen wolltest – und das Manuskript natürlich im Taxi liegen blieb …

Nein, das soll kein Albtraum werden! Es geht mir einzig und allein um die Frage:

Was wäre denn deine Message?

Am letzten Treffen der freiwilligen Mitarbeitenden in unserer gemeinnützigen Organisation hatten wir uns die Schlusspredigt von Sandra Bils am Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 angehört.

Für Sandra Bils war es, wenn ich es richtig verstanden habe, in etwa so, wie ich es oben geschildert habe: Völlig überraschende, ehrenvolle, aber auch sehr herausfordernde Anfrage für eine Kurzbotschaft vor riesiger Menschenmenge – im Dortmunder Fussballstadion und zu Hause an den TV-Geräten.

Bevor wir uns jedoch die mutige, kurzweilige Predigt anschauten und uns im Gespräch mit den steilen Aussagen beschäftigten, stellte ich unsere Mitarbeitenden genau vor diese Aufgabe: Schreibt mal auf, was eure Botschaft wäre, wenn euch während 15 Minuten die Aufmerksamkeit eins Stadions voll Menschen geschenkt würde.

Spannend, was da alles zusammenkam – so unterschiedlich und farbig, wie wir Menschen eben sind.

Ich glaube, dass jede und jeder von uns eine Botschaft zum Teilen hat. Und wenn nicht, wird es höchste Zeit, dass wir uns darüber Gedanken machen:

  • Für was stehe ich? Was ist mein grosses Lebensthema?
  • Was liegt mir besonders am Herzen? Was ist mir wichtig?
  • Wenn mich das Leben eine Lektion gelehrt hat, dann ist es ….
  • Was könnte mein Beitrag sein, damit diese Welt zu einem besseren Ort wird?
  • Von welcher meiner Lebenserfahrungen könnten andere auch profitieren?
  • Für welches grössere „WHY“ lebe ich?
  • Welche Hoffnung treibt mich an?

Lebe deine Botschaft! Verkörpere sie – und wenn nötig, zeige auch mal Ecken und Kanten. Das Leben wurde uns nicht geschenkt, um in der Masse unterzugehen.

Du bist besonders und du hast eine besondere Botschaft.
Finde sie und lebe sie!

Wenn mir ein ganzen Stadion zuhören würde, ginge es sicher irgendwie um diesen Shalom, diesen geschenkten, umfassenden göttlichen Frieden, der uns zu einem Versöhntsein mit allen Facetten des Lebens einlädt.

Glücksaufgabe

Hast du deine Botschaft schon gefunden? Wenn ja, lebst du sie schon? Wahrscheinlich haben du und ich nie die Gelegenheit, in einem vollen Stadion zu sprechen: Aber wo ist deine „Bühne“? Wo kannst du deine Botschaft unaufdringlich weitergeben?

Und falls du Lust hast: Ich finde es eine durchaus lohnenswerte Investition, die 13minütige Kirchentagspredigt von Sandra Bils nachzuhören.

Ein Sommer voller Lachen – oder etwa doch nicht?

In den letzten Tagen war es natürlich auch in unserem Garten heiss, manchmal sehr heiss. Doch so ab acht Uhr abends wird es richtig gemütlich in unserem Sommerzimmer.

Wir geniessen unser Freiluftzimmer wann immer es möglich ist: Gerade jetzt bearbeitet meine Frau ihre E-Mails im Garten, selbstverständlich schreibe auch ich diesen Artikel draussen unter unserem Kirschbaum.

Wenn immer möglich (sprich: nicht gerade zu heiss oder dann schon wieder zu kalt) verschieben wir auch unsere Mahlzeiten in den Garten, gerne auch schon das Frühstück. Zudem lieben wir es, mit Freunden, Bekannten und einfach spannenden Menschen bei einem leckeren Essen gemütliche Stunden im Garten zu verbringen.

Und so durften wir – ja, trotz ziemlich voller Agenda und anspruchsvollen Aufgaben in unseren Tätigkeiten – diesen Sommer schon mehrere wunderbare Momente mit genialen Menschen bei uns im Garten verbringen: Der lange Abend mit der innovativen Frau und ihrer Tochter, das stundenlange Philosophieren mit dem jungen, engagierten Pärchen oder letzten Samstag unser Garten Eat’n’Meet, zu dem wir sechs Personen einluden, die sich teils zum ersten Mal sahen.

Da sitzt dann der ehemalige Chrischona-Direktor neben dem Caterer, der Treuhänder neben dem Fahrplan-Planer und die ÖV-begeisterte Frau findet heraus, dass andere Gäste am Tisch ihren eher unbekannten Lieblingsort an der Nordsee nicht nur kennen, sondern sie sogar jahrelang in der Nähe wohnten.

Ich finde solche Abende unbezahlbar. Wenn wir so zusammengewürfelt am Tisch sitzen, lasse ich unsere Gäste gerne gegenseitig ihre Berufe erraten – angefangen beim ursprünglich erlernten Beruf. Das allgemeine Staunen über die einzelnen Biographien (und darüber, welche Berufe es heute gar nicht mehr gibt), finde ich goldig. Und das gegenseitige Interesse aneinander und die persönlichen Gespräche finde ich sehr wertvoll.

Natürlich gehört zu einem gemütlichen Sommerabend im Garten auch das gemeinsame Lachen. Freude am Leben, Freude am Zusammensein – auftanken abseits der Alltagssorgen.

Was mir jedoch zu denken gibt: In so vielen Gärten ist es so still!

Kein Lachen.
Keine Gespräche.
Keine Gemeinschaft.

Ich frag mich: Warum haben all die Leute so grosse Häuser mit so grossen Gärten mit so wenig Leben?

Ist es das Ziel, einen grossen Gartensitzplatz zu haben und sich dann nur beim wöchentlichen Rasenmähen darin aufzuhalten?

Kafi im Gärtli

Oh, wie hab ich mich gefreut, als mir meine Frau von dem Projekt einer Bekannten von uns erzählte: Via WhatsApp Statusmeldung lädt sie zu sich in den Garten ein. An einzelnen Mörgen verwandelt sich dieser schöne Garten in ein Kafi-Treff.

Da ein paar Frauen beim Gesprächeln, dort ein herzhaftes Lachen, da eine genussvolle Pause im hektischen Familienalltag.

Warum machen das nicht mehr Leute? Am mangelnden Gartenplatz oder der fehlenden Kaffeemaschine kann es kaum liegen.

Es gäbe noch so viele Gärten zu beleben! Nichts gegen Biodiversität-Aktionen – aber bitte, keine „für-sich-alleine-Gartenprojekte“, sondern lieber etwas mehr Diversität mit richtigen Menschen und ihren Geschichten.

Ich wünsche mir einen Sommer voller Leben. Bist du auch dabei?

Glücksaufgabe

Liebe Leute, füllt eure Gärten und eure Häuser mit Leben! Lädt Freunde ein. Und wenn ihr gar keine Freunde habt, ist es höchste Zeit, Freundschaften zu knüpfen.

Wir sind für die Gemeinschaft gemacht. Das gemeinsame Lachen ist gesundheitsfördernd – und im höchsten Grad Glück fördernd!!

Auf einen Sommer mit ganz viel Leben!

Entscheide dich für den harten Weg

„Dieser Weg wird kein leichter sein!“ singt mir Xavier Naidoo immer mal wieder in Gedanken zu.

In den letzten drei Wochen war ich gleich auf drei Konferenzen. Auch wenn es drei völlig unterschiedliche Settings waren, hier und da drückte an jeder der Tagungen Naidoos „Dieser Weg wird klein leichter sein!“ durch. An der einen Konferenz war sogar sein Keyboarder Florian Sitzmann (Söhne Mannheims) dabei.

Session 4 Josephine Aparo

Vom Berner Bildungstag hab ich hier schon geschrieben (Jeder will gesehen werden!). Unseren Mitmenschen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, ist für viele von uns nicht ein Selbstläufer. Es braucht unsere bewusste Entscheidung dazu – und immer wieder offene Augen für die Welt ausserhalb von uns selbst. Eben, „dieser Weg wird kein leichter sein!“, aber ein lohnenswerter.

Easy Going als Lebensziel?

In aller Deutlichkeit hat es Lee Cockerell, ehem. Vizepräsident Disney World, Florida, beim Youngster-Kongress von Willow Creek in Erfurt auf den Punkt gebracht:

Entscheide dich für den harten Weg – und das Leben wird einfacher.
Lebe den einfachen Weg – und das Leben wird härter.

Session 3 Lee Cockerell

Wie wahr das ist, illustrierte Lee einerseits mit seiner eigenen Geschichte – Lee stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen, hatte keinen Abschluss und schaffte es trotzdem durch harte Arbeit Schritt für Schritt an die Spitze von Disney World. Anderseits führte er uns mit simpeln Beispielen vor Augen, dass Easy Going-Lifestyle das Leben nicht einfacher macht:

Bewege dich heute zu wenig – und dein Körper bestraft dich morgen.

Investiere heute keine Energie in deine Ehe – und deine Beziehung landet morgen in der Sackgassse.

Geh heute den schwierigen Gesprächen aus dem Weg – und das Leben wird morgen komplizierter.

Entscheide dich heute für die einfachen Aufgaben und Projekte – und du wirst morgen möglicherweise gelangweilt sein.

Kurz: Das einfache Leben mag heute gemütlich sein, doch die Folgen davon könnten hart und ungemütlich sein.

Umgekehrt: Wenn wir heute bereit sind, den Preis zu bezahlen, die extra Meile zu gehen, etwas mehr zu tun, als es unserem „inneren Schweinehund“ gerade recht ist, wird sich dies positiv auf unsere Zukunft auswirken.

Und noch ein Rat von Lee Cockerell habe ich mir notiert: Du gibst Geld und Zeit aus. Geld kann man zurückgewinnen. Aber die ausgegebene Zeit kannst du nicht zurückholen. Investierst du deine Zeit in die richtigen Projekte und Leute?

Liebe und Gnade auf dem Weg

Zum Glück waren die Referate von Lee eingebettet in ein vielfältiges Programm mit ergänzenden Inhalten. Denn für sich alleine war diese Botschaft doch sehr geprägt von Selbstoptimierung um jeden Preis und der Leistungsgedanke stand im Vordergrund.

Session 2 Keith Cote

Ja, wir sind gut beraten, wenn wir uns für den harten Weg entscheiden. Doch so manche sind schon daran zerbrochen, weil sie es mit dem harten Weg übertrieben haben.

Darum war beispielsweise das Zeugnis von Blaine Hogen, Creative Director und Regisseur aus Chicago, Balsam für verletzte Seelen: Als angeschlagener Mensch erzählte er sehr authentisch, wie wir trotz dunkeln Punkten in unserer Vergangenheit Freiheit finden können.

Der harte Weg hat manchmal auch mit schmerzvollen Verlusten zu tun. Dafür entscheiden wir uns nicht, doch sie gehören zum Leben einfach dazu. Das dominierte die dritte Konferenz. Während der icf conference fanden die Verantwortlichen einen eindrücklichen Weg, um mit dem Tod einer ihrer Sängerinnen umzugehen.

Neben vielen guten Begegnungen, Inspiration und Motivation nehme ich aus diesen letzten drei Wochen mit der „Konferenz-Infusion“ folgendes mit:

Ich will mich für den harten Weg entscheiden und dabei nicht vergessen, dass das nur in Kombination mit Gottes Liebe und Gnade gesund ist – weil ich ohne göttliche Perspektive dazu neige, egoistisch, verbissen und/oder verbittert zu werden.

Glücksaufgabe

Manchmal fällt uns das Glück einfach zu. Öfter hat es jedoch mit unseren Entscheidungen zu tun.

Welche Entscheidung schiebst du vor dich hin, obwohl du weisst, dass sie dich weiterbringen würde? Welches Gespräch ist dran? Welche Investition (in deinen Ehe, deine Kids, deinen Job) solltest du anpacken?

Und weisst du, wo du Liebe, Hoffnung, Frieden und Freiheit findest, wenn dein Weg im Übermass hart ist?

Jeder will gesehen werden

Gestern durfte ich am Berner Bildungstag teilnehmen. Ein eindrücklicher Weiterbildungsanlass mit 6’000 Lehrpersonen in der Bieler Tissot-Arena.

Da ich noch nie dabei war und die Welt der Lehrpersonen nur von der politischen Behördenseite kenne, war ich sehr gespannt, was mich da unter dem Tagungsmotto „Menschenverstand“ erwarten würde.

Was ich erlebt habe, hat mich überzeugt: inhaltlich top, gute Präsentation, ansprechende musikalische Umrahmung mit dem James Gruntz Trio und drei fantastische Referenten: Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Neurowissenschaftler, Arzt und Psychotherapeut; Kathrin Altwegg, Professorin für Weltraumforschung an der Universität Bern sowie Dennis Lück, Chief Creative Officer bei der Kommunikationsagentur Jung von Matt/Limmat und Werber des Jahres 2017.

Was Joachim Bauer aus den Neurowissenschaften erzählte, ist nicht nur für das Klassenzimmer relevant – Führungspersonen sollten sich die Erkenntnisse aus der Forschung unseres Gehirns genauso zu Herzen nehmen wie die Lehrpersonen.

Was der gesunde Menschenverstand schon längst weiss, wird auch durch Studien der Neurologie bewiesen: Jeder Mensch will gesehen werden!

Einerseits wird unser neuronales Motivations-/Belohnungssystem im Gehirn durch Bewegung, Sport und Musik stimuliert. Anderseits geschieht genau dies auch durch Gesehen-Werden, Akzeptanz und Freundlichkeit.

Die körpereigene Botenstoffe – unsere Glückshormone Dopamin, Opioide, Oxytozin – steigern unsere Motivation und Anstrengungsbereitschaft.

„Nimm mich wahr!“

Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn man übergangen und übersehen wird. „Das fünfte Rad am Wagen“, sagt man. Irgendwie fühlt man sich unnütz, fehl am Platz, überflüssig. Frust oder gar Sinnkrise können die Folgen sein.

Das wünschen wir uns nicht. Und so soll es weder den Kindern in der Schule noch unseren Mitarbeitenden oder ganz allgemein unseren Mitmenschen gehen.

Was sind nun also die Merkmale von diesem „Gesehen-Werden“, das wir uns für uns selbst wünschen und bei anderen bewirken möchten?

Prof. Joachim Bauer hat in die volle Tissot-Arena folgende einfache Merkpunkte eingeworfen:

Im Blickfeld: Die Person des Kindes/des Jugendlichen

Wir sind nicht nur „Hirn“ oder Leistung – wir wollen als gesamte Person wahrgenommen werden. Und das gilt nicht nur für Kinder!

Sprache und Körpersprache der Lehrkraft

Wir wissen: Wir können nicht nicht kommunizieren (Watzlawick). Was wir sagen, nicht sagen oder tun, resp. nicht tun, erzeugt im Gegenüber Resonanz. Kommuniziert meine Körpersprache, dass dies hier kein guter Ort zum Sein ist, wird die Motivation im Klassenzimmer, am Arbeitsplatz, am Familientreff … nicht gerade einen Steigerungslauf hinlegen. (Bauer brauchte das Beispiel der Lehrperson, die während dem Dozieren ständig zum Fenster rausschaut und damit sagt: Eigentlich wäre da draussen jetzt der bessere Ort zum Sein.)

Angemessene Dosierung von Lob

Lob beflügelt uns – kann aber in Überdosis auch süchtig machen. Wir wollen ja nicht Leute abhängig von uns oder unserem Lob machen.

Beachtung der Gruppendynamik

Ob Arbeitsplatz, Familie, Verein oder eben Klasse – wir sind immer Teil von einem System und stehen vor der Herausforderung, dass in diesem System jeder seinen Platz findet und nicht übergangen wird.

Die Kunst wertschätzender Kritik

Das ist wahrlich eine Kunst. Wahrscheinlich hat sie mit unserem Selbstverständnis als Lehr-/Führungsperson zu tun: Verstehe ich mich als Polizist oder als Förderer?

Verzicht auf Beschämung, Blossstellung oder Lächerlich-Machen 

Wie schnell belustigt man sich – auch als Führungsperson und in einer Vorbildfunktion – auf Kosten anderer?
Geht gar nicht! Wir wissen nicht, hinter welchem Mitlachen eine verwundete Seele weint.
Noch schlimmer als nicht gesehen zu werden, ist es wohl, wenn wir als Mobbingopfer abgestraft und zur allgemeinen Belustigung beschämt, blossgestellt und beschimpft werden.

Glücksaufgabe

Ganz ehrlich: Fühlst du dich im Moment gesehen? Oder übergangen?

Falls du dich übersehen fühlst: Wie kannst du diesen Zustand ändern? Wie bringst du dich selbst zur Wirkung? Wo machst du dich unnötig „unsichtbar“?

Und was tust du, um anderen das Gefühl von „Ich werde gesehen!“ zu verleihen? In welchem der vorgestellten Merkmalen willst du dich konkret verbessern?