Wenn ein Platz plötzlich leer bleibt

Sie haben es wieder geschafft: Auch dieses Jahr berührt mich ein Weihnachts-Werbeclip von einem Grossverteiler zutiefst in meinem Herzen.

«Finn und sein Papa» – ist es nicht brillant, wie hier in 90 Sekunden das ganze Leben erzählt wird:

Spiel & Freude.
Leben entdecken & von Vorbildern lernen.
Verlieben & eigene Familie gründen.
Herzensmenschen loslassen.

Und dann, völlig unaufdringlich der «Call to action» – nein, nicht der Aufruf bei diesem Grossverteiler einzukaufen (ist natürlich subtil auch Teil vom Clip). Doch was ist der «Call to action», zu was werden wir eingeladen?

«Weihnachten ist, was wir weitergeben.»

Der Clip zeigt, dass es nicht einfach darum geht, Geschenke weiterzugeben. Es geht tiefer: Wir geben Wärme, Liebe, Werte und Traditionen weiter – von einer Generation zur nächsten.

So werden diese 90 Sekunden zu viel mehr als einem süssen Weihnachts-Werbeclip:

Leben ist, was wir weitergeben.
Familie ist, was wir weitergeben.
Freundschaft ist, was wir weitergeben.
Und ja: Glaube ist, was wir weitergeben.

Und zwar geben wir nicht weiter, weil wir beim richtigen Grossverteiler eingekauft haben – wir geben weiter, weil uns das Leben, der Himmel, weil uns Gott selbst, zuerst beschenkt hat. In dieser Krippe im Stall begegnet und beschenkt uns Gott. Das ist Weihnachten.

Eine Stelle im Clip hat mich besonders berührt: Als der Platz vom Papi plötzlich leer geblieben ist.

Viele von uns kennen das: Der Platz von Herzensmensch­en an unserem Tisch bleibt leer. Weil sie von uns gegangen sind, weil sie sich entschieden haben, nicht mit uns zu feiern oder weil sie gesundheitlich oder beruflich verhindert sind.

«Siehe, ich mache alles neu!»

Wenn Plätze am Tisch leer bleiben, ist es gar nicht so einfach, in Feier- und Festtagslaune zu kommen. Wenn unser Leben und die Welt voller Trauer, Klage und Schmerz sind, was gibt es da zu feiern?

Hier hinein spricht Gott durch die Jahreslosung 2026: «Siehe, ich mache alles neu!» (Die Bibel, Offenbarung 21,5).

«Siehe»: Das ist die Einladung, unseren Blick weg vom leeren Platz, weg von Trauer, Not und Schmerz auf ihn zu richten, auf den, der uns aufrichten wird.

Es ist der Blick, der über unser gegenwärtiges Leben und Feiern in die zukünftige Welt ragt. Es wird nicht ver­sprochen, dass jetzt schon alle Tränen getrocknet werden, doch dann wird alles neu – der Schmerz ist vorbei.

Darum ermutige ich trotz den leeren Plätzen an unseren Tischen zu feiern:

Feiert! Feiert freudig und ausgelassen – auch wenn nicht alles gut ist in eurem Leben, wenn Plätze am Tisch leer bleiben, wenn Schmerzen plagen.

Doch: Verdrängt beim Feiern den Schmerz nicht! Integriert den leeren Platz ins Feiern – er gehört zu euch dazu.

So wird unser unperfektes Familien-Weihnachtsfest sowie unser «Leben feiern» nicht nur eine Erinnerung an die erste Weihnacht, als der Himmel diese chaotische und unperfekte Welt besuchte und uns Frieden statt Furcht gebracht hat.

Unser Feiern ist nicht nur ein Erinnern zurück zur Krippe im Stall, zum Gott Mitten in Schwachheit.

Unser Feiern, wenn wir die leeren Plätze und den Schmerz nicht ignorieren, werden auch zu Erinnerungsmomenten an das, was kommen wird, was uns versprochen ist:

«Siehe, ich mache alles neu!»

Die leeren Plätze – Schmerz, Not und Trauer – werden nicht das letzte Wort haben!

Glücksaufgabe

Manchmal bleiben Plätze an unserem Tisch leer.
Und manchmal gibt es Tische, an die sind wir nicht eingeladen.

Weihnachten ist auch die Erinnerung, dass es bei Gott anders ist: An seinem Tisch sind wir alle erwünscht und willkommen!

Wie schon Peter Reber singt (Fröi di), gibt es bei diesem Fest keine exklusive Gästeliste – weil alle eingeladen sind.

Ich wünsche dir gesegnete Weihnachten und schon jetzt alles gute fürs kommende Jahr! Welchen Gedanken aus diesem Artikel willst du mitnehmen für die kommenden Festtage und das neue Jahr?

Basis von diesem Artikel ist meine Predigt vom vierten Advent, welche du hier nachhören kannst:

Päpu, du fehlst!

Hier im GlücksBlog blieb es in den letzten Wochen still. Aus Gründen … Zuerst wurde uns in Köln feierlich der Verkündigungspreis überreicht, danach gings fast direkt weiter an die Jährliche Konferenz unserer Kirche und pünktlich auf das letzte vollgepackte Wochenende verschlechterte sich der Gesundheitszustand meines erkrankten Vaters massiv.

Fünf Tage später wurde er von seinen Leiden erlöst – er konnte seinem Wunsch entsprechend friedlich daheim einschlafen. Ihn gehen zu lassen war sehr schön und sehr schmerzhaft, sehr heilig und sehr traurig – du hast noch einmal die Augen geöffnet, uns ein Lächeln geschenkt und dich auf die ewige Reise gemacht.

Zwei Wochen ist es jetzt her. Das grosse Wunder blieb aus, viele kleine durften wir erleben. Ich bin tieftraurig und enorm dankbar. Dein Leben hat Spuren hinterlassen – davon zeugen dutzende persönliche Erinnerungen in den vielen Trauerkarten, die uns erreichen.

Die vielleicht stärksten Spuren hast du in meinem Leben hinterlassen, Päpu.
Und du fehlst mir!

Mir wird dein Stolz auf mich fehlen

Du hast nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass du stolz auf mich warst. Als Jugendlicher, der wohl besonders fromm sein wollte, hatte ich dir mal gesagt, du sollst nicht stolz auf mich sein. Stolz sei nicht so gut, stehe doch schon in der Bibel.

Ach Mensch, so kann man die Bibel auch verdrehen. Wie wichtig und prägend war es doch, einen Vater zu haben, der stolz auf mich war – selbst, wenn ich als Letzter beim Bächlilauf ins Ziel hechelte. Und du hast es mir auch gesagt und gezeigt.

Päpu, ich danke dir dafür, dass du stolz auf mich warst!

(Eltern, seid nicht nur heimlich stolz auf eure Kinder! Lasst es sie spüren! Es wird eure Kinder zum Fliegen bringen.)

Mir werden die gemeinsamen Stunden fehlen

Was für ein Geschenk, dass wir (m)ein Leben lang höchstens ein Haus voneinander entfernt wohnten. Du hast meine Kinder glücklich gemacht und mir und meiner Frau damit ermöglicht, unsere Berufung zu leben.

Und durch die Nähe durften wir unkompliziert viele Stunden spontan oder geplant miteinander verbringen: Ein leckeres Essen bei dir (euch) auf der Terrasse, ein Glas Rotwein bei uns im Garten.

Noch im Frühling vor einem Jahr haben wir wunderschöne Skitage gemeinsam erlebt. Du warst fit, wir genossen den Neuschnee, die Sonne, das Tempo … Nichts deutete darauf hin, dass dein Körper schon bald zerfallen würde.

Päpu, ich danke dir für die gemeinsamen Stunden und dass du grosszügig mit mir geteilt hast, was dir anvertraut wurde.

Mir wird dein Glaube an mich fehlen

Auch wenn du meine Pläne und Entscheidungen nicht immer nachvollziehen konntest, du hast stets an mich geglaubt.

Als ich dir von meiner Berufung in den kirchlichen Dienst erzählte, hattest du zu schlucken. Nicht, weil das «kein richtiger Beruf» wäre, sondern weil du wusstest, dass dies kein leichter Weg sein wird.

Trotzdem hast du immer an mich geglaubt. Du versuchtest nicht, mich von meinem Weg abzuhalten.

Päpu, ich danke dir für diesen Glauben an mich. Dein Vertrauen hat mich zum Fliegen gebracht!

Mir wird dein Mittragen fehlen

Jemand hat es sehr treffen geschrieben: «Oft habe ich miterlebt, wie Willy zwar still und doch ganz hingegeben mitgetragen hat.»

Ja, das warst du! Nicht der Bühnenmensch – das hast du deinen Söhnen überlassen. Doch du warst der stille (Lasten)Träger. Unzählige Stühle gerichtet, Kaffees angeboten, viel Zeit & Geld gespendet, viele Menschen mit ermutigenden Worten beschenkt und nur du und Gott wissen, wie viele Gebete du für deine Familie und ihre Projekte gesprochen hast.

Päpu, ich danke dir für alles Mittragen. Ohne dich wäre vieles nicht möglich gewesen.

Nicht alles wird mir fehlen

Bevor ihr denkt, ich will hier meinen Päpu heiligsprechen, sei auch das noch gesagt: Daddy, ich vermisse dich sehr und ich habe dich enorm geliebt, aber es gibt da auch Dinge, die ich nicht vermissen werde. Und ich glaube, auch du bist froh, dass du diesen Anteil deiner Persönlichkeit nun hinter dir lassen konntest.

Noch im Schluchzen am Totenbett fragte ich: «Und wer wird jetzt reklamieren?». Ja, du hattest immer mal wieder etwas zu nörgeln. Bestimmt hattest du auch das gut gemeint, doch dein schon bald 50jähriger Sohn muss nicht daran erinnert werden, dass er übergewichtig ist, zum Beispiel.

Päpu, es gab auch immer wieder dunkle Tage in deinem Leben, wo sich deine kleine und die grosse weite Welt schwer für dich anfühlte. Als Perfektionist hast du vielleicht noch mehr als wir anderen an der Unvollkommenheit dieser Welt und der Menschen darauf gelitten.

Wie schön, dass du diesen Schatten nun für immer hinter dir lassen und ins vollkommene Licht fliegen durftest.

Päpu, ich liebe und vermisse dich!
Adieu, mein herzensguter Papi!