Wert-geschätzt oder nieder-geschlagen?

Das klingt irgendwie kitschig-romantisch bis esoterisch, wenn ein Hockey-Crack wie Kevin Fiala über das Natiteam sagt: «Wir lieben uns alle!». Und der Nati-Coach Patrick Fischer doppelt nach: «Wir nennen uns ‘wolf pack’, ein Wolfsrudel, in dem wir zueinander schauen.»

So geschehen und gesehen neulich in einer Vorschau auf die Olympischen Spiele. In den Ohren der Moderatorin Daniela Milanese kam schier etwas Sektenhaftes an. Bemerkenswert sei, merkte sie an, dass der NHL-Star Kevin Fiala nicht über Medaillen sprach, sondern über den Zusammenhalt im Team.

Das ist kein Zufall – und auch kein Produkt der bemerkenswerten Erfolge der letzten Jahre. Ganz im Gegenteil: Gemäss den Ausführungen von Patrick Fischer wird ganz bewusst an diesem Spirit gearbeitet, ein Umfeld kreiert, indem ein solcher Zusammenhalt entstehen kann.

Studien sagen es im Grunde schon lange: Die sogenannten «Soft Facts» sind nicht einfach etwas für «Softies». Der Unterschied zwischen der Performance eines guten zu einem herausragenden Team liegt im Umgang miteinander.

Sprich: Der Zusammenhalt, die Wertschätzung, ja, die Liebe, machen den Unterschied! – selbst in einer so harten Sportart wie dem Eishockey, wo auch mal Zähne fliegen.

Wundermittel für so vieles

Was in der Sportwelt angekommen ist, dürfte gerne noch mehr Kreise ziehen in der Arbeitswelt – oder auch in unseren Kirchen und überhaupt in der Gesellschaft.

Im Wirtschaftsteil der «NZZ am Sonntag» (Ausgabe: 7.12.25) fragt die Arbeitspsychologin Nicole Kopp: «Wertschätzung ist ein Wundermittel. Warum sind wir so knausrig damit?»

Was für eine gute und gleichzeitig traurige Frage!

Wir wissen es aus eigener Erfahrung: Lob und Anerkennung tut einfach gut. Laut Gary Chapman ist dies sogar die Liebessprache, für welche wir über alle Altersgruppen am empfänglichsten sind.

Ob intellektuell oder vor allem emotional, uns ist eigentlich bewusst, dass Wertschätzung ein menschliches Grundbedürfnis ist.

Und trotzdem gehen wir oft so sparsam damit um. Während sich Mitarbeitende darüber beklagen, von ihren Vorgesetzten zu wenig Wertschätzung zu erhalten, kommen dieselben Mitarbeitenden in seltensten Fällen auf die Idee, ihren Chefs gegenüber Wertschätzung auszudrücken.

Doch: Auch Chefs sind Menschen! Natürlich ist es eine Führungsaufgabe (siehe Natitrainer Patrick Fischer), ein Umfeld der Wertschätzung zu schaffen.

Gleichzeitig ist es zu einfach, sich über mangelnde Wertschätzung anderer zu beklagen und selber den Mitmenschen nicht wertschätzend zu begegnen.

Während im Weissen Haus gerade einer sitzt, der solche «Soft Facts» mit Füssen «trumpt» und Menschen in aller Öffentlichkeit verunglimpft, schreit unsere Welt nach mehr Mitmenschlichkeit und Wertschätzung.

Die Forschung zeigt, dass Wertschätzung all das bewirkt, was Arbeitgeber fördern möchten: Sie steigert die Arbeitszufriedenheit, die Motivation, die Produktivität und die Leistungsfähigkeit. Und auch Angestellte profitieren enorm von den Wirkungen von Wertschätzung: Sie verbessert das Wohlbefinden, die Erholung und die Schlafqualität. Gleichzeitig werden Stress, Belastung, das Burnout-Risiko und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt. Wertschätzung ist sozusagen ein Wundergeschenk.

Was Nicole Kopp hier auf die Arbeitswelt bezieht, zählt genauso für all andere Bereiche des Lebens. Als soziale Wesen gehen wir Menschen entweder ermutigt und wert-geschätzt oder entmutigt und nieder-geschlagen aus Begegnungen heraus.

Die Arbeitspsychologin schliesst ihren Artikel mit einer Aufforderung, der ich mich gerne anschliesse: «Wertschätzung ist das wertvollste und nachhaltigste Geschenk. Verteilen Sie es grosszügig!»

Glücksaufgabe

Unter dem Begriff «Gemeinschaft: Liebe geben und empfangen» hat es die glücksfördernde Wirkung von Wertschätzung auch auf die Liste der 16 Glücksaktivitäten in meinem Buch Glück finden, hier und jetzt geschafft.

Und am Ende des Kapitels über Freundschaft findet sich folgende Einladung:

Mitmenschen loben

Haben Sie auch schon festgestellt, dass manche Mitmenschen peinlich berührt sind, wenn man sie lobt? Lassen Sie sich davon nicht irritieren! Wir alle brauchen Ermutigung und wir alle können dazu beitragen, dass an die Stelle der ständigen Nörgelei eine Kultur der Wertschätzung und Ermutigung tritt. Beginnen Sie gleich jetzt damit! Greifen Sie zum Telefon oder Stift und sorgen Sie mit einer kurzen Ermutigung für Glücksgefühle bei einem Mitmenschen – und bei Ihnen!

Hoffnung ist ein Arschloch

Letzten Sonntag hörte ich sie wieder in der Kirche. Die süsse Lobeshymne auf die Hoffnung. Sie trage uns durch, sie belebe uns, ja, sie sei die Stärke in unserer Schwachheit. Und ich las von ihr in unserem Kirchenmagazin und sogar in der NZZ am Sonntag.

Da hab ich nichts dagegen. Im Gegenteil: Hoffnung ist gar Teil von meinem Lebensmotto und oft genug habe ich hier im GlücksBlog schon von ihr geschrieben.

Und gleichzeitig muss es heute einfach auch mal gesagt werden – und sorry, dass ich dafür eine so unanständige Wortwahl wähle (es muss sein, weil es erstens mir gerade guttut und ich zweitens «hoffe» 😉, dass es neugierig macht): Hoffnung ist auch bloss ein Arschloch!

By the way: Der letzte Abschnitt lässt bereits vermuten, dass es zwischen dem Verb Hoffen und dem Substantiv Hoffnung zu unterscheiden gilt. Doch dazu später mehr.

Meine Frau sagte mir neulich: «Du kannst alles schönreden. Du kannst sogar in einem hässlichen Kaffeerahmdeckel etwas Schönes sehen.»

Genau das ist mein Problem: Als Visionär sehe ich Chancen, wo andere Hindernisse sehen.

Klingt für dich nach einer Stärke? Das war es in meinem Leben auch schon sehr oft: Vieles, was in meinem Leben und durch mein Wirken werden durfte, entstand, weil ich Visionen, Träume und damit Hoffnung hatte. Ich sah Möglichkeiten, packte mutig und zielstrebig an.

Gleichzeitig hat diese Eigenschaft auch zu ganz viel Schmerz in meinem Leben geführt. Ganz ehrlich: Bei allem, was ich erreicht habe – die Visionen waren (fast) immer grösser als die Realität. Was ich hoffte, war immer noch etwas mehr als das, was wurde.

Und so ist meine Stärke eben auch eine meiner grössten Schwächen: Mein Hoffen und mein Visionieren kann zu einem Realitätsverlust führen. Ich mische so lange Träume, Visionen und Hoffnung ins graue Allerlei der Realität, bis ich sehnsüchtig eine farbenfrohe Zukunft vor mir sehe.

Hoffen als Realitätsbeschönigung

«Da hilft nur noch beten und hoffen!» – Zum Gebet will ich mich an dieser Stelle nicht äussern. Doch dieses Hoffen auf bessere Zeiten, ist es nicht ein hilfloses Klammern an einen Strohhalm? «Ich hoffe mit dir!», sagen wir dem todkranken Mitmenschen. Was meinen wir denn damit? Dass wir auf irgendeine wundersame Wendung hoffen und am Ende alles schon gut kommen mag? Oder hoffen wir mit der Person, dass sie noch möglichst viele gute Tage hat, bevor die Krankheit ihr das Leben endgültig raubt? Oder gilt unsere und die gewünschte Hoffnung auf etwas, das über das irdische Dasein hinausragt?

Als leidenschaftlicher Visionär weiss ich natürlich, dass im menschlichen Hoffen eine unglaubliche Gestaltungskraft innewohnt.

Als gereifter Visionär weiss ich jedoch auch, dass menschliches Hoffen auch dazu verführen kann, die Realität schönzureden oder ihr überhaupt gar nicht in die Augen zu schauen.

Der meistgesagte Satz von manchen (auch kirchlichen) Führungspersonen ist «Es kommt schon gut», dicht gefolgt von «Es wird sich schon ein Weg zeigen».

Das ist Hoffen statt Handeln!

Und so lähmt uns unser Hoffen dort, wo es eigentlich zu mutigem Vorwärtsstolpern inspirieren möchte.

Stehen wir dazu: Die Realität ist einfach manchmal wirklich schlecht. Und (um nochmals unanständig zu werden): Das Leben ist ab und zu einfach scheisse.

Was sagen wir den Opfern und ihren Angehörigen der Silvesterkatastrophe in Crans Montana? Was den todkranken Freunden? Was in unseren eigenen ausweglosen Situationen?

Ich brauche mehr als ein Hoffen auf bessere Zeiten. Ich wünsche den Menschen, dass sie nicht naiv die Augen vor der harten Realität verschliessen – und gleichzeitig darin Ruhe finden und damit Frieden schliessen können.

Für mich wird das nur möglich, weil es da eben eine jenseitige Hoffnung gibt, die mehr ist als unser Hoffen. Und in dieser Hoffnung will ich mein Leben in all seinen Herausforderungen gestalten – statt einfach auf bessere Zeiten zu hoffen.

Glücksaufgabe

Hoffst du noch (auf bessere Umstände)?
Oder lebst du schon (mit göttlicher Hoffnung)?

Wenn ein Platz plötzlich leer bleibt

Sie haben es wieder geschafft: Auch dieses Jahr berührt mich ein Weihnachts-Werbeclip von einem Grossverteiler zutiefst in meinem Herzen.

«Finn und sein Papa» – ist es nicht brillant, wie hier in 90 Sekunden das ganze Leben erzählt wird:

Spiel & Freude.
Leben entdecken & von Vorbildern lernen.
Verlieben & eigene Familie gründen.
Herzensmenschen loslassen.

Und dann, völlig unaufdringlich der «Call to action» – nein, nicht der Aufruf bei diesem Grossverteiler einzukaufen (ist natürlich subtil auch Teil vom Clip). Doch was ist der «Call to action», zu was werden wir eingeladen?

«Weihnachten ist, was wir weitergeben.»

Der Clip zeigt, dass es nicht einfach darum geht, Geschenke weiterzugeben. Es geht tiefer: Wir geben Wärme, Liebe, Werte und Traditionen weiter – von einer Generation zur nächsten.

So werden diese 90 Sekunden zu viel mehr als einem süssen Weihnachts-Werbeclip:

Leben ist, was wir weitergeben.
Familie ist, was wir weitergeben.
Freundschaft ist, was wir weitergeben.
Und ja: Glaube ist, was wir weitergeben.

Und zwar geben wir nicht weiter, weil wir beim richtigen Grossverteiler eingekauft haben – wir geben weiter, weil uns das Leben, der Himmel, weil uns Gott selbst, zuerst beschenkt hat. In dieser Krippe im Stall begegnet und beschenkt uns Gott. Das ist Weihnachten.

Eine Stelle im Clip hat mich besonders berührt: Als der Platz vom Papi plötzlich leer geblieben ist.

Viele von uns kennen das: Der Platz von Herzensmensch­en an unserem Tisch bleibt leer. Weil sie von uns gegangen sind, weil sie sich entschieden haben, nicht mit uns zu feiern oder weil sie gesundheitlich oder beruflich verhindert sind.

«Siehe, ich mache alles neu!»

Wenn Plätze am Tisch leer bleiben, ist es gar nicht so einfach, in Feier- und Festtagslaune zu kommen. Wenn unser Leben und die Welt voller Trauer, Klage und Schmerz sind, was gibt es da zu feiern?

Hier hinein spricht Gott durch die Jahreslosung 2026: «Siehe, ich mache alles neu!» (Die Bibel, Offenbarung 21,5).

«Siehe»: Das ist die Einladung, unseren Blick weg vom leeren Platz, weg von Trauer, Not und Schmerz auf ihn zu richten, auf den, der uns aufrichten wird.

Es ist der Blick, der über unser gegenwärtiges Leben und Feiern in die zukünftige Welt ragt. Es wird nicht ver­sprochen, dass jetzt schon alle Tränen getrocknet werden, doch dann wird alles neu – der Schmerz ist vorbei.

Darum ermutige ich trotz den leeren Plätzen an unseren Tischen zu feiern:

Feiert! Feiert freudig und ausgelassen – auch wenn nicht alles gut ist in eurem Leben, wenn Plätze am Tisch leer bleiben, wenn Schmerzen plagen.

Doch: Verdrängt beim Feiern den Schmerz nicht! Integriert den leeren Platz ins Feiern – er gehört zu euch dazu.

So wird unser unperfektes Familien-Weihnachtsfest sowie unser «Leben feiern» nicht nur eine Erinnerung an die erste Weihnacht, als der Himmel diese chaotische und unperfekte Welt besuchte und uns Frieden statt Furcht gebracht hat.

Unser Feiern ist nicht nur ein Erinnern zurück zur Krippe im Stall, zum Gott Mitten in Schwachheit.

Unser Feiern, wenn wir die leeren Plätze und den Schmerz nicht ignorieren, werden auch zu Erinnerungsmomenten an das, was kommen wird, was uns versprochen ist:

«Siehe, ich mache alles neu!»

Die leeren Plätze – Schmerz, Not und Trauer – werden nicht das letzte Wort haben!

Glücksaufgabe

Manchmal bleiben Plätze an unserem Tisch leer.
Und manchmal gibt es Tische, an die sind wir nicht eingeladen.

Weihnachten ist auch die Erinnerung, dass es bei Gott anders ist: An seinem Tisch sind wir alle erwünscht und willkommen!

Wie schon Peter Reber singt (Fröi di), gibt es bei diesem Fest keine exklusive Gästeliste – weil alle eingeladen sind.

Ich wünsche dir gesegnete Weihnachten und schon jetzt alles gute fürs kommende Jahr! Welchen Gedanken aus diesem Artikel willst du mitnehmen für die kommenden Festtage und das neue Jahr?

Basis von diesem Artikel ist meine Predigt vom vierten Advent, welche du hier nachhören kannst:

Der Duft der Glückseligkeit

Entspannung hat für mich einen ganz bestimmten Duft: Nein, nicht Lavendel (obwohl ich den auch ganz gut riechen kann).

Meinen Duft der Entspannung gibt’s für mich an einem einzigen (mindestes bisher, mehr dazu gleich weiter unten) Ort. Nämlich in meinem Lieblings-Wellnesshotel im Montafon.

Wir fahren in die Tiefgarage, entladen vorfreudig unser Gepäck aus dem Auto, rollen (wenn nicht gerade zuvorkommendes Hotelpersonal schneller ist) den Gepäckwagen zum Lift – und da steigt er schon in meine Nase, der Duft, der für mich reine Entspannung bedeutet.

Glückshormone werden ausgeschüttet.
Geist und Körper sind bereit für eine Auszeit.
Gerade noch im Alltagstrubel, jetzt blühe ich auf.

Hotelgänge haben ihre eigenen Düfte – meistens möchte ich mich da nur noch verduften. Nicht so in meinem Lieblingshotel: Da ist der Gang im Hotelgang eine Wohltat.

Ich bleibe stehen:
Einatmen, ausatmen.
Entspannung geht durch die Nase.

Und dann kommt mir das Pauluswort in den Sinn, dass Menschen, die aus der Liebe Gottes leben und diese Liebe weitertragen, für andere zum Wohlgeruch werden. Es ist der Duft, «der aus dem Leben kommt und zum Leben führt.» (Paulus im 2. Korintherbrief 2,16, nach der Basisbibel)

Ist es mit Gottes Bodenpersonal, mit uns Menschen, nicht auch wie mit diesen Hotelgängen? Es gibt diese und diese …

Ein Wohlgeruch, der zum Leben führt.
Hier bin ich gerne, hier blühe ich auf.

Ein Mief, der Leben tötet.
Hier ist mir unwohl, hier geh ich ein.

Leider klappt das mit dem Wohlgeruch zu oft nicht. Bei Menschen, in Kirchen. Dies wurde auch neulich im «Chäs, Brot, Wy – und mini Gschicht mit Gott» deutlich, als mein Talk-Gast, Bjørn Marti, von seinen Erfahrungen erzählte. Es wurde ganz ruhig im H2, als das Gespräch nach einer Stunde nochmals richtig tief wurde: Kirchen können ganz schön unmenschlich, ja gar unchristlich sein. Nichts von Wohlgeruch und Aufblühen.

Doch schauen wir auf das Gute! Es gibt sie, die Orte, die für uns zum Wohlgeruch werden. Menschen fühlen sich plötzlich gesehen, Jugendliche entdecken ihren «Safe Place», Mamis danken dafür, wie liebevoll da alles gestaltet ist …

Leben erwacht!
Der Wohlgeruch zieht Kreise!

Nach dem Ausflug in die Kirchenwelt zurück in mein Lieblingshotel: Da war ich also wiedereinmal an diesem Ort, wo schon der Duft Entspannungsgefühle in mir weckt, und war traurig darüber, dass ich mit meinem Smartphone, das sonst ja alles kann, nicht diesen Duft einfangen konnte … Und statt mit mir in dieses Wehklagen über die unvollkommene «Moderne Technik» einzustimmen, lachte meine Frau still auf den Stockzähnen in sich hinein (so stelle ich es mir jedenfalls inzwischen vor).

Denn: Was für eine grossartige Überraschung, als mir Brigä neulich an meinem Geburtstag einen Raumspray – das tönt irgendwie zu billig für dieses wertvolle Geschenk – also eher eine Dose voll Wohlgeruch aus meinem geliebten Hotel schenkte.

Neben weiteren tollen und originellen Geschenken meiner Herzensmenschen war dies mit Abstand das wohlriechendste.

Und so versprühe ich seither immer mal wieder etwas «Parfum d’Interieur» aus dem Löwen Hotel Montafon in unseren vier Wänden – und heute zum Schreiben dieses Textes sogar im Büro.

Glücksaufgabe

Welche Düfte wecken Glücksgefühle in dir?

In welchem Umfeld blühst du auf?

Und: Wo bist du ein Wohlgeruch, der andere zum Blühen bringt?

Lass uns das Leben feiern

Heute ist ein Feiertag.
Nein, heute sind viele Feiertage.

Weisst du welche?

Die einen feiern Halloween.
Die anderen den Reformationstag.

Dann gibt es am 31. Oktober auch noch kuriose Feiertage wie den Tag der Türklingel, den Tag der Klopf-Klopf-Witze, den Steigere-Deine-übersinnlichen-Fähigkeiten-Tag, der wohl mit dem heutigen Tag der Zauberei verwandt ist, und natürlich den Schnitz-einen-Kürbis-Tag. Kulinarisch sind heute der Karamell-Apfel-Tag sowie der Grissini-Tag.

Schon deutlich seriöser scheinen mir da der Welttag der Städte und der Weltspartag.

Und was feierst du heute?

Von den allermeisten Aktions- und Feiertagen der obigen Aufzählung habe ich gerade erst erfahren. Halloween berührte mein Herz nie – und ging trotzdem nicht spurlos an mir vorbei, da unsere Kids, als sie klein waren, sich, sagen wir mal, sehr unwohl fühlten mit dieser Tradition. Und Halloween-Spuren gab es auch schon an unserer Location von gms und Happy Kids (Stichwort: Eier am Fenster).

Beim Reformationstag ist das anders, da ist mein Herz voll involviert. Ich wünsche mir eine Kirche, die sich immer wieder reformiert. Die vor allem festhält an der ewiggültigen bedingungslosen Liebe Gottes und den Menschen hilft, mit ihrer «Himmels-Sehnsucht» ein aufblühendes Leben zu gestalten. Eine Kirche, die offen ist für frische Formen und alle Menschen, sich jedoch nicht festbeisst an sturen Regeln, aus der Zeit gefallenen Traditionen und einer pharisäerhaften Bibelinterpretation.

Und dies führt mich zu meinem persönlichen Feiertag: Am 31. Oktober ist auch der Jahrestag vom gms. Heute jährt sich dieser besondere Aktions- und Feiertag, als ich zusammen mit einer Gruppe junger Menschen, «zufälligerweise» am Reformationssonntag, in der örtlichen Mehrzweckhalle zum ersten «Gospel Brunch» einlud, zum 26. Mal.

Eine Gemeinschaft, die mit frischen Formen ihren Glauben und die Liebe Gottes ansprechend feiern und kommunizieren wollte, war geboren. Vieles haben wir ausprobiert, vieles war richtig gut, anderes gelang nicht oder hatte sich mit der Zeit «ausgelutscht». Etliche Herausforderungen blieben und bleiben.

Reformation ist nötig, auch da. Immer wieder.

Traditionen dürfen entstehen – und immer wieder auf ihre Dienlichkeit hinterfragt werden.

Glaube darf wachsen – ohne dabei die Zweifel ausseracht zu lassen.

Projekte dürfen gewagt werden – und müssen immer wieder den Kräften und Gegebenheiten angepasst werden (wie war das mit dem Tag der «übersinnlichen Fähigkeiten»?).

Es darf gross geträumt werden – und in kleinen Schritten umgesetzt werden.

Wenn ich von Kirche träume, träume ich von einer Kirche, die den Menschen dient – und dabei Gott ehrt und in der die beteiligten Menschen aufblühen.

Vieles ist im Wandel. Doch dieser Traum begleitet mich seit bald 30 Jahren. Daran erinnere ich mich an meinem heutigen persönlichen Feiertag.

Wie schön, durfte ich diese Woche in meinem Tagebuch in einem Dankgebet festhalten: Danke, darf ich meine Berufung leben.

Übrigens, Radio SRF 3 feiert heute den ganzen Tag die Musik der 80er Jahre. So wurde ich bereits zu (für mich) früher Morgenstunde mit «Don’t worry, be happy» beschallt.

Eigentlich gar nicht so verkehrt: Mit der richtigen Einstellung kann jeder Tag zum Feiertag werden. Das liest sich bereits in der Bibel: «Für den Niedergeschlagenen ist jeder Tag eine Qual, aber für den Glücklichen ist das Leben ein Fest.»

Und welchen Feiertag feierst du heute?

Glücksaufgabe

Ein ganz besonderer Feiertag gab es diese Woche auch noch für mich: Vor 10 Jahren erschien mein Buch «Glück finden – hier und jetzt».

Ich finde, ganz vieles in diesem Buch ist noch heute sehr aktuell und kann dich darin unterstützen, ein zufriedenes Leben zu gestalten – ohne zu ignorieren, dass im Leben nicht alles einfach «happy» ist. (Hast du schon ein Exemplar?)

Was hilft dir, jeden Tag zu einem guten zu machen?

Ich bin grün – äh, oder gelb?

Was für ein schönes und irreführendes Bild: Da fährt ein unverkennbar traditionell eingefärbtes Postauto (sprich: ein gelber Bus) durch die schönsten Schweizer Landschaften und behauptet per Aufdruck tatsächlich: «Dieses Postauto ist grün».

Unsere Gesellschaft produziert gerade reihenweise Menschen auf der Suche nach ihrer Identität – in einer Multioptions-Welt, in welcher glücklicherweise viele soziale Normative kritisch hinterfragt werden, sind Menschen eingeladen (oder gar gezwungen?), sich selbst zu (er)finden, statt einer bestimmten Norm zu entsprechen.

Doch dass dieser Trend nun auch auf die Postautos überschwappt, kann zu denken geben: Bin ich jetzt gelb? Oder doch grün?

In meiner Predigt «Was ist es dir wert?» der neuen Themenserie «Nice to meet you! – Schön, dich zu sehen!» habe ich über das gute Leben und Werte, die lebenswert sind, nachgedacht.

Einer meiner persönlichen Werte, die ich in der Predigt kurz vorgestellt habe, ist «Transparenz» im Sinn von: Ich bin echt, wahrhaftig, mein Reden und Handeln ist authentisch.  

Doch Transparenz ist für mich deutlich mehr als ein Imperativ. Es ist eben grad nicht mit der Aufforderung zur Authentizität gemacht: «Sei transparent!».

Viele Menschen wären gerne transparent, merken aber, dass ihre Mitmenschen mit der nackten Wahrheit schlicht überfordert – oder mindestens irritiert – wären. Grad wie wenn wir ein gelbes Postauto sehen, das von sich behauptet, grün zu sein.

Darum ist für mich der Wert Transparenz nicht bloss Anspruch an meine Aufrichtigkeit, sondern auch meine Anfrage an mein Gegenüber: Darf ich transparent sein? Darf ich so sein, wie ich wirklich bin? Kannst du damit umgehen, dass ich vielleicht grün statt gelb bin?

Solche «Safe Places», in denen sich alle Menschen sicher fühlen können und unabhängig von Her­kunft, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder anderen Merkmalen in ihrem unkaputtbaren Wert geachtet werden, sind leider selten.

«Die Würde des Menschen ist unantastbar» ist so schnell gesagt, erfährt viel Zustimmung und ist mehrheitsfähig, um in ein Grundgesetz geschrieben zu werden.  Doch im täglichen Miteinander ist es dann doch nicht mehr so einfach: Wir alle haben (normative) Bilder im Kopf, die unser Denken, Fühlen und Handeln prägen.

Ein Postauto ist gelb.
Punkt!

Ein:e Schweizer:in fährt Ski –
und ist neutral.
Punkt!

Ein Mensch ist männlich oder weiblich.
Punkt!

Tatsächlich ist das wirkliche Leben dann doch um einiges komplizierter. Eigentlich spüren wir das auch und können es in unserem Leben oder in unserem Umfeld beobachten.

Ja, die Komplexität bringt einige neue Herausforderungen mit sich und das Leben wird dadurch selbstredend nicht einfacher sondern komplizierter. Trotzdem erlebe ich es als befreienden Fortschritt, dass immer mehr Menschen nicht mehr gewillt sind, sich unkritischen den vorgegebenen Normen zu beugen. Nicht selten sind nämlich genau diese Normen Resultat einer (patriarchalen) Machtstruktur, die gewisse Gruppen oder den einzelnen Menschen kleinhalten wollen.

Darum: Geben wir einander Raum.
Lassen wir doch das Postauto grün sein.

Vielleicht muss ich mich von liebgewonnen Bildern verabschieden. Oft überhöhen und idealisieren wir solche Bilder. Einfach weil sie doch ein so wohlig-warmes Erinnerungsgefühl in uns auslösen: Ach, dieses gelbe Poschi auf der Passstrasse mit dem tü-ta-ta-Klang.

Normen schaffen Identitäten – für die, die dem normativen Mainstream entsprechen.

Aber Normen schaffen auch Identitätskrisen – für alle, die ihnen nicht entsprechen.

Transparenz und Authentizität werden heute (zu Recht) von vielen erwartet. Doch sind wir auch bereit Menschen den sicheren Rahmen zu geben, ihre Identität wahrhaftig zu leben – auch wenn sie von der gängigen Norm abweicht?

Denn: Vielleicht ist das gelbe Postauto in Wahrheit grün.

Glücksaufgabe

Wann hast du dich zuletzt so sicher gefühlt, dass du deinem Gegenüber etwas ganz Persönliches, das vielleicht noch niemand von dir wusste, anvertraut hast?

Wie gut gelingt es dir, normative Bilder loszulassen und Menschen einfach zu nehmen, wie sie sind?  

(Foto-Credits: Peter Hofer)

Dauerhaft geschlossen

Und plötzlich steht da auf Google Maps unter einem Lieblingsort: «Dauerhaft geschlossen». Ein solcher Ort ist die Bar in The Signature Room im 95. Stockwerk des John Hancock Center in Chicago.

Zuerst wurde der Wolkenkratzer vor einigen Jahren umbenannt, und jetzt ist also auch das Restaurant mit der atemberaubenden Aussicht Geschichte.

In diesen Tagen werde ich doppelt wehmütig, wenn ich daran denke: Heute findet in Chicago der Global Leadership Summit statt. Leider ohne mich.

Wie oft waren wir dort, haben die Inspiration aufgesogen, Begegnungen genossen, Grosses geträumt, Familienerinnerungen geschaffen, Freundschaften geschlossen, Beziehungen vertieft, sind in die Grossstadt eingetaucht: Die Skyline vom Wasser aus, die Skyline bei Sonnenuntergang …

Und eben: Die Skyline von oben. Irgendwer hat uns damals vor einem Vierteljahrhundert mit diesem Geheimtipp vertraut gemacht: Kauft kein Ticket für eine Aussichtsplattform, nehmt gratis den Lift in The Signature Room, geniesst dort was zu trinken und erhält die Aussicht geschenkt dazu. (Am besten sei diese übrigens von der Damentoilette aus, sagt frau; ich konnte es leider nicht überprüfen.)

Das Leben entwickelt sich

So gehörte seither zu praktisch all meinen Chicago-Besuchen die rasante Liftfahrt ins 95. Stockwerk vom Hancock dazu.

Ich vermisse es. Die Stadt. Die Begegnungen. Die Willow Freunde. Die Studienreise. Der Summit. Die Willow Gemeinde. Und ja, auch Bill Hybels (ohne schönreden zu wollen, was da nicht schön war).

Dauerhaft geschlossen.

So geht es: Das Hancock Center ist nicht mehr, was es einmal war. Willow ist nicht mehr, was es einmal war. Und ich bin auch nicht mehr, wer ich einmal war.

Entwicklung gehört zum Leben dazu. Manches lassen wir bewusst zurück, anderes wird uns gegen unseren Willen genommen. Wir brechen auf zu neuen Horizonten, mal ganz freiwillig, mal aufgezwungen, weil uns das Leben mit Situationen konfrontiert, die wir uns nie selbst ausgesucht hätten.

«Dauerhaft geschlossen» sind aber nicht nur Restaurants und andere Betriebe auf Google Maps. «Dauerhaft geschlossen» ist auch das, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an gewisse Lebensgeschichten denke.

Das ist doch kein Zustand

Da leben Menschen im fortgeschrittenen Alter so gar nicht versöhnt mit ihrer eigenen Biografie. Ihr Leben ist eine Qual, die Mitmenschen kümmern sich zu wenig und überhaupt: Die Welt ist schlecht – und so sündig!

Da hilft nur noch beten – oder sterben.

Aber beides will nicht so recht funktionieren.
Sterben dürfen andere, leben auch.

Und der liebe Gott kümmert sich wohl auch nur um die anderen.

Naja, vielleicht würde Gott ganz gerne helfen: Durch einen Besuch beim Arzt oder Psychologen …

«Dauerhaft geschlossen» – das ist doch kein Zustand! Mensch ist noch da (wie der Eintrag auf Google Maps), aber lebt irgendwie doch nicht mehr.

Ich weiss selbst, dass das Leben nicht immer ein Honigschlecken ist. Es gibt Phasen der Trauer, nachdenkliche Perioden, unsichere Aussichten oder schmerzhafte Erinnerungen. Das alles gehört zum Leben dazu. Und wenn wir es schaffen, uns damit zu versöhnen, kann sich das Shalom-Leben in uns entwickeln.

Manchmal scheint uns unvorstellbar, wie wir neue Lebensfreude gewinnen können, aber «Dauerhaft geschlossen»?
Das wäre Selbstaufgabe.
Exit ohne Exit-Strategie.
Leben, ohne zu leben.
Sterben, ohne zu sterben. 

Das wünsche ich niemandem.

Glücksaufgabe

Sind dir auch schon solche «Dauerhaft geschlossen»-Menschen begegnet? Wo stehst du vielleicht selbst in Gefahr, ein solcher Mensch zu sein?

Wo erhältst du (freundschaftliche oder professionelle) Hilfe im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen?

Und zu guter Letzt: Warum ist dein Leben lebenswert?

Viva la Vida

Wenn nicht jetzt, wann dann? Baden in der Aare, lange Sommerabende, Freunde treffen, sich und das Leben feiern …

Aber halt, darf mensch das Leben feiern, wenn die Welt einmal mehr Kopf steht und ich beispielsweise an einer Armeeseelsorger:innen-Tagung Sätze wie «Wir müssen wieder über unseren Umgang mit töten und getötet werden nachdenken.» hören muss?

«Irgendwas ist halt immer», pflegt ein Herzensmensch zu sagen. Das kann unsere Feierlaune in eine kleinere bis grössere depressive Verstimmung kippen lassen. Oder aber uns vor Augen führen: Es lohnt sich nicht, auf den Moment zu warten, in dem alles perfekt sein wird.

Diesen Moment gibt es nicht. «Irgendwas ist halt immer».

Eigentlich wollte ich hier über die Leichtigkeit des Sommers schreiben, von meiner Tochter erzählen, die zusammen mit ihrer Partnerin kurzerhand das Zelt in unserem Garten aufgestellt hat, oder vom letzten «zäme wyter dänke» berichten, das wir dank den äusseren Bedingungen ins Aare-Beizli verlegten und bei dem wir Mitten im Leben eben diesem Leben nachspürten.

Doch gerade bleibe ich bei diesem «Irgendetwas ist halt immer» hängen und es wird mir wieder bewusst, warum ich nichts von Positivem Denken halte, aber sehr viel von Positiver Psychologie.

Wer sich das Leben schönredet und dieses «Irgendetwas ist halt immer» auf billige Weise runterzuspülen, zu verdrängen versucht, belügt sich selbst. Schönreden, was nicht schön ist, macht wenig Sinn. Viel eher kann es zum Bumerang, zur Zeitbombe werden.

In der Positiven Psychologie hingegen geht es darum, sich das «Irgendetwas ist halt immer» nicht wegzudenken oder schönzureden, sondern sich damit zu versöhnen: Das Leben besteht aus Schönem und Schwierigem. Erst wenn wir beides integrieren, können wir das Leben gestalten und feiern.

Den Moment feiern – trotzdem

Vielleicht geht es darum, sich nicht zu zergrübeln. Ob persönlich oder im Blick auf die Weltlage, es gibt die Momente, in denen mensch in Gefahr steht, aufs Gedankenkarussell aufzuspringen und eine Runde nach der anderen zu drehen. Mit Vorliebe nachts um drei Uhr – an Schlaf ist da vorerst nicht mehr zu denken.

Wenn es einmal dreht, dieses Gedankenkarussell, ist es kaum mehr zu stoppen. Dazu mag ich keine simplen Tipps geben, da ich es selbst ja auch nicht schaffe, einfach mal so locker von diesem Karussell herunterzuspringen.

Aber ich versuche, ein «Sowohl als auch» zu leben: Trotz den Herausforderungen, die mich bis in die Nacht beschäftigen, schöne Momente zu leben, feiern und geniessen.

 «Viva la Vida» heisst einer der bekannten Songs der populären Band Coldplay. Den Text zu interpretieren ist ne Aufgabe für sich. Was ich darin sehe, passt zu dieser hier beschriebenen Ambivalenz des Lebens: «Eine Minute lang hielt ich den Schlüssel. Danach wurden die Mauern um mich herum verschlossen. Und ich entdeckte, dass meine Burgen auf Säulen aus Salz und Säulen aus Sand standen.»

Kurz gesagt: «Irgendetwas ist halt immer». Wir haben das Leben nicht im Griff.

Trotzdem bleibt das Leben ein wunderbares Geschenk. Jeder Mensch, der atmet und ein pulsierendes Herz unter seiner Brust trägt, ist ein Kuss des Himmels!

Und so will ich, ob strahlender Sommertag oder Regenschauer, ob Freudentag oder Trauerphase, mit einer Haltung durchs Leben gehen, die mich daran erinnert: «Kann Spuren von Ewigkeit enthalten!».

Glücksaufgabe

Was immer du heute zu feiern hast, feiere es!

Ohne zu ignorieren, dass auch das stimmt: «Irgendetwas ist halt immer.»

Das Leben ist beides. Und darum hat es mich in den letzten Wochen immer wieder ermutigt, wenn ich das bekannte Methodisten-Zitat von John Wesley hörte: «Das beste an allem ist, dass Gott mit uns ist!»

Viva la Vida – Lebe das Leben.

PS: Ich liebe die Musik der Band Coldplay. Dieses Musikvideo eines anderen bekannten Songs (A Sky Full Of Stars) transportiert die Lebensfreude und Leichtigkeit, die ich uns wünsche – auch gerade dann, wenn wir vielleicht durch harte Zeiten gehen:

Glaub dich glücklich!

Ja, ich weiss, das klingt viel zu simpel. Und überhaupt: Ist der Glaube wirklich für unser Glück zuständig? Was heisst schon Glauben? Und vielleicht noch schwieriger: Was ist schon Glück?

Wer hier regelmässig vorbeischaut, hat hoffentlich eine Ahnung von dem, was ich unter Glück verstehe. Es geht mir nicht um ein Leben im ständigen «Happy Hour»-Modus – nicht Easy-Life ist das Ziel, sondern ein ganzheitliches Wohlbefinden und eine Lebenszufriedenheit, in der wir mit dem Schönen und Schwierigen unseres Lebens versöhnt sind, sind gemäss meiner Glücks-Definition und der Idee vom «Shalom-Leben» anzustreben.

Und dazu haben diese Woche zwei Artikel meine Aufmerksamkeit in besonderem Masse geweckt.

Die eine Quelle der Inspiration war, wie so oft, die NZZ am Sonntag. Peer Teuwsen hält uns mit seiner Kolumne «Die Schamlosigkeit hat auch mit uns zu tun» knallhart den Spiegel vor die Nase: Zu einfach sei es, sich an der Schamlosigkeit des neuen politischen Stils zu empören. Und in Vergessenheit geraten sei sie, die Volksweisheit, «dass Bescheidenheit eine Zier sein kann. Dass es christliche Pflicht ist, zu Lebzeiten Gutes zu tun, vor allem anderen, nicht bloss sich selbst.»

Was er stattdessen beobachtet, wirkt wie entblössende Gesellschaftskritik:

Die Zeichen der Zeit sind andere. Viele Schweizerinnen und Schweizer ramassieren, was sie nur bekommen können. Sie reisen in einer Kadenz in ferne Länder, als hätten sie Krebs im Endstadium und wollten ein letztes Mal die Schönheit der Welt bestaunen. … Sie verkaufen ihre Häuser und Wohnungen einfach an den Meistbietenden. Man wählt links und investiert sein Geld, das nicht selten ein geerbtes ist, gleichzeitig in Aktien von Waffenherstellern. Hauptsache, die Rendite stimmt.

Gnadenlos fällt das Fazit aus: «Mehr Widerspruch und weniger Engagement für das Gemeindewohl waren selten. Nur eins scheint klar: Alle wollen mehr von allem. Haben statt Sein.»

Nein, es ist nicht mein Stil, hier mit den Ausführungen von Peer Teuwsen den moralischen Zeigefinger aufzustrecken und über den katastrophalen Zustand der Gesellschaft zu lamentieren. Einerseits gibt es natürlich neben diesen, vom Autoren selbst so benannten, überspitzen Aussagen ganz viel schöne Beispiele die von Mitmenschlichkeit, Grosszügigkeit und Gemeinschaftssinn zeugen – auch in unserer Zeit.

Anderseits will ich nur fragen, ob uns der egozentrische Lebensstil der Schamlosigkeit wirklich nachhaltig glücklich macht. Mag die dritte Kreuzfahrt oder der fünfte Städtetrip innerhalb eines Jahres wirklich unser Wohlbefinden nachhaltig verbessern?

Da kommt der zweite Artikel ins Spiel. Im Dienstagsmail war diese Woche zu lesen:

Spiritualität ist eine wichtige Ressource für das Leben – in vielen Bereichen eine Wohltat. Ein christlicher Lebensstil reduziert die Sterblichkeit und ist ein Jungbrunnen bezüglich Langlebigkeit (Longevity). … Neue Studien zeigen auch, dass die feste Zugehörigkeit zu einer Kirche dem Leben gut tut. Die Teilnahme an Gottesdiensten kann die Gesundheit fördern, weil sie soziale Integration verbessert, gesundheitliche Verhaltensweisen reguliert, ein Gefühl von Sinn vermittelt und den Charakter stärkt.

Ich will nicht verheimlichen, dass Glaube auch krank machen kann. Doch die Glücksforschung hat längst entdeckt, dass nicht Egoismus, sondern Gemeinschaft und Mitmenschlichkeit uns nachhaltig glücklich machen. Und genau das, verbunden mit einer Transzendenzerfahrung, also der Verbindung mit dem Göttlichen, ist die grosse Chance einer Glaubensgemeinschaft.

Es ist mein Traum und mein Bestreben, Räume zu schaffen, in denen unterschiedlichste Menschen genau das erleben dürfen.

Glücksaufgabe

Wo fühlst du dich vielleicht ertappt in den gesellschaftskritischen Ausführungen von Peer Teuwsen? Macht dich immer mehr haben zu wollen statt mehr in Verbundenheit zu sein wirklich zufriedener?

Und wie hast du es mit dem Glauben? Macht er dich glücklich? Vielleicht magst du ja mal ausprobieren, ob die Studien wirklich recht haben …

Übrigens, auch wenn mein GlücksBuch bald sein 10jähriges Jubiläum feiert, die Frage nach dem Glück bleibt aktuell: Glück finden – hier und jetzt.

Wo Welten aufeinanderprallen

«Wurde da gerade der letzte «Servant Leader» zu Grabe getragen?» kann sich fragen, wer vergangenen Samstag auf Rom blickte.

Es gab eine Zeit, da war dieser dienende Führungsansatz hoch im Kurs – und zwar nicht bloss in sozialen und kirchlichen Kreisen, wo es ja von Natur aus nur so von «Gutmenschen» wimmelt.

Nein, auch CEOs von internationalen Top-Firmen setzten auf diesen Ansatz, bei dem die Führungsperson eine vertrauensvolle und wertschätzende Atmosphäre schafft, in der sich die Mitarbeitenden wohl und unterstützt fühlen, ihre Fähigkeiten und Potenziale entfalten und eigenverantwortlich handeln können und Vorgesetzte dazu da sind, ihre Mitarbeitenden darin zu unterstützen, ihre Ziele zu erreichen. 

Die «Servant Leadership»-Philosophie geht auf den Managementforscher Robert K. Greenleaf und die 1970er Jahren zurück. Tatsächlich haben laut Wikipedia mehrere empirische Studien aufzeigt, dass «der Servant Leadership-Ansatz einen starken Einfluss auf die Jobzufriedenheit der Mitarbeiter:innen» hat.

Natürlich wurde der dienende Führungsansatz nicht erst in den 1970er Jahre erfunden. Das Vorbild einer solchen Führungsperson ist unbestritten Jesus. Er hat die entsprechenden Werte gelehrt und verkörpert: Empathie, starker Gemeinschaftssinn, Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen, Zuhören, Wertschätzung, Glaubwürdigkeit …

Er setzte nicht auf beherrschende Machtkonzepte, sondern auf die sogenannten «Soft Skills». Seine Stärke war seine Schwäche, seine Verletzlichkeit.

Jesus, Franziskus & Trump

Weltweit sind alle (Christen)Menschen dazu eingeladen, dem Vorbild Jesu nachzufolgen. Und einer dieser Nachfolger Jesu wurde letzte Woche in Rom zu Grabe getragen. Papst Franziskus verstand sich stets als Diener. Er folgte dieser Jesus-Spur – er machte sich klein und wurde gerade dadurch populär und berührte die Herzen vieler.

Und das hatte Strahlkraft. Solche Strahlkraft, dass Nicole Althaus in der NZZ am Sonntag (27. April 2025) denkwürdige Zeilen über das «Aufeinanderprallen zweier Welten» schrieb:

Franziskus, der sich wie kein anderer Papst der Moderne ein Leben lang für die Schwächsten am Rand der Gesellschaft eingesetzt hatte, ist tot. Platz im Zentrum nahmen nun die Mächtigsten, unter ihnen solche, die Stärke zur Religion erhoben haben.

Als sei das Requiem für den Papst von einem Regisseur aus dem Marvel-Universum inszeniert worden, erwies allen voran Donald Trump, der selbsternannte Auserwählte Gottes, dem obersten Glaubenshüter die letzte Ehre.

Der Mann des Deals verabschiedete sich vom Mann der Demut.
Narzissmus beerdigte die Nächstenliebe.
Masslosigkeit die Bescheidenheit.
Egozentrik die Empathie.

Ja, Papst Franziskus war ein eindrückliches Beispiel eines «Servant Leaders». Durch ihn strahlten Werte wie Nächstenliebe und Demut wieder auf dem Wertekompass auf.

Es schaudert mich, wenn auf der anderen Seite Machthaber dieser Welt – oft sogar als selbsternannte Auserwählte Gottes – genau diese Werte mit ihren Füssen treten.

Statt Mitgefühl zu zeigen, grenzen sie aus.

Statt zu dienen, bedienen sie sich.

Statt zu lieben, beuten sie aus.

Das «Aufeinanderprallen zweier Welten», wie es Nicole Althaus in der NZZ am Sonntag so trefflich formulierte, wurde bereits vor der Zeit Jesus ebenso eindrücklich beschrieben.

Im Buch Hesekiel in der Bibel findet sich in Kapitel 34 eine Gegenüberstellung der selbstherrlichen Hirten mit den dienenden Hirten.

Trump & Co. wollen uns gerade weis machen, es gelte das Recht des Stärkeren und das Leben bestünde aus Deals.

Das ist einfach nicht wahr!

Erst recht nicht, für die, welche sich auf die Jesus-Spur begeben wollen: Unser Held war ein Märtyrer. Der Gottessohn, der aus Liebe zu den Menschen sein Leben gibt und so zum Retter wird.

Und dadurch entspricht er nicht dem gängigen Heldentypus: Jesus suchte nicht Ehre, Macht, Ruhm und die Bestätigung, dass er der Beste ist.

Er zeigte Mitgefühl.

Er diente.

Er liebte.

Und dazu sind auch wir eingeladen!

Glücksaufgabe

Von wem lässt du dich inspirieren?
Für dein Menschsein?
Für dein Führungspersonsein?