Träume – mehr als Schäume

Unsere Träume können wir erst dann verwirklichen,
wenn wir uns entschließen, daraus zu erwachen.

Josephine Baker

„I have a dream“. Das steht auf meiner Mappe, in der sich alles nötige für meine Reflektier-, Stille- und Studierzeiten befindet: Mein Tagebuch, mein PEP (persönlicher Entwicklungsplan), eine Zeitschrift (AufAtmen), eine Bibel und noch eine Kerze. Ich bin ein Träumer, ein Visionär. Und um meine Ideen und Visionen dreht es sich oft, wenn ich mich zu solchen Reflektierzeiten zurückziehe. Weil ich mich nicht von den Alltagssorgen gefangen nehmen lassen will, sondern das grosse Ganze im Blick behalten will, soll mich der Schriftzug auf der Mappe immer wieder daran erinnern: I have a dream – ich habe einen Traum.

Nun ist es so eine Sache mit unseren Träumen. Nur ganz selten gehen sie wie von selbst in Erfüllung. Und je grösser die Visionen, desto mehr Hindernisse begegnen uns auf dem Weg vom Traum zur Realität. Was können wir also tun, dass nicht die recht bekommen, die sowieso schon im Voraus sagen: „Träume sind Schäume“.?

Meine Träume entdecken

Nicht jeder ist ein Visionär – zum Glück. Während die Stärke der Einen die Gesamtschau ist, sind die Anderen Spezialisten, wenn es ums Detail geht. So sind nicht alles Träumer, die vor dem inneren Auge bereits eine bessere Welt erkennen können. Trotzdem glaube ich, dass in jedem von uns Träume schlummern. Und die gilt es erstmals zu entdecken.

  • Welche Kindheitsträume stecken noch in mir?
  • Welche Themen wecken ein besonderes Interesse?
  • Gibt es Wünsche in meinem Leben, die immer mal wieder bei mir anklopfen?
  • Bei welchen Gedanken fliesst bei mir speziell viel Energie? Bei welchen Themen bin ich selbst mitten in der Nacht hell wach?
  • An welchen Ideen studiere ich immer und immer wieder herum?

Diese Träume sollten wir „ans Tageslicht holen“. Sprich: Sie sichtbar machen. Sie nicht schon im Vornherein als unrealistisch abtun. Sie anschauen und uns mit ihnen beschäftigen. Könnte da ein Spur zu einem Thema meines Lebens liegen?

Aus den Träumen erwachen

Im Unterschied zu unseren nächtlichen Träumen, sollten wir diese Art von Träumen nicht einfach sich selbst überlassen. Ein Traum alleine verändert weder die Welt noch unser Leben. Wenn wir also unsere Träume sichtbar gemacht haben, geht es um die Frage, was wir mit ihnen machen.

  • Bin ich bereit, micht dafür einzusetzen, dass dieser Traum Realität wird?
  • Kann ich die Kosten des Traums überschlagen und bin ich bereit, den Preis zu bezahlen?
  • Ist der Traum (Kindheitstraum, Berufswunsch, Idealbilder aus der Jugend) in meinem heutigen Leben überhaupt noch relevant? Will ich das wirklich noch? Oder träume ich da einer Sache nach, die ich heute gar nicht mehr als erstrebenswert erachte?
  • Welche Träume gilt es loszulassen? Vielleicht, weil mir die Kosten zu hoch sind. Vielleicht, weil er nicht zu meinem (familiären) Umfeld passt. Vielleicht, weil er doch eine Nummer zu gross ist.
  • Gibt es Träume, die das Potenzial haben, zu meinem Beruf – zu meiner Berufung – zu werden?

Ran an die Arbeit

Träume machen Arbeit. Das ist in jedem Fall so.

  • Träume, die wir umsetzen wollen, brauchen einen Plan (eine Strategie) – in kleinen Schritten zum grossen Ziel.
  • Träume, die sich nicht umsetzen lassen, brauchen Raum, damit wir uns von ihnen verabschieden können und uns mit der Situation versöhnen können.
  • Träume, die Rückschläge mit sich bringen, brauchen viel Ausdauer, Stehauf-Fähigkeiten und ein ermutigendes Umfeld, das mitträgt.

Gerade wenn wir in der Mitte des Lebens stehen, gilt es, den unerfüllten Träumen in die Augen zu schauen. Sich mit diesen vielleicht schmerzlichen Wendung im Leben auszusöhnen, ist eine grosse Herausforderung.

Und: Immer wieder ist es nötig, sich in Mitten der Anforderungen des Alltags auf die eigenen Träume zu besinnen. Bin ich noch auf dem Weg, den ich einmal eingeschlagen habe? Oder hat sich mein (Berufs)Leben einfach so, fast unbemerkt, in eine Richtung entwickelt, die nicht mehr viel mit der ursprünglichen Vision gemeinsam hat?

„I have a dream“. Und ich muss etwas dafür tun, dass dieser Traum in mir wach bleibt und nicht von den unterschiedlichsten Ansprüchen von aussen zugedeckt wird.

 

Weiterführende Angebote zum Thema

  • Im Timeout-Weekend für Frauen 2012 beschäftigen sich die Teilnehmerinnen unter dem Motto „Ich werde keine Primaballerina mehr“ mit der Frage, wie sich die Zukunft trotz unerfüllten Wünschen versöhnlich gestalten lässt.
  • Im Timeout-Weekend zum Jahresstart erstellen die Teilnehmenden einen eigenen PEP (persönlichen Entwicklungsplan), der ihnen durchs Jahr hindurch helfen wird, an den eigenen Träumen und Visionen dran zu bleiben.
  • Buchtipp: Dem Leben Richtung geben von Jörg Knoblauch

 

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSelbst“.

«You & Me» – Du & ich

Der Mensch für sich allein vermag gar wenig
und ist ein verlassener Robinson;
nur in der Gemeinschaft mit den anderen
ist und vermag er viel.

Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph (1788 – 1860)

Das hat Schlagzeile gemacht: Die Heilsarmee will die Schweiz am Eurovision Song Contest 2013 in Malmö vertreten. Unter dem Motto Heilsarmee rocks Malmö wurde ein spannendes Projekt gewagt, das sich sehen lässt: Eingängiger, rockiger Song, ansprechender Text und geniale, originelle Umsetzung. Die Idee hat mich sofort begeistert.

Wenn der 20jährige zusammen mit dem 94 Jahre alten Senior You & Me rockt, dann ist das ein überzeugendes Zeichen, dass hier tatsächlich gelebt wird, was im Song beschrieben wird: „Verkündet von nah und fern wie es eigentlich gemeint ist: wir gehören zusammen, du und ich.“ Würde das irgendeine Babyface-Boygroup, zusammengestellt durch eine Castingshow, vom süffisant lächelnden Dieter Bohlen angepriesen, singen, wäre es ein nettes Liedchen rund um kuschelige Harmonie, die wohl schon hinter der Bühne vorbei wäre. Aber so – die Heilsarmee, eine Marke die für Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Engagement für die Gesellschaft steht, eine Band, die ausstrahlt, was sie singt und dadurch authentisch wirkt, ein Song, der deutliches Ohrwurmpotenzial hat – mir gefällt dieser Mix.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=FKbzOIab0yM[/youtube]

Der von der erfolgreichsten Musikproduzentin der Schweiz, Hitmill, produzierte Song You & Me besingt nicht einfach eine heile Welt, die mit unserer Realität nichts zu tun hat. Im Gegenteil. Der Anfang ist ganz schön gesellschaftskritisch, wenn es da heisst: „Wenn die Zeiten rauer werden und Gold und Silber zu Staub zerfallen. Wenn Menschen aus Eifersucht und Hass Barrikaden bauen.“  

Und so wird das Heilsarmee-Projekt zum eindrücklichen und glaubwürdigen Aufruf an uns alle: Lassen wir die Barrikaden einstürzen und suchen stattdessen das Verbindende zwischen dir und mir. Nicht Barrikaden aus Eifersucht und Hass, aber auch nicht Gold und Silber, sind die Dinge, die uns als Menschen weiterbringen. Was wir brauchen, sind Brückenbauer, Menschen, die sich statt Fäuste offene Hände entgegenstrecken. Wir brauchen Menschen, die verbindend wirken. Zum Beispiel genau wie diese Heilsarmee-Band: Eine Verbindung zwischen Generationen herstellen. Oder: Eine Verbindung zwischen arm und reich, In- und Ausländer, gesund und krank, stark und schwach…

You & Me – du & ich. Wie können wir gemeinsam dafür sorgen, dass dieser Ort etwas mehr Lebensqualität für uns alle bietet?

Mir selbst wurde letzte Woche aufs Neue bewusst, dass ich etwas habe (ich weiss selbst nicht wirklich, was es ist), dass ich zu geben habe. In unserer sozial-diakonischen Kinder- und Familienanimation hatten wir die vier schönsten Tage im Vereinsjahr, die Happy Kids Days. Als Organisator und Verantwortlicher fürs Mitarbeiterteam bin ich in dieser Kinderwoche oft eher im Hintergrund. Doch die Kids geniessen es, wenn ich mich direkt mit ihnen abgebe. „Irgendetwas“ scheint anzukommen, wenn ich mich mit dem Einzelnen beschäftige. Ich werde zum Kumpel und zum Vorbild.

Diese Erfahrung zusammen mit dem Heilsarmee-Song spricht zu mir: Ja, ich will mich für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft engagieren. Ich will mich nicht mit „Bürokram“ vollstopfen, mich nicht endlos um Silber und Gold drehen und schon gar nicht Barrikaden aus Hass und Eifersucht aufrichten.

You & Me – du & ich. Wir können einen Unterschied in dieser Gesellschaft machen. Packen wir es an!

Und übrigens: Ein erster, einfacher Schritt könnte ja sein, in der Vorausscheidung für den Song der Heilsarmee zu stimmen. Wie hat es Georg Schlunegger von Hitmill treffend gesagt: „Wenn Zero Points, dann wenigstens für einen guten Zweck.“

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft“.

 

Jahresprogramm 2013

Die Verantwortung für sich selbst
ist die Wurzel jeder Verantwortung.
Mong Dsi, (372 – 289 v. Chr.), konfuzianischer Philosoph

 

Unter dem Motto Mein Leben – Meine Verantwortung haben wir eine Jahresübersicht unserer Angebote im 2013 zusammengestellt.

Wir freuen uns, wenn wir Sie darin unterstützen dürfen, Ihre Verantwortung für sich selbst wahrzunehmen.

Im Flyer Mein Leben – Meine Verantwortung finden Sie Angaben zu folgenden Angeboten aus unserem Jahresprogramm 2013:

PEP 2013 – ein guter Start ins neue Jahr

Timeout-Weekend für Paare

Motivationstag „Mehr Zeit“

Timeout-Weekend für Frauen

Referate, Seminare und Workshops

Coaching-Angebote

Auftritte von Brigä & Adonette

Puppenspiel und Bauchreden

 

Eine Insel im (Ehe)Alltag

Immer wieder einmal eine Insel für die Partnerschaft.
Urs Gloor (Mediator, Anwalt + Bezirksrichter) im Club (SF, 2.10.12)

Die Diskussionssendung Der Club vom Schweizer Fernsehen trug letzte Woche einen bemerkenswerten Titel: Scheiden besser meiden!. Eine interessante Gästerunde diskutierte über persönliche Erfahrungen, Studien und Expertenwissen rund ums Thema Partnerschaft und Scheidung. Unter anderem wurde eine aktuelle Studie vorgestellt, die besagt, dass nur gerade ein Drittel der Geschiedenen aus langjährigen Ehen diesen Schritt im Nachhinein als Gewinn bezeichnen.

Persönlich hat mich vor allem interessiert, was die Gesprächsgäste, vor allem diejenigen, die trotz Tiefs und Hochs noch immer mit ihrem Partner zusammen sind, dazu zu sagen haben, wie Scheiden nun vermieden werden kann. Klar wurde: Eine Ehe ohne Herausforderungen, ein Ehe-/Familienalltag in dem alles glatt läuft, ist eine Illusion. Ist ja nicht wirklich etwas Neues. Doch wie viele Paare, und gerade Paare mit Kindern, verfallen dem Gedanken, dass es nur bei ihnen so besonders chaotisch bis frustrierend zu und her gehe? Immer wieder erlebe ich es: Wenn wir von Problemen und Herausforderungen in unserem Ehe-/Familienalltag sprechen, atmet das Gegenüber erleichter auf und sagt: „Ah, das tut gut zu hören, dass bei euch auch nicht alles perfekt läuft…“

Erste Erkenntnis: Eine langjährige Partnerschaft ohne Beziehungsstress gibt es nicht! – Auch nicht mit einem anderen Partner!

Raus aus dem Alltag

Auf die Herausforderungen im Beruf wird man in der Berufslehre (oder im Praktikum, in der Assistenzzeit) vorbereitet. Leider werden viele nicht auf die Herausforderungen im Ehealltag vorbereitet. Im dümmsten Fall hatten sie in ihrem Elternhaus kein gutes Vorbild für gelebte Partnerschaft, sind im Anflug der Schmetterlinge im Bauch durch die Verliebtheitsphase direkt in eine feste Partnerschaft gerutscht und schneller als gewünscht weichen die romantischen Gefühlen dem Babygeschrei.

Doch ohne bewusste Entscheidung und ohne ein Mindestmass an Planung/Vorbereitung ist ein Ehealltag kaum zu bewältigen. Und gerade die herausfordernde Phase mit Kleinkindern, möglicherweise zusammen mit steigender Verantwortung im Beruf, braucht ein starkes Miteinander. Im Club erzählte Urs Gloor (Mediator, Anwalt und Bezriksrichter) von den Strategien, die er und seine Frau in dieser Phase entwickelt hatten: Signale setzen, wenn gerade Sturm angesagt ist und alles drunter und drüber geht. Und: „Immer wieder einmal eine Insel für die Partnerschaft.“ Gemeinsam wegfahren, ein Weekend zu zweit, trotz vollem Berufs- und Familienalltag den gemeinsamen Kinoabend nicht streichen…

Meine Frau und ich gönnen uns solche Inseln regelmässig und mit unseren Angeboten wollen wir auch anderen solche Inseln im Ehealltag ermöglichen. Gerade wenn es darum geht, nicht nur einige gemeinsame Stunden zu geniessen, sondern auch ganz bewusst die eigene Partnerschaft zu reflektieren, Ziele zu setzen und den Ehealltag zu gestalten, bietet sich ein „begleitetes Timeout“ an. Mit unseren Timeout-Weekends für Paare und mit anderen Seminarangeboten (wie zum Beispiel das Ländli-Seminar Was ich dir eigentlich sagen wollte…) laden wir Paare ein, sich Inseln im Alltag zu schaffen und sich ein Timeout zu gönnen.

Zweite Erkenntnis: Eine langjährige Partnerschaft braucht Inseln im Alltag. Ohne „Stressmanagement“ leben wir als Paar gefährlich.
am Bielersee

Fasziniert hat mich an der Sendung, wie offen die Experten auch über ihre ganz persönlichen Erfahrungen berichteten. Da gestand der Psychoanalytiker, dass ihm peinlicherweise nach der Scheidung bewusst wurde, dass er jetzt niemandem mehr die Schuld geben konnte. Plötzlich war er ganz alleine für sich selber verantwortlich und auch selber schuld, wenn etwas schief lief.

In einer akuten Not- oder Stresssituation einer Ehe erscheint einem alles andere besser zu sein als die momentane Situation. „Nur weg hier“, scheint der Fluchtplan zu lauten. Ganz gewiss gibt es viele Ehesituationen, die sich auf keinen Fall zu einem Dauerzustand entwickeln dürfen. Wegrennen kann jedoch aus meiner Sicht genausowenig eine Lösung sein wie die „innere Kündigung“ (sich als „Wohngemeinschaft“ arrangieren).

In unserer Konsumgesellschaft sind wir uns gewohnt, das alte Handy weiterzugeben, wenn uns ein besseres angeboten wird. Leider schleicht sich diese Mentalität auch in unseren Umgang mit Beziehungen ein: Freunde sind austauschbar, (Ehe)Beziehungen bekommen ein Ablaufdatum. (Nebenbei bemerkt: Mein neues iPhone kann ja wirklich richtig viel. Doch mein altes Nokia war halt schon auch ein treuer Begleiter. Und ich wusste, was es kann und was nicht. – Auf einer ganz anderen, viel höheren und viel tieferen, Ebene weiss ich es zu schätzen, dass meine Frau und ich nun schon über 13 Jahren den Alltag gemeinsam gestalten. Obwohl ich nie sagen würde, ich wisse jetzt, wie meine Frau funktioniert – aber einiges habe ich den letzten 13 Jahren schon herausgefunden…)

Dritte Erkenntnis: Das Neue ist nicht immer besser und eine Scheidung ist nicht immer der gewünschte Befreiungsschlag.

 

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichLiebe“.

Als Team stärker?

Wer andern eine Blume sät, blüht selber auf!
Verfasser unbekannt

Einmal mehr las ich neulich genüsslich in meiner Sonntagslektüre und blieb beim Artikel „Gemeinsam stark“ (NZZ am Sonntag, 16. Sept. 2012) über das Buch Zusammenarbeit von Richard Sennett hängen. Auch wenn im Artikel über den Soziologen Sennett und sein neustes Buch ein eher düsteres Bild über den Zustand unserer Gesellschaft gezeichnet wird, können wir nicht ganz abstreiten, was da steht: „Jeder kämpft gegen jeden und schaut nur für sich. Arm und Reich klaffen immer weiter auseinander. Selbstherrliche Manager lassen ihrer Gier freien Lauf. Das Gemeinswesen droht auseinanderzubrechen.“

Das düstere Bild hellt sich auf, wenn Richard Sennett die Vision einer Gemeinschaft schildert, die sich an einem Orchester orientiert: „Der Einsatz des Einzelnen dient dem Klang des Ganzen, das Zuhören ist so wichtig wie das Spielen.“ Wer kann sich noch leisten zuzuhören? In einer Zeit, in der Geschwindigkeit und Selbstmarketing (= sich selbst anpreisen und somit immer von sich reden, statt zuzuhören) über allem stehen. Und: Bin ich mir bewusst, dass mein Beitrag Teil des Klanges (oder auch: Teil des Missklanges) ist? Verstehe ich mich als Teil des Grossen Ganzen oder erledige ich Dienst nach Vorschrift und erkenne die Bedeutung meiner Arbeit gar nicht?

Teamwork – für die Einen ein Reizwort, für die Anderen ein Wunderheilmittel. Nachdem das Team vor Jahren schwer in Mode kam, Büros umgebaut wurden, Hierarchien flach gehalten wurden, plötzlich alle mit dem Generaldirektor per Du waren, folgte eine Phase der Ernüchterung: Teamarbeit ist nicht die Lösung auf alle Probleme. Und: Nicht jeder ist für Teamarbeit geschaffen. Je nach Persönlichkeitsstil blüht man bei der Arbeit in einem Team so richtig auf – oder man trocknet langsam aus, weil man sich und seine Ideen eben doch besser in der Ruhe der Einzelarbeit entwickeln kann.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: Teams sind eine grossartige Sache, aber es gibt einige Tücken, die zu Fallgruben einer erfolgreichen Teamarbeit werden können. Da kann manch einer zum Schluss kommen: Wir lassen es. Zusammenarbeit in Teams braucht zu viel Zeit, schafft unnötig zwischenmenschliche Konflikte und überhaupt will ich arbeiten und nicht in Meetings festsitzen.

Was es zu beachten gibt

Bevor wir nun die Teams schon abschreiben, einige Hinweise, wie Teamarbeit gelingen kann und wir dabei Lust statt Frust erleben können:

  • Der Lead muss klar sein.
    Es gibt verschiedenste Modelle und Ideen, wie Teamarbeit funktionieren kann. Mir wurde schon gesagt: „Wir haben keine Leitung, wir haben Teams.“ Mag sein, dass irgendwo auf der Welt, mit den richtigen Leuten, der Ansatz von sich selbstorganisierenden Teams funktioniert. Meine Erfahrung ist eine andere: Ein starkes Team brauch eine starke Führung!
  • Nicht jeder kann ein Team leiten.
    Dies ist die Weiterführung des vorherigen Punktes. Wie oft sass ich schon in einer Sitzung und dachte: Wie schade nur, dass die leitende Person nicht mehr Leadership-Qualitäten hat. Auch hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Für mich ist klar: Nicht jeder hat die nötigen Führungskompetenzen um ein Team zu leiten. Zu oft wird die Person, die sich mit viel Fachwissen und herausragender Arbeit bewährt hat, automatisch zum Teamleiter. Aber die Fähigkeiten, die man als Führungsperson benötigt, unterscheiden sich womöglich fundamental von den herausragenden Fähigkeiten in einem bestimmten Fachbereich.
  • Das Ziel muss klar sein.
    Ich habe schon Teams erlebt, da war das gemeinsame Ziel nicht definiert. Als zielorientierter Visionär sind mir solche Situationen natürlich schnell unangenehm. Aber ist ein zielloses Meeting und die Teamarbeit ohne übergeordnete Vision nicht für alle ein Leerlauf? Darum: Das Ziel muss klar sein. Und es muss auch immer mal wieder über das Ziel gesprochen werden, damit es nicht plötzlich aus dem Blickwinkel verschwindet.
  • Als Team muss man sich mögen.
    Ob im Job oder noch eindrücklicher in der Politik (mindestens in unserem schweizerischen System), auf die Zusammensetzung der Teams hat man oft wenig Einfluss. Dabei haben Studien gezeigt: Der Unterschied zwischen einem normalen zu einem Hochleistungsteam liegt oft in der Gemeinschaft untereinander. Sprich: Richtig gut wird ein Team erst dann, wenn die Gruppe gerne zusammen ist und sich die Einzelnen füreinander engagieren.
  • Teamarbeit soll Spass machen.
    Die Zusammenarbeit im Team soll produktiv sein, ganz bestimmt. Doch dies erreicht man nicht mit endlosen, trockenen Sitzungen. Teamarbeit soll auch Spass machen. Und wenn der Spassfaktor nicht zu kurz kommt, stimmen auch die Resultate. Mindestens wenn es um kreative Prozesse geht, muss eine anregende Stimmung herrschen, die alle Beteiligten motiviert.
  • Den Anderen zum Glänzen bringen.
    Teamarbeit ist nicht zu Verwechseln mit dem Zusammenzug von mehreren Einzelkämpfern. Das zeigt uns jede Mannschaftssportart eindrücklich: Eine Mannschaft von hochkarätigen Individualisten ist noch kein starkes Team. Ganz nach dem eingangs erwähnten Zitat mit dem Säen: In der Teamarbeit versuche ich die Anderen zum Glänzen (zu Bestleistungen) zu bringen und werde so selbst mein Bestes geben.
  • Worten müssen Taten folgen.
    Es braucht einiges an Geschick, den unterschiedlichen Persönlichkeiten in einem Team gerecht zu werden. Wie kann man den stillen Denker an Board holen? Wie stoppt man die Dauerredner?
    “Grosse Worte, kleine Taten” – auch das ist in manchen Teams eine Herausforderung. Entweder hat man als Team gute Ideen, die aber nicht konkret angepackt werden und daher nie umgesetzt werden. Oder man hat im Team einen dabei, der sich gerne reden hört, viel Platz einnimmt und dann doch nicht “hält, was er verspricht”.
    Darum muss in jedem Team gelten: Worten müssen Taten folgen.

Meine grössten Erfolge habe ich in Teams erreicht. Ich liebe es, Teil eines starken Teams zu sein. Wenn man mit den richtigen Leuten zusammen ist, einige Regeln beachtet und ein motivierendes Ziel vor Augen hat, kann man gemeinsam tatsächlich viel mehr erreichen, als jeder für sich alleine.

 

Weiterführende Angebote zum Thema

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichArbeit“.

Hunger?

Du kannst keinen Hunger haben, wenn der Bauch voll ist.
Stéphane Lambiel

Diesen Satz sagte Stéphane Lambiel damals im Januar 2007 in einem Interview, in dem er seine überraschende Wettkampfpause bekanntgab und meinte damit, wenn du gesättigt (oder übersättigt) bist, kannst du keinen Hunger für einen weiteren Wettkampf entwickeln.

Bestimmt gibt es auch in unserem Leben Bereiche, in denen wir eher übersättigt als hungrig sind. Daneben gibt es aber, manchmal unbewusst, verschiedene Bereiche, in denen wir hungrig sind. Hunger nach Liebe, Hunger nach Anerkennung, Hunger nach Erfolg – und nicht wenige Menschen auf unserer Welt sind tatsächlich auch hungrig im ursprünglichen Sinn, weil sie tatsächlich einen leeren Bauch haben.

Wie gehen wir mit dem Hunger um? Dem Hunger in der Welt – dem Hunger aber auch in uns persönlich.

Diesen Sommer habe ich bei einem Kirchenbesuch eine Gebet zu diesem Thema gehört, das mich berührt hat. Dieses Gebet enthält tiefe Gedanken. Vielleicht beten Sie es mit, vielleicht denken Sie auch einfach darüber nach…

Fürbittegebet

Gott, Du Brot des Lebens.
Zu viele Menschen auf dieser Erde brauchen dringend eine Mahlzeit, die sie endlich wieder satt macht. Andere hungern nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe, aber ihre Hoffnung wird immer wieder enttäuscht.
So sehnen wir uns zusammen mit der ganzen Schöpfung nach einer Welt, in der es keinen Hunger mehr gibt. Vertrauend auf Dein Versprechen nach Fülle bitten wir Dich: Schenke Du uns die nötige Nahrung für Körper, Geist und Seele.

Gott, Du Brot des Lebens.
Als die Menschen zu Jesus kamen, wurden sie von ihm nicht abgewiesen. Indem er lehrte, tröstete, heilte und ihren Hunger stillte, sorgte er sich um alle ihre Bedürfnisse.
Hilf uns, dass auch wir andere Menschen liebevoll wahrnehmen, wie Jesus uns das gezeigt hat. Schenk uns den klaren und weitsichtigen Blick für die Ungerechtigkeiten um uns herum. Den Mut hin- und nicht wegzusehen.
Unterstütze uns in dem Bemühen, Dinge, die zu ändern sind, selbst in die Hand zu nehmen. Eine jede und ein jeder an ihrem und seinem Ort.

Gott, Du Brot des Lebens.
Du schenkst uns Fülle und segnest uns reich. Wenn wir auf diese Welt blicken, wäre genug Nahrung für alle da. Wir müssten es nur schaffen, sinnvoller mit Deiner Fülle umzugehen. Stattdessen verwandeln wir Deinen Segen ins Gegenteil.
Lass uns verantwortungsbewusst handeln im Umgang mit unseren Mitmenschen und mit den Gaben Deiner Schöpfung, die für uns alle bestimmt sind.

Amen.
(Verfasser: anonym)

 

 

Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSpiritualität“.

Unerwünscht und zurückgewiesen

Alleinsein ist schön, wenn man allein sein will,
nicht, wenn man es muss.

Annette Kolb, dt.-frz. Schriftstellerin, 1870-1967

Beim LebensbereichSelbst“ geht es um einen guten Umgang mit mir selber. Bin ich mir selbst ein guter Erzieher? Treffe ich Entscheidungen, die mir gut tun, die mich fördern? Gerade diese Tage habe ich dazu einen guten Tipp gelesen: Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, können wir die 10-10-10 Regel anwenden. Welche Auswirkungen wird die Entscheidung, die ich jetzt treffe in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren haben? Diese Regel kann uns helfen, nicht nur kurzfristig sinnvoll scheinende Entscheidungen zu treffen, sondern auch an die mittel- und langfristigen Auswirkungen zu denken.

Zu einem guten Umgang mit sich selbst gehört es, sein Leben aktiv zu gestalten, Ziele zu setzen und sich mit der persönlichen Entwicklung auseinander zu setzen. Es gehört aber auch die Frage dazu, wie wir mit Rückschlägen, Frustration und Niederlagen umgehen.

Was mach ich also, wenn ich mich unerwünscht und zurückgewiesen fühle? Was, wenn ich alleine bin, obwohl ich nicht alleine sein möchte? Das Gefühlschaos aus solchen Momenten ist jeder und jedem mehr oder weniger bekannt: Da kommt einmal mehr eine Absage auf eine Bewerbung, eine Beziehung endet im Chaos und zerbricht, meine Bereitschaft, mich zu engagieren, wird nicht honoriert, meine Zeichen der Liebe werden nicht erwidert… Ich fühle mich unerwünscht, frustriert, unverstanden und zurückgewiesen.

Mir helfen in solchen Situationen zwei gegensätzliche Dinge: Das reflektierende Alleinsein und die Kraft der Gemeinschaft.

Das reflektierende Alleinsein

Kürzlich, als ich in einer solchen Situation steckte, mich unverstanden und zurückgewiesen fühlte, setzte ich mich auf mein Bike und radelte der Aare entlang. Nach der kurzen Biketour waren nicht all meine Fragezeichen verschwunden und auch mein Gefühlschaos hatte sich nicht in Luft aufgelöst. Doch an der frischen Luft konnte ich neue Kraft tanken, klar denken und bereits erste positve Gedanken trotz der Enttäuschung fassen.

Neben Natur und Sport erlebe ich das Tagebuchschreiben als etwas sehr Hilfreiches für den guten Umgang mit mir selbst. Ich versuche, meinen fest reservierten Termin einmal die Woche auch tatsächlich einzuhalten und einige Gedanken zu meinem aktuellen Erleben zu notieren. Das Aufschreiben der Gedanken hilft, sich nicht einfach im Kreis zu drehen und sich nicht von Enttäuschungen und Frust auffressen zu lassen.

Zum reflektierenden Alleinsein gehört für mich ein Drittes: In der Stille des Alleinseins suche ich die Gemeinschaft mit meinem Schöpfer. Wer kennt mich besser als mein Schöpfer? Und wer kennt die Gefühle des Unerwünschtseins und der Zurückweisung besser als Jesus, der Frieden bringen wollte und dafür gekreuzigt wurde? Diese Woche habe ich gelesen: „Wer überzeugt ist, dass sein Gott es gut mit ihm meint, ist resilienter (widerstandsfähiger).“ (Markus Züger im Artikel „Die seelische Widerstandsfähigkeit„, antenne, September 2012)

Die Kraft der Gemeinschaft

So gut mir das reflektierende Alleinsein tut, bin ich doch sehr dankbar dafür, dass ich gerade in schwierigen Phasen des Lebens, in Momenten der Enttäuschung, auch ein stabiles Netz von guten Menschen um mich habe, die mich stützen und mir Kraft geben.

Die wertvollste Unterstützung sind mir hier das Zusammensein und der Gedankenaustausch mit meiner Frau: Gemeinsam meistern wir die Hürden des Alltags und sind auch dann füreinander da, wenn einer von uns „Schiffbruch“ erlebt hat.

Überhaupt kann die Familie ein kraftvoller Anker sein, wenn sich das Leben gerade von der harten Seite zeigt. Geschwister, Eltern, Kinder – sie alle haben im Normalfall ein natürliches Interesse an uns und darum auch ein offenes Ohr für uns.

Gerade wenn man sich unerwünscht und zurückgewiesen fühlt, gibt es kaum etwas Wohltuenderes als die Ermutigung von echten Freunden. Zu spüren, dass man ja doch nicht alleine auf der Welt ist, nicht von allen im Stich gelassen wird, hat etwas Heilsames. Freunde können einem helfen, wieder aufzustehen und das Leben aktiv zu gestalten.

Es wird offensichtlich, gerade in enttäuschenden Situationen, die uns die Motivation und die Freude am Leben nehmen wollen, ist ein Leben in gesunder Balance von grosser Bedeutung: Der Rückhalt in der Familie, die Ermutigung der Gemeinschaft, die Kraft des guten Umgangs mit sich selbst und eine gelebte Spiritualität. Sind diese Lebensbereiche tragfähig, so kann ich auch nach einer Zurückweisung und einer Niederlage aufstehen, mich neu ausrichten und mein Leben gestalten.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichSelbst“.

Wir sind neutral

Naturwissenschaftler wissen genau, wie zwei Atome in einem Molekül zusammengehalten werden. Was aber hält unsere Gesellschaft zusammen?
Elisabeth Noelle-Neumann

Wir Schweizer sind neutral. So neutral, dass wir hin und wieder unsere eigenen Wurzeln vergessen und stolz unsere Meinungslosigkeit demonstrieren. Man ist neutral, politisch korrekt und hält sich mit seinen eigenen Überzeugungen, falls man denn lauter Neutralität noch eine hat, zurück. Dies gilt besonders, wenn es ums Religiöse geht.

Unsere Gesellschaft braucht Leute, die sich engagieren. Menschen, die bereit sind, ans grosse Ganze zu denken und nicht nur ihren eigenen Vorteil suchen. Ich vermute, dass es gerade solche engagierte Personen sind, die unsere Gesellschaft zusammenhalten. Ein weiser Mann hat mir einmal gesagt: „Wer sich einsetzt, setzt sich aus.“ Wer sich engagiert – und sich dabei möglicherweise von seinen starken Überzeugungen leiten lässt – wird so zur Bedrohung für das neutrale System.

Es fällt auf, dass in regelmässigen Abständen Menschen, die sich zum Wohl unserer Gesellschaft einsetzen, Medienkritik auf sich ziehen. Nicht selten werden Personen aus kirchlichen, besonders freikirchlichen, Kreisen verdächtigt, ihr soziales Engagement nicht neutral auszuüben. Da hatte man Angst davor, dass Lehrpersonen aufgrund ihres Glaubens einen schlechten Einfluss auf die Kinder ausüben könnten. Dann standen christliche Hilfswerke wie die Heilsarmee in der Kritik, wenn sie vom Staat Aufgaben (zum Beispiel im Bereich der Migration und Integration) übernahmen. Und letzten Sonntag las ich nun in der NZZ am Sonntag von einem Freund von mir, der dem Jugendtreff in Aarburg zu neuem Leben verhalf. Als Jugendpastor einer Freikirche steht er natürlich unter besonderer Beobachtung, wenn er nun eine Aufgabe übernimmt, welche die politische Gemeinde scheinbar nicht mehr selbst ausfüllen kann (oder will). Und schon wird da eine Psychologin zitiert: „Ich finde das problematisch.“

Im nächsten Satz sagt Psychologin Regina Spiess: „Das Ziel guter Jugendarbeit ist unter anderem, Jugendliche in ihrer Entwicklung und Identitätsfindung zu unterstützen.“ Und genau das können eben Menschen mit einer starken (Glaubens)Überzeugung nicht. Erstens glaub ich nicht, dass ein neutrales, meinungsloses Wesen den Jugendlichen in der Entwicklung und Identitätsfindung eine grosse Hilfe ist. Und zweitens sind Bio-Ideologen, Umweltschützer oder Sportbegeisterte genauso wenig neutral wie religiöse Menschen. Das neutrale Schulzimmer gibt es nicht – ausser vielleicht, wir lassen unsere Kinder von Computern unterrichten. Aber ob dies ihrer Entwicklung und Identitätsfindung wirklich dienlich wäre…

Wir tragen stolz das Schweizer Kreuz auf unserer Brust – aber wehe, wir sehen in diesem Kreuz ein Symbol für unsere Wurzeln und das Glaubensfundament, das unser Land viele Jahre getragen hat. Es ist mir völlig klar, dass es in jedem Lager (ob religiös, bio oder feministisch) Fanatiker gibt. Aber dass man ausgerechnet bei denen, die sich auf die christliche Tradition unseres Landes besinnen und sich nach bestem Wissen und Gewissen für unsere Gesellschaft engagieren wollen, eine unverhältnismässig grosse Gefahr wittert, macht mich traurig, ärgerlich und betroffen – weil ich auch persönlich betroffen bin.

Nein, ich bin in vielerlei Hinsichten nicht neutral – weil ich tatsächlich zu vielem eine eigene Meinung habe. Doch das Gebot der Nächstenliebe lehrt mich, den anderen mit seiner Meinung zu respektieren, akzeptieren und wertzuschätzen. Und so kann jeder, ob noch jugendlich oder doch schon etwas älter, in seiner Identitätsfindung entscheiden, in welche Richtung er sich entwickeln will.

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichGesellschaft“.

Familienrhythmus und Papigutschein

Der Erwachsene achtet auf Taten, das Kind auf Liebe.
aus Indien

Seit unsere Kinder damals mit der Spielgruppe ihre Ausbildungslaufbahn und Schulkarriere gestartet hatten, gehört es jeden August zu den wiederkehrenden Aufgaben: Wir müssen als Familie einen neuen, passenden Wochenrhythmus finden.

Das heisst einerseits einen bewährten Wochenplan und damit vielleicht auch Liebgewonnenes loszulassen, anderseits eben auch, sich auf etwas Neues einzustellen und neue Möglichkeiten (oder auch mal Unmöglichkeiten) zu entdecken.

Für uns heisst das zum Beispiel immer wieder zu definieren, wann wir unseren freien Tag haben. Das ist gar nicht so einfach – auf jeden Fall, wenn wir als Familie einen gemeinsamen freien Tag haben möchten: Unter der Woche ist das Programm der Kids immer mehr gefüllt und am Wochenende durch Auftritte, Seminare und Referate das unsere. Während der Spielgruppenzeit unseres Jüngsten genossen wir es zum Beispiel, am Mittwochmorgen für uns als Ehepaar freie Zeit zu haben – mit dem Fahrrad der Aare entlang „velowandern“, eine gemütliche Stunde in einem Café… – und der Nachmittag war für uns als Familie reserviert. Dann kam der Sohn in das erste Kindergartenjahr und hatte am Mittwochmorgen wieder frei. Und fertig war es mit dem Morgen zu zweit. Oder der Montagabend war ein gemütlicher, ruhiger Abend daheim, dann hatte unsere Tochter genau an diesem Abend Schwimmkurs.

Seit diesem Sommer ist nun auch unser Sohn in der Schule. Das bringt bezüglich Familienrhythmus ganz neue Möglichkeiten und Chancen, aber auch Herausforderungen mit sich. Gerade sind wir noch am herausfinden, wie wir unser Wochenprogramm gestalten können, damit nichts zu kurz kommt (Hausaufgaben, Ämtli, Haushalt, unsere vielen Projekte) und wir doch auch genügend Familienzeiten haben.

Neben den gemeinsamen Momenten zu viert, haben wir noch etwas eingeführt, das uns helfen soll, regelmässige Zeiten von einem Elternteil mit einem unserer Kinder zu haben. Wir nennen das Papi-, resp. Mamigutschein. Ab dem ersten Schuljahr gibt es für unsere beiden Kinder jeden Monat einen solchen Gutschein. Im August starteten wir mit einem Papi-Sohn-Erlebnis und Joy durfte ihren Gutschein beim Mami einlösen.

So sass ich also letzten Sonntag mit unserem Janosch im Stade de Suisse in Bern. Er war happy, ich war happy – und gemeinsam hätten wir uns ein etwas besseres Spiel von YB gewünscht. Aber eigentlich ist das Spiel ja Nebensache. Viel wichtiger ist doch, dass ich als Vater mit meinem Sohn etwas erlebt habe. Und seine Wunschliste für die nächsten Papigutscheine ist schon ziemlich lang: Minigolf steht da, nach dem Fussball- folgt sicher später auch ein Hockeymatch…

Unsere Tochter tut sich da etwas schwerer, und zwar nicht nur beim Papi, auch wenn sie sich etwas wünschen darf, das sie mit ihrer Mutter unternehmen darf. Aber ich bin sicher, angestachelt durch ihren Bruder wird sie noch manche Idee bekommen. Es gilt sowieso: Das Was (solange es im Bereich des Möglichen und Finanzierbaren liegt) spielt eine nebensächliche Rolle, viel wichtiger ist es, dass wir überhaupt solche gemeinsame, wertvolle Momente mit unseren Kindern erleben.

Die Papigutscheine sind für mich eine geeignete Form, meinen Kindern Zeit, und damit Liebe zu schenken. Ich vermute (und hoffe), dass unseren Kindern im Rückblick weniger teure Geschenke in bleibender Erinnerung sind, sondern die gemeinsam verbrachten Augenblicke, zum Beispiel beim Einlösen des Papigutscheines.

 

 

 

 

Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den LebensbereichLiebe“.

Die Kunst, ein guter Chef zu sein

Führen ist die Kunst, den Schlüssel zu finden, der die Schatztruhe des Mitarbeiters aufschliesst und ihm das Gefühl vermittelt, dass in ihm viele Möglichkeiten und Fähigkeiten stecken.
Führen heisst, die Lust zu wecken an der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und am Dienst für die Gemeinschaft.

Anselm Grün (in “Menschen führen – Leben wecken”, Seite 51)

Der Gallup Engagement Index 2011 spricht eine deutliche Sprache: Nur gerade 14 Prozent der Angestellten haben eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber. Demgegenüber haben fast ein Viertel der Mitarbeitenden bereits innerlich gekündigt und der Grossteil der Arbeitnehmenden (63 %) macht Dienst nach Vorschrift.

Die Zahlen stammen zwar aus Deutschland, aber dass das Bild bei uns in der Schweiz viel rühmlicher aussehen würde, ist zu bezweifeln. Während wie bei uns in Deutschland die grosse Mehrheit zwar zufrieden mit ihrer Arbeit ist, steht es um die emotionale Bindung an den Arbeitgeber nicht gut. Ich vermute, der grosse Bereich der Mitarbeitenden mit Dienst nach Vorschrift zählt zu den resignativ Zufriedenen: Der Job ist okay, aber ich setze mich nicht freiwillig und mit Leidenschaft überdurchschnittlich für die Unternehmensziele ein.

Was sind die Gründe, dass nur ein kleiner Teil der Belegschaft über eine hohe emotionale Bindung verfügt? Zuerst einmal ist spannend, dass die Gründe nicht bei den Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit oder Entlöhnung zu suchen sind. „Diese Zahlen zeigen ganz eindeutig, dass die Gründe für eine mangelnde emotionale Bindung nicht in den Rahmenbedingungen des Arbeitsverhältnisses liegen. Führungskräfte sind diejenigen, die in der Verantwortung stehen, da sie es sind, die das Arbeitsumfeld durch ihr Führungsverhalten prägen und gestalten“, sagt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup.

Mit anderen Worten: Ob ich mich emotional an meinem Arbeitspaltz voll einbringe (loyal und produktiv bin), einfach meinen Job mache oder gar aktiv gegen die Interessen des Unternehmens arbeite (innere Kündigung), hängt viel mehr vom „guten Chef“ ab, also vom Lohn.

Ein guter Chef zu sein, ist aber eine hohe Kunst, die leider lange nicht alle Führungskräfte beherrschen.

Was tut ein Chef, dem es gelingt, eine hohe emotionale Mitarbeiterbindung zu fördern? Die Gallup Engagement Studie zeigt einige wichtige Faktoren auf, die die Kunst des Führens umschreiben. Die Umfrage zeigt bei all diesen Faktoren deutliche Unterschiede. Innerlich Gekündigte erleben die folgenden Punkte an ihrem Arebitsplatz kaum, emotional hoch Gebundene jedoch sehr häufig:

  • Anerkennung und Lob
  • konstruktives Feedback
  • Interesse für den Menschen
  • Förderung der persönlichen Entwicklung
  • Meinung und Ansichten der Mitarbeitenden haben Gewicht

„Gute Führung orientiert sich am Menschen“, steht in der Pressemitteilung von Gallup Deutschland. Und genau das beschreibt Anselm Grün im eingangs erwähnten Zitat. Wer in der Kunst, ein guter Chef zu sein, zulegen will, dem empfehle ich, das Buch Menschen führen – Leben wecken von Grün unbedingt zu lesen und seine Ausführungen zu beherzigen.

Ein guter Chef ist nicht einer, der einfach Dienstbefehle von oben nach unten weiterreicht. Ein guter Chef schafft ein Umfeld, in dem sich jeder gerne mit Leidenschaft und mit seinen Stärken einbringt, sich in seiner Persönlichkeit wertgeschätzt fühlt und jedem klar ist: Gewinnen tun wir als Team.

 

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