Gott, der Anti-Abzocker

Heute Morgen beschäftigte ich mich mit einer dieser Geschichten, die Jesus erzählte, um Gottes Wesen und seine „Spielregeln“ zu erklären. Es ist die Geschichte der Arbeiter im Weinberg. Irgendwie eine komische Geschichte…

1 „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb. 2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. 3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. 4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. 5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. 6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: ‚Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?‘ 7 ‚Uns wollte niemand haben‘, antworteten sie. ‚Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!‘, forderte er sie auf. 8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: ‚Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!‘ 9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. 10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. 11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 12 ‚Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!‘ 13 ‚Mein Freund‘, entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, ‚dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. 15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?‘ (Die Bibel, Matthäus 20,1-15)

Drei Dinge fallen mir auf:

  1. Gott ist für die Arbeit: Er will, dass wir uns engagieren können und nicht „untätig herumstehen“ müssen. Jeder braucht Möglichkeiten, sich einbringen zu können.
  2. Gott schenkt uns (Be)Achtung und Wert: Selbst wer von allen andern nicht beachtet wird (‚Uns wollte niemand haben‘), erhält bei ihm eine Aufgabe, wird integriert.
  3. Gott führt seine Unternehmung nach dem Prinzip der „LeistungsUNabhängigen-Lohnbestandteile“. Mit anderen Worten: Gott gibt uns nicht nach unserer Leistung sondern beschenkt die Menschen nach seinem grosszügigen Herzen.

Was für ein Chef… Der Anti-Abzocker: Die Leute werden nicht ausgebeutet, werden nicht zum sinnlosen untätigen Herumstehen verdammt, bekommen durch Beachtung neue Achtung vor sich selbst und sind weit mehr als ein „Kostenfaktor“.

Fragt sich, wie wir unsere Mitmenschen und Mitarbeiter behandeln: Sehe ich im Mitmenschen nur einen „Nutzen-Kosten-Faktor“ (Was bringt es mir, wenn ich mich um diese Person kümmere? Was nützt mir diese Freundschaft?) oder ein gleichwertiges Gegenüber, das sich genaso (Be)Achtung wünscht und verdient, wie ich?

Ist Gott ungerecht, wenn er alle gleich grosszügig beschenkt – unabhängig der Leistung? Gott, der Anti-Abzocker: Er kann nicht anders, als alle grosszügig zu beschenken, die sich seiner „Unternehmung“ anschliessen.

Hopp Stef!

„Man muß mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten, sie achten und motivieren. Dauerhafter Erfolg ist nur im Team möglich. „
Klaus Steilmann (*1929), Geschäftsführer Steilmann GmbH & Co. KG, Bochum-Wattenscheid

Eine kleine Lektion aus dem „1×1 der Motivation“ hab ich letzten Samstag hautnah selbst erlebt: Ich rannte, nein, ich rollte, am Sponsorenlauf der sozial-diakonischen Kinder- + Familienanimation Happy Kids für einen guten Zweck. 12- 15 Runden schienen mir realistisch, mein persönliches Ziel waren 18, geschafft hab ich dann 19 Runden.
Doch bis es soweit war, floss einiges an Schweiss und mein Kampfwille wurde arg auf die Probe gestellt. Ich fühlte mich schon ziemlich leer, als es bei der Start/Ziel-Durchquerung hiess: „7 Runden“. In meinen Gedanken sah ich schon, wie sich meine Zielvorstellung verabschiedete und ich ausgepumpt knapp mal 10-12 Runden schaffen würde.
Irgendwie biss ich mich durch und es kamen bessere Runden. Nun entdeckte ich, was mich von Runde zu Runde weiterbringt: Die vielen persönlichen „Hopp“-Rufe am Streckenrand. Es war nicht so ein allgemeines „Hopp, Hopp“. Es war Ermutigung pur für mich persönlich: „Stef, du schaffst das!“, „Bies no chli, Stef!“ oder „Du machst das super. Weiter so, Stef!“.
Wow, das war eine starke Lektion für mich. An meinem eigenen Leib hab ich erlebt, was ich selbst schon oft gepredigt habe: Ermutigung tut unheimlich gut! Einander zu motivieren, sich gegenseitig anzufeuern – das ist ein Schlüssel für Teamwork und letztlich auch ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Mit den richtigen Leuten und dem gegenseitigen Motivieren ist vieles möglich. Entdecken wir neu die Kraft der Ermutigung – und nutzen wir sie doch öfters, nicht nur bei Sponsorenläufen…