Motivation am Arbeitsplatz

Führung heißt, Mitarbeiter sachbezogen einzusetzen, zu motivieren und für ihre Fähigkeiten die Entfaltungsräume zu schaffen.
Rita Süssmuth

Kürzlich wurde ich als Coach und Motivationstrainer für eine Abschlussarbeit um ein Interview gebeten. Hier folgt Teil 2 mit dem Schwerpunkt Motivation in der Arbeit:

Wie gelingt die Mitarbeitermotivation?
Mehr auf Stärken achten, weniger die Schwächen betonen. Dabei spielt die intrinsische Motivation ein wichtige Rolle: Wenn ich einem Mitarbeitenden ein Umfeld bieten kann, in dem er aufblüht, seine eigenen Interessen und Talente einbringen kann, habe ich einen „selbstmotivierten“ Mitarbeiter gewonnen. Wenn ich jedoch nur extrinsisch, also mit äusseren Anreizen wie Lohnerhöhung oder Bonus, motiviere, müssen immer schneller, immer höhere Anreize folgen.

Wie wichtig ist Lob?
Lob tönt zu sehr nach Taktik. Wichtig ist ein Klima der Wertschätzung. Der Mitarbeiter braucht nicht nur nette Komplimente, sondern das Gefühl, dass er als Person und als Mitarbeiter wertgeschätzt wird.

Wenn die Motivation für die Arbeit fehlt, liegt das immer an der eigenen Einstellung?
Nein. In einem Umfeld, das mich immer wieder runterzieht, kann ich noch so sehr an mir und meiner Einstellung arbeiten. Zuerst an sich zu arbeiten, ist wichtig. Doch wer sein Leben aktiv gestaltet, wird lernen, wo er Ja und wo er Nein sagt. Nein z.B. auch zu einem Arbeitsumfeld, dass nicht passt. Oft ist nicht einmal die Tätigkeit der Grund für eine Kündigung, sondern dass eine Firma oder ein Chef den Mitarbeitenden in seiner Entwicklung behindert. Da sucht man sich besser einen neuen Chef.

Was, wenn gar nichts mehr hilft?
Da würde ich mit der betroffenen Person in einem Coaching analysieren, bei welchem Teil des Traumjob-Dreiecks der Schuh drückt. Wenn der Jobbeschrieb einfach nicht zu meinen Fähigkeiten passt, müssen Wege gefunden werden, wie die eigenen Stärken eingebracht werden können – entweder durch eine Veränderung am jetzigen Arbeitsplatz oder durch eine neue Arbeitsstelle.
Ob Job oder privat: Mit etwas Abstand den eigenen Alltag reflektieren, evtl. zusammen mit einem Freund oder Coach, ist ein erster Schritt in eine neue Richtung.

Ist Erfolg das Ergebnis ständiger Veränderung?
Nicht nur. Aktiv das Leben zu gestalten, hat auch mit Veränderungsbereitschaft zu tun. Doch wer andauernd alles verändert, wird nicht automatisch erfolgreich. Es braucht auch Ausdauer, Geduld und Zielstrebigkeit – und gleichzeitig Gelassenheit, weil wir „den Erfolg“ nicht in allen Bereichen „machen“ können. Es gibt wesentliche Dinge im Leben, die kann man sich nur schenken lassen.

Wenn es um Leistung geht, sind wir sehr ehrgeizig. Übertreiben wir es manchmal?
Leider ja. Es beginnt oft bei einer rein monetären Erfolgsdefinition. Und dann sind viele Systeme (in Schule und Arbeit) so aufgebaut, dass sie eher einen ungesunden Ehrgeiz fördern, als dass sie uns auf den Weg einer gesunden Selbstverwirklichung bringen. Ich meine damit nicht, dass sich alles um mich drehen muss. Aber ich wehre mich dagegen, wenn Menschen wie Maschinen behandelt werden, die immer nur leisten sollten. Ich will Menschen darin unterstützen, zu entdecken, was Gott in sie hineingelegt hat und mit ihnen Wege entdecken, wie sie dieses Potenzial im Alltag (Job, Freizeit, Familie) einbringen und so im Leben aufblühen können.

 

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Alles Schoggi oder was?

Alles sollte so einfach wie möglich sein – aber nicht einfacher.
Albert Einstein

Vor einigen Wochen wurde ich nach einem Predigteinsatz zu einer angenehmen Kaffeerunde im Garten eingeladen. Sonnenschein, Kaffee, gute Gespräche – und Schoggi. Auf der Serviette, aber auch richtigen Schoggi gabs.

Die Mini-Serviette mit dem Spruch „Chocolate is the answer – who cares what the question is“ hat es mir sofort angetan. Nicht unbedingt, weil ich ein grosser Schoggi-Liebhaber wäre, sondern einfach weil ich den Spruch genial finde.

Seither konnte ich mit dieser Serviette, resp. mit dem Spruch, schon etliche Menschen – vorwiegend Frauen! – glücklich machen.

Bitte nicht zu einfach

„Schoggi ist die Antwort – wer interessiert, was die Frage ist?“. Ist es wirklich so einfach? Natürlich ist dieser Spruch mit einem Augenzwinkern zu geniessen und kann möglicherweise sogar dabei helfen, das Leben nicht immer tierisch ernst zu nehmen.

Mir ist beim Anblick dieser Mini-Serviette aber auch sofort eine philosophische Dimension durch den Kopf geschossen. Ist es nicht so, dass viele Menschen das Leben so sehr vereinfachen, dass eine einzige Sache als Lösung für alles dienen muss. Egal was das Problem ist, die Lösung ist immer dieselbe. Die Fragen interessieren gar nicht – Hauptsache eine schnelle Antwort ist parat.

Nun ist, aus meiner Sicht  mindestens, das Leben aber etwas komplizierter und die Schoggi-Antwort greift einfach zu kurz. Die schnellen Antworten „schützen“ uns davor, uns den komplexen Fragen und komplizierten Problemen im Alltag stellen zu müssen. Wer eine schnelle (Schoggi-)Antwort bereit hält, braucht nicht nachzudenken, kommt nicht ins Grübeln, hat keine Zweifel… Hauptsache, er oder sie hat Schoggi.

Aber was, wenn der Schoggi eines Tages doch zu einfach ist und wir feststellen: Nicht jede Frage kann mit einer Schoggi-Antwort befriedigend geklärt werden? Ich will das Leben nicht komplizierter machen, als es ist. Da halte ich es mit dem obigen Spruch von Albert Einstein: „Alles sollte so einfach wie möglich sein – aber nicht einfacher.“ Eben: Machen wir das Leben bitte auch nicht einfacher, als es in Wirklichkeit ist.

Leider treffe ich das Schoggi-Phänomen immer mal wieder auch in christlichen Kreisen an. „Jesus ist die Antwort – wen interessiert da noch die Frage!?“ Ich bin zu tiefst überzeugt, dass Jesus tatsächlich an jeder unserer Fragen interessiert ist, unsere Probleme ernst nimmt und uns helfen will, in unserem komplexen Leben Frieden und Zufriedenheit zu erfahren. Doch die zu einfache Schoggi-Lösung „Jesus ist die Sofortlösung für all meine Probleme“, greift entschieden zu kurz.

Ich habe einen Verdacht: Wer sich allzu schnell mit einem „Jesus ist die Antwort“ zufrieden gibt, hat sich nicht wirklich seinen Problemen gestellt, bleibt an der Oberfläche kleben. Und möglicherweise bleibt der „Schoggi-Jesus“ eine schöne Theorie, die sich jedoch noch nicht in einem Krisen erschütterten Leben bewährt hat. Wer aber durch all die Irrungen und Wirrungen des Lebens gegangen ist und dabei das Leben mit Jesus „kätschet het“, kommt hoffentlich tatsächlich zum Schluss: Jesus hat mir nicht all meine Probleme weggenommen, aber er hat mich durchgetragen, hat mir Freunde an die Seite gestellt, führte mich zu professionellen Stellen…

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Selbstmotivation

Die Motivation ist das Zünglein an der Waage.  …
Fast immer schlägt die Motivation das große Talent.
Norman R. Augustine

Kürzlich wurde ich als Coach und Motivationstrainer für eine Abschlussarbeit um ein Interview gebeten. In meinem heutigen Blogartikel folgt ein Auszug daraus:

Haben Sie Tipps für Menschen die in einer Krise stecken? Was haben Sie aus diesen Zeiten gelernt?
Das kommt natürlich auf die Krise an. Grundsätzlich lässt sich sagen: Wer sich in einer Krise ins Schneckenloch zurückzieht, macht die Probleme eher grösser als kleiner. Besser ist: Sich einem Freund, einer Freundin oder einer Vertrauensperson aus der Familie anzuvertrauen. Je nach Situation empfiehlt es sich auch, professionelle Hilfe bei einem Coach oder Therapeuten zu suchen.

Wie definieren Sie Erfolg? Gibt es für Sie pauschale Erfolgsgesetze, die man sich zu Herzen nehmen sollte?
Ich habe einmal ein „Traumjob-Dreieck“ entwickelt. In dieser Theorie sage ich, dass ein Traumjob eine möglichst hohe Übereinstimmung mit meiner Passion (Leidenschaft, Interessen), meinen besonderen Fähigkeiten (Skills) und meinem Persönlichkeitsstil (Umfeld, alleine arbeiten oder Teamarbeit, Führungsperson oder Angestellter) enthält. Wer seine Fähigkeiten gemäss seinen Interessen in einem Umfeld einbringen kann, in dem er aufblüht, der ist erfolgreich – egal wie viel Geld er damit verdient.
Erfolgsgesetze sind immer gefährlich. Aber wenn man Erfolg so definiert, wie ich es eben gerade getan habe, muss man zuerst sich selbst kennen lernen – herausfinden, was man besonders gut kann und besonders gerne tut – und dann die Augen offen halten, wo man das tun kann.

Viele Motivationstrainer sind der Ansicht, dass man alles schaffen kann wenn man zu 100% daran glaubt und nicht aufgibt. Teilen Sie diese Meinung oder gibt es Grenzen?
Ich bin ein Fan der Positiven Psychologie, aber ein grosser Skeptiker des Positiven Denkens. Durch klare Zielfokussierung, starke Überzeugung und aussergewöhnlichem Engagement können wir tatsächlich sehr viel erreichen. Aber klar gibt es Grenzen: Wir sind ja schliesslich nicht Gott und auch andere Menschen können wir nicht beliebig nach unseren Wünschen verändern. Jeder kann jedoch sein Leben gemäss seinen Möglichkeiten gestalten – statt sich als Opfer über schwierige Umstände zu beklagen.

Wie motiviert sich ein Motivationstrainer?
Heute hat meine neue Woche mit einem Spaziergang mit meiner Frau gestartet. Das gemeinsame Unterwegssein (im wörtlichen und bildlichen Sinn) ist eine grosse Motivation in meinem Leben: Gemeinsam über Schönes und Schwieriges austauschen können, tut gut und motiviert für die nächsten Schritte. Daneben brauche ich Zeiten für mich alleine (Tagebuch schreiben, mit Abstand den Alltag reflektieren) und Inspiration von aussen (Coaching, Konferenzen, Bücher). Selbstverständlich spielt mein Glaube auch eine grosse Rolle.

Gewonnen wird im Kopf. Aber verloren doch auch?
Gemäss der Glückstheorie der Positiven Psychologie wird unser Glücksempfinden zu 50 % von unserer Vererbung (den Genen) bestimmt. Weitere (nur!) 10 % sind von unseren Umständen (Finanzen, Wohnort, objektive Gesundheit…) abhängig. Der grosse Teil von 40 % geht auf unsere Verhaltens- und Denkweisen zurück.
In dem Sinn: Ja, gewonnen wird im Kopf und verloren auch.

Wo fängt die Selbstmotivation an?
Dass ich weiss, was ich will und was ich nicht will. Es ist erschreckend, wie viele Menschen sich selbst gar nicht wirklich kennen.

Wie erhält man eine positive Einstellung?
Da gibt es bei der Positiven Psychologie ganz viele spannende „Glücksaktivitäten“: Dankbarkeit, Optimismus, Grübleien vermeiden, Hilfsbereitschaft, soziale Beziehungen, Vergebung, Leben im Hier + Jetzt, Flow-Erfahrungen, Geniessen, Spiritualität. (Man staune: Viele, wenn nicht alle, dieser Ratschläge findet man bereits in der Bibel.)

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Look Up

Individualismus bedeutet heute, daß man alles tut,
was alle anderen tun – bloß einzeln.

Rock Hudson

32 Millionen Klicks in nur zwei Wochen – das muss man zuerst mal hinkriegen. Gary Turk hat das mit seinem Kurzfilm Look Up geschafft. Ironischerweise verbreitet sich dieser Film dank den Social Medias innert Kürze rund um den Globus, obwohl darin genau diese Form der Kommunikation angeprangert wird. Neben ganz viel Zustimmung erntet Gary Turk dafür auch jede Menge bissige Kommentare und 1’000e „Don’t likes“.

Tatsache ist: Was von so vielen Menschen angeschaut und geteilt wird, muss eine gewisse Relevanz haben. Das Thema beschäftigt, wir merken scheinbar alle, dass uns Erfindungen wie Smartphones und Social Medias weder smarter noch sozialer machen. Und trotzdem: Bitte verteufeln wir diese Dinge nicht. Der geniale und schöne Videoclip Look Up ist der beste Beweis dafür, dass dank diesen neueren Technologien auch gute Botschaften viel einfacher und mit weltumspannender Reichweite verbreitet werden können.

Zurück in die Steinzeit oder zur Rauchzeichen-Kommunikation, kann daher weder das Ziel vom Filmemacher Gary Turk noch der Rat von einem Life-Balance Coach sein. Einmal mehr gilt es, einen guten und sinnvollen Umgang mit Smartphones, FacebookCo. zu lernen.

Leben im Netz – und darüber hinaus

Ich habe nämlich auch schon erlebt, dass die Social Medias einen sozialen Beitrag leisten können: Wenn es dank Kontakten im Netz zu Begegnungen im wirklichen Leben kommt oder Freundschaften dank den zeitgenössischen Technologien auch über grosse Distanzen gepflegt werden können.

Meine schönste Erfahrung dazu: Letzten Spätsommer lernte ich via Businessplattform XING einen Geschäftsführer der Region kennen. Bald darauf kam es zu einem spontanen Kennenlern-Apéro. Eine spannende Freundschaft entwickelte sich. Kürzlich, am Ostermontag, sassen wir dann als Familien zusammen. Nach dem Essen verbrachten wir Erwachsenen einen schönen Nachmittag mit einem Brettspiel, während die Kids sich auf dem Spielplatz austobten. Was für ein entspannter Nachmittag, was für inspirierende Begegnungen.

Solche Begegnungen finden im richtigen Leben statt – nicht vor dem PC oder dem Smartphone. Und doch: In diesem Fall sind sie genau darum möglich geworden, weil ein erster Kontakt über die neuen Medien hergestellt wurde.

Darum rufe ich nicht zu einem Boykott von XING, Facebook & Co. auf. Sicher nicht. Aber ich will unseren unreflektierten Umgang damit in Frage stellen. Wo sind die Social Medias und die dazugehörenden Technologien das, was sie sein sollten – nämlich Hilfsmittel? Und wo sind sie mehr als das? Wo vertreiben wir uns die Zeit im Netz statt Beziehungen im wirklichen Leben zu gestalten?

Auch wenn das Zitat oben aus einer Zeit vor Facebook und Smartphones stammt, gefällt es mir sehr gut: Wir tun alle dasselbe, aber jeder für sich alleine. Und dem sagen wir dann Individualismus. Im Film Look Up gibt es dazu eine schöne Szene: Da bestaunt jemand ein wunderschönes Panorama und muss es natürlich sofort mit seinen Freunden teilen – auf einem sozialen Netzwerk. Nur schade, dass die Person im wirklichen Leben alleine vor der herrlichen Naturkulisse steht.

Lassen wir es doch zu, dass dieser gute Kurzfilm unseren Umgang mit den sozialen Medien in Frage stellt:

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Starke Kinder

Wenn man von den Angehörigen seines Wertes versichert wird,
gewinnt man die Kraft, Risiken einzugehen.

Mihaly Csikszentmihalyi (in: FLOW – Das Geheimnis des Glücks)

Als Eltern ist es eine wichtige Aufgabe, den Kindern Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. Wer einen gesunden Selbstwert hat, traut sich etwas zu. Leider sind wir Erwachsenen uns auch nicht immer unseres Wertes bewusst. Darum ist es wichtig, dass wir einander stärken – damit wir wiederum andere (z.B. eben unsere Kids) stärken können!

Aber wie tut man das? Gerade diese Woche habe ich beides erlebt: An einem Tag war ich so stolz auf eines meiner Kinder, als es sich etwas mutiges zugetraut hatte und sein selbst gestecktes Ziel ohne irgendwelches Zutun von uns Eltern anpackte und im wahrsten Sinn des Wortes den Sprung ins Wasser wagte. Kaum 24 Stunden später, dasselbe Kind, panische Angst vor einer Aufgabe, die es eigentlich ohne Nervenflattern hätte packen können. Aber es ging nicht, mein gestern noch so mutiges Kind war wie gelähmt.

Unsere Kinder zu stärken und zu selbstbewussten Persönlichkeiten heranreifen zu lassen, ist eine grosse Aufgabe. Dabei werden wir Fortschritte feiern können, müssen aber auch Rückschläge in Kauf nehmen.

In seinem „FLOW-Buch“ erzählt Mihaly Csikszentmihalyi von einer Studie (von Kevin Rathunde, Universität von Chicago), die aufzeigte, unter welchen Umständen sich Teenager zu glücklicheren, zufriedeneren und stärkeren Persönlichkeiten entwickelten. Kaum erstaunlich: Massgebend war die Beziehung zu ihren Eltern.

„Der Familienkontext, der optimale Erfahrungen fördert, wies fünf Eigenschaften aus“, schreibt Mihaly Csikszentmihalyi. Und zwar sind das:

  • Klarheit: Die Erwartungen der Eltern an die Kids sind klar. „Ziel und Feedback innerhalb des Familiensystems sind eindeutig.“
  • Zentrierung: Die Kinder erleben, dass ihre Eltern an ihren Gefühlen und Erfahrungen interessiert sind. Und zwar mehr als an den schulischen Leistungen.
  • Wahlmöglichkeit: Kinder haben die Möglichkeit, selbst Entscheidungen zu treffen. Sie haben eine Reihe von Optionen aus denen sie auswählen können und lernen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu tragen (auch wenn sie sich zum Beispiel dafür entscheiden, eine elterliche Regel zu brechen).
  • Bindung: Das Kind baut Vertrauen auf, senkt seine Verteidigungsbarrieren und kann sich vertieft dort investieren, wo seine Interessen liegen.
  • Herausforderung: Den Kindern wird ihrem Alter und ihren Möglichkeiten entsprechend ein Umfeld geboten, in dem sie zunehmend grössere und komplexere Aufgaben zu lösen haben.

Abschliessend stellt der Flow-Erfinder die genannten Eigenschaften mit den Kennzeichen einer Flow-Erfahrung in Verbindung und schreibt:

Kinder, die in Familiensituationen gross werden, die eindeutige Ziele, Feedback, das Gefühl von Kontrolle, Konzentration auf gegebene Aufgaben, intrinsische Motivationen und Herausforderungen bieten, werden allgemein eine bessere Chance haben, ihr Leben so zu ordnen, dass flow möglich wird.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Die Chef-Falle

Führung heisst, die Menschen zu motivieren,
sie zu beflügeln, sie zur Kreativität ermutigen.
Anselm Grün in Menschen führen – Leben wecken 

Wo liegt eigentlich das Problem bei Misserfolgen von Unternehmen – bei den Mitarbeitenden oder bei den Chefs? Um diese Frage dreht sich das Buch Die Chef-Falle von Jörg Knoblauch. Nach der Personal-Falle, einem Buch in dem das Personal in A-, B- und C-Mitarbeitenden eingeteilt wird und das Problem der schwachen Mitarbeiter analysiert wird, geht es nun in der Chef-Falle den schlechten Chefs an den Kragen.

Denn: „C-Mitarbeiter fallen ja nicht vom Himmel. Es sind unsere Chefs, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind“, beschreibt Knoblauch im Vorwort die Einwände des Personals.

Nun gut, in meinem Life-Balance-Blog versuche ich wöchentlich Impulse zu einem eigenverantwortlich gestalteten Leben in gesunder Balance zu geben. Da wäre es natürlich viel zu einfach, die Schuld einfach pauschal beim Chef zu suchen. Schliesslich ist jeder für seine Persönlichkeitsentwicklung selbst verantwortlich.

Trotzdem sind die Beispiele in Knoblauchs Buch eindrücklich: Da ist zum Beispiel von einem Assistenten die Rede, der eigentlich nach dem (unfreiwilligen) Abgang seines Chefs sein Büro ebenfalls hätte räumen sollen – nach der Einschätzung von Knoblauch. Er war einfach nicht zu gebrauchen, lieferte seine Arbeit unfertig, fehlerhaft oder gar nicht ab… Doch plötzlich: Ein neuer Chef und der Assistent blüht auf, erledigt speditive und saubere Arbeit ab. Was war geschehen: „Der alte Chef liess mich nicht machen.“

Bremsklotz oder Förderer?

Sind also doch die Chefs schuld? Ganz sicher ist es eine der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste – Führungsaufgabe, ein Umfeld zu schaffen, in dem Spitzenleistungen möglich sind. Wenn ich mich unter einem Chef jedoch über Monate oder gar Jahre nicht weiterentwickeln kann, ist es zu billig, dies als Ausrede für meine persönliche Stagnation zu gebrauchen. Ich – und nicht mein Chef – bin für mich verantwortlich!

So hart (und im Grunde auch ungerecht) es sein mag: Wenn der Chef mein „Entwicklungs-Bremsklotz“ ist, muss ich mich nach einer Veränderung umsehen, selbst wenn eigentlich der Chef gehen sollte. A-Mitarbeiter gehen weiter und suchen ein förderndes Klima: “Immer wieder höre ich von Angestellten, die gekündigt haben, dass ihre Aufgabe ihnen eigentlich Freude gemacht hat. Aber ihre Chefs waren unerträglich. Mitarbeiter verlassen nicht das Unternehmen, sondern ihren Vorgesetzten“, schreibt Knoblauch.

7 Chef-Fallen – häufige Führungsfehler

Gleich im ersten Kapitel beschreibt Prof. Jörg Knoblauch sieben häufige Fehler von Chefs:

  • Mikromanagement
  • Entwicklungsblockaden
  • Mitarbeiterausbeutung
  • Erniedrigung
  • Selbstüberschätzung
  • Entscheidungsschwäche
  • Aktionismus

Ein Chef, der alles selbst bestimmt (Mikromanagement) engt ein. Einer, der nicht entscheidet, langweilt. Und der Chef, der eine „Hü + Hott“-Strategie verfolgt (Aktionismus), irritiert. Gravierend sind auch die Fehler, die auf Charakterschwächen des Chefs schliessen lassen (Erniedrigung, Mitarbeiterausbeutung).

Führung ist eine schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn es Chefs gelingt, ein Klima zu schaffen, in dem die Mitarbeitenden ihr Potenzial abrufen können und gerne ihr Bestes geben, haben alle gewonnen.

Und hier noch eine wunderschöne Beschreibung dieser Führungsaufgabe:

Führen ist etwas Aktives. Führen lockt im einzelnen das Leben hervor, das in ihm schlummert. Es motiviert den Mitarbeiter, die Gaben, die Gott ihm geschenkt hat, zu entfalten. Führen ist die Kunst, den Schlüssel zu finden, der die Schatztruhe des Mitarbeiters aufschliesst und ihm das Gefühl vermittelt, dass in ihm viele Möglichkeiten und Fähigkeiten stecken. Führen heisst, die Lust zu wecken an der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und am Dienst für die Gemeinschaft.
(Anselm Grün in Menschen führen – Leben wecken)

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Mehr als Durchschnitt!

Ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast — das erkenne ich!
König David (in Psalm 139)

Es ist ganz gut, dass dieser Spruch schon so alt ist. Wenn nämlich heute einer von sich so etwas sagen würde wie es hier König David tut, würden wir ihn wohl als arrogant abstempeln: „Tja, das sagt er jetzt so grössenwahnsinnig von sich selbst. Dabei ist jedem – ausser ihm selbst – sein blinder Fleck bestens bekannt.“

Nun, hin und wieder versuche ich Leute dazu zu bringen, genau diesen David-Satz auch von sich selbst zu sagen. Ob bei Jugendgottesdiensten oder auch kürzlich wieder in einem Timeout-Weekend für Paare – es ist mein Ziel, dass Menschen ihre Einzigartigkeit erkennen, sich mit sich selbst versöhnen und sich selbst als wunderbares Geschenk des Himmels erfahren dürfen. Dabei laden wir die Seminar- oder Gottesdienstteilnehmenden schon mal ein, an Ort und Stelle in einen Spiegel zu schauen und sich selbst als geniales Geschöpf Gottes anzusehen.

Teil einer grossartigen Schöpfung

Wir neigen dazu, immer die Fehler, die Schwächen und ganz allgemein das Negative zu sehen. In technischer Hinsicht mag diese Fehlerfixierung eine Stärke sein; wahrscheinlich verdanken wir ihr auch das weltweit geachtete Gütesiegel „Swiss Quality“. Eine Maschine hat zu funktionieren, da muss jeder Fehler ausgemerzt werden. Und bei komplexen Abläufen wie einer Herztransplantation möchte ich darauf vertrauen können, dass jeder Handgriff sitzt.

Doch, wir Menschen sind nicht Maschinen und auch nicht einfach „technische Abläufe“. Wir sind einzigartige Geschöpfe mit grösstmöglicher Individualität. Da gilt es, die gottgewollte Einzigartigkeit zu entdecken, entfalten und zum Glänzen zu bringen. Und nicht einfach darum, einem Standard zu entsprechen!

Es beginnt beim ersten Besuch beim Kinderarzt, entfaltet sich in höchster Intensität in der Schulzeit und wird im Berufsalltag fortgeführt: Der Vergleich mit der „Mittelkurve“, also mit einem Durchschnittswert. Gnädigerweise gibt es eine gewisse Bandbreite, eben einen Toleranzwert. Doch wehe, wenn wir da eine ganz eigene Kurve zeichnen und den Vorgaben nicht entsprechen…

Gewiss sind solche Wachstums- und Entwicklungskurven hilfreich. Und natürlich ist es von Vorteil, in der Grundschule einige grundlegende Fertigkeiten zu erlernen. Trotzdem: Wird unsere individuelle Einzigartigkeit bei all diesen Standardwerten wirklich genügend gefördert?

Wir sind mehr als Durchschnitt! Wir sind sogar mehr als „Swiss Quality“. Wir sind „Made by God“ und damit Teil einer grossartigen Schöpfung. Wie gesagt, es gibt Bereiche, in denen ich sehr dankbar bin für „Swiss Quality“. Ich bin froh, wenn sich der Pilot an die Vorgaben hält und seinen Job nicht allzu kreativ und originell interpretiert. Trotzdem wünsche ich mir im Allgemeinen mehr Kreativität, mehr Originalität, mehr Einzigartigkeit. Eben mehr von dem, was Gott erschaffen hat und etwas weniger von dem, was unsere standardisierten Kurven vorgeben.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Ich bin ich

Selbstwert bedeutet in sich nichts anderes,
als das was das Wort uns sagt:
Es ist der Wert den wir uns selbst geben!
Urs R. Bärtschi (in: Ich bin mein eigener Coach)

Kürzlich musste mich meine Tochter im Preteens-Programm einschätzen und mir danach in einem Vater-Tochter-Gespräch mitteilen, wie sie mich erlebt. Was ich da hörte, tönte durchaus positiv, überraschte mich aber auch, weil ich mich selbst nicht unbedingt so wahrnehme: „Freundlich, genügsam, fröhlich, spontan, nett, unabhängig, gesprächig, friedlich, kontaktfreudig.“ Natürlich gab es auch noch eine Rubrik mit Schwächen. Wenig rühmlich, was meine Tochter hier unter anderem ankreuzte: Faul.

Wie passen die Beobachtungen meiner Tochter mit meinem ehrgeizigen Selbstbild zusammen? Ich sehe mich gerne als zielstrebigen, kreativen und innovativen Pionier, der gerne anpackt und auch bereit ist, neue Wege zu gehen, um seine Visionen zu erreichen.

Eine plausible Erklärung scheint es für diese doch ziemlich unterschiedlichen Einschätzungen zu geben: Ich könne ganz gut vom Arbeits- in den Freizeitmodus umstellen, sagt meine Frau (nicht ganz ohne einen leicht vorwurfsvollen Ton kaschieren zu können). Was sie meint: Als Führungsperson im Job sei ich entscheidungsfreudig, mutig und innovativ. Daheim zeige ich mich dann viel öfters von einer passiven Seite. Was mir als Ausgleich ganz gut bekommt, von der Familie aber auch mal als „faul“ gebrandmarkt wird.

4 Grundrichtungen der Persönlichkeit

Dieser kleine Einblick in Gerbers Familienalltag zeigt, wie spannend die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen sein kann. Seit Jahren arbeiten wir in unserer Seminar– und Coachingtätigkeit mit dem GPI-Test. GPI steht für Grundrichtungen der Persönlichkeit aus individualpsychologischer Sicht. Dieses Testverfahren besticht dadurch, dass es nur Gewinner gibt, einfach und aussagekräftig ist und konkrete Handlungsweisen aufzeigt. Durch die Grundrichtung erkennen wir, welche übergeordneten Ziele wir (bewusst oder unbewusst) verfolgen.

Die vier Grundrichtungen sind:

  • Die Freundlichen: kontaktfreudig, kann harmonisieren, gutes Einfühlungsvermögen, hilfsbereit.
    Ziel: Will von anderen gemocht werden.
  • Die Gemütlichen: tolerant, diplomatisch, ausgeglichen, kann geniessen, schafft gemütliche Atmosphäre.
    Ziel: Will es angenehm haben.
  • Die Geschäftigen: hohe Leistungsbereitschaft, zielgerichtet, Begeisterungsfähigkeit, bringt neue Ideen.
    Ziel: Will gewinnen.
  • Die Konsequenten: kann gut organisieren, verantwortungsbewusst, schafft Strukturen und klare Verhältnisse.
    Ziel: Will Sicherheit.

Ausführlich werden die vier Grundrichtungen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen sowie dem entsprechenden Entwicklungspotenzial im empfehlenswerten Buch Ich bin mein eigener Coach von Urs R. Bärtschi vorgestellt.

Die Grundrichtungen sollen weder das Individuum in ein starres Kästchen drücken (oft hat man sowieso eine dominierende Grundrichtung zusammen mit Anteilen der anderen), noch sollen sie als Ausrede („Ich bin halt gemütlich…“) benutzt werden. Sie können uns helfen, uns selbst besser zu verstehen, unsere Handlungsmuster zu reflektieren und unsere Stärken bewusst einzubringen.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Kann man Gemeinschaft organisieren?

Gross zu sein, hat uns allerdings auch nicht immer gutgetan,
tut eigentlich keiner Kirche besonders gut.
Gottfried Locher (im Interview Protestanten sind Meister im Entzaubern)

Wir Menschen sind für die Gemeinschaft gemacht. Anders gesagt: Wir brauchen andere Menschen um uns positiv (weiter)entwickeln zu können.

Nun beschäftigt mich aber als Leiter einer unkonventionellen Kirche seit 15 Jahren die Frage, ob man Gemeinschaft organisieren kann. In vielen Kirchen wird der Wert der Gemeinschaft grossgeschrieben. Und darum beginnt man, Gruppen zu organisieren: Interessensgruppen, Hauskreise, Freiwilligenteams, Kleingruppen…

Meine Erfahrung dabei ist eher frustrierend als motivierend. Denn: Die beste Gemeinschaft erlebe ich immer wieder bei natürlichen Treffen mit Freunden – und nicht in organisierten Gruppen.

Ohne Organisation geht es nicht

Die Lösung scheint auf den ersten Blick naheliegend: Organisieren wir einfach nichts mehr. So verlockend das sein mag, so sehr gibt es auch da Gefahren: Einerseits sollen Kirchen und ähnliche „Gemeinschaften“ ein Ort sein, an dem auch Menschen getragen werden, die sonst durch die sozialen Netze fallen würden. Und zum Anderen braucht selbst eine lebendige Freundschaft ein Mindestmass an Organisation.

Wenn ich die Gemeinschaft mit meinen Freunden in Süddeutschland so sehr schätze, aber nie Zeit und Raum schaffe, um diese Freundschaft zu pflegen, bleibt es eine imaginäre Gemeinschaft. Freundschaften leben von gelebter Gemeinschaft – und nicht nur von der Idee, sich bei Gelegenheit einmal zum Essen zu verabreden. Und wenn es schon bei natürlichen Freundschaften nicht ganz ohne Organisation geht, wie viel mehr braucht es da organisatorisches Geschick, wenn Gemeinschaft in einer Kirche lebendig gehalten werden soll.

Institutionalisierung tötet Gemeinschaft

Nun ist aber genau das die grosse Kunst und Herausforderung: Sobald wir eine anfänglich vielleicht sehr lebendige Gemeinschaft, möglicherweise sogar entstanden aus einem spontanen Treffen, institutionalisieren, ist das Scheitern praktisch vorprogrammiert. Was einmal gut und inspirierend war, bleibt nicht automatisch durch unzähliges Wiederholen immer noch gut und inspirierend. Institutionalisierte Gemeinschaft nützt sich mit der Zeit ab.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich das obige Zitat von Gottfried Locher studierte. Institutionelle Grösse tut einer Kirche nicht wirklich gut. Oder stellt mindestens eine grosse Herausforderung dar. Denn: Je grösser eine Organisation ist, desto schwerfälliger wird sie als Institution. Und solche träge Institutionen werden es schwer haben, gelebte Gemeinschaft zu ermöglichen.

Gemeinschaft offen organisieren

Diese Woche bin ich über folgende Zeilen gestolpert. Aus meiner Sicht könnte das von Tony Jones vorgestellte Konzept ein guter Lösungsansatz sein, wie Gemeinschaft offen organisiert werden könnte:

Jones regt eine „Wikichurch“ an, also eine nicht hierarchisch strukturierte Glaubensgemeinschaft, zu der jede/r etwas beitragen kann. Konkret empfiehlt er die Organisationsstruktur des „open-source network“. Dabei tritt die gegenseitige Kommunikation ins Zentrum der Aufmerksamkeit. …

Freimütig räumt Jones ein, dass es bei einer solchen Organisationsstruktur zu Fehlern kommen kann (wie bei Wikipedia). Doch erscheint ihm die Gefahr der Erstarrung wie in den bisherigen Kirchen bedrohlicher.
(Quelle: Praktische Theologie, Christian Grethlein)

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Wir sind so verschieden…

Die Akzeptanz der Unterschiede ist Voraussetzung für die Überraschung der Gemeinsamkeiten.
Peter Ustinov

Unterschiede ziehen uns an, wecken Neugier und sind eine Ergänzung zu uns. Mindestens bis wir im Paaralltag angekommen sind. Da macht dann die Neugier nicht selten dem Befremden Platz, aus Ergänzung wird Konkurrenz und die anziehenden Unterschiede werden zur gefährlichen Bedrohung unserer Liebe.

Manchmal führen diese Unterschiede, die uns am Anfang so fasziniert haben, dazu, dass wir versuchen, aus dem Gegenüber ein zweites Ich zu machen. „Wäre er/sie nur so wie ich, dann ging es uns gut!“ Naja, die Wahrheit solcher Gedanken ist stark anzuzweifeln. Unüberwindbar scheinende Unterschiede sind tatsächlich eine enorme Herausforderung und ein starker Belastungstest für eine Beziehung. Aber als Alternative zweimal ein Ich? Nein danke!

Tatsache ist: Je grösser die Unterschiede, desto mehr Kommunikationsbedarf besteht in einer Beziehung. Meine Frau und ich erleben seit bald fünfzehn Jahren immer wieder, dass wir uns häufig erstaunlich schnell einig sind. Nicht, dass wir eine langweilige Beziehung führen würden oder keinen Gesprächsstoff hätten. Ich betrachte es als Geschenk, dass wir bei Grundsatzthemen meistens im Wesentlichen übereinstimmen. Und ich bezweifle, dass wir so viele gemeinsame Projekte (Leitung einer sozial-diakonischen Arbeit, Timeout-Weekends, Seminare und Referate…) auf die Beine stellen könnten, wenn wir immer wieder vor grossen (Meinungs)Unterschieden stehen würden.

Brigitte & Stefan Gerber

Persönlichkeit des Gegenübers entdecken, akzeptieren und schätzen

In unserem Bekanntenkreis oder bei Coachings beobachten wir jedoch auch Paare, die mit grossen Unterschieden zu kämpfen haben. Da gibt es einen viel grösseren Kommunikationsbedarf. Damit die Unterschiede, die sich anfänglich gegenseitig angezogen haben, nicht dazu führen, dass man sich (innerlich) immer weiter voneinander entfernt, gilt es, den Rat von Peter Ustinov (Zitat oben) zu beachten.

  • Dazu werden wir bei unserem Timeout-Weekend für Paare 2014 mit dem GPI-Persönlichkeitstest arbeiten und den Paaren helfen, ihre Grundrichtung der Persönlichkeit zu entdecken.
    Natürlich kann man auch ohne Seminar auf Entdeckungsreise gehen: Was macht meinen Partner, meine Partnerin aus? Welche Stärken hat er/sie? Welche Themen bedeuten ihr/ihm viel? Was hat sie/ihn besonders geprägt?

 

  • Persönlichkeit des Gegenübers akzeptieren
    Während die Entdeckungsreise spannend ist, braucht dieser Schritt innere Grösse: Mein Gegenüber ist anders als ich – und das ist gut so!
    Ich kann ihn/sie nicht ändern – und das ist gut so!
    Wir werden uns an unserer Unterschiedlichkeit reiben – aber: das ist gut so!

 

  • Persönlichkeit des Gegenübers schätzen
    Wer die Unterschiede akzeptiert, kann sich hoffentlich (mit der Zeit) auch daran freuen. Sie sind eine Bereicherung. „Ich bin ich und du bist du“ – so nennen wir unser Timeout-Weekend zu diesem Thema. Und genau das ist unsere Stärke: Wir zusammen haben eine besondere, einmalige Kombination von Persönlichkeitsmerkmalen. Das Du soll nicht Konkurrenz zum Ich sein – sondern Ergänzung, die ich schätzen kann und unser Wir ausmacht.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.