Die Chef-Falle

Führung heisst, die Menschen zu motivieren,
sie zu beflügeln, sie zur Kreativität ermutigen.
Anselm Grün in Menschen führen – Leben wecken 

Wo liegt eigentlich das Problem bei Misserfolgen von Unternehmen – bei den Mitarbeitenden oder bei den Chefs? Um diese Frage dreht sich das Buch Die Chef-Falle von Jörg Knoblauch. Nach der Personal-Falle, einem Buch in dem das Personal in A-, B- und C-Mitarbeitenden eingeteilt wird und das Problem der schwachen Mitarbeiter analysiert wird, geht es nun in der Chef-Falle den schlechten Chefs an den Kragen.

Denn: „C-Mitarbeiter fallen ja nicht vom Himmel. Es sind unsere Chefs, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind“, beschreibt Knoblauch im Vorwort die Einwände des Personals.

Nun gut, in meinem Life-Balance-Blog versuche ich wöchentlich Impulse zu einem eigenverantwortlich gestalteten Leben in gesunder Balance zu geben. Da wäre es natürlich viel zu einfach, die Schuld einfach pauschal beim Chef zu suchen. Schliesslich ist jeder für seine Persönlichkeitsentwicklung selbst verantwortlich.

Trotzdem sind die Beispiele in Knoblauchs Buch eindrücklich: Da ist zum Beispiel von einem Assistenten die Rede, der eigentlich nach dem (unfreiwilligen) Abgang seines Chefs sein Büro ebenfalls hätte räumen sollen – nach der Einschätzung von Knoblauch. Er war einfach nicht zu gebrauchen, lieferte seine Arbeit unfertig, fehlerhaft oder gar nicht ab… Doch plötzlich: Ein neuer Chef und der Assistent blüht auf, erledigt speditive und saubere Arbeit ab. Was war geschehen: „Der alte Chef liess mich nicht machen.“

Bremsklotz oder Förderer?

Sind also doch die Chefs schuld? Ganz sicher ist es eine der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste – Führungsaufgabe, ein Umfeld zu schaffen, in dem Spitzenleistungen möglich sind. Wenn ich mich unter einem Chef jedoch über Monate oder gar Jahre nicht weiterentwickeln kann, ist es zu billig, dies als Ausrede für meine persönliche Stagnation zu gebrauchen. Ich – und nicht mein Chef – bin für mich verantwortlich!

So hart (und im Grunde auch ungerecht) es sein mag: Wenn der Chef mein „Entwicklungs-Bremsklotz“ ist, muss ich mich nach einer Veränderung umsehen, selbst wenn eigentlich der Chef gehen sollte. A-Mitarbeiter gehen weiter und suchen ein förderndes Klima: “Immer wieder höre ich von Angestellten, die gekündigt haben, dass ihre Aufgabe ihnen eigentlich Freude gemacht hat. Aber ihre Chefs waren unerträglich. Mitarbeiter verlassen nicht das Unternehmen, sondern ihren Vorgesetzten“, schreibt Knoblauch.

7 Chef-Fallen – häufige Führungsfehler

Gleich im ersten Kapitel beschreibt Prof. Jörg Knoblauch sieben häufige Fehler von Chefs:

  • Mikromanagement
  • Entwicklungsblockaden
  • Mitarbeiterausbeutung
  • Erniedrigung
  • Selbstüberschätzung
  • Entscheidungsschwäche
  • Aktionismus

Ein Chef, der alles selbst bestimmt (Mikromanagement) engt ein. Einer, der nicht entscheidet, langweilt. Und der Chef, der eine „Hü + Hott“-Strategie verfolgt (Aktionismus), irritiert. Gravierend sind auch die Fehler, die auf Charakterschwächen des Chefs schliessen lassen (Erniedrigung, Mitarbeiterausbeutung).

Führung ist eine schöne, aber auch verantwortungsvolle Aufgabe. Wenn es Chefs gelingt, ein Klima zu schaffen, in dem die Mitarbeitenden ihr Potenzial abrufen können und gerne ihr Bestes geben, haben alle gewonnen.

Und hier noch eine wunderschöne Beschreibung dieser Führungsaufgabe:

Führen ist etwas Aktives. Führen lockt im einzelnen das Leben hervor, das in ihm schlummert. Es motiviert den Mitarbeiter, die Gaben, die Gott ihm geschenkt hat, zu entfalten. Führen ist die Kunst, den Schlüssel zu finden, der die Schatztruhe des Mitarbeiters aufschliesst und ihm das Gefühl vermittelt, dass in ihm viele Möglichkeiten und Fähigkeiten stecken. Führen heisst, die Lust zu wecken an der Entfaltung der eigenen Fähigkeiten und am Dienst für die Gemeinschaft.
(Anselm Grün in Menschen führen – Leben wecken)

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Mehr als Durchschnitt!

Ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast — das erkenne ich!
König David (in Psalm 139)

Es ist ganz gut, dass dieser Spruch schon so alt ist. Wenn nämlich heute einer von sich so etwas sagen würde wie es hier König David tut, würden wir ihn wohl als arrogant abstempeln: „Tja, das sagt er jetzt so grössenwahnsinnig von sich selbst. Dabei ist jedem – ausser ihm selbst – sein blinder Fleck bestens bekannt.“

Nun, hin und wieder versuche ich Leute dazu zu bringen, genau diesen David-Satz auch von sich selbst zu sagen. Ob bei Jugendgottesdiensten oder auch kürzlich wieder in einem Timeout-Weekend für Paare – es ist mein Ziel, dass Menschen ihre Einzigartigkeit erkennen, sich mit sich selbst versöhnen und sich selbst als wunderbares Geschenk des Himmels erfahren dürfen. Dabei laden wir die Seminar- oder Gottesdienstteilnehmenden schon mal ein, an Ort und Stelle in einen Spiegel zu schauen und sich selbst als geniales Geschöpf Gottes anzusehen.

Teil einer grossartigen Schöpfung

Wir neigen dazu, immer die Fehler, die Schwächen und ganz allgemein das Negative zu sehen. In technischer Hinsicht mag diese Fehlerfixierung eine Stärke sein; wahrscheinlich verdanken wir ihr auch das weltweit geachtete Gütesiegel „Swiss Quality“. Eine Maschine hat zu funktionieren, da muss jeder Fehler ausgemerzt werden. Und bei komplexen Abläufen wie einer Herztransplantation möchte ich darauf vertrauen können, dass jeder Handgriff sitzt.

Doch, wir Menschen sind nicht Maschinen und auch nicht einfach „technische Abläufe“. Wir sind einzigartige Geschöpfe mit grösstmöglicher Individualität. Da gilt es, die gottgewollte Einzigartigkeit zu entdecken, entfalten und zum Glänzen zu bringen. Und nicht einfach darum, einem Standard zu entsprechen!

Es beginnt beim ersten Besuch beim Kinderarzt, entfaltet sich in höchster Intensität in der Schulzeit und wird im Berufsalltag fortgeführt: Der Vergleich mit der „Mittelkurve“, also mit einem Durchschnittswert. Gnädigerweise gibt es eine gewisse Bandbreite, eben einen Toleranzwert. Doch wehe, wenn wir da eine ganz eigene Kurve zeichnen und den Vorgaben nicht entsprechen…

Gewiss sind solche Wachstums- und Entwicklungskurven hilfreich. Und natürlich ist es von Vorteil, in der Grundschule einige grundlegende Fertigkeiten zu erlernen. Trotzdem: Wird unsere individuelle Einzigartigkeit bei all diesen Standardwerten wirklich genügend gefördert?

Wir sind mehr als Durchschnitt! Wir sind sogar mehr als „Swiss Quality“. Wir sind „Made by God“ und damit Teil einer grossartigen Schöpfung. Wie gesagt, es gibt Bereiche, in denen ich sehr dankbar bin für „Swiss Quality“. Ich bin froh, wenn sich der Pilot an die Vorgaben hält und seinen Job nicht allzu kreativ und originell interpretiert. Trotzdem wünsche ich mir im Allgemeinen mehr Kreativität, mehr Originalität, mehr Einzigartigkeit. Eben mehr von dem, was Gott erschaffen hat und etwas weniger von dem, was unsere standardisierten Kurven vorgeben.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Ich bin ich

Selbstwert bedeutet in sich nichts anderes,
als das was das Wort uns sagt:
Es ist der Wert den wir uns selbst geben!
Urs R. Bärtschi (in: Ich bin mein eigener Coach)

Kürzlich musste mich meine Tochter im Preteens-Programm einschätzen und mir danach in einem Vater-Tochter-Gespräch mitteilen, wie sie mich erlebt. Was ich da hörte, tönte durchaus positiv, überraschte mich aber auch, weil ich mich selbst nicht unbedingt so wahrnehme: „Freundlich, genügsam, fröhlich, spontan, nett, unabhängig, gesprächig, friedlich, kontaktfreudig.“ Natürlich gab es auch noch eine Rubrik mit Schwächen. Wenig rühmlich, was meine Tochter hier unter anderem ankreuzte: Faul.

Wie passen die Beobachtungen meiner Tochter mit meinem ehrgeizigen Selbstbild zusammen? Ich sehe mich gerne als zielstrebigen, kreativen und innovativen Pionier, der gerne anpackt und auch bereit ist, neue Wege zu gehen, um seine Visionen zu erreichen.

Eine plausible Erklärung scheint es für diese doch ziemlich unterschiedlichen Einschätzungen zu geben: Ich könne ganz gut vom Arbeits- in den Freizeitmodus umstellen, sagt meine Frau (nicht ganz ohne einen leicht vorwurfsvollen Ton kaschieren zu können). Was sie meint: Als Führungsperson im Job sei ich entscheidungsfreudig, mutig und innovativ. Daheim zeige ich mich dann viel öfters von einer passiven Seite. Was mir als Ausgleich ganz gut bekommt, von der Familie aber auch mal als „faul“ gebrandmarkt wird.

4 Grundrichtungen der Persönlichkeit

Dieser kleine Einblick in Gerbers Familienalltag zeigt, wie spannend die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Persönlichkeitsmerkmalen sein kann. Seit Jahren arbeiten wir in unserer Seminar– und Coachingtätigkeit mit dem GPI-Test. GPI steht für Grundrichtungen der Persönlichkeit aus individualpsychologischer Sicht. Dieses Testverfahren besticht dadurch, dass es nur Gewinner gibt, einfach und aussagekräftig ist und konkrete Handlungsweisen aufzeigt. Durch die Grundrichtung erkennen wir, welche übergeordneten Ziele wir (bewusst oder unbewusst) verfolgen.

Die vier Grundrichtungen sind:

  • Die Freundlichen: kontaktfreudig, kann harmonisieren, gutes Einfühlungsvermögen, hilfsbereit.
    Ziel: Will von anderen gemocht werden.
  • Die Gemütlichen: tolerant, diplomatisch, ausgeglichen, kann geniessen, schafft gemütliche Atmosphäre.
    Ziel: Will es angenehm haben.
  • Die Geschäftigen: hohe Leistungsbereitschaft, zielgerichtet, Begeisterungsfähigkeit, bringt neue Ideen.
    Ziel: Will gewinnen.
  • Die Konsequenten: kann gut organisieren, verantwortungsbewusst, schafft Strukturen und klare Verhältnisse.
    Ziel: Will Sicherheit.

Ausführlich werden die vier Grundrichtungen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen sowie dem entsprechenden Entwicklungspotenzial im empfehlenswerten Buch Ich bin mein eigener Coach von Urs R. Bärtschi vorgestellt.

Die Grundrichtungen sollen weder das Individuum in ein starres Kästchen drücken (oft hat man sowieso eine dominierende Grundrichtung zusammen mit Anteilen der anderen), noch sollen sie als Ausrede („Ich bin halt gemütlich…“) benutzt werden. Sie können uns helfen, uns selbst besser zu verstehen, unsere Handlungsmuster zu reflektieren und unsere Stärken bewusst einzubringen.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Kann man Gemeinschaft organisieren?

Gross zu sein, hat uns allerdings auch nicht immer gutgetan,
tut eigentlich keiner Kirche besonders gut.
Gottfried Locher (im Interview Protestanten sind Meister im Entzaubern)

Wir Menschen sind für die Gemeinschaft gemacht. Anders gesagt: Wir brauchen andere Menschen um uns positiv (weiter)entwickeln zu können.

Nun beschäftigt mich aber als Leiter einer unkonventionellen Kirche seit 15 Jahren die Frage, ob man Gemeinschaft organisieren kann. In vielen Kirchen wird der Wert der Gemeinschaft grossgeschrieben. Und darum beginnt man, Gruppen zu organisieren: Interessensgruppen, Hauskreise, Freiwilligenteams, Kleingruppen…

Meine Erfahrung dabei ist eher frustrierend als motivierend. Denn: Die beste Gemeinschaft erlebe ich immer wieder bei natürlichen Treffen mit Freunden – und nicht in organisierten Gruppen.

Ohne Organisation geht es nicht

Die Lösung scheint auf den ersten Blick naheliegend: Organisieren wir einfach nichts mehr. So verlockend das sein mag, so sehr gibt es auch da Gefahren: Einerseits sollen Kirchen und ähnliche „Gemeinschaften“ ein Ort sein, an dem auch Menschen getragen werden, die sonst durch die sozialen Netze fallen würden. Und zum Anderen braucht selbst eine lebendige Freundschaft ein Mindestmass an Organisation.

Wenn ich die Gemeinschaft mit meinen Freunden in Süddeutschland so sehr schätze, aber nie Zeit und Raum schaffe, um diese Freundschaft zu pflegen, bleibt es eine imaginäre Gemeinschaft. Freundschaften leben von gelebter Gemeinschaft – und nicht nur von der Idee, sich bei Gelegenheit einmal zum Essen zu verabreden. Und wenn es schon bei natürlichen Freundschaften nicht ganz ohne Organisation geht, wie viel mehr braucht es da organisatorisches Geschick, wenn Gemeinschaft in einer Kirche lebendig gehalten werden soll.

Institutionalisierung tötet Gemeinschaft

Nun ist aber genau das die grosse Kunst und Herausforderung: Sobald wir eine anfänglich vielleicht sehr lebendige Gemeinschaft, möglicherweise sogar entstanden aus einem spontanen Treffen, institutionalisieren, ist das Scheitern praktisch vorprogrammiert. Was einmal gut und inspirierend war, bleibt nicht automatisch durch unzähliges Wiederholen immer noch gut und inspirierend. Institutionalisierte Gemeinschaft nützt sich mit der Zeit ab.

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich das obige Zitat von Gottfried Locher studierte. Institutionelle Grösse tut einer Kirche nicht wirklich gut. Oder stellt mindestens eine grosse Herausforderung dar. Denn: Je grösser eine Organisation ist, desto schwerfälliger wird sie als Institution. Und solche träge Institutionen werden es schwer haben, gelebte Gemeinschaft zu ermöglichen.

Gemeinschaft offen organisieren

Diese Woche bin ich über folgende Zeilen gestolpert. Aus meiner Sicht könnte das von Tony Jones vorgestellte Konzept ein guter Lösungsansatz sein, wie Gemeinschaft offen organisiert werden könnte:

Jones regt eine „Wikichurch“ an, also eine nicht hierarchisch strukturierte Glaubensgemeinschaft, zu der jede/r etwas beitragen kann. Konkret empfiehlt er die Organisationsstruktur des „open-source network“. Dabei tritt die gegenseitige Kommunikation ins Zentrum der Aufmerksamkeit. …

Freimütig räumt Jones ein, dass es bei einer solchen Organisationsstruktur zu Fehlern kommen kann (wie bei Wikipedia). Doch erscheint ihm die Gefahr der Erstarrung wie in den bisherigen Kirchen bedrohlicher.
(Quelle: Praktische Theologie, Christian Grethlein)

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Wir sind so verschieden…

Die Akzeptanz der Unterschiede ist Voraussetzung für die Überraschung der Gemeinsamkeiten.
Peter Ustinov

Unterschiede ziehen uns an, wecken Neugier und sind eine Ergänzung zu uns. Mindestens bis wir im Paaralltag angekommen sind. Da macht dann die Neugier nicht selten dem Befremden Platz, aus Ergänzung wird Konkurrenz und die anziehenden Unterschiede werden zur gefährlichen Bedrohung unserer Liebe.

Manchmal führen diese Unterschiede, die uns am Anfang so fasziniert haben, dazu, dass wir versuchen, aus dem Gegenüber ein zweites Ich zu machen. „Wäre er/sie nur so wie ich, dann ging es uns gut!“ Naja, die Wahrheit solcher Gedanken ist stark anzuzweifeln. Unüberwindbar scheinende Unterschiede sind tatsächlich eine enorme Herausforderung und ein starker Belastungstest für eine Beziehung. Aber als Alternative zweimal ein Ich? Nein danke!

Tatsache ist: Je grösser die Unterschiede, desto mehr Kommunikationsbedarf besteht in einer Beziehung. Meine Frau und ich erleben seit bald fünfzehn Jahren immer wieder, dass wir uns häufig erstaunlich schnell einig sind. Nicht, dass wir eine langweilige Beziehung führen würden oder keinen Gesprächsstoff hätten. Ich betrachte es als Geschenk, dass wir bei Grundsatzthemen meistens im Wesentlichen übereinstimmen. Und ich bezweifle, dass wir so viele gemeinsame Projekte (Leitung einer sozial-diakonischen Arbeit, Timeout-Weekends, Seminare und Referate…) auf die Beine stellen könnten, wenn wir immer wieder vor grossen (Meinungs)Unterschieden stehen würden.

Brigitte & Stefan Gerber

Persönlichkeit des Gegenübers entdecken, akzeptieren und schätzen

In unserem Bekanntenkreis oder bei Coachings beobachten wir jedoch auch Paare, die mit grossen Unterschieden zu kämpfen haben. Da gibt es einen viel grösseren Kommunikationsbedarf. Damit die Unterschiede, die sich anfänglich gegenseitig angezogen haben, nicht dazu führen, dass man sich (innerlich) immer weiter voneinander entfernt, gilt es, den Rat von Peter Ustinov (Zitat oben) zu beachten.

  • Dazu werden wir bei unserem Timeout-Weekend für Paare 2014 mit dem GPI-Persönlichkeitstest arbeiten und den Paaren helfen, ihre Grundrichtung der Persönlichkeit zu entdecken.
    Natürlich kann man auch ohne Seminar auf Entdeckungsreise gehen: Was macht meinen Partner, meine Partnerin aus? Welche Stärken hat er/sie? Welche Themen bedeuten ihr/ihm viel? Was hat sie/ihn besonders geprägt?

 

  • Persönlichkeit des Gegenübers akzeptieren
    Während die Entdeckungsreise spannend ist, braucht dieser Schritt innere Grösse: Mein Gegenüber ist anders als ich – und das ist gut so!
    Ich kann ihn/sie nicht ändern – und das ist gut so!
    Wir werden uns an unserer Unterschiedlichkeit reiben – aber: das ist gut so!

 

  • Persönlichkeit des Gegenübers schätzen
    Wer die Unterschiede akzeptiert, kann sich hoffentlich (mit der Zeit) auch daran freuen. Sie sind eine Bereicherung. „Ich bin ich und du bist du“ – so nennen wir unser Timeout-Weekend zu diesem Thema. Und genau das ist unsere Stärke: Wir zusammen haben eine besondere, einmalige Kombination von Persönlichkeitsmerkmalen. Das Du soll nicht Konkurrenz zum Ich sein – sondern Ergänzung, die ich schätzen kann und unser Wir ausmacht.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.

Hamster oder Ente?

Der Erfolgreiche überprüft seine Begabungen und Fähigkeiten,
ehe er sein Ziel steckt.

Vera F. Birkenbihl

Letzten Sonntag durften wir einmal mehr mit unserem Impulsreferat Leben in Balance einen Anlass bereichern. Nach dem Referat kam jemand auf mich zu und fragte: „Was sind wir nun, Hamster oder Enten?“

In meinem Teil des Referates erklärte ich, dass das Leben viel mehr zu bieten hat als das Hamsterrad. Viel zu oft leben und arbeiten wir als Getriebene von unseren To-Do’s und den selbstauferlegten oder von einem Chef aufgebrummten Zwängen. Es ist Zeit, dass wir das Hamsterrad verlassen.

Meine Frau erzählte in ihrem Erfahrungsbericht die Geschichte vom Entchen. Die Ente kann schwimmen und gehen – oder besser: watscheln. Aber das andauernde Watscheln sorgt für wunde Füsse. Das bevorzuge Element des Entchens ist das Wasser. Und so gilt es auch für uns, der Frage nachzugehen, welches Element am besten zu uns passt.

Meine Stärken kennen

An einem Mitarbeitertreffen fragte ich gestern in die Runde: „Wo merkst du: ‚Das ist nicht mein Ding!‘?“ Und dann: „Wo erlebst du: ‚Hier blüh ich auf!‘?“ Das war eine interessante Gesprächsrunde und als eine Person erzählte, bei welcher Tätigkeit sie aufblüht, entwich einer anderen Mitarbeiterin ein herzhaftes „Ou nei!“. Das ist das Wunderbare an der Unterschiedlichkeit von uns Menschen: Nicht jeder blüht im selben Element auf. Was für mich nicht „mein Ding“ ist, kann für den anderen genau der Ort sein, an dem er so richtig aufblüht.

Soweit so gut. Die Herausforderung ist nur, seine Stärken herauszufinden, sie zu akzeptieren und dann Orte zu finden, wo man sich mit seinen Stärken einbringen kann. Wie gerne hätte ich in der Jugendzeit etwas mehr von den Stärken meines Freundes gehabt. Er konnte so gut mit (fremden) Menschen ins Gespräch kommen… Aber: Wenn ich sein will wie du und du sein willst wie ich, verlieren wir beide!

Gesucht: Chef, der meine Stärken fördert

Meine Einzigartigkeit kann ein Geschenk für die Welt sein. Vielleicht ist es eine Utopie, doch ich träume von einer Welt – auch von einer Arbeitswelt – in der Menschen ihre persönlichen Stärken und ihre ganz eigene Note einbringen können. Arbeitnehmer und Arbeitgeber in ihrem Element, weil sie das tun, was sie am besten können.

In seinem Buch Die Chef-Falle schreibt Jörg Knoblauch: „Immer wieder höre ich von Angestellten, die gekündigt haben, dass ihre Aufgabe ihnen eigentlich Freude gemacht hat. Aber ihre Chefs waren unerträglich. Mitarbeiter verlassen nicht das Unternehmen, sondern ihren Vorgesetzten.“

Manchmal macht eine Aufgabe auch ohne guten Chef Spass. Doch ausgezeichnete Führungspersonen finden Aufgaben, die zu ihren Mitarbeitenden passen und diese zum Aufblühen bringen. Denn: Wenn wir nach unseren Stärken eingesetzt werden, erleben wir nicht nur persönlich mehr Freude, sondern auch der Betrieb als Ganzes profitiert.

 

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Mein  Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Arbeit“.

Geliebt sein

Selbstannahme

Ein gutes Mass an Selbstliebe und Selbstwertgefühl stellt die Basis dar,
um auch anderen liebevoll und einfühlsam begegnen zu können.
Michael Klessmann

In der christlichen Tradition werden Nächsten- und sogar Feindesliebe gross geschrieben. Demgegenüber hat die Selbstliebe oftmals einen fahlen Beigeschmack und wird schnell einmal mit Selbstverherrlichung und Ego-Trip gleichgesetzt. Vielerorts ist eine solche Ansicht inzwischen – Gott sei Dank – überwunden worden.

Nur wer gelernt hat, sich selbst zu lieben und sich anzunehmen, wird das Gebot der Nächstenliebe aufrichtig und gesund ausleben können. Eigentlich schwingt das bereits in der Jesus-Aussage „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus 12,31) mit. Und das diese Selbstliebe mitunter die schwierigste Aufgabe sein kann, schrieb der Psychiater C.G. Jung: „Wenn ich nun aber entdecken sollte, dass der Geringste von allen, der Ärmste aller Bettler, der Frechste aller Beleidiger, ja der Feind selber in mir ist, dass ich selber des Almosens meiner Güte bedarf, dass ich mir selber der zu liebende Feind bin, was dann?“

Selbstannahme

Nächsten lieben? Ja! Feinde lieben? Ja! Aber was, wenn der Feind in mir selbst ist? Was, wenn es mir einfach nicht gelingt, mich mit meinem Schatten, meinen dunkeln Seiten, mit meinem Wesen, mit meinem Inneren oder Äusseren zu versöhnen?

Auf diese schwierige Frage will ich keine einfache Antwort geben – weil das individuelle Leben komplexer ist als gut gemeinte Allzweckratschläge. C.G. Jung spricht davon, dass es das Unmöglichste sei, „sich selbst in seinem erbärmlichen So-Sein anzunehmen.“ Wenn schon einer der grossen Psychiater solches sagt, wird es wohl kaum einen einfachen, schnell anzuwendenden psychologischen Trick zur Selbstannahme geben.

Was sicher ist: Wer Liebe geben will, muss zuerst selbst Liebe erfahren. Und um mich selbst lieben zu lernen, brauche ich die Erfahrung des unverdienten Geschenks des „Geliebt-Werdens“. Entwicklungspsychologisch geht unsere Liebesfähigkeit auf die Kleinkindphase zurück. Michael Klessmann schreibt in seinem Lehrbuch zur Pastoralpsychologie:

Ein Kind ist zunächst darauf angewiesen, dass ihm die Liebe und sensible Zuwendung der Mutter entgegenkommt, um ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen zu können. Nur in dem Mass, in dem das gelingt, ist das Kind und später der/die Erwachsene wiederum in der Lage, selber unverkrampft und offen Liebe und Zuneigung an andere weiterzugeben. Wenn ein Kind kein einigermassen stabiles Selbstwertgefühl entwickeln kann, wird es kaum liebesfähig, sondern wird dazu neigen, erlittene Frustrationen und Verletzungen in späteren Beziehungen zu wiederholen.

Für mich als Theologe und Jesus-Nachfolger beginnt die Stärkung der eigenen Liebesfähigkeit jedoch noch weit früher als bei der erfahrenen Mutterliebe: Die Gewissheit, ein geliebtes und erwünschtes Geschöpf des himmlischen Vaters zu sein, ist für mich der feste Boden, auf dem ich stehe. Und dass mir dieser vollkommene Gott trotz meinem „erbärmlichen So-Sein“ immer wieder ein Beziehungs- und Liebesangebot macht, ist wahrhaft Gnade. 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Spiritualität“.

Wo Herzlichkeit beginnt

Glück finden wir, wenn wir vollständig eins sind mit jeder Einzelheit unseres Lebens, gleich, ob gut oder schlecht, nicht, indem wir direkt danach suchen.
Mihaly Csikszentmihalyi (in: FLOW – Das Geheimnis des Glücks) 

 

Letzte Woche habe ich hier mit dem Artikel Herzlichkeit leben ausgeführt, was die Luege, Lose, Loufe-Strategie mit Freundlichkeit im Alltag zu tun hat. Es ging darum, die Mitmenschen wahrzunehmen, ihre Anliegen ernstzunehmen und Engagement zu zeigen.

Doch eigentlich beginnt Herzlichkeit bei uns selbst. Das haben wir auch bei der erwähnten Schulung (siehe letzter Blogartikel) den Bergbahnmitarbeitenden aufgezeigt.

Warte – Ich trete authentisch auf

Die Luege, Lose, Loufe-Strategie habe ich natürlich in Anlehnung an die eingängigen Konzepte der Verkehrssicherheit entwickelt. Jedes Kind wird spätestens im Kindergarten mit „Luege, Lose, Loufe“ vertraut gemacht.  Als ich den passenden „Luege, Lose, Loufe“-Aufkleber bestellte, korrigierte mich der Verkehrspolizist eindringlich: „Warte – Luege, Lose, Loufe“.

Das hat etwas: Jede Strategie und sinnvolle Aktion, gerade auch im Umgang mit unseren Mitmenschen, beginnt beim Warten. Das heisst: Bei mir selbst. Bevor ich Herzlichkeit gegenüber dem Kunden ausstrahlen kann, muss ich in den Spiegel schauen:

  • Wie geht es mir?
  • Bin ich bereit, meinen Mitmenschen heute herzlich zu begegnen?

Ich bin allergisch auf aufgesetzte Freundlichkeit und auswendig gelernte Standardsätze. Ich will in meinem Gegenüber einen Menschen spüren. Unsere Herzlichkeit muss authentisch, also echt und ehrlich sein. Nicht jeder von uns ist ein Freund vieler Worte und wir sollen uns selbst bleiben. Die Art und Weise wie wir jemandem auch ohne Worte begegnen (Augenkontakt, Gesichtsausdruck) spricht für sich.

Wenn wir selbst unzufrieden sind, dann können wir nicht zufrieden wirken. Das geht nur, wenn wir auch gut zu uns selbst schauen – und nicht nur zu unseren Kindern, Eltern, Mitmenschen, Kunden… Es ist eine erschreckende Tatsache, die uns in unseren Seminaren und Coachings immer wieder begegnet: Aktive Menschen neigen dazu, den Lebensbereich Selbst (unbewusst) zu streichen und dabei langsam aber stetig auszutrocknen.

Ein guter, gesunder Umgang mit sich selbst ist für viele Menschen eine Herausforderung. Aber wenn wir Tag für Tag – im Kundenkontakt oder auch einfach in Familie und Gesellschaft – unseren Mitmenschen mit Herzlichkeit begegnen wollen, müssen wir regelmässig in den Spiegel schauen und ein mutiges Selbstgespräch führen:

  • Und wie geht es dir?
  • Bist du lebendig, voller Energie?
  • Was brauchst du, damit du mit Leidenschaft Herzlichkeit leben kannst?

Ob als Kunde oder als Freund – ich wünsche mir authentische Mitmenschen. Menschen also, die mir nicht Freundlichkeit vorgaukeln, sondern in ihrem Herzen wirklich freundlich zu sich und zu ihrer Umwelt sind. Authentisch heisst dann auch, dass nicht immer alles gut und super ist. Viel mehr hat es damit zu tun, auch seine Grenzen zu kennen und zu respektieren.

Ich wünsche mir Menschen, denen man anmerkt, dass sie mit sich selbst – mit ihrem Innenleben – in Kontakt sind. Denn das zeigt mir, dass ich es nicht mit „seelenlosen Dienstleistungsmaschinen“ zu tun habe.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Selbst“.

Herzlichkeit leben

Brigitte & Stefan Gerber alleine in der Gondelbahn

Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde sehen.
Mark Twain

Zum Startschuss in die Wintersaison erhielten wir letzte Saison vom Betriebsleiter einer Bergbahn eine schöne Anfrage: Er wünschte für seine 50 Mitarbeitenden im Skigebiet eine Herzlichkeitsschulung. So machten wir uns erwartungsvoll auf die Reise in die Innerschweiz und kamen nach abenteuerlicher „Selbstbedienungs-Gondelbahnfahrt“ an der Bergstation an, wo das Personal bereits versammelt war und nun von uns zu einem herzlichen Umgang mit den Gästen motiviert wurde.

Brigitte & Stefan Gerber alleine in der Gondelbahn

Herzlichkeit – oder mindestens Freundlichkeit – ist ein zentraler Wert im Dienstleistungssektor. Mark Twain hat recht, wenn er mit obigem Zitat unterstreicht, dass Freundlichkeit eine Sprache ist, die alle verstehen. Doch: Alle verstehen die Sprache der Freundlichkeit und trotzdem bekommt man – als Kunde, Gast oder auch einfach als Teil unserer Gesellschaft – hin und wieder den Eindruck, dass einige Zeitgenossen in der Sprache der Freundlichkeit nicht wirklich sprachgewandt sind. Der Schluss liegt nahe, dass zwischen Verstehfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit ein Loch klafft.

Da dreiviertel von uns in irgendeiner Form im Dienstleistungssektor arbeiten und wir alle unabhängig vom Job mit anderen Menschen zu tun haben, können wir möglicherweise auch eine Herzlichkeitsschulung brauchen. Was haben wir also den Mitarbeitenden im Skigebiet mitgegeben? Wieder einmal bot sich unsere Luege, Lose, Loufe-Strategie an.

Luege – Ich nehme den Mitmenschen wahr

Der erste Schritt der Strategie ist so simpel, dass es schon fast peinlich ist, es erwähnen zu müssen: „Häreluege“ (Hinschauen) und wahrnehmen, dass da ein Kunde ist.
Es ist doch das Normalste, dass ich als Kunde davon ausgehen darf, dass ich im Restaurant vom Servicepersonal gesehen werde. Doch wie oft passiert es uns im Alltag, dass wir uns fast entschuldigen müssen, wenn wir etwas bestellen wollen?

  • Egal wo: Als Kunde ist mein erster Wunsch: Ich möchte wahrgenommen werden!

Und natürlich spielt genau dies auch eine wichtige Rolle in unserem alltäglichen zwischenmenschlichen Umgang: Wenn wir unseren „iDings“ mehr Aufmerksamkeit schenken als unserem realen Gegenüber, sollten wir dringend mit diesem ersten Schritt beginnen, aufschauen und feststellen: Ah, da gibt es ja noch echte Menschen – im Zug, in der Fussgängerzone, im Wohnquartier…

Lose – Ich nehme das Anliegen ernst

Hier geht es um die Analyse: Was sind die Bedürfnisse des Gastes? Im zwischenmenschlichen Umgang und in Freundschaften sprechen wir kaum von Analyse, doch das Prinzip gilt auch hier.

  • Mein zweiter Wunsch ist nämlich: Ich will gehört werden. Ich wünsche mir, dass mein Anliegen ernstgenommen wird.

Dabei müssen wir unser Gehör schulen. Richtig zuhören ist eine Kunst!

Loufe – Ich stellen den Kunden zufrieden

Jetzt ist unser lösungsorientiertes Handeln gefragt.

  • Mein dritter Wunsch ist schliesslich, dass ich als Kunde zufriedengestellt werde.

Auch wenn wir Freunde ganz bestimmt nicht als Kunden behandeln sollten, gelten auch da dieselben Prinzipien: Den Menschen wahrnehmen, seine Anliegen ernstnehmen und Engagement zeigen.

Doch eigentlich beginnt die „Luege, Lose, Loufe“-Strategie ganz an einem anderen Punkt. Darüber nächste Woche in meinem Blog.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Gesellschaft“.

Neugierig trotz Vertrautheit

Die Liebe besteht zu drei Vierteln aus Neugier.
Giacomo Casanova

Dass Verliebtsein sehr viel mit Neugier und damit mit dem Interesse am noch nicht so vertrauten Gegenüber zu tun hat, ist nachvollziehbar. Vielleicht ist man sogar versucht zu sagen: Je kleiner die Vertrautheit, desto grösser die Neugier. Und häufig dann eben auch: Je mehr die Vertrautheit zunimmt, desto kleiner wird die Neugier.

Giacomo Casanova, venezianischer Schriftsteller aus dem 18. Jahrhundert, schreibt hier jedoch von der Liebe und nicht bloss vom Gefühl des Verliebtseins. Obwohl sein Lebenswandel darauf schliessen lässt, dass er wohl doch eher das Zweite meinte. Trotzdem: Es lohnt sich, darüber nachzudenken, ob auch in einer langjährigen Beziehung, in der hoffentlich eine grosse Vertrautheit herrscht, die Neugier tatsächlich drei Viertel der Liebe ausmacht.

Ob es wirklich 75 % sind, spielt nicht wirklich eine Rolle. Doch je länger ich über das Zitat nachdenke, umso mehr sehe ich darin effektiv eine sehr wertvolle Anregung für alle Liebespaare: Wenn ihr eure Liebe über die Phase des Verliebtseins retten wollt und auch nach zahlreichen Jahren des gemeinsamen Weges nicht einem Ehealltagstrott verfallen wollt, lohnt es sich, eine grosse Portion Neugier zu behalten.

Wie bleiben wir neugierig aufeinander?

Gerade vor paar Wochen war es wieder einmal soweit: Aus heiterem Himmel erzählt mir ein Bekannter, dass sich seine Frau von ihm getrennt hat. Nein, sie hätten keine grosse Krise gehabt, meinte er. „Da gab es schon schlechtere Zeiten in unserer Ehe.“ Aber scheinbar war in der Vertrautheit des Ehealltags etwas verloren gegangen und (ich mutmasse) die Neugier trieb die Frau in die Arme eines anderen.

Wie bleiben wir also füreinander interessant? Wie kann Neugier auch dann aufrechterhalten werden, wenn die Vertrautheit immer grösser wird?

  • Weiss ich wirklich schon alles von ihr/ihm?
    Kürzlich erzählte mir jemand, sie würden immer mal wieder Ferien an einer Kindheitsstation des Mannes machen. Gute Idee: Wo gibt es noch Spannendes aus der Kindheit meines Partners zu entdecken?
  • Interessant füreinander bleiben
    Die Vertrautheit der Familie führt manchmal auch dazu, dass wir uns ausswärts viel attraktiver geben, uns gerne von der besten „Schoggi“-Seite zeigen, während wir daheim nur noch unsere Schattenseite zeigen. Haben es unsere Liebsten und vor allem unser Partner nicht in besonderem Mass verdient, dass wir uns auch für sie anstrengen (uns schön machen, Herzlichkeit zeigen, mit kleinen Extras und Liebestaten überraschen…)?
  • Neues entdecken
    Bei unserem Timeout-Weekend für Paare unter dem Motto „Ich bin ich und du bist du“ kommt es jeweils zu spannenden Aha-Erlebnissen. Durch das Reflektieren des Persönlichkeitsstils von sich und vom Partner werden Neuentdeckungen gemacht und manche Ehealltagssituation erscheint in anderem Licht.
  • Gemeinsame Erlebnisse
    Vielleicht hilft es, wenn wir die (nicht mehr so stark vorhandene) Neugier nicht zu sehr nur auf den Partner fokussieren, sondern gemeinsam neugierig die Welt entdecken: Gemeinsame Unternehmungen, ungewohntes Essen in einem „neuen“ Restaurant, unbekannte Kulturen kennen lernen (auf Reisen, im Kino oder Theater). Ich bin mir fast sicher, dass so auch die Neugier auf den eigenen Partner wieder steigt.

Zudem ist es möglich und sehr empfehlenswert, die Neugier auch im Alltag zu kultivieren. Durch eine konstruktiv-aktive Kommunikation zeigen wir Interesse an dem, was der Partner durch den ganzen Tag hindurch erlebt. Das stärkt die Liebe.

 

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Mein Blogbeitrag dieser Woche dreht sich um den Lebensbereich “Liebe“.