Kaká bei uns im Wohnzimmer

Neulich war Kaká bei uns zu Besuch und er hat uns einige spannende Leadership-Einsichten weitergegeben.

Leider war er nur via Kongress-Livestream bei uns zu Gast – aber immerhin. Er war Teil eines hochkarätigen Speaker-Line-Ups des diesjährigen (digitalen) Global Leadership Summits (GLS).

In normalen Zeiten darf ich diesen Weltklasse-Leadership-Kongress vor Ort in Chicago miterleben – auch das fiel leider Corona zum Opfer.

Zusammen als Familie verfolgten wir nun also den diesjährigen Summit gemütlich im Sofa. Als wir letztes Jahr gemeinsam in Chicago waren und Kaká für dieses Jahr als Referent angesagt wurde, war mein fussballbegeisterter Sohn Feuer und Flamme: „Ich komme nächstes Jahr wieder!“.

Gespannt erwarteten wir jetzt, was uns der ehemalige brasilianische Fussballspieler, Weltmeister und Champions League Sieger und FIFA-Weltfussballer des Jahres zum Thema Leadership zu sagen hat.

Ehrlicherweise erwartete ich vor allem einige Fussball-Anekdoten, einen unterhaltsamen Talk mit einem Weltstar.

Unterhaltsam war es – aber nicht nur. Es war sehr interessant, wie Kaká seine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Trainern in Leadership-Lektionen umwandelte. Er konnte seine Coaches sehr konkret in zwei Kategorien einteilen: Entweder dominierte der Führungsstil „Leadership of Fear“ oder aber er beherrschte die Kunst von „Leadership of Love“.

Der dröhnende Gong

Bei „Leadership of Fear“, als Führung durch Angst, kommt mir der Einstieg vom Hohelied der Liebe in den Sinn (Die Bibel, 1. Korinther 13,1):

Wenn ich in den unterschiedlichsten Sprachen der Welt, ja, sogar in der Sprache der Engel reden kann, aber ich habe keine Liebe, so bin ich nur wie ein dröhnender Gong oder ein lärmendes Becken.

Für mich ist das die Anti-Vision meines Lebens und somit auch meine Anti-Vision meiner Führungsaufgaben: Wenn ich in meinem Leben, Arbeiten und Führen keine Liebe habe, bin ich nur ein dröhnender Gong.

Wenn ich wunderbare Reden schwingen kann, die beste Strategie erarbeite und in grossartiger Effizienz meine Arbeit erledige, aber lieblos mit meinen Mitmenschen  und den mir anvertrauten Ressourcen umgehe, bin ich nichts mehr als ein dröhnender Gong.

Was macht der dröhnende Gong? Er schmerzt in Ohr und Herz. Mitmenschen werden verletzt und die Chance ist gross, dass hier ein „Leadership of Fear“ herrscht. Ein vergiftetes Klima, geprägt von Angst. Menschen sind verunsichert, schauen für sich selbst und sind ausser Stande, ihre beste Leistung abzurufen.

Dass dabei auch Freude und Leidenschaft auf der Strecke bleiben, versteht sich von selbst.

Aufblühen auf der Ersatzbank

Wie anders das vorherrschende Klima unter einer Führungskraft, die „Leadership of Love“ lebt. Aus eigener Erfahrung erzählte Kaká vom Teamgeist unter einem solchen Trainer, der es verstand, jedem Mitspieler Wertschätzung entgegenzubringen.

In den Top-Fussballteams ist jeder Mitspieler auch ein Konkurrent. In einem solchen Umfeld braucht es als Trainer besonders viel Fingerspitzengefühl. Kaká erzählte von einem solchen Coach, der es verstand, seinen topbezahlten Spielern so viel Teamgeist zu vermitteln, dass er dem Einzelnen auch die Rolle des Ersatzspielers mit Wertschätzung nahe bringen konnte.

Eindrücklich wie auch im knallharten Fussball-Business Menschen in einer Kultur von „Leadership of Love“ aufblühen und auf der anderen Seite in einem Klima von „Leadership of Fear“ ihre Leistung nicht abrufen können und das ganze Team vergiftet wird.

Egal wo: Menschen lieben es, wenn sie Liebe erfahren. Wertschätzung bringt uns alle zum Aufblühen.

Glücksaufgabe

Hast du schon „Leadership of Love“ erlebt? Wie hast du eine solche Führungskraft erlebt?

Und wo entdeckst du die dröhnenden Gongs? Was kannst du unternehmen, dass du selbst kein solcher liebloser Gong bis?

Hattest du einen erholsamen Urlaub?

Was für ein Sommer?!

Irgendwie genoss ich die Ferien zu Hause, viele Stunden in unserem Garten, zwei schöne Ausflüge ins Berner Oberland, Zeit für gute Begegnungen … – und viel Sonne tanken.

Irgendwie genoss ich den Sommer 2020 aber auch nicht so recht: Obwohl ich Ferien hatte und viel Zeit zum Relaxen vorhanden war – ich konnte nicht recht Abstand nehmen. Abstand vom Alltag und vor allem Abstand von Corona, das wollte nicht recht gelingen.

Wir sind alle auf irgendeine Art von der Coronakrise betroffen. So beschäftigen auch mich die Corona-Fragen in all meinen Tätigkeitsbereichen: „Kann die Schule nach den Sommerferien wie geplant starten?“, „Was tun wir mit der geplanten Tageskonferenz?“ und: „In welcher Form können wir unsere Aktivitäten bei gms/Happy Kids wieder durchführen?“.

Zu viele Fragen für einen entspannten Sommer. Doch auch der tägliche Blick auf die Fallzahlen oder das Verfolgen des Dauerkrimis in den USA brachten einem da kaum weiter.

Steckten wir im März alle in einem Schockzustand, wo die Anweisungen klar waren: „Bleiben Sie zu Hause!“, so lässt sich mein – und wohl auch das allgemeine – Gefühl derzeit am besten mit der Ohnmacht umschreiben.

Was darf man jetzt?
Wie entwickelt sich die Lage in den nächsten Monaten?
Was ist sinnvoll?

Im Frühling war vieles klar – auch wenn wir diese Situation natürlich nicht gerne hatten und viele auch Angst hatten. Doch ich fühlte mich handlungsfähig: Wir fanden Wege, um der Situation kreativ zu begegnen.

Jetzt ist so vieles unklar – und darin fühle ich mich ohnmächtig und unsicher. Dazu kommt noch die Corona-Müdigkeit: Der Lockdown setzte kreative Energie frei (was sich bei uns im Projekt #stayhappy zeigte), jetzt ist vieles wieder normal und doch ist alles anders – das macht mich müde.

Macht und Ohnmacht

In den letzten Tagen kam mir ein gms Brunch in den Sinn, den wir im Mai 2002 durchführten. In Anlehnung an die Expo.02 Arteplage in Biel (Macht und Freiheit) beschäftigten wir uns mit dem gestalterischen Gefühl der Macht und der lähmenden Ohnmacht.

Macht wird in unserer Zeit häufig fast nur noch negativ gesehen: Im Grunde denken wir bei Macht vor allem an Machtmissbrauch. Machthaber, die andere Menschen ausbeuten.

Und so denken wir: Die Macht (des anderen) schränkt unsere Freiheit ein.

Es kann auch anders gehen. Bleiben wir bei der Coronakrise: Als der Bundesrat im März seine Macht nutzte, führte er klar und wir konnten uns orientieren. Natürlich war unsere Freiheit stark eingeschränkt, aber mein Handlungsspielraum war klar und das gab mir innerlich eine Freiheit.

File:Expo02-ArtplageBiel-Türme-Nacht.jpg - Wikimedia Commons

Dann geht es vor allem um die Macht in unseren Händen: Macht ist da doch viel besser als Ohnmacht! Macht heisst, ich kann Dinge beeinflussen, habe Gestaltungsraum, bin nicht einfach ein Opfer von irgendwas, sondern kann mein Leben gestalten.

Beim gms Brunch im Mai 2002 hab ich gefragt: Auf welchem Stuhl sitzt du gerade? Dem Macht-Stuhl oder dem Ohnmacht-Stuhl?

Es ist ein Spannungsfeld zwischen Macht und Ohnmacht. Und ich vermute, so lange wir beides immer wieder fühlen, hier die Macht, etwas bewegen und gestalten zu können, da die Ohnmacht, kaum Handlungsspielraum zu sehen, bewahren wir uns auch eine gesunde Balance: Als Menschen, die demütig ihren Einfluss ausüben ohne die anvertraute Macht zu Ungunsten von anderen einzusetzen.

Glücksaufgabe

Wir brauchen Macht im Sinne von Handlungsoptionen damit wir unser Glück gestalten können. Eine Prise Ohnmacht ist aber bestimmt auch ganz gut, damit wir nicht auf die abstruse Idee kommen, alles kontrollieren zu können.

Glück heisst dann: Ich entdecke in aller Ohnmacht, welche Teile des Lebens ich gestalten kann ohne mich von dem lähmen zu lassen, was unsicher ist und ich nicht beeinflussen kann.

Ich bleibe ein Lernender. Vielleicht schliesst du dich mir an und wir lernen gemeinsam.

Willkommen im Lockdown-Alltag

Diese Tage zeigen in aller Deutlichkeit: Wir leben in einer sehr verletzlichen Welt. Was sich vor einigen Wochen kaum jemand hätte vorstellen können, ist heute Tatsache und das gesellschaftliche Leben steht still.

Wie geht es dir dabei?

Ich meine, tief in deinem Innern.

Nach dem allgemeinen Chaos und der teils surrealen Hektik der ersten Lockdown-Tagen ist inzwischen vielerorts sowas wie „Ausnahmezustand-Alltag“ eingekehrt.

Reagierte anfangs jeder auf seine eigene Art reflexartig  auf die Krise („Wo gibt es WC-Papier??“ oder  „Ach was, das ist alles halb so schlimm. Ich bleib doch sicher nicht zuhause!“),  stellen sich nach den ersten Wochen Lockdown grundsätzlichere Fragen:

Wie organisiere ich einen gewissen Alltag in diesem abnormalen Zustand?

Drei Wochen Fernunterricht war ja noch einigermassen lustig, aber wie schaff ich das die nächsten X Wochen?

HomeOffice – das geht, ich bin effizienter als im Grossraumbüro und die Video-Konferenzen bringen mal etwas Abwechslung in den sonst ewiggleichen Büroalltag. Doch: Wie ist es mit den nicht zu unterschätzenden emotionalen Beziehungen im Team? Was, wenn das „ungute Bauchgefühl“ nicht im persönlichen Kontakt ausdiskutiert werden kann? Ich vermute, dass da bei allen technischen Möglichkeiten nichts die persönliche Begegnung wirklich ersetzen kann.

Und wie finden alle die Familien, die nun so überhaupt nicht entschleunigen können (Wer hat sich diesen Witz ausgedacht? 4 Zimmer Wohnung, 2 Notebooks, 3 Kinder, die sich um Zimmer und Computer streiten, ein Vater, dessen Omnipräsenz zuhause nicht gerade zur Deeskalation beiträgt und eine Mutter die im Dreieck springt – wer kann da entschleunigen und mal in aller Ruhe ein gutes Buch lesen?!?!), zu einem Familienalltag, der mindestens gleichviel Lust- wie Frustmomente enthält?

Wie gelingt es mir, in dieser Zeit abzuschalten?

Während meine Tage gar nicht so viel anders sind als sonst, spüre ich abends einen massiven Unterschied: Vor Corona waren, bedingt durch meine diversen Mandate, fast alle Abende mit Sitzungen oder Anlässen besetzt. Und wenn ich mal zuhause war, dann hatte bestimmt meine Frau einen Kurs oder eines unserer Kinder war im Training oder Ausgang …

Jetzt sind wir jeden Abend alle vier daheim. Wie schön! Endlich zusammen Abendessen geniessen, lachen beim gemeinsamen Spielabend, Familien-Jahrbuch der letzten zwei (oder waren es drei) Jahren nachführen.

In der perfekten Familie ist das so. Wir sind keine perfekte Familie. 12 Minuten gemeinsam essen, dann gehen die Kids in die selbst gewählte Zimmerisolation während sich Frau und Mann aufs Sofa knallen und einmal mehr die Tagesschau reinziehen.

Naja, wir haben mindestens noch Entwicklungspotenzial und so wie es derzeit ausschaut, geht das Übungsfeld ja noch eine Weile weiter.

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Es gibt sie durchaus auch bei uns – wie bei dir sicher auch! – die schönen Momente, wo wir uns am Zusammensein freuen, als Familie oder als Paar. Aber sie sind manchmal ganz kurz und darum muss man sie bewusst sehen wollen und dankbar sein für die Zweisamkeit beim schönen Film oder die Gemeinschaft als Familie beim Pizzaabend.

Was macht die Krise mit meiner Seele?

Es ist offensichtlich: Abschalten gelingt nicht automatisch.  Ich merke, dass ich gerade noch mehr als sonst für meine wöchentlichen „Stillen Stunden“ (Tagebuchschreiben, reflektieren, lesen, beten) kämpfen muss als sonst.

Und jetzt noch eine Stufe tiefer: Was macht das Ganze eigentlich mit meinem Bild von der Menschheit, von der Welt und von Gott?

Die Krise ist auch eine Einladung, uns dieser Verletzlichkeit der Gesellschaft, aber auch der Verletzlichkeit des Selbst zu stellen.

Was bleibt in meiner Seele übrig, wenn mir der normale Alltag genommen wird? Wo offenbaren sich Sinn und Unsinn in meinem Leben?

Und wo verändert sich durch die Krise sogar mein Gottesbild? Was macht Corona mit meiner Gottesbeziehung?

Sich der Sinnfrage zu stellen, ist ein wichtiger Pfeiler vom persönlichen Glück. Vielleicht ist die Krise trotz allen Herausforderungen vor allem eines: Eine Einladung an uns, der Sinnfrage Raum zu geben.

Glücksaufgabe

Sinnhaftigkeit und eine gelebte Spiritualität sind wichtige Pfeiler für ein glückliches, erfülltes Leben. Oder in der Sprache des GlückBuchs: Die Spiritualität ist der Wind im Windrad.

Vielleicht ist die kommende Osterwoche ja eine gute Möglichkeit, sich bewusst in diesen Wind zu stellen. Hilfestellungen dazu gibt es viele, eine könnte beispielsweise der Artikel Glück über mich hinaus sein.

Mit Liebe zum Erfolg

Gestern war ich zu einem Anlass mit dem Titel „Leistung im Fokus“ eingeladen. Leider schaffte ich es nicht, mein Büro frühzeitig zu verlassen, um an dieser Veranstaltung am späten Nachmittag teilzunehmen.

Nun lese ich in der Tageszeitung von dieser Fachtagung und erhalte dank dem Artikel doch noch einige gute Impulse zu diesem spannenden Thema.

Zum Beispiel diese:

Es gibt Leistung ohne Erfolg, aber keinen Erfolg ohne Leistung.

Nichts Neues, könnte man einwenden.

Und doch: Wie oft machen wir die Erfolgreichen zu den Helden und denken insgeheim, die hätten halt mehr geleistet und alles richtig gemacht?

Es gibt übrigens auch noch die religiöse Variante von diesem falschen Denkansatz: Der Erfolgreiche hat halt mehr geglaubt, darum wurden seine Gebete erhört, ist seine Organisation „durch die Decke gegangen“ …

Ja, wir können eine ganze Menge zu unserem persönlichen Glück beitragen. Und auch dem (Miss)Erfolg sind wir nicht einfach machtlos ausgeliefert.

Bezüglich dem Glück muss ich anfügen, dass es auch darum geht, sich mit seinem Scheitern  zu versöhnen und trotz Misserfolg Wege zu finden, persönliches Glück zu erfahren.

Beim Erfolg ist es so, wie Chrstine Beerli an besagter Veranstaltung ausführte: „Leistung ist nicht mit Erfolg gleichzusetzen.“ Und könne daher kaum gemessen werden.

Denn: „Leistung beginnt dort, wo man über sich hinauswächst, seine Komfortzone verlässt.“ Und das sieht beispielsweise am Lauberhorn bei Beat Feuz ganz anders aus als bei mir.

Wenn ich meine Komfortzone verlasse, werde ich trotzdem nicht Lauberhornsieger. Feuz hingegen hat genau dies nicht zum ersten Mal geschafft.

Erfolg ist also von vielen weiteren Faktoren abhängig. Bloss die Leistung reicht nicht. Das Umfeld muss stimmen, die Zeit muss reif sein und ganz oft spielt auch das Zufallsglück (oder je nach Überzeugung die göttliche Fügung) eine nicht unwesentliche Rolle: Wer zum richtigen Zeitpunkt, mit der richtigen Idee, am richtigen Ort, die richtigen Leute kennen lernt, – der kann richtig Erfolg haben …

Gemeinsam zu grösserer Leistung und mehr Erfolg

In Zusammenhang mit Erfolg und Leistung fasziniert mich immer wieder die Teamkurve und die Frage, wie wir vom potentiellen zum echten Team und schliesslich  zum „Hochleistungsteam“ kommen.

Der Unterschied vom guten Team zum „Dreamteam“ liegt nicht etwa im Einsatz von neuster Technologie oder höchsten Bonuszahlungen. Es ist viel simpler und doch so komplizierter: Der Unterschied liegt im Umgang der Teammitglieder untereinander.

Man könnte auch sagen: Nicht Technologie, nicht Finanzen und auch nicht die trendy Arbeitsumgebung zeichnen ein Hochleistungsteam aus, sondern die Liebe.

Natürlich wäre es falsch, alles auf diesen Softfaktor abzustützen. Um überhaupt zu einem guten, arbeitsfähigen Team zu kommen, brauchen wir Technologie, Finanzen, gute Arbeitsumgebung und geklärte Rollen.

Doch der letzte Schritt zu mehr Leistung und Teamerfolg erreichen wir tatsächlich durch mehr Liebe am Arbeitsplatz.

An der gestrigen Fachtagung nannte es Matthias Mölleney (HWZ) mit Blick auf eine Untersuchung bei Google die psychologische Sicherheit.

Wenn ich mich im Team nicht sicher fühle, werde ich nicht meine beste Leistung abrufen können, werde nicht offen meine Gedanken mitteilen und so bleiben wir als Team hinter unseren Möglichkeiten.

Wenn man aber sagen kann, was einem auf der Zunge liegt, weil man im Team respektiert und geschätzt wird, dann ist die psychologische Sicherheit hoch und dann ist die Leistung hoch.

Respekt, Wertschätzung, Liebe – das macht nicht nur unser Miteinander einfacher, das führt auch zu besseren Leistungen als Team. Genau darum habe ich gestern lieber in unser Miteinander als Team investiert, als früher Büroschluss zu machen.

Glücksaufgabe

Fühlst du dich psychisch sicher in deinem Team, an deinem Arbeitsplatz? Gerade gestern hörte ich wieder so eine Geschichte, wie ein Mitarbeiter zum Spielball der Geschäftsleitung gemacht wird. Was nicht sein darf, gibt es leider immer noch viel zu oft.

Was kannst du selbst tun, damit das Teamklima von mehr Respekt, Wertschätzung und Liebe geprägt wird?

Ist Mitarbeitermotivation wirklich Chefsache?

Kennst du dieses bedrückende, viel zu lange Schweigen in einer Teamsitzung wenn gefragt wird: „Wer übernimmt diese Aufgabe?“?

Es ist so ähnlich, wie wenn an einem Comedy-Event Freiwillige gesucht werden – alle, bis auf diese eine Rampensau, die sich gerne auf jeder Showbühne sieht – blicken unauffällig zu Boden oder müssen gerade jetzt dringend aufs WC.

Heute ist Internationaler Tag der Freiwilligen. Ohne sie würde ganz viel still stehen in unserer Gesellschaft. Selbst wenn immer mehr Aufgaben, die früher durch freiwillig Mitarbeitende ausgeführt wurden, professionalisiert werden – es bleibt dabei: Unsere Gesellschaft mit einem vielfältigen Vereinswesen und einem weitreichenden Milizsystem lebt vom freiwilligen Engagement.

Wie aber motiviert man diese Freiwilligen? Oder auch unsere angestellten Mitarbeitenden?

Kürzlich war ich auf dem Health LeaderSHIP auf dem Bielersee, wo ich einen Teil des World Cafés moderieren durfte. Bei unserem Gespräch ging es genau um diese Frage der Motivation.

Ein Beitrag war sehr spannend: Ist es wirklich meine Aufgabe als Chef meine Mitarbeitenden zu motivieren? Darf ich nicht von ihnen erwarten, dass sie bereits motiviert zur Arbeit erscheinen?

Es ist überhaupt nicht so, dass dieser Chef sich vor seiner Verantwortung drücken wollte. Im Gegenteil: Er tut schon sehr viel, um ein motivierendes Umfeld für seine Mitarbeitenden zu schaffen.

Und genau da liegt sein Punkt: Ich kann meine Mitarbeitenden gar nicht wirklich motivieren – das wäre ja eine Art „Menschen antreiben“. Was aber meine Aufgabe ist, hat damit zu tun, Raum zu schaffen, damit meine Mitarbeitenden ihre Grundmotivation ausleben können.

Anders gesagt: Als Führungsverantwortliche sollten wir vor allem dafür sorgen, dass wir nicht etwa das Feuer, das in den Menschen brennt zum Erlöschen bringen, sondern sie darin unterstützen, dass sich dieses Feuer, diese Energie, weiterentwickeln kann.

Und da sprechen wir dann gerne vom Unterschied der intrinsischen und extrinsischen Motivation: Wirklich nachhaltig motiviert sind wir nur, wenn es von innen kommt, wenn wir Ziele verfolgen, die unsere persönliche Ziele sind.

Motivation von aussen hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Aus der Glücksforschung wissen wir, dass materielle Anreize ihren Reiz ziemlich schnell verlieren.

Motivierte Leute im Bus

Jim Collins hat in seinem Bestseller Der Weg zu den Besten eine bemerkenswerte Feststellung gemacht. Er selbst war über dieses Resultat seiner Forschung überrascht: Oft spricht man davon, wie wichtig eine grossartige Vision ist.

Mit einer solchen leuchtenden Vision trommeln wir dann Leute zusammen, die von diesem Feuer, das bereits in uns brennt, angezündet werden sollen.

Collins Studien zeigten aber: Wichtiger ist, zuerst die richtigen Leute „im Bus“ zu haben und zusammen mit ihnen die Richtung festzulegen.

Diese „Reisegruppen“, in der man einfach gerne zusammen ist, gerne zusammen Projekte stemmt und die Zusammenarbeit für alle eine Inspiration ist, kann dann nötigenfalls sogar Kurskorrekturen vornehmen – man ist zusammen, weil man zusammen unterwegs sein will. Und nicht bloss weil einer eine Vision hatte, der man sich angeschlossen hat.

Eine grossartige Vision ohne grossartige Mitarbeiter ist belanglos.
Jim Collins

Und da ist er wieder, dieser Ansatz der Motivation: Wenn ich Leute für eine Vision motivieren muss, hat das etwas Aufgesetztes. Doch wenn Leute zusammen unterwegs sind, die sowieso schon motiviert sind, habe ich als Führungsperson eine ganz andere Aufgabe: Ich unterstütze meine freiwilligen oder angestellten Mitarbeitenden darin, das zum Leuchten zu bringen, was sowieso schon in ihnen brennt.

Gegenwärtig darf ich mit grosser Freude erleben, wie anders Teamsitzungen sind, bei denen sich Mitarbeitende sofort freudig freiwillig melden, um Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Kein beklemmendes Schweigen, sondern ein hoher Energielevel: Ja, das wollen wir. Lass es uns gemeinsam anpacken!

Glücksaufgabe

Kennst du deine persönliche intrinsische Motivation? Was ist deine Passion, das was dich beflügelt und du gerne tust – auch ohne Chef, der dich zu motivieren versucht?

Und wie könntest du das innere Feuer der Menschen in deinem Umfeld entdecken?

Veranstaltungs-Tipp: Der Leitungskongress mit Top-Speakern im Bereich Leadership, Ende Februar 2020 in Karlsruhe.

Gib nid uf!

Ich war noch nicht mal 20 Jahre alt, als ich erstmals ein Konzert organisierte. Damals hiess das, dass meine Eltern noch für die Verträge hafteten, die ich unterzeichnete … Und mein kleiner Bruder durfte in der extra für diesen Abend zusammengestellten Vorband als Schlagzeuger den Takt angeben.

Nun, es kam alles gut – weder ich noch meine Eltern wurden verhaftet und mein Bruder hat die „Macht des Drummers“ nicht missbraucht …

Inzwischen organisiere ich keine Konzerte mehr. Doch im Grunde war dieses eine Konzert der Startschuss in ein Abenteuer, das mich bis heute tagein, tagaus beschäftigt.

Vieles hat sich verändert – andere Leute sind mit mir unterwegs, Organisationen sind gekommen und gegangenen, Form und Stil haben sich (zum Glück!) immer wieder weiterentwickelt, die Locations sind andere geworden, Schwerpunkte und Aktivitäten wurden den Gegebenheiten angepasst.

Aber zwei Dinge sind über all die Jahre geblieben: Ich kann im Ausleben meiner Berufung und im Gestalten meiner Träume immer noch auf die Unterstützung meiner Familie zählen.

Und: Die Motivation hinter diesen Aktivitäten ist immer noch dieselbe. Es ging mir damals und geht mir heute darum, Menschen in meinem Umfeld, in unseren Dörfern, einen neuen, frischen Zugang zu Gottes Liebe zu ermöglichen.

Das war auch der Antrieb, als wir heute vor 20 Jahren am Reformationssonntag unter dem Motto „Ein Traum wird wahr!“ zum ersten gms Brunch in die MZH Studen eingeladen hatten.

Wir wollten eine etwas andere Kirche ins Leben rufen. Eine Kirche sollte es sein, in der jede und jeder seinen Platz finden kann, unabhängig davon, ob er sich selbst als „guten Christen“ als Zweifler, Gottsucher oder gar als Atheist sah. Hauptsache: Wir sind offen, Neues zu entdecken und uns vielleicht gerade von diesem Gott überraschen zu lassen.

Überraschungen auf dem Weg

Zwanzig Jahre später staune ich, was daraus geworden ist: Dieser Gott hat uns tatsächlich so manches Mal überrascht. Wirklich überrascht! Ich meine, ich hatte mit Überraschungen gerechnet. Aber als Visionär hatte ich irgendwie auch schon ein Bild davon, wie diese Überraschungen auszusehen hätten: Gross, aussergewöhnlich, laut und natürlich mit viel Glanz + Gloria.

Doch Gottes wirkliche Überraschungen kamen ganz anders daher: klein, bunt, leise und wenig glamourös.

Als Theologe kannte ich natürlich den Ansatz, dass wer leben will, zuerst loslassen muss. Der Weg zum Leben führt durchs Sterben, so in dem Stil. Aber solches wollte ich als 24jähriger Idealist natürlich überhaupt nicht hören.

Heute bin ich froh und dankbar, hat Gott nicht all meine Gebete erhört. Die kleinen Überraschungen waren in Wirklichkeit ganz grosse Überraschungen, wichtige Meilensteine.

Gut – aber halt einfach anders. Aber das wollten wir ja von Anfang an sein.

„Gib nid uf“ hiess die Tournee auf welcher die Band „Bouschtei“ vor etwa 25 Jahren bei uns Halt machte. Im Rückblick war dies ein prophetischer Anfang einer spannenden „Gospel Bewegung“: „Gib nid uf“ – das mussten wir uns in den letzten beiden Jahrzehnten so oft sagen, um an der Mission, die Gospel-Botschaft kreativ in unserem Umfeld zu vermitteln, dran zu bleiben – und nicht daran zu verzweifeln.

Wenn wir als Leiter über Jahre an unserer Mission dranbleiben wollen, brauchen wir „Grit“ – Klarheit über das WHY, Durchhaltewille, eine starke Vision und die richtigen Leute an unserer Seite.

Zum Jubiläum vom gms – gospel movement seeland danke ich allen, die sich mit mir auf diese spannende Reise gemacht haben. Besonders meiner Familie: Meine Eltern und mein Bruder M@, die schon damals bei diesem legendären „Bouschtei“-Konzert dabei waren. Meiner Frau, die mir von Gott gerade zum richtigen Zeitpunkt über den Weg geschickt wurde und natürlich unseren Kids, die inzwischen auch schon wertvolle Mitarbeitende sind.

Anlässlich vom 20jährigen gms Jubiläum werden Brigä und ich im nächsten Chäs, Brot, Wy – u üsi Gschicht mit Gott aus unserem Leben und unserer gms Geschichte erzählen. Einige freie Plätze haben wir noch.

Und hier unsere Botschaft zum Jubiläum:

Glücksaufgabe

Hast du genug „Grit“ um an deiner Mission dran zu bleiben? Wie kannst du diesen Durchhaltewille entwickeln?

Und: Hast du die richtigen Leute an deiner Seite?

Wind of Change

Liebst du Veränderungen? Die Chance ist hoch, dass du eher nicht zu denen gehörst, die sich voller Begeisterung auf Veränderungen stürzen.

Keine Angst, das ist nicht etwa gegen dich und mit dir ist auch überhaupt nichts verkehrt, wenn du nicht in laute Jubelschreie ausbrichst, wenn sich gerade eine Veränderung anbahnt.

Laut Change Management Lehre sind es nur etwa 5 Prozent – die Visionäre – die nicht nur Lust auf Veränderung haben, sondern diese auch gleich bei jeder sich bietenden Gelegenheit selbst initiieren.

Eine weitere eher kleine Gruppe gehört zu den Förderer: Sie nehmen eine neue Idee schnell auf, schliessen sich mit Neugier den Visionären an und werden zu wichtigen Botschaftern im Veränderungsprozess.

Weil wohl etwa 80 % der Menschen weder zu den Visionären noch zu den Förderer gehören, sieht es für jede Neuerung und Veränderung schlecht aus, wenn sich nur diese 20 % auf das Neue einlassen.

Darum gilt es, möglichst bald die positiven Mitmacher zu finden: Sie suchen die Veränderung nicht, lassen sich aber durch eine ansteckende Vision zusammen mit überzeugenden Argumenten mit auf den Weg nehmen.

Wenn ich mich richtig erinnere, wurde diesen positiven Mitmachern in meinen Weiterbildungskursen als Jungscharleiter (vor 25 Jahren …) den Namen „die schnelle Mehrheit“ gegeben: Sie suchen die Veränderung nicht, sind aber auch nicht grundsätzlich dagegen.

Dieser schnellen Mehrheit stehen die abwartenden Skeptiker gegenüber:

Warum die Komfortzone durchbrechen, wenn es hier doch gerade so gut läuft?

Warum den sicheren Hafen für das riskante Abenteuer verlassen?  

Brauchen wir das wirklich (auch noch)?

Wer soll das bezahlen?

Und die Killerfrage der Skeptiker: Was, wenn wir mit dem Neuen scheitern?

Das Gute dieser Gruppe: Mit der Zeit, wenn sie ihre Ängste formulieren konnten und beobachtet haben, wie andere mutig den Change gestalten, werden auch sie sich auf das Neue einlassen.

Ja, mehr noch: Es kommt der Tag, da werden auch sie erkennen, dass in jedem Change auch eine Chance steckt. Altes, Liebgewonnenes loszulassen ist mit Abschiedsschmerzen verbunden. Es darf, nein, es muss getrauert werden.

Erst wer trauert und das Alte verabschiedet, wird frei und offen für das Neue.

Die Gruppe der abwartenden Skeptiker ist im Grunde die wichtigste Gruppe, wenn wir eine Veränderung positiv und erfolgreich gestalten wollen. Wenn wir sie gewinnen, dann sind 80 % bereit für das Neue.

Die restlichen 20 % teilen sich in die Gruppe der Bremser und aktiven Blockierer:

Warum kann nicht einfach alles so bleiben, wie es ist?

Nun, wenn alles bleibt, wie es ist, bleibt irgendwann gar nichts mehr. Veränderung gehört zum Leben. Im persönlichen Leben gehen wir von einer Saison in die andere und so kennt auch jede Organisation unterschiedliche Phasen.

Natürlich muss man nicht jeden Tag alles auf den Kopf stellen, aber wer sich konsequent gegen jeden Wandel stemmt, ist auf die Sackgassse eingebogen: In unser schnelllebigen Welt wird untergehen, wer sich nicht auf Veränderung einlässt.

Zum Thema Veränderung gestalteten wir neulich eine ganze Kinderwoche und veränderten beim Abschlussfest auch ganz anschaulich Dinge: Brigä & Adonette waren für einmal nicht auf der Hauptbühne, sondern auf einer extra aufgestellten Nebenbühne. Der Kommentar eines Kindes: „Hä, warum ist Adonette dort? Das geht doch nicht. Adonette ist immer auf der grossen  Bühne!“

Eindrückliches Beispiel dafür, was Veränderungen bei uns für Reaktionen hervorrufen können.

Glücksaufgabe

Bei eben erwähntem Abschlussfest habe ich von Veränderungen im persönlichen Leben und den unterschiedlichen Phasen gesprochen:

Frühling – Geschäftiges Treiben, Veränderung, Neues bricht auf

Sommer – Easy Going, zur Ruhe kommen, Wärme tanken

Herbst – Früchte ernten, Erfolge feiern, Berggipfel erklimmen 

Winter – Abschied nehmen, Erschöpfung, innerlich stark werden 

In welcher Jahreszeit befindest du dich gerade? Was ist das Schöne in dieser Phase des Lebens? Was willst zu zelebrieren? Und was ist schmerzhaft? Wo ist Trauer angebracht?

Kleine Träume leben

Aus einer erstklassigen Konferenz mit hervorragenden Referenten einen Speaker besonders hervorzuheben ist wie wenn du Matterhorn gegen Eiger, Mönch und Jungfrau ausspielen würdest.

Ich tu es trotzdem: Beim diesjährigen Global Leadership Summit waren praktisch alle Referenten in der „Matterhorn-Liga“ und doch gab es ein ganz besonders Highlight für mich – und wie sich später herausstellte auch für viele andere Teilnehmende unserer Studienreise.

Liz Bohannon, Gründerin der sozialbewussten Modemarke Sseko Designs, legte so einen frischen Auftritt mit einem überraschenden Spezialeffekt zum Abschluss hin, dass es eine herrlich unterhaltsame Wohltat war, ihr zuzuhören.

Unterhalten können einige, dabei noch eine Message transportieren, ist eine besondere Gabe.

So überraschend ihr Auftritt, so unkonventionell ihre Message.

Wie oft hören wir an Konferenzen von Leadership-Experten oder lesen in Blogs und Büchern von überdrehten Motivationstrainern oder gefeierten Pastoren Sätze wie diese:

Dream big!
Träume gross!

Du bist etwas Besonderes!

Finde deine Passion!

Nun kommt diese freche Social Entrepreneurin, die eine beachtliche Sozial-Firma aufgebaut hat, und dreht all diese bekannten Motivationssprüche um:

Dream small!

Du bist Durchschnitt!

Du kannst deine Passion nicht finden!

Irritation im Auditorium. Was jetzt, sollen wir etwa nicht gross träumen? Sind wir nicht alle berufen, etwas Besonderes zu sein, unsere Passion zu finden und die Welt zu verändern?

Das Problem mit diesen gut klingenden Sätzen in Büchern und auf grossen Bühnen ist, dass sie oft nicht alltagstauglich sind.

Klar komm ich topmotiviert aus Chicago zurück; gerade noch in einer energiegeladenen Konferenz mit 7’000 Personen, die alle die Welt verändern wollen – und sitze nun in meinem 3’000 Seelen Dorf, in einem Büro, das abwechselnd einem Lagerraum oder einem Kinderhort gleicht, und soll gross träumen, daran glauben, dass ich etwas ganz Besonderes bin, meine Passion finden und endlich beginnen, die Welt zu verändern …

Wer es da nicht schafft, die grossen Träume ganz klein werden zu lassen, hat schon verloren. Diese riesigen Konferenzen in einem super inspirierenden Umfeld können ganz schnell mehr Entmutigung als Inspiration sein, wenn man den Transfer in den eigenen Kontext nicht schafft.

Da sitzt man dann, frustriert von der eigenen Situation und möchte möglicherweise all diese kleinkarierten Umstände hinter sich lassen und wartet auf den grossen Moment: Wie damals bei Rudi Carell „Eben noch in der Autowerkstatt, jetzt auf der grossen Show-Bühne!“ …

„Eben noch in dieser kleinen Firma mit zu wenig Ressourcen, jetzt auf der grossen Bühne der Weltveränderer.“

„Eben noch unbeachteter Pfarrer einer kleinen Landgemeinde, jetzt Champion of Change in der Topliga der Trendsetter.“

Dream big!

„Träume gross und es werden noch grössere Dinge, als du sie dir überhaupt vorstellen kannst, geschehen!“

Seit zwanzig Jahren lasse ich mich immer wieder gerne von hervorragenden Leadership-Konferenzen inspirieren. Es gibt da wirklich sehr viel Gutes und wenn ich es in mein Umfeld übersetzen kann, profitiere ich sehr davon.

Aber ganz ehrlich: Was ich in den letzten zwanzig Jahren alles geträumt habe. Ich sage nur so viel: Ich habe ein ziemlich grosses Vorstellungsvermögen …

Dream big!

Nun, das hat eben auch Liz Bohannon gemacht: Als Studentin hat sie sich vom Schreibtisch aus vorgestellt, wie sie die Welt verändern würde. Big Dreams, aber keine Umsetzungsschritte.

Grosse Träume können auch lähmen. Wenn die Träume so gross sind, dass wir nicht mehr wissen, wo wir mit der Umsetzung beginnen können, sind sie wohl doch eher zu gros.

Darum: Lieber kleine Träume, dafür mit konsequenten Umsetzungsschritten. Ein kleiner Schritt nach dem anderen – bis der kleine Traum vielleicht irgendeinmal tatsächlich unsere ganze Vorstellungskraft sprengt.

Wir brauchen nicht grosse Sofa-Träumer, wir brauchen kleine Schritt-für-Schritt-Weltveränderer.

Und wir werden überrascht sein, was wir gemeinsam schaffen können!

Glücksaufgabe

Welchen grossen Traum legst du vielleicht besser mal zur Seite um einen kleinen Traum anzupacken?

Vielleicht inspiriert dich dieser Song zu Dream small:

In diesen Tagen erscheint von  Liz Bohannon  das Buch Beginner’s Pluck: Build Your Life of Purpose and Impact Now

Der Tisch

Ein Bild zog sich während der Studienreise, die ich im August in Chicago begleiten durfte, durch die ganze Woche: Der Tisch.

Gleich am ersten Tag sassen wir mit der Reisegruppe aus der Schweiz und Deutschland im riesigen Auditorium der Willow Creek Kirche und liessen uns von der Predigt Welcome to the Party von Eugene Cho inspirieren:  Wir sind eingeladen an den Tisch und aufgerufen, selbst Gastgeber zu werden.

Obwohl mein Englisch zu wenig gut ist, um auf Anhieb zu verstehen, was ein Potluck ist, begriff ich sofort, worauf Eugene Cho hinaus wollte: Unser Tisch soll farbig sein, soll vielfältig sein, soll von den Gaben und Originalität jedes einzelnen leben.

Dieser Potluck, diese bunte Party, zu der alle unorganisiert etwas mitbringen, ist ein Bild dafür, wie das Leben auch sein könnte: Wir alle werden zu Hosts, zu Gastgebern. Und die Qualität vom Ganzen lebt nicht davon, dass einer ein „Super-Held“ ist, sondern von der Summe der Beiträge von jedem Einzelnen.

Menschen Würde verleihen

Der eindrückliche Sozialbereich (Care Centre, CARS Ministry, Rechtsberatung …) zeigte uns an den folgenden Tagen, wie diese Kirche ganz konkret hilfsbedürftige Menschen zurück „an den Tisch“ einlädt.

Ich durfte diese Reise nun schon mehrmals begleiten. Immer wieder berührend für die Gruppe ist, dass hier trotz der unglaublichen Grösse nicht einfach hilflose Menschen abgefertigt werden. Nein, es wird konkret darauf geachtet, wie man diesen Menschen ihre Würde (zurück) geben kann.

Kleines Beispiel: Die secondhand (Kinder)Kleider werden nicht einfach gratis abgegeben, sie werden zu ganz günstigen Preisen verkauft. Die Überlegung dahinter: Die Eltern können mit erhobenem Haupt nach Hause gehen und zu ihren Kids sagen: „Schau mal, was ich heute für dich gekauft habe!“. Wie würdevoller ist dies, als wenn sie sagen müssen: „Schau mal, was ich für dich gekriegt habe!“.

In Chicago selbst wurden wir von der Emmaus Arbeit, die unter den Menschen am Männerstrich aktiv ist, herausgefordert, nicht nur Leute an unseren Tisch einzuladen, sondern den Menschen Würde zu verleihen, in dem wir die Einladung an „ihren Tisch“ annehmen – auch wenn es dort stinkt und ungemütlich ist.

Und schliesslich folgte auf diese Tage voller Eindrücke und Impulse als abschliessender Höhepunkt der Studienreise der zweitägige Global Leadership Summit. Geballte Lektionen auf höchstem Niveau im Bereich Leadership und Persönlichkeitsentwicklung für Social Entrepreneurs, CEOs, Pfarrer und überhaupt für Menschen, die ihre Verantwortung und ihren Einfluss ernst nehmen wollen.

Und was sagen da die Top-Führungskräfte wie zum Beispiel Ben Sherwood, Ex-Präsident von Disney ABC Television? „Meine grösste Leadership-Lektion war der Rat: ‚Only connect!'“, schloss er sein Referat. Es gehe im Miteinander und in der Mitarbeiterführung am Ende nur darum, zu verbinden, zu vernetzen, eine Beziehung aufzubauen.

Oder eben: Menschen an den Tisch zu bringen.

Und Dr. Krish Kandiah, der sich als Autor und Social Entrepreneur im Bereich Pflegefamilien für Kinder engagiert, erzählte, wie man ihm beibringen wollte: „Als Führungsperson musst du auch mal auf den Tisch klopfen können.“

„Nein, wenn das so ist, dann bin ich eben keine Führungsperson“, war seine Reaktion darauf. Statt auf den Tisch zu klopfen, will er ein Leader sein, der die Leute zu sich an den Tisch einlädt, sich mit Menschen verbindet, von anderen lernen will.

Was für ein Fest, wenn wir alle das Leben noch vielmehr als Tisch oder eben als Potluck begreifen, wo jeder das Leben der anderen mit seinem persönlichen Beitrag reicher macht.

Glücksaufgabe

Schau, dass du nicht alleine an deinem Tisch sitzt! Ob ganz konkret mit einem Essen oder im übertragenen Sinn als Führungsperson: Hol Leute an deinen Tisch! Verbinde dich mit deinen Mitarbeitenden, deinen Mitmenschen.

Unsere Gesellschaft und unsere Unternehmen brauchen nicht mehr Härte, wir brauchen mehr Wärme. Was ist dein Beitrag dazu?

 

Wertschätzung gegen den Stress

Bei jedem vierten Arbeitnehmer in der Schweiz liegt das Stressniveau im kritischen Bereich:

Die neueste Erhebung des Job-Stress-Index in der Schweiz zeigt, dass der Anteil der Personen mit mehr Belastungen als Ressourcen leicht gestiegen ist; von 25,4% (2016) auf 27,1% (2018).

Quelle: Gesundheitsförderung Schweiz

Stress am Arbeitsplatz hat viele Ursachen. Weniger oft als erwartet, ist es die Arbeitsmenge als solches. Viel öfters liegen die Stressoren im zwischenmenschlichen, emotionalen und psychologischen Bereich.

Wenn ich von meinen Arbeitskollegen geschnitten werde, löst das mindestens so viel Stress aus, wie wenn ein Team mit zu wenig Ressourcen in zu kurzer Zeit zu viel Aufträge zu verarbeiten hat.

In einem sehr lesenswerten Interview der NZZ am Sonntag (26. Mai 2019) gibt Arbeitspsychologe Prof. Norbert Semmer zu diesem zwischenmenschlichen Stressor zu bedenken:

Isolation ist ein wichtiger Stressfaktor. Hat man das Gefühl, man werde übergangen, dann fühlt man sich ausgeschlossen, und das löst Stress aus.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) im Allgemeinen hat viele Facetten, genauso wie die Stressbekämpfung im Besonderen.

Beim Lesen des besagten Interviews hat mich fasziniert, wie Norbert Semmer Stress und Wertschätzung in Zusammenhang bringt. Jeder will gesehen werden! – wie wir wissen (siehe Blogartikel 16.05.2019). Und das hat sehr viel mit Wertschätzung, Zugehörigkeit und Vertrauen zu tun.

Fehlt die Wertschätzung, steigt der Stress. Fühle ich mich jedoch von meinem Chef und/oder von meinem Kollegen wertgeschätzt, sinkt auch das Stressniveau – selbst wenn die Arbeit als solches dadurch noch nicht kleiner wurde.

Jeder, der schon mal eine wertschätzende Teamkultur erleben durfte, würde bestätigen, dass man mit einem solchen Team bei weitem mehr Leistung erzielt – und sich am Ende sogar noch energiegeladener fühlt als bei weniger Arbeit in einem mittelmässigen Team.

Kreative Wege für echte Wertschätzung

Meinen Mitarbeitenden oder Kollegen Wertschätzung zu schenken, ist im Grunde nicht schwer – man muss es einfach tun. Trotzdem gilt es einige Regeln zu beachten.

Sei konkret!
Das immer gleiche Pauschallob „Toll gemacht!“ lutscht sich sehr schnell ab. Wenn wir eine Person jedoch „auf frischer Tat ertappen“ und sie zeitnah und konkret für ihre Ausstrahlung bei der Präsentation, ihr Feingefühl bei der Verhandlung oder ihr „Out-of-the-Box“-Denken beim Brainstorming loben, wird unsere Anerkennung als Wertschätzung ankommen und positive Spuren hinterlassen.

Schaffe Zugehörigkeit!
Verlieren tun wir als Einzelkämpfer, gewinnen tun wir als Team. Ein Topmitarbeiter falsch eingesetzt, erschwert jede Teamarbeit. Ein mittelmässiger Mitarbeiter richtig eingesetzt, macht aus ihm einen wertvollen Teamplayer. Somit ist eine wichtige Führungsaufgabe, für jede und jeden den richtigen Platz zu finden. Und dabei eine Kultur aufzubauen, in dem sich alle als geschätzter Teil vom grossen Ganzen verstehen.

Gib Verantwortung weiter!
Ich fühle mich wertgeschätzt, wenn mir jemand grosse Aufgaben zutraut.  Durch das Anvertrauen wichtiger Aufgaben, inklusive entsprechende Entscheidungskompetenzen, drücken wir Wertschätzung aus.  Wie Norbert Semmer im Interview sagt, hat das nicht notwendigerweise mit der Abschaffung von Hierarchiestufen zu tun, sondern mit unserem Führungsverständnis.

Lebe Originalität!
Deine Wertschätzung ist anders als die von deiner Vorgängerin. Und das ist gut so! Steh zu deiner Art und versuche nicht jemanden zu imitieren. Aufgesetzte Wertschätzung kommt nicht an – auch nicht, wenn du es in einem teuren Managementkurs gelernt hast. Authentizität ist heute wohl wichtiger denn je.

Sei kreativ!
Nicht jeder spricht auf dasselbe an. Einer fühlt sich durch öffentliches Lob besonders wertgeschätzt, die andere freut sich mehr an einer persönlichen Karte, manchmal darf es ein kleines Geschenk sein. Lass dein Herz sprechen, sei überraschend, behandle nicht jeden gleich, aber lass allen deine Wertschätzung zukommen!

Glücksaufgabe

Langer Schreibe kurzer Sinn: Gib Wertschätzung weiter! Und am besten gleich hier und jetzt: Wen beschenkst du noch heute mit einem besonderen Ausdruck deiner Wertschätzung?