Ja sagen und nein meinen …

Wer hat es nicht schon erlebt, im Urlaub in einem fremden Land beispielsweise, dass mensch sich zur Not ganz gut mit Händen und Füssen verständigen kann.

Wo ein Wille ist, gibt es auch Wege.

Ich habe neulich eine solche Erfahrung gemacht, die sich gar nicht weit weg in einem fremden Land abgespielt hat: Da gab mir eine Person, neben ihr standen mehrere Koffer, zu verstehen, dass sie nicht weiss, wie sie an ihr Ziel kommt.

So unterbrach ich meine Velofahrt und konnte ihr auf ihrem Handy zeigen, dass sie nur wenige Meter von ihrem Ziel entfernt stand – jedoch auf der falschen Seite des Kanals. Trotz Sprachbarriere führte der kurze Dialog dazu, dass sie verstand, wo die nächste Brücke ist, die sie zu ihrem Ziel führt.

Manchmal ist Sprache komplizierter. Oder mindestens die gegenseitige Verständigung.

So sehr viele von uns das Anliegen «Kein Krieg» teilen, kann ich mich trotzdem mit dieser lautstarken, flächendeckenden Kampagne, die Krieg verhindern soll, nicht identifizieren.

Und das aus mehreren Gründen:

Kein Krieg ist mir zu wenig. Ich will Frieden. Und zwar im ganzheitlichen Sinn von Wohlbefinden für alle, wie es im hebräischen Shalom anklingt.

Genau da liegt der Haken: Obwohl die Friedenstaube auf den Plakaten etwas anders suggerieren will, sind genau die Kräfte (und Milliardäre), die hinter dieser Kampagne stecken, wenig bekannt für eine aktive Friedensförderung.

Wer wirklich «Kein Krieg» will, investiert in Friedensförderung – und streicht nicht die Entwicklungshilfe, um mehr Waffen beschaffen zu können.

Und da sind wir eigentlich schon beim zweiten Punkt, warum ich mich nicht mit dieser Kampagne und Initiative identifizieren kann: Ich glaube den Initiatoren ihr «kein Krieg» nicht.

Die Initiative kommt mir vor, wie das Kleinkind, das beim Versteckspiel einfach die Hände vors Gesicht hält: Wenn wir den Krieg hinter der Neutralität verstecken, dann gibt es ihn auch nicht.

Mein Verdacht: Wer Ja zur Neutralitätsinitiative sagt, sagt im Grunde Ja zur Gleichgültigkeit. Durch Annahme dieser Initiative wird kein einziger Krieg beendet und kein Machthaber dieser Welt wird dadurch davon abgehalten, andere Völker auszubeuten, zu unterdrücken, anzugreifen.

Nur weil wir uns aus den kriegerischen Konflikten unserer Zeit heraushalten, wird die Welt nicht zu einem friedlicheren Ort. Ein edles, menschenfreundliches Anliegen wir uns hier mit dem Weg der Bequemlichkeit vorgaukelt: Wegschauen, zurücklehnen – und die Kriege verschwinden.

So einfach ist es leider nicht. Das Engagement für wirklichen Frieden fordert möglicherweise alles von uns und steht in krassem Kontrast zu einer bequemen Gleichgültigkeit.

Natürlich hilft uns auch keine (kopflose) Hyperaktivität. Doch ich wünsche mir so etwas wie eine zupackende Gelassenheit: Ich kann und muss die Welt nicht retten. Doch wenn es darum geht, die Welt zu einem menschenfreundlicheren Ort zu machen, stehen wir alle in der Verantwortung und sollten nicht Neutralität mit Gleichgültigkeit verwechseln.

Glücksaufgabe

Auch wenn es heute grad etwas anders verstanden werden kann, das ist kein Polit-Blog. Meine Absicht sind nicht bestimmte Parolen zu verbreiten, sondern zur reflektierten Lebensgestaltung einzuladen. Damit mehr Glück, im Sinn von Shalom und Lebenszufriedenheit, für dich und mich erfahrbar wird.

Darum ist heute die Frage: Wo lässt du dich durch Sprache manipulieren? Und wo nutzt du Sprache, um andere (und vielleicht sogar dich selbst) zu blenden: Da wird etwas als Demut verkauft, was eigentlich bloss eigene Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit «veredelt» kaschiert.

Wo komme ich zur Ruhe?

Mein Onkel war Prediger in einer Mennoniten Gemeinde, in der wir als Familie Teil davon waren.

Gleichzeitig wohnten meine Grosseltern sowie mein Grossonkel im Gemeindegebäude. So kam es, dass wir nach dem Gottesdienst «salzstängelimampfend» im Wohnzimmer des Grossonkels Dani Skirennen im Fernseher verfolgten.

Und wenn der EHC Biel am Vorabend ein Spiel hatte, war dies ein beliebtes Gesprächsthema vor dem Gottesdienst.

Das fand mein Onkel, der Prediger, weniger lässig und forderte uns heraus: Geht es euch eigentlich um Gott oder sind die Sportresultate wichtiger?

Das ist sehr lange zurück.
Die Welt hat sich verändert.

Und wir schauen nicht mal mehr gemeinschaftlich Skirennen – wie früher im Wohnzimmer von «Onkel Dani» oder in der Berghütte mit dem viel zu kleinen Fernsehgerät während den Skiferien …

Aber die Frage ist wohl dieselbe geblieben: Wo kommen wir zur Ruhe? Wo finden wir Stille («Einkehr»), wenn sogar der Gottesdienst vom «Lärm vo dr Stadt» überlagert wird?

Jesus hat gesagt:
«Kommt zu mir,
ihr alle,
die ihr euch abmüht und belastet seid!
Ich will euch Ruhe schenken.»

(Die Bibel, Matthäus 11,28)

Ruhe meint da auch Frieden,
inneren Frieden.

Bei mir sein,
bei Gott sein.

Bei allem «Lärm vo dr Stadt», bei allem, was uns umtreibt, wo wir gefragt sind, bei all den vielen Terminen und News sind diese Momente der Stille, der Ruhe, des Friedens, der Begegnung mit Gott bei vielen stark umkämpft.

Ziemlich sicher wüssten wir, was uns gut täte.
Doch wie oft tun wir genau das?

Wo kann ich echt sein?  

Letzten Sonntag wagten wir im gms mal wieder ein Experiment: Wir sind mit dem Gottesdienstformat «UNPLUGGED» gestartet. Damit wollen wir genau einen solchen Ort der Ruhe, einen Moment der Stille schaffen.

Und mehr noch: Wir haben den Anspruch, dass wir wie in der Unplugged-Musik (wo wir den Begriff geliehen haben und Akustische-Konzerte gemeint sind) mit diesem neuen Format zu weniger Schein, dafür mehr Sein inspirieren.

Raum für Echtsein und Raum für echte Begegnungen.

Klingt gut – doch wo erleben wir das wirklich?

Von Safe Places, offenen und echten Begegnungsräumen zu träumen, ist das eine. Diese bunte, versöhnte Tischgemeinschaft auch wirklich zu finden, ist das andere.

Diesen Traum teilen wir mit Jesus, der uns diese Tischgemeinschaft vorgelebt und gelehrt hat. Beispielsweise in der Gleichnisgeschichte vom Festmahl: Im Gleichnis soll der Diener Verkrüppelte, Arme, Blinde von überall her an den Festtisch bringen.

Wer sind die Verkrüppelten unserer Zeit?

Vielleicht wir alle:
Menschen, die kaum zur Ruhe finden.
Menschen, die psychisch angeschlagen sind.
Menschen, die leiden, Schmerzen in sich tragen.
Menschen, die verängstigt durch die Welt gehen.
Menschen, bei denen nicht alles «am Schnüerli louft».
Menschen auf der Suche nach Liebe, Hoffnung und Glauben.

Und diese bunte, versöhnte Tischgemeinschaft stelle ich mir als Echte Gemeinschaft ohne Masken vor: «nicht perfekt, nicht geschniegelt, sondern wahrhaftig. Das eröffnet einen Raum, in dem Glauben nicht performt, sondern geteilt wird.»

Glücksaufgabe

Stell dich dem Realitycheck:

Wo komme ich zur Ruhe?

Habe ich eine solche «versöhnte Tischgemeinschaft»?

Wo kann ich echt sein?

Wo fühl ich mich «safe»?

Um den Traum einer Kirche als «Safe Place» und Leuchtturmprojekt dreht sich die Matinée-Themenserie I HAVE A DREAM. In der ersten Predigt, die du hier nachhören kannst, ging es um die bunte Tischgemeinschaft:

Mit dir ist jeder Tag Weihnachten

Eigentlich bin ich ja kein besonders sentimentaler Typ, aber halt schon romantisch veranlagt. Und so kommt es, dass mich die wohlig-warmen Weihnachts-(Liebes)Komödien alljährlich aufs Neue in ihren Bann ziehen.  

Wie schön ist es doch, wenn Menschen, die sich gerade noch fremd waren und unterschiedlichen sozialen Schichten angehören, sich beim Güetsli-Backen näherkommen und sich schliesslich in grosser Verbundenheit um den Weihnachtsbaum versammeln …

In einem eben dieser schönen Weihnachtsfilmen sind die gestresste Mutter und der entschleunigte Vater aneinandergeraten:

Sie: «Du bist einfach zu nett!»
Er: «Es würde der Welt besser gehen,
wenn mehr Menschen nett wären.»

Dem stimme ich zu.

Und dann jedes Jahr die herzerwärmenden TV-Spots der Grossverteiler. Ich liebe es!

Dieses Jahr hat mich derjenige von Coop besonders angesprochen:

Ich freu mich, dass Warenhäuser wie Coop uns mit Werbekampagnen daran erinnern: Uns Menschen geht es besser, wenn wir gut zueinander sind. Wenn wir einander ein Lächeln schenken. Eine ermutigende Message kann nachhaltig etwas bewegen!

Übrigens, die Kampagne von Coop bleibt nicht bei den schönen Bildern stehen, sondern lädt uns mit passend gestalteten Karten dazu ein, einander ganz konkret mit ermutigenden Nachrichten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Und es geht noch weiter: Gerade gestern hat mir jemand erzählt, dass sie während dem Einkaufen in den Regalen eine solche ermutigende Botschaft gelesen hätte. Natürlich hatte die Frau ein Lächeln im Gesicht, als sie mir davon erzählte.

Darum: Just do it!! Und nicht nur in der Weihnachtszeit.

Aber: Unser Nett-sein, unser Gutes tun, muss aus einer «genährten Seele» (aus einem vollen Akku) kommen – sonst sind es bloss noch mehr To-Do’s auf unserer Liste und der Weihnachtsstress ist komplett.

Lass dein sein Licht leuchten

Effektiv auftanken, eine gesunde Life-Balance pflegen, zielbewusstes Zeitmanagement, wissen, was einem Energie spendet und was Energie kostet – all das sind immer mal wieder Themen hier in meinem GlücksBlog oder auch in unseren Workshops. Und das sind absolut wichtige Themen, weil keine:r von uns pausenlos aktiv sein kann.

Doch zu Weihnachten möchte ich noch eine Schicht tiefer graben: Was hält deine Seele am Leben, was ist dein inneres Licht?

Wie die Weihnachtsfilme gehören auch Gospel-Konzerte in die aktuelle Jahreszeit. Neulich bei einem solchen Konzert trat der Chor am Ende von der Bühne und die Sänger:innen umkreisten mit einem Licht in der Hand das Publikum. Alle zusammen sangen wir den Gospel «Shine your Light».

Wow, Hühnerhautmoment!

Ich lass mich hineinziehen in diese schöne, emotionale Stimmung. Das Lied ist mir bekannt (Erinnerungen an überwältigende Konzerte vom Oslo Gospel Choir), ich singe mit und hänge dem Text nach.

Zuerst singen wir: Shine your light in me, Jesus.

Was für ein wohltuender Unterschied zur Aufforderung von Coop und anderen: Nicht ich muss die ganze Zeit leuchten, nett sein, Gutes tun. Da ist einer, der mit seinem Licht mein Innerstes berühren will.

Dann geht’s weiter: Shine your light on me, Jesus.

Mein Leben darf aufgehoben sein in diesem Friedensbringer, denn sein Licht leuchtet auf mein Leben.

Und schliesslich singen wir alle zusammen: Shine your light through me Jesus.

Ja, wir wollen das göttliche Weihnachts-Licht aufnehmen, damit dieses Licht durch uns leuchtet.

Es ist dasselbe Anliegen wie beim erwähnten Weihnachtsfilm und in vielen adventlichen TV-Spots: Bring Licht, Liebe, Wärme, Nettigkeit in diese Welt, weil wir Menschen das brauchen – immer wieder und nicht nur in der kalten, dunkeln Jahreszeit.

Doch einen sehr wesentlichen Unterschied gibt es: Es ist nicht mein eigenes Licht, das die ganze Zeit leuchten muss! Dieses göttliche Kind in der Krippe will auch mich beschenken, mit anzünden, mir sein Licht schenken – damit es durch mich in diese Zeit hineinleuchtet.

Darum nochmals die Frage: Was ist dein inneres Licht?

Glücksaufgabe

An der letzten gms Matinée habe ich darüber gepredigt, wie wir unsere Seele nähren können (die Message kann im Podcast nachgehört werden).

Es war mir wichtig, dass wir aus der Stille heraus agieren. Und zum Schluss habe ich uns alle herausgefordert, das schöne Kartenset von Coop für eine praktische Umsetzung zu nutzen. Ich lud dazu ein, die darin enthaltenen drei Karten wie folgt zu nutzen:

Schreib dir selbst eine Karte, eine an Jesus und die dritte als Ermutigung an einen Mitmenschen.

Passenderweise hat eine dieser Karte bereits die Aufschrift «Mit dir ist jeder Tag wie Weihnachten».

Das ist die Weihnachtsbotschaft: Mit Jesus ist immer Weihnachten. Sein Licht möchte unsere Tage rund ums Jahr erhellen.

Vielleicht liegt bei dir auch noch so ein Kartenset des Grossverteilers herum. Lässt du dich auf diese Aufgabe ein?

Frieden stiften – was heisst das heute?

Mit meinen mennonitischen Wurzeln trage ich einen pazifistischen Kern in mir: Gewalt kann nie die Lösung sein.

Doch spätestens mit Putins gewaltsamen Einmarsch in der Ukraine kamen meine edlen Überzeugungen arg ins Wanken. Und jetzt dieser terroristische Überfall der Hamas auf Israel.

Es ist grausam, was Juden in Israel – aber auch hier bei uns – angetan wird. Mein jüdi­scher Freund aus der Armeeseel­sorge war mit seiner Familie anfangs Oktober in Tel Aviv. Er erzählte, wie die Welt über Nacht eine andere wurde. Zurück in der Schweiz fragten ihn die Kinder nach Raketen und ob es solche hier auch gäbe.

Sein Fazit in den Tagen nach dem terroristischen Überfall: «Der Optimismus ist gegangen, auf die Hoffnung warten wir immer noch.» Leider war die Hoffnung auch nicht grösser, als ich ihn kurz darauf am Jahresrapport der Armeeseelsorge traf: Ziemlich genau sagte er voraus, was jetzt geschehen würde, wenn Israel konsequent zurückschlägt und in den Gazastreifen einzieht.

Und nochmals einige Tage später sah ich meinen Freund in der Tagesschau. Zusammen mit weiteren Mitgliedern der jüdischen Gemeinschaft machte er auf dem Zürcher Bürkliplatz auf die entführten Geiseln des Angriffs der Hamas aufmerksam. Sie bauten dafür einen Schabbat-Tisch mit 240 leeren Stühlen auf.

Was sagen wir unseren Mitmenschen, die in der Ukraine vergewaltigt werden, die in Israel entführt werden, deren Kinder zum Spielball der Gewaltexzesse werden?

Plötzlich finde ich meine pazifistische Grundhaltung, ausgesprochen in einem bequemen Sofa in einer äusserst privilegierten Welt, als blanker Hohn.

«Gewalt kann nie die Lösung sein», was heisst denn das in diesen Situationen, die diese Welt für viele Menschen zur Hölle machen? Heisst eine solche Haltung in der Konsequenz nicht, dass wir den Opfern sagen: «Lasst die Terroristen eure Kinder schlagen, lasst sie eure Frauen vergewaltigen, lasst sie euch alles nehmen …!»?

Aber was geschieht dann, wenn Gewalt mit Gegengewalt beantwortet wird? Wenn dem Grössenwahn Putins manchmal pro Tag 500 Soldaten aus dem eigenen Volk geopfert werden? Und was ist mit den Menschen im Gazastreifen, die sich Frieden wünschten und deren gesamte Lebensgrundlage nun zerstört wird?

Einmal mehr komme ich zum Schluss, dass das Leben viel komplizierter ist und ich mehr Fragen als Antworten habe. Und was würde Jesus in all dem tun? Wie verhalten wir uns jesus­gemäss? Beim Lesen der Losungen brannte sich dies Woche folgender Vers aus den Seligpreisungen in mein Herz: «Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.» (Matthäus 5,9).

Wunderschön! Aber was heisst das in unserer komplizierten, gewaltvollen Welt? Im Kleinen kann ich es erahnen, im Grossen habe ich keine Ahnung.

Glücksaufgabe

Doch ich will an den Jesusworten festhalten: Glückselig sind die, die Frieden stiften.

Was für eine Glücksaufgabe! Hilfst du mit, herauszu­finden, was das hier und jetzt heissen könnte? Im Kleinen können wir ja schon mal für das einstehen, was ich meinem jüdischen Freund geschrieben habe: «Hoffen und beten wir gemeinsam für eine Welt mit mehr Frieden.»

Was feiern wir da eigentlich?

S’gröschte Gschänk vo dr Wiehnacht
liegt nid ungerem Chrischtboum da.
Äs isch nid iipackt i Papier,
kei Bändel und keis Chärtli dra.
Äs het’s niemer gchouft und niemer gmacht.
S’isch gliich s’Gröschte vo dr Wiehnacht,
s’isch gliich s’Gröschte vo dr Wiehnacht.

S’gröschte Gschänk vo dr Wiehnacht
ghört nid öpperem allei.
Äs isch ou nid nur a eim Ort,
äs isch bi aune Lüüt daheim.
Ja, s’gröschte Gschänk het Gott üs gmacht
a dr erschte Wiehnacht,
dr Jesus het är zu üs gla,
dass mir chöi Freud u Friede ha.

Andrew Bond

Gegenwärtig haben Weihnachtsmärkte, Weihnachtsessen, Weihnachtsfeiern und Weihnachtskarten selbstredend wieder Hochkonjunktur.

Die vielen lieben Karten – manchmal kreativ aufwendig, manchmal eher schlicht – die gegenwärtig ins Haus flattern, haben mich zum Nachdenken gebracht: Was wird da eigentlich gefeiert?

Klar, als Theologe sollte ich schon wissen, warum wir eigentlich Weihnachten feiern. Aber mal angenommen, ich hätte kein Vorwissen und bastle mir mein Bild von Weihnachten einfach anhand der Karten, die ich kriege, zusammen – für was steht Weihnachten demnach?

Drei Weihnachtskarten sind besonders aufgefallen und haben Spuren bei mir hinterlassen.

Ungeschminkte Weihnachten

Da wird ein Tannenbaum ohne jeglichen Weihnachtsschmuck gezeigt. Und er steht erst noch in einer grauen Stadt ohne Weihnachtsbeleuchtung.

Passend dazu die Wünsche: ungeschminkte Schönheit, den echten Frieden und die pure Freude für die Festtage.

Message: Weihnacht hat wohl doch weniger mit Glitter, Glanz und Gloria zu tun. Etwas mit Frieden könnte es sein …

Fest der Beziehungen

Eine andere Karte versprach mir den Sinn von Weihnachten mit den Worten:

Wenn uns bewusst wird, dass die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschen nehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden.

Das klingt fantastisch: Liebevolle Beziehungen – wer wünscht sich das nicht? Ein Fest der Liebe und Gemeinschaft – statt billigem Kommerz. Genial!

Wüsste ich es nicht besser, diese Bedeutung von Weihnachten hätte mich überzeugt.

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, einander Zeit zu schenken und selbstverständlich ist das kostbarer als manches Weihnachtspäckli unter dem Weihnachtsbaum.

Der Thron

Die mutigste, kreativste und aussergewöhnlichste Karte habe ich von einem Kongresszentrum erhalten.

Aber das musst du selbst sehen:

Viele Menschen wären gerne Gott, einige benehmen sich auch so, als wären sie Gott.

Das erstaunliche an Weihnachten ist, dass nicht Menschen den Gott-Status erhalten haben, sondern dass der wahre Gott sich aufgemacht hat und Mensch wurde.

Die Umkehrung unserer geheimen Wünsche (wie Gott zu sein) wird an Weihnachten Tatsache: Der Höchste erniedrigt sich selbst.

Die Geburt von Jesus Christus, also die Geburt von Gottes Sohn, bedeutet: Gott wird einer von uns. Gott wird Mensch.

Göttlicher Friede für alle

Wie den Medien zu entnehmen war, hatte eine Schule im Kanton St. Gallen einige Weihnachtslieder aus ihrem Adventsprogramm gestrichen.

Dazu gehört auch das oben angezeigte Lied „s grööschte Gschänk“ von Andrew Bond. Auf die ganze Geschichte mit dem „Liederverbot“ angesprochen, betonte Bond, dass  Weihnachten – wie die ganze Jesus-Botschaft – verbinden will, nicht ausschliessen.

Weihnachten will sagen: Kein Mensch muss alleine bleiben! Jesus ist für alle da, jede und jeder ist eingeladen zum grossen Fest.

Inklusion ist heute ein grosses Wort. Und trotzdem werden Mauern aufgebaut, Grenzen gezogen, Menschen ausgeschlossen, separiert oder höchstens integriert.

Jesus ist gekommen, damit wir Inklusion feiern können, die Hirten zusammen mit den Königen, die Sozialhilfebezüger zusammen mit den CEOs.

Frohe Festtage!

Viel Glück fürs 2019

„Viel Glück!“ – mit diesem Wunsch zum Neujahr oder zum Geburtstag konnte ich bis vor einigen Jahren überhaupt nichts anfangen. Glück hatte für mich damals vor allem mit Glückssymbolen und „glücklichem Zufall“ zu tun.

Mit beidem konnte ich mich bisher nicht anfreunden.

Trotzdem wünsche ich heute gerne „Viel Glück!“. Weil Glück eben eine viel breitere Bedeutung hat und man tatsächlich auch etwas zum eigenen Glück beitragen kann und nicht tatenlos auf irgendwelches Zufallsglück hoffen muss.

Der deutsche Begriff Glück ist verfänglich. Glück wird rasch mit Glückssymbolen wie dem vierblättrigen Kleeblatt oder dem Glücksschwein assoziiert. Oder man denkt an einen persönlichen Glücksbringer. Gemeinsam ist beidem, dass sich der abergläubische Mensch dadurch ein Zufallen des Glücks erhofft. Und das ist ein irreführendes Verständnis von Glück: Glück als Zufallsglück oder auch als Losglück.

Zwar entspricht dies in etwa der ursprünglichen Bedeutung unseres Wortes «Glück», doch im Zusammenhang mit dem persönlichen Streben nach Glück ist es unpassend. Denn wie bereits ein Sprichwort weiß, müssen wir nicht einfach auf den Zufall hoffen, sondern können einen wesentlichen Beitrag zu unserem Glück leisten: «Jeder ist seines Glückes Schmied.»
(aus Glück finden – hier und jetzt)

Glück suchen, Shalom finden

Glück, im Sinn von Lebenszufriedenheit, Sinn und Bedeutung im eigenen Dasein zu empfinden, ist ein universelles, menschliches Bedürfnis. Die NZZ am Sonntag (30.12.18) suggeriert sogar, dass es in der heutigen Zeit der grösste gemeinsame Nenner ist: „Was verbindet die Menschen des digitalen Zeitalters über ihr universales Glücksbedürfnis hinaus?“

Wie wir dieses Bedürfnis stillen, haben wir zu einem grossen Teil selber in den Händen. Glück ist gestaltbar! Es hängt vor allem von unseren Denkweisen und unseren Handlungen ab. Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir unser Glücksniveau steigern können. So beschreibe ich im GlücksBuch beispielsweise 16 Glücksaktivitäten. Dankbarkeit ist dabei der Königsweg.

Noch lieber als „Viel Glück!“ wünsche ich meinen Mitmenschen „Shalom!“. Dieser hebräische Gruss steht für Frieden, meint aber viel mehr als das, woran wir beim deutschen Wort Frieden (Abwesenheit von Konflikt) denken.

Shalom meint das, was wir unter einem ganzheitlichen Glücksbegriff verstehen können: zuFRIEDEN in der Arbeit, zuFRIEDEN in der Liebe sowie zuFRIEDEN in der Gemeinschaft. Und über all dem auch in Frieden mit mir selbst und in Frieden mit dem Universum – für mich heisst das: in Frieden mit Gott, dem Schöpfer allen Lebens.

Glücklich leben, bedeutet für mich versöhnt leben. Versöhnt mit all meinen Lebensbereichen, allem was ich bin, mich ausmacht und mich geprägt hat.

Das ist Glück, das ist Shalom und das ist, wozu uns die Jahreslosung 2019 einlädt:

Suche Frieden und jage ihm nach!
Jahreslosung 2019, die Bibel, Psalm 34,15

Das universelle Bedürfnis nach Glück ist in der Tiefe unserer Seele die Sehnsucht nach Shalom, diesem Ankommen beim eigenen wahren Selbst, bei Gott und bei der Mitwelt. Ganzsein, sich sein, versöhnt sein.

Dieses Glück wünsche ich dir und mir fürs 2019!

Suche es, jage ihm nach!

Und wenn du diesen Shalom erlebst, beschenke die Welt um dich damit!

Glücksaufgabe

Wie gesagt, man kann das Glück und den Shlaom suchen, ihm sogar nachjagen!

Wir alle wollen Glück. Oft bleibt es beim Wollen.

Genau wie bei unseren Neujahrsvorsätzen.

Mach es dieses Jahr anders:
Suche das Glück mit Ausdauer!
Jage ihm sogar nach!

Vergiss nicht: Machen ist wie wollen nur krasser!

 

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