Wer hat es nicht schon erlebt, im Urlaub in einem fremden Land beispielsweise, dass mensch sich zur Not ganz gut mit Händen und Füssen verständigen kann.
Wo ein Wille ist, gibt es auch Wege.
Ich habe neulich eine solche Erfahrung gemacht, die sich gar nicht weit weg in einem fremden Land abgespielt hat: Da gab mir eine Person, neben ihr standen mehrere Koffer, zu verstehen, dass sie nicht weiss, wie sie an ihr Ziel kommt.
So unterbrach ich meine Velofahrt und konnte ihr auf ihrem Handy zeigen, dass sie nur wenige Meter von ihrem Ziel entfernt stand – jedoch auf der falschen Seite des Kanals. Trotz Sprachbarriere führte der kurze Dialog dazu, dass sie verstand, wo die nächste Brücke ist, die sie zu ihrem Ziel führt.
Manchmal ist Sprache komplizierter. Oder mindestens die gegenseitige Verständigung.
So sehr viele von uns das Anliegen «Kein Krieg» teilen, kann ich mich trotzdem mit dieser lautstarken, flächendeckenden Kampagne, die Krieg verhindern soll, nicht identifizieren.
Und das aus mehreren Gründen:
Kein Krieg ist mir zu wenig. Ich will Frieden. Und zwar im ganzheitlichen Sinn von Wohlbefinden für alle, wie es im hebräischen Shalom anklingt.
Genau da liegt der Haken: Obwohl die Friedenstaube auf den Plakaten etwas anders suggerieren will, sind genau die Kräfte (und Milliardäre), die hinter dieser Kampagne stecken, wenig bekannt für eine aktive Friedensförderung.
Wer wirklich «Kein Krieg» will, investiert in Friedensförderung – und streicht nicht die Entwicklungshilfe, um mehr Waffen beschaffen zu können.
Und da sind wir eigentlich schon beim zweiten Punkt, warum ich mich nicht mit dieser Kampagne und Initiative identifizieren kann: Ich glaube den Initiatoren ihr «kein Krieg» nicht.
Die Initiative kommt mir vor, wie das Kleinkind, das beim Versteckspiel einfach die Hände vors Gesicht hält: Wenn wir den Krieg hinter der Neutralität verstecken, dann gibt es ihn auch nicht.

Mein Verdacht: Wer Ja zur Neutralitätsinitiative sagt, sagt im Grunde Ja zur Gleichgültigkeit. Durch Annahme dieser Initiative wird kein einziger Krieg beendet und kein Machthaber dieser Welt wird dadurch davon abgehalten, andere Völker auszubeuten, zu unterdrücken, anzugreifen.
Nur weil wir uns aus den kriegerischen Konflikten unserer Zeit heraushalten, wird die Welt nicht zu einem friedlicheren Ort. Ein edles, menschenfreundliches Anliegen wir uns hier mit dem Weg der Bequemlichkeit vorgaukelt: Wegschauen, zurücklehnen – und die Kriege verschwinden.
So einfach ist es leider nicht. Das Engagement für wirklichen Frieden fordert möglicherweise alles von uns und steht in krassem Kontrast zu einer bequemen Gleichgültigkeit.
Natürlich hilft uns auch keine (kopflose) Hyperaktivität. Doch ich wünsche mir so etwas wie eine zupackende Gelassenheit: Ich kann und muss die Welt nicht retten. Doch wenn es darum geht, die Welt zu einem menschenfreundlicheren Ort zu machen, stehen wir alle in der Verantwortung und sollten nicht Neutralität mit Gleichgültigkeit verwechseln.
Glücksaufgabe
Auch wenn es heute grad etwas anders verstanden werden kann, das ist kein Polit-Blog. Meine Absicht sind nicht bestimmte Parolen zu verbreiten, sondern zur reflektierten Lebensgestaltung einzuladen. Damit mehr Glück, im Sinn von Shalom und Lebenszufriedenheit, für dich und mich erfahrbar wird.
Darum ist heute die Frage: Wo lässt du dich durch Sprache manipulieren? Und wo nutzt du Sprache, um andere (und vielleicht sogar dich selbst) zu blenden: Da wird etwas als Demut verkauft, was eigentlich bloss eigene Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit «veredelt» kaschiert.

